
Beim Bundeskongress der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ trat auch Martin Reichardt auf. Der Mann ist Mitglied des Deutschen Bundestages und weiß offenbar, wie man sein Publikum anspricht:
„Vater Staat ist ein nach Dope stinkender fauler Asi, der sein Geld fürs Nichtstun bekommt, um regelmäßig die Internationale zu lallen“
[…]
Die Muttersprache sei ein „aufgedunsenes, intersektionales, feministisches Flittchen“ mit grünen und zersausten Haaren, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert“.
Und schließlich:
„Wir werden der verlotterten deutschen Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen!“
Das Auditorium jubelt. Was sonst?! Was ist von diesen Leuten und ihren Parteigängern anderes zu erwarten? Der Widerstand hat nicht ausgereicht. Hier und da ein bisschen Empörung über die Sprache oder andere „Kleinigkeiten“. Aber die Stimmenzuwächse in den Umfragen sagen uns: Die Zahl der Rassisten und Nazis in unserem Land liegt nicht mehr bei „nur“ ca. 20%, wie uns das über viele Jahrzehnte gesagt wurde.
Man könnte solche Sätze als die übliche Provokationsshow abtun. Ein bisschen pöbeln, ein bisschen Tabubruch, Hauptsache, der Saal kocht. Nur wäre das zu einfach. Denn interessant wird es dort, wo aus der sprachlichen Verachtung politische Vorstellungen werden.
20 Millionen weniger – kein Problem?
An gleicher Stelle spricht der Vorsitzende der Jugendorganisation von millionenfacher Remigration. Und wem das nicht konkret genug ist, für den gibt es sogar eine Größenordnung:
„Wir als AfD sagen ganz klar: Deutschland braucht keine 80 Millionen, es kann auch mit 60 Millionen leben“
Das sagt Dennis Hohloch, Mitglied des Bundesvorstandes der AfD.
60 Millionen. Also rund 20 Millionen weniger als heute. Natürlich ist damit noch nicht gesagt, welche 20 Millionen gemeint sind und wie ein solcher Bevölkerungsrückgang zustande kommen soll. Aber genau deshalb ist die Zahl bemerkenswert. Wer unmittelbar im Zusammenhang mit „millionenfacher Remigration“ eine solche Größenordnung nennt, darf sich nicht wundern, wenn jemand fragt: Wer soll gehen?
Und vor allem: nach welchen Kriterien?
Und — Was genau stimmte an der Correctiv-Recherche nicht so richtig?
Das sind keine nebensächlichen Fragen. Sie berühren den Kern dessen, was Deutschland nach seinem Grundgesetz ausmacht. Der Staat teilt seine Bürger nicht nach erwünschter und weniger erwünschter Herkunft ein. Ein deutscher Staatsbürger ist deutscher Staatsbürger. Ob seine Eltern aus Köln, Königsberg, Kayseri oder Kabul stammen, ändert daran nichts.
Und dann kommt die Liebe
Schließlich tritt Ulrich Siegmund auf, der bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident werden möchte. Er muntert die Anwesenden auf:
„Verliert nicht die Liebe zu unserem Vaterland!“
Ein schöner Satz eigentlich.
Nur klingt er nach dem zuvor Gesagten doch ein wenig anders, jedenfalls nicht nach Liebe.
Immerhin weiß man nach diesem Kongress etwas genauer, wie diese Vaterlandsliebe à la AfD zu verstehen ist. Sie gilt nicht voraussetzungslos allen Menschen, die zu diesem Land gehören. Der Satz an sich mag patriotisch klingen. Aber er ist zutiefst völkisch gemeint.
Wer gehört zu diesem Deutschland?
Hier stehen die Sätze eben nicht isoliert nebeneinander. Da wird gepöbelt und herabgewürdigt. Da ist von millionenfacher Remigration die Rede. Da wird ein Deutschland mit 60 statt 80 Millionen Einwohnern als völlig akzeptable Perspektive genannt. Und anschließend wird die Liebe zum Vaterland beschworen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Kongresses: Erst wird definiert, wer nicht richtig dazugehört. Danach redet man tatsächlich von Liebe. Die feinen Herren von der AfD haben eine ganz seltsame Vorstellung davon.
nicht lesbar 😉 im Dunkel Modus.
Was die sich heute zu sagen trauen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen 🤢