
Eine Scheibe abschneiden
Außenminister Johann Wadephul war im August in der Ukraine und zeigte sich beeindruckt davon, wie die Menschen dort trotz Krieg, Luftangriffen und täglicher Bedrohung ihr Leben aufrechterhalten. Sie klagten nicht ständig über ihre Probleme, obwohl diese größer seien als unsere. Sein Satz in Richtung Heimat:
„Von dieser Einstellung können wir uns auch eine Scheibe vielleicht abschneiden für Deutschland und das auch mitnehmen.“
Kann man gönnerhaft finden. Vielleicht sogar etwas bemüht. Aber nun kommt Gereon Bollmann, AfD-Bundestagsabgeordneter und früher Richter am Oberlandesgericht, und erklärt diese Bemerkung zu einer „direkten Demütigung, wenn nicht gar Beleidigung des eigenen Volkes“.
Demütigung!
Wadephul hat weder die deutschen Probleme geleugnet noch sie mit einem Krieg gleichgesetzt. Er hat die Haltung von Menschen miteinander verglichen. Mehr nicht.
Bollmann hält dagegen, die Deutschen litten unter „propagandistischer Panikmache“ sowie den Folgen einer verfehlten Klima-, Energie-, Migrations- und Wirtschaftspolitik. Zur Untermauerung führt er ausgerechnet die gewaltigen Unterschiede der Wirtschaftsleistung Deutschlands und der Ukraine an.
Man muss diese Pointe eigentlich gar nicht mehr kommentieren.
Wie sich die Kommentare unter diesem bescheuerten Meinungsbeitrag (oder wie sollte man solche idiotischen Texte sonst nennen?) lesen, könnt ihr euch vorstellen. Es ist beängstigend, dass bei so vielen Menschen so leicht die Synapsen durchbrennen.
Wadephul sagt sinngemäß: Schaut euch diese Menschen an. Trotz ihrer ungleich schwierigeren Lage verzweifeln sie nicht, sondern machen weiter. Vielleicht könnten wir uns davon etwas abschauen.
Die Antwort aus der AfD lautet sinngemäß: Unverschämtheit! Uns geht es schließlich auch ganz furchtbar.
Zur Kenntnis genommen. Mit einigem Unverständnis.
Die kann man nicht wählen. Auf gar keinen Fall. Bitte wählt nicht diese Politbanausen.
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