KI, Kapitalmärkte und die Angst vor der Zukunft

Ein Gespräch über KI entpuppt sich als Spiegel unserer Verunsicherung: große Worte, wackelige Thesen und ein Blick auf die wahren Umbrüche. Drei zentrale Behauptungen wirken überzogen – und verdecken, wie komplex der Wandel wirklich ist.

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ki wirtschaft analyse
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Manchmal fühlt sich ein Gespräch über künstliche Intelligenz an wie ein Spaziergang entlang eines Flusses, dessen Wasser schneller strömt, als man laufen kann. Zwei Menschen reden, und während die Sätze noch in der Luft hängen, hat die Zukunft längst wieder eine erneute Kurve genommen. Genau so wirkte der Dialog zwischen Beck und seinem Gastgeber, Herrn Prof. Dr. Rieck: eine Mischung aus Weitblick, warnenden Gesten und gelegentlicher Hybris, wie sie in Zeiten technischer Umbrüche eben dazugehört.

Und doch blieben manche Aussagen erstaunlich wacklig, gerade dort, wo die Entschlossenheit am größten klang. Das Beharren darauf, KI werde die großen Digitalkonzerne entwerten, wirke wie der Versuch, einen Berggipfel mit einer Taschenlampe einzuschätzen. Ja, KI schreibt Code, produziert Texte, automatisiert Abläufe. Aber Plattformen verschwinden nicht einfach, nur weil die Werkzeuge effizienter geworden sind. Google, Microsoft, Amazon – sie haben die Daten, die Infrastruktur, die Milliarden. Tech-Konzerne sterben nicht an Innovation, sondern an Selbstzufriedenheit. Und selbst davon sind sie aktuell weit entfernt.

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»Gestern musste man bei Google gut positioniert sein. Heute reicht das nicht mehr aus; man muss von KI in ihren Antworten zitiert werden«, schrieb Antoine Gurwitch, Gründer von Ad’s up Consulting, auf LinkedIn. Die generativen künstlichen Intelligenzen (KI), die von Unternehmen oder Assistenten wie ChatGPT, Gemini, Perplexity, Claude oder Le Chat verwendet werden, »synthetisieren, selektieren, priorisieren und schaffen einen neuen Filter zwischen Ihren Inhalten … und Ihren Kunden«, warnte der Leiter dieser Beratungsfirma für digitale Performance.
Quelle, Le Monde

Auch die Behauptung, die Suche werde durch ChatGPT obsolet, trägt die Handschrift jener gedanklichen Abkürzungen, die sich so leicht sprechen, aber so schwer verteidigen lassen. Ein Sprachmodell ersetzt kein Indexuniversum. Die Suche wird sich wandeln, dialogischer werden, vielleicht persönlicher. Aber sie bleibt ein Grundpfeiler der digitalen Welt – gerade dann, wenn Halluzinationen nicht länger charmante Fehltritte, sondern gefährliche Verzerrungen sind.

Und dann diese Idee, der Wert wandere zurück in die Hardware. Ein schönes Bild, fast romantisch, als kehre man vom flackernden Bildschirm wieder in die Werkstatt zurück. Doch wer einmal versucht hat, ein KI-Modell ohne Dataset, ohne API-Ökonomie, ohne Plattformzugang zu betreiben, weiß: Die eigentliche Macht liegt weiterhin im Unsichtbaren – in Datenströmen, nicht im Stahl.

Dennoch zeigt das Gespräch, wie tief der Riss verläuft, der durch unsere Wirtschaftslandschaft und unsere Gesellschaft geht. Die Angst vor Entwertung, vor Kontrollverlust, vor einer digitalen Überlagerung des Realen schwingt in fast jedem Teil der Diskussion mit. Und gleichzeitig eine Art Fluch der Bequemlichkeit: Wir sprechen über KI, als sei sie eine Naturgewalt und nicht ein Werkzeug, das wir gestalten könnten. Und währenddessen laufen wir sehenden Auges in den Abgrund aus Regulierungsschichten, Energiekosten, Abwanderung und einem Arbeitsmarkt, der sich mehr nach Bürokratie als nach Produktivität sehnt.

Vielleicht ist die wichtigste Einsicht aus diesem Gespräch nicht, wie KI die Wirtschaft verändert, sondern wie schwer es uns fällt, gleichzeitig präzise und gelassen über diese Veränderungen nachzudenken. Zu schnell landen wir in Schwarz-Weiß-Mustern: totale Entwertung oder totale Erneuerung, Untergang oder Erlösung. Doch die Zukunft – das zeigt dieser Dialog fast zurückhaltend – ist selten so drastisch. Sie ist eine Verhandlung, ein Kräftefeld, ein fortlaufendes Gespräch.

Und vielleicht ist der klügste Satz des Videos der, der weniger Beachtung fand: Dass wir uns breiter aufstellen müssen. Nicht nur finanziell, sondern intellektuell, gesellschaftlich, politisch. Wer die Zukunft nicht kennt, muss streuen, seinen Horizont öffnen – in jeder Hinsicht. Und vielleicht ist genau das die Moral dieses Gesprächs über KI, Kapitalmärkte und die Attraktivität, der Reiz der Technik: Wir befinden uns alle in einem Boot, und keiner weiß so ganz genau, wohin es geht.

Text KI - Beistand

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