Mit zweierlei Maß? Die Debatte um linke und rechte Satire

In den vergangenen Jahren wird in Deutschland immer wieder darüber heftig gestritten: Was darf Satire? Und vor allem: Wer darf im öffentlich-rechtlichen Fernsehen etwas Satirisches sagen? Mit Tucholskys Maxime stehen diese Diskussion längst nicht mehr im Einklang. Parteilichkeit herrscht und Unversöhnlichkeit.

Besonders deutlich wird dieser Streit, wenn man sich ansieht, wie mit verschiedenen Künstlern vorwiegend auf Seiten des politisch linken Spektrums umgegangen wird.

Kurt Tucholsky
doppelter massstab satire im fernsehen

Einerseits sehen sich Comedians und Kabarettisten wie Dieter Nuhr oder Uwe Steimle (Sorry, dass ich beide in einem Satz erwähne!) oder Monika Gruber und Lisa Eckart, die oft für ihre konservativen oder regierungskritischen Ansichten einer unfairen, überbordenden Kritik ausgesetzt. Andererseits sorgte erst kürzlich der Rapper Danger Dan für Aufsehen, dessen Lied „Keine Angst“ vom ZDF kurzfristig ausgeladen wurde. Wie dieser Vorgang (auch von den selbstherrlichen Machern »Der Anstalt«) diskutiert wurde, in dieser für Linke typisch einseitigen, selbstgerechten Art und Weise, lässt mir die Galle hochkommen, selbst wenn ich die Nachhut der Gefechte (die sich in leicht milderer Form darstellt) verfolge.

Vermutlich stellen sich viele Menschen die Frage: Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Und warum wird bei linker und rechter Satire so unterschiedlich hingeschaut?

Die zwei Seiten der Medaille: Kunst oder politische Provokation?
Um den Streit zu verstehen, sollte man sich ansehen, worin sich die Fälle unterscheiden:

  • Rechte und konservative Pointen (z. B. Dieter Nuhr, Uwe Steimle): Hier geht es meist um Themen wie Klimapolitik, Migration oder die Arbeit der Medien selbst. Die Kritik lautet oft, dass hier populistische Thesen verbreitet oder Minderheiten herabgewürdigt werden. Sender wie der MDR trennten sich in der Vergangenheit von Künstlern wie Uwe Steimle, weil sie die Grenze zur Verschwörungserzählung überschritten sahen. Bei Dieter Nuhr wird oft debattiert, ob seine pointierten Ansichten noch von der Meinungsfreiheit gedeckt sind oder bereits einseitige Stimmungsmache darstellen.
  • Linker Aktivismus und Rap: In seinem Lied ruft der Rapper Danger Dan dazu auf, sich gegen Faschismus zu wehren – allerdings mit sehr harten Worten und der Aufforderung, Dinge wie das Aufspüren von Nazis selbst in die Hand zu nehmen. Das ZDF zog kurz vor der Ausstrahlung die Notbremse, weil der Sender befürchtete, das Lied könnte als Aufruf zu Gewalt oder Selbstjustiz verstanden werden und damit gegen die eigenen Regeln verstoßen.

Es sind die doppelten Standards, die nur noch nerven!


Ich dachte, Linke seien von Haus aus toleranter als Rechte. Das Gegenteil ist richtig. Jedenfalls höre ich rechte Kritik, die so weit geht wie es Linke tun, eher selten Vielleicht habe ich dahingehend eine gestörte Wahrnehmung, weil ich die Resonanz von rechter Seite aufgrund des ja eher linksdominierten Mastodon-Accounts (ich nutze keine weiteren sozialen Medien) gar nicht zu hören bekomme.

  1. Die Kritik von rechts und der politischen Mitte: Viele werfen den öffentlich-rechtlichen Sendern vor, auf dem linken Auge blind zu sein. Sie argumentieren: Wenn ein bekannter linker Rapper unverhohlen zu drastischen Schritten gegen politische Gegner aufruft, wird lange diskutiert – und manche finden es sogar richtig (und nötig!), ihm eine Bühne zu geben. Würde ein rechter Musiker in einer Sendung ähnlich radikale Töne gegen das politische System oder den linken Rand anschlagen, wäre die Empörung sofort riesig und ein Auftritt undenkbar. Kritiker sehen darin einen Beleg dafür, dass linke Grenzüberschreitungen eher toleriert werden als rechte.
  2. Die Sorge vor dem Verlassen des Rechtsstaates: Allerdings argumentieren die Verantwortlichen beim Fernsehen, dass es eine klare Grenze gibt: Sobald Kunst in den Bereich von möglicher Selbstjustiz oder Gewaltaufrufen geht, müsse ein Sender die Notbremse ziehen. Das hat dann laut den Sendern nichts mehr mit politischer Zensur zu tun, sondern schlicht mit redaktioneller Verantwortung und dem Schutz von Gesetzen und Menschenwürde.

Ein schmaler Grat für die Medien


Bei mir hat sich die Gewissheit etabliert, dass »Urteile« immer stärker nach unterschiedlichen Maßstäben erfolgen. Ob ein Beitrag als Satire oder als (für wen auch immer!) gefährlicher Aufruf eingestuft wird, hängt davon ab, ob im Beitrag linke oder rechte Positionen vertreten werden. Die Rechten verlieren aus meiner Sicht fast IMMER! Schaue ich mir die Resonanz in den Blogs an, die ich lese und in denen ich mich orientiere, komme ich zu diesem klaren Urteil. Mein Eindruck: Links-Grün darf viel mehr Unsinn erzählen als Rechts. Auch dann, wenn es um Satire geht. Rechte stehen ewig unter Generalverdacht, unanständige Absichten zu verfolgen und die intellektuelle linke Meinungsführerschaft im Land scheint trotz der hohen Umfragewerte für die rechtsextreme AfD immer noch alles zu beherrschen. Das ist verrückt. Am Ende liegst auch nur daran, dass ich mich in der falschen Blase bewege.

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