Ein klei­nes Plug-in für mehr KI-Transparenz: Nicht ob KI, son­dern wofür

Die Diskussion dar­über, ob und wie Blogger den Einsatz von KI kenn­zeich­nen soll­ten, führt inzwi­schen zu aller­lei Vorschlägen. Eine /ai-Seite gehört dazu, neu­er­dings auch die hüb­sche Idee „hand­ge­dacht“. Andere wür­den am liebs­ten jeden Text mit einem Etikett ver­se­hen. Möglicherweise sogar die­se Texte gleich für bestimm­te Leserkreise sper­ren. Gut, ich über­trei­be da viel­leicht. Aber die Leidenschaft, mit der die­ses Thema rauf und run­ter dis­ku­tiert wird, lässt in die­ser Hinsicht nicht viel Gutes erwar­ten. Mich über­zeugt die­ses Entweder-oder immer weni­ger. Denn zwi­schen „selbst geschrie­ben“ und „von einer KI erzeugt“ liegt mitt­ler­wei­le ein ziem­lich gro­ßes Feld.

Ich benut­ze KI bei­spiels­wei­se für Recherchen, zum Gegenlesen, für sprach­li­che Überarbeitungen oder zur Diskussion über einen Text. Bilder las­se ich eben­falls mit KI erstel­len – fast grund­sätz­lich. Das alles unter die­sel­be Überschrift „KI-gene­riert“ zu packen, wäre nicht beson­ders infor­ma­tiv. Umgekehrt wäre „hand­ge­macht“ oder „hand­ge­dacht“ eben­so wenig ein­deu­tig. Natürlich sind mei­ne Gedanken mei­ne. Trotzdem kann an ihrer Ausarbeitung ein Werkzeug betei­ligt gewe­sen sein, das weit mehr kann als die Rechtschreibprüfung von Word.

Deshalb haben ChatGPT und ich ein klei­nes WordPress-Plug-in gebaut. Es soll nicht ent­schei­den, was noch mensch­lich und was schon künst­lich ist. Es soll schlicht beschrei­ben, wofür KI bei einem kon­kre­ten Beitrag ein­ge­setzt wur­de.

Einige Links zum Thema

Hier sind hoch­ak­tu­el­le Beiträge aus der deutsch­spra­chi­gen Blog- und Fachszene, die sich inten­siv mit der Kennzeichnung von KI-Inhalten und den Vorgaben nach Artikel 50 des EU AI Acts auseinandersetzen:

Keine Beichte, son­dern eine Entstehungsnotiz

Das Plug-in heißt vor­läu­fig „HS KI-Transparenz“. Beim Schreiben eines Beitrags erscheint im WordPress-Editor eine zusätz­li­che Box „KI-Unterstützung“. Dort kann ich aus­wäh­len, ob KI bei die­sem Artikel für Recherche, Lektorat und Korrektur, Struktur und Textbearbeitung, Textgenerierung oder Bildgenerierung ver­wen­det wurde.

Mehrere Angaben kön­nen gleich­zei­tig gewählt wer­den. Habe ich bei­spiels­wei­se selbst geschrie­ben, mit ChatGPT eini­ge Sachfragen recher­chiert und anschlie­ßend ein Titelbild gene­rie­ren las­sen, mar­kie­re ich „Recherche“ und „Bildgenerierung“.

Daraus erzeugt das Plugin am Ende des Beitrags eine klei­ne Entstehungsnotiz:

Entstehung: KI-gestütz­te Recherche · KI-gene­rier­tes Bild · Mein Umgang mit KI

Der letz­te Teil führt zu mei­ner aus­führ­li­che­ren Erklärung:

Dort beschrei­be ich grund­sätz­lich, wie ich KI beim Bloggen ein­set­ze. Die Seite und die Angaben am ein­zel­nen Artikel erfül­len also unter­schied­li­che Aufgaben. Auf der einen steht mei­ne Haltung, am Artikel steht, was kon­kret gemacht wurde.

Keine Angabe ist auch eine Möglichkeit

Wichtig war mir, dass das Plug-in nicht auto­ma­tisch behaup­tet, ein Artikel sei „KI-frei“. Wenn ich im Editor nichts aus­wäh­le, pas­siert des­halb auch nichts. Es erscheint kei­ne Entstehungsnotiz und im Quelltext wird eben­falls kei­ne ent­spre­chen­de Information hinterlegt.

Das hal­te ich für ehr­li­cher als ein Siegel „ohne KI“. Wer kann heu­te schon mit letz­ter Sicherheit sagen, dass bei der Entstehung eines digi­ta­len Inhalts an kei­ner Stelle irgend­ei­ne KI betei­ligt war? Selbst Programme und Dienste, die wir seit Jahren benut­zen, inte­grie­ren sol­che Funktionen inzwi­schen bei­na­he nebenbei.

Ich möch­te des­halb nur Aussagen dar­über tref­fen, was ich weiß und selbst beein­flus­sen kann.

Menschenlesbar und maschinenlesbar

Die zwei­te Funktion des Plug-ins sieht der nor­ma­le Leser über­haupt nicht. Die aus­ge­wähl­ten Angaben wer­den zusätz­lich im HTML-Code des jewei­li­gen Artikels hin­ter­legt. Ein Beitrag könn­te bei­spiels­wei­se die Information enthalten:

<meta name="ai:usage" content="research, image">

Damit wäre die Angabe maschi­nen­les­bar. Ein Feedreader, Aggregator oder eine Browser-Erweiterung könn­te sie theo­re­tisch auswerten.

Allerdings ist ai:usage der­zeit kein eta­blier­ter Webstandard. Deshalb spei­chert das Plug-in mei­ne Angaben unab­hän­gig von die­sem Meta-Tag in WordPress. Sollte sich spä­ter ein offi­zi­el­ler Standard durch­set­zen, muss ledig­lich die HTML-Ausgabe des Plug-ins geän­dert wer­den. Die zuvor bei den Artikeln gespei­cher­ten Informationen blei­ben erhalten.

Das ist mir wich­ti­ger, als jetzt einen selbst erfun­de­nen Standard für die Ewigkeit festzuklopfen.

Google inter­es­siert das nicht

Auch hin­sicht­lich Google soll­te dar­aus kein Problem ent­ste­hen. Suchmaschinen ken­nen ohne­hin eine Vielzahl von Meta-Angaben und igno­rie­ren sol­che, mit denen sie nichts anfan­gen kön­nen. Der zusätz­li­che Eintrag ist weder ein Ranking-Signal noch eine Aufforderung, einen Beitrag anders zu behandeln.

Entscheidend bleibt für Google die Qualität eines Inhalts und nicht, ob ich mir beim Schreiben von ChatGPT die Kommas kon­trol­lie­ren oder bei einer Recherche hel­fen las­se. Problematisch sind mas­sen­haft auto­ma­tisch pro­du­zier­te Inhalte, die vor allem dazu die­nen, Suchmaschinen zu mani­pu­lie­ren. Das ist eine voll­kom­men ande­re Baustelle.

Der tech­ni­sche Aufwand des Plug-ins ist eben­falls ver­schwin­dend gering. Ein klei­ner Datensatz beim Beitrag, eine Zeile im HTML-Kopf und gege­be­nen­falls die Entstehungsnotiz unter dem Artikel dürf­ten selbst bei lei­den­schaft­li­cher Performance-Messerei kaum für erhöh­ten Puls sorgen.

Mich inter­es­siert das Wie

Vielleicht gefällt mir die­se Lösung des­halb bes­ser als man­che Vorschläge aus der gegen­wär­ti­gen Diskussion. Mich inter­es­siert nicht beson­ders, ob irgend­wo „KI drin“ ist. Mich inter­es­siert, was sie getan hat.

Zwischen einer Rechtschreibkorrektur, einer gemein­sa­men Recherche und einem kom­plett gene­rier­ten Artikel bestehen erheb­li­che Unterschiede. Eine Kennzeichnung, die das alles in einen Topf wirft, erzeugt zwar Transparenztheater, aber nicht unbe­dingt Transparenz.

Das Plug-in ist des­halb auch kein Gütesiegel. Es sagt weder „Dieser Text ist garan­tiert mensch­lich“ noch „Vorsicht, hier war eine Maschine am Werk“. Es lie­fert ledig­lich eine klei­ne Information über sei­ne Entstehung.

Vielleicht ist das am Ende die ver­nünf­ti­ge­re Form der Kennzeichnung: kei­ne Warnhinweise, kei­ne Reinheitsgebote und kei­ne Glaubensbekenntnisse. Einfach sagen, wel­ches Werkzeug wel­chen Anteil an der Arbeit hatte.

Und wenn sich mei­ne Arbeitsweise ver­än­dert, ände­re ich eben die Häkchen.

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  1. Toller Artikel und gute, anwend­ba­re Ideen, sogar mit Tool!

    Ich ver­ste­he die „Leidenschaft” nicht, mit der die­ses Thema ver­han­delt wird. Das liegt womög­lich dar­and, dass mir Beispiele feh­len, die die­se Emotionalität begrün­den. Ich tref­fe nicht auf Blogposts, die deut­lich „KI-gene­riert” wir­ken (falls du wel­che kennst, ger­ne per Mail mit­tei­len, damit ich mal sowas sehe). Bei eini­gen weni­gen, jetzt schon älte­ren Artikeln von Dir habe ich zwar gedacht: da hat er KI bemüht – aber was mich stör­te, war nicht DAS, son­dern dass die Artikel so lang und mit vie­len Sachinfos ver­se­hen waren, dass sie eher „wie nor­ma­le Medienartikel” (sogar bes­ser) wirk­ten, nicht wie „per­sön­li­ches Blog”. 

    Mein Fokus liegt der­zeit auch mehr auf Youtube-Videos, wo unglaub­lich vie­le Videos vor­kom­men, die „ganz oder teil­wei­se mit KI gene­riert” sind. Das sagt wenig über die Qualität aus, vie­le sind fürch­ter­lich, man­che aber auch rich­tig gut. Richtig gut, weil sie einen „Stand des Wissens” ver­mit­teln, der sehr kor­rekt ist – und ohne KI kaum von einer Einzelperson so gut in ein Video umge­setzt hät­te wer­den können.

  2. Der Vorschlag ist zwar nett gemeint, aber ich wer­de auf mei­nem Blog trotz­dem kei­ne Kennzeichnung ein­füh­ren. Ich sehe nach wie vor nicht ein, war­um ich das tun soll­te. Für pri­va­te Blogs besteht kei­ne Kennzeichnungspflicht.

  3. Finde die Kennzeichnung von KI Blogbeiträgen nicht ziel­füh­rend. Spielt das gan­ze mal ein paar Jahre wei­ter, wel­chen Blog wird es dann über­haupt noch geben, der nicht mit KI-Unterstützung arbeitet?

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