60 Millionen. Warum nicht 40? Oder 20? Dann brauchen wir noch weniger Wohnungen, Schulen, Kitas und Lehrer. Die Straßen werden leerer, die Wartezimmer auch, und irgendwann erledigt sich sogar der Fachkräftemangel – weil schlicht niemand mehr da ist, der Fachkräfte benötigt. Man muss diesen Gedanken nur konsequent zu Ende denken, um seine ganze Absurdität zu erkennen.
Das eigentlich Verstörende ist nicht einmal diese verrückte Zahl. Es ist die Vorstellung vom Staat, die dahinter hervortritt. Menschen erscheinen darin vor allem als Belastung: Sie brauchen Wohnungen, Schulen, Lehrer und Sozialpädagogen. Dass dieselben Menschen Häuser bauen, Kinder unterrichten, Alte pflegen, Unternehmen gründen, Steuern zahlen und dieses Land überhaupt am Laufen halten, fällt bei dieser merkwürdigen Bevölkerungsbuchhaltung unter den Tisch.
Und dann kommt die entscheidende Frage: Wer gehört zu diesen gewünschten 60 Millionen? Wer darf bleiben, wer ist in dieser Rechnung lästiger Überschuss? Spätestens wenn zwischen Deutschen und deutschen Staatsbürgern mit Migrationsgeschichte unterschieden wird, bekommt das Zahlenspiel einen ziemlich hässlichen Unterton. Dann reden wir nämlich nicht mehr über Demografie. Dann reden wir darüber, welche Menschen man für wirklich zugehörig hält.
Ein Volk ist keine geschlossene Gesellschaft mit begrenzter Mitgliederzahl – und Deutschland kein Heimatverein, dessen Vorstand darüber befindet, wer deutsch genug für die verbleibenden 60 Millionen ist.

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