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Die Tagesschau berichtete über die sogenannten Enhanced Games. Schon der Name klingt wie aus der Werbeabteilung eines Silicon-Valley-Konzerns: verbessert, gesteigert, optimiert. Als sei der Mensch ein Gerät, bei dem man nur noch ein Update einspielen muss.
Tatsächlich geht es um einen Sportwettbewerb, bei dem Doping nicht heimlich geschieht, sondern Teil des aus meiner Sicht abartigen und menschenunwürdigen Geschäftsmodells ist. Wie so manches, was die Herren aus dem Silicon Valley und ihre Unterstützer in diese Welt bringen.
In Las Vegas traten 42 Athletinnen und Athleten in Schwimmen, Gewichtheben und Leichtathletik an. Sie hatten im Vorfeld Zugang zu leistungssteigernden Mitteln, angeblich unter ärztlicher Aufsicht. Einige verbesserten persönliche Bestleistungen, aber der große sportliche Urknall blieb aus. Eine Weltrekordzeit wurde übertroffen – und selbst die wird (selbstverständlich!) von den etablierten Verbänden nicht anerkannt.
Hinter dem Spektakel stehen unter anderem die deutschen Unternehmer Christian Angermayer und Maximilian Martin. Medienberichten zufolge zählen auch Peter Thiel und Donald Trump Jr. zu den Geldgebern. Das passt leider ziemlich gut in diese Zeit: Wo Milliardäre, politische Lautsprecher und der alte Traum vom „neuen Menschen“ zusammenkommen, ist der Weg zum Zirkus nicht weit.
Der Mensch als Geschäftsmodell
Natürlich wird das Ganze als Fortschritt verkauft. Als Befreiung der Athleten. Als ehrlicher Umgang mit dem, was im Spitzensport ohnehin passiere. Man kennt diese Masche: Erst wird ein Tabu eingerissen, dann nennt man es Transparenz.
Aber was wird hier wirklich befreit? Der Körper? Oder doch eher der Markt?
Die Enhanced Games sind keine harmlose Provokation. Sie machen aus Sportlern Versuchskörper mit Startnummer. Wer gewinnt, gewinnt nicht nur wegen Talent, Training, Disziplin und Nervenstärke. Er gewinnt auch wegen chemischer Aufrüstung, medizinischer Grenzverschiebung und finanzieller Verlockung. Das ist nicht die Zukunft des Sports. Das ist seine Kapitulation vor dem Labor.
Und ja, der normale Spitzensport ist nicht unschuldig. Ich sage nur Infantino oder die IOC-Präsidenten vergangener Zeiten. Auch dort gibt es Betrug, Vertuschung, Druck, kaputte Körper, Funktionäre mit zu viel Macht und Athleten mit zu wenig Schutz. Aber die Antwort auf ein beschädigtes System kann doch nicht sein, den Schaden zum Prinzip zu erklären.
Die falsche Ehrlichkeit
Die Befürworter dieser Spiele sagen: Wenigstens sei alles offen. Kein Versteckspiel, keine Heuchelei. Das klingt zunächst fast verführerisch. Ist das ehrlich oder zynisch? Für mich ist es Zynismus in höchster Potenz!
Nur ist nicht jede Offenheit, alle gegebenen Möglichkeiten auszunutzen, automatisch moralischer Fortschritt. Hier ist es das Gegenteil. Wenn Doping erlaubt wird, verschwindet der Druck nicht. Er wird nur ehrlicher, noch brutaler und auch marktfähiger. Das heißt, es findet sich Zuspruch und sogar Leute, die sich an diesen Gladiatorenkämpfen erbauen.
Denn was passiert mit jungen Sportlern, die zuschauen? Was lernen sie daraus? Dass Leistung nicht mehr genügt. Dass der Körper ein Projekt ist. Dass Grenzen nicht respektiert, sondern monetarisiert werden müssen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte das Konzept bereits als gefährlich und unverantwortlich kritisiert. Auch andere Anti-Doping-Stimmen sprechen von einem Spektakel, das mit fairem Sport wenig zu tun hat.
Trump-Sohn, Thiel und der neue Gladiator
Dass ausgerechnet Leute wie Donald Trump Jr. und Peter Thiel in diesem Umfeld auftauchen, überrascht kaum. Es ist diese Mischung aus Macht, Geld, Provokation und Verachtung für gewachsene Regeln. Alles soll disruptiv sein. Alles soll größer, härter, lauter werden. Selbst der menschliche Körper wird zur Bühne für Investorenfantasien.
Früher standen Gladiatoren in der Arena, heute stehen Athleten im Scheinwerferlicht von Las Vegas. Damals jubelte das Publikum, heute klicken Kameras, Investoren rechnen und Influencer erklären uns, das sei die Zukunft. Wundern sollten wir uns über die Entwicklung allerdings nicht. Schließlich deutete sich lange an, was nun von Menschen wie sie im Umfeld des US-Präsidenten zu finden sind, zur Normalität avancieren soll.
Zukunft, das sollte man Herr Trump oder Herrn Thiel deutlich sagen, ist nicht automatisch gut, nur weil Regeln gebrochen werden, sie glänzt oder weil die, die an den großen Rädern drehen, meinen, dass dies so sei.
Man muss niemanden beschimpfen, um diesen Zynismus zu erkennen. Es reicht, genau hinzusehen. Hier wird nicht der Sport verbessert. Hier wird die Hemmschwelle gesenkt. Und am Ende stehen nicht Supermenschen, sondern Menschen, deren Körper zum Material einer Show gemacht werden.
Kein Fortschritt, sondern Rückfall
Die Enhanced Games zeigen nicht, wie mutig die Moderne ist. Sie zeigen, wie alt manche Versuchungen sind. Der Wunsch, Menschen zu optimieren. Der Wunsch, Regeln wegzuwischen. Der Wunsch, aus Risiko Rendite zu machen.
Sport war nie rein. Aber er lebt von einer Idee: dass Leistung vergleichbar bleibt, dass Fairness wenigstens angestrebt wird, dass der Körper nicht beliebig verfügbar ist. Wer diese Idee aufgibt, bekommt vielleicht ein paar spektakuläre Sekunden auf der Anzeigetafel. Aber er verliert etwas Größeres.
Die Nachricht des Tages wäre: Nicht die Athleten sind verbessert worden. Verbessert wurde nur das Geschäftsmodell derer, die an ihnen verdienen wollen.