Politisch motivierte Kriminalität in Berlin – und im Bund: Zwischen Zahlen und Wahrnehmungen

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von Horst Schulte

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politische kriminalitaet vergleich berlin deutschland
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Die Berliner Polizei hat im ersten Halbjahr 2025 weniger rechtsextreme Straftaten registriert als im Vorjahreszeitraum. Doch der Rückgang täuscht: Der Anteil rechter Delikte bleibt hoch – und die Gewalt nimmt zu. Zugleich steigen die Taten von Linksextremen und Islamisten, während Fälle sogenannter „ausländischer Ideologien“ stark zurückgehen.

Eine nüchterne Statistik also – aber keine einfache Geschichte.

Die Berliner Zahlen im Überblick

DeliktartRechtsextremismusLinksextremismusIslamistisch / fundamentalistischAusländische Ideologien
Gesamtfälle1.200497207694
Propagandadelikte721139254
Beleidigung / Üble Nachrede157
Volksverhetzung12371
Sachbeschädigung25236190
Gewalttaten6114267
Terrorismusverdacht8
Antisemitische Taten (Teilbereich)99ca. 500

Quelle: Berliner Innenverwaltung, 1. Halbjahr 2025

Was sagen die Zahlen – und was sagen sie nicht?

Zahlen erzählen selten die ganze Wahrheit. Sie markieren Tendenzen, auf die Gesellschaft vielleicht reagieren sollte. Die Statistik für Berlin zeigt: rechte Straftaten sind rückläufig, linke und islamistische nehmen zu. Dabei fließen Millionen in Programme wie „Demokratie leben“, in Workshops gegen Rechts, in Kampagnen, die die Zivilgesellschaft stärken sollen. Niemand will bestreiten, dass der Rechtsextremismus ein ernstes Problem bleibt. Doch wo bleibt das Gleichgewicht, wenn es um die Betrachtung der Wirklichkeit geht? Ist die Situation in Berlin tatsächlich so ganz anders als im übrigen Bundesgebiet? Nun die vielen von Rechten verübten Delikte setzen sich mutmaßlich aus ähnlichen Deliktarten zusammen wie diejenigen, die in Berlin erfasst wurden. Nur zum Ausdruck werden diese auf Bundesebene nicht.

Halbjahresstatistik: Gewalt von links und rechts nimmt zu | DIE ZEIT

Die andere Seite der Gewalt

Vor ein paar Tagen legten linksextreme Täter (die sich auf den entsprechenden Websites damit rühmten) die Autos von AfD-Politikern in Berlin in Brand – unter anderem das Fahrzeug des Bundestagsabgeordneten Bernd Baumann (Erster parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Bundestag). Brandanschläge, Vandalismus, gezielte Einschüchterung: Auch das ist politisch motivierte Kriminalität, auch das ist Angriff auf Demokratie. Wie passt es zusammen, dass dieselben politischen Lager, die unermüdlich vor rechter Gefahr warnen, kaum über solche Taten von Linksextremen sprechen?

Ist es nur blinder Fleck – oder stilles Wegsehen?

Ein Blick auf das Bundesgebiet

Wer über die Hauptstadt hinausblickt, erkennt ein ähnliches, aber weniger fein aufgeschlüsseltes Bild. Laut Bundeskriminalamt und Innenministerium wurden 2024 bundesweit 84.172 politisch motivierte Straftaten registriert (ein trauriger Rekord) – ein Anstieg von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte davon stammt aus dem rechtsextremen Spektrum, während die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten insgesamt um gut 15 Prozent zunahm.

Bei den Gewaltdelikten zeigt sich:

  • Rechts: 1488 Gewalttaten im Jahr 2024 (Vorjahr 1.270)
  • Links: 762 Gewalttaten im Jahr 2024 (Vorjahr 916)

Die Differenz ist deutlich. Die rechte Gewalt bleibt zahlenmäßig höher und nimmt zudem spürbar zu. Bei linken Gewalttaten ist das Gegenteil der Fall. Erklärt das, weshalb linke Gewalttaten ohne größeren öffentlichen Nachhall bleiben?

Die Datentiefe ist unterschiedlich: Während rechte Propagandadelikte (Schmierereien, Parolen, Volksverhetzung) so gesehen minutiös erfasst werden, sind linke Taten oft in Sammelkategorien gebündelt. Ob das an der Erfassungsmethodik liegt oder am politischen Fokus – darüber könnte gestritten werden. Mich wundert, wie differenziert die Daten aus Berlin im Vergleich sind, und zwar deshalb, weil man dieser Regierung eine gewisse politische Präferenz nicht unbedingt unterstellen kann.

Ein Ungleichgewicht?

Vielleicht liegt die Schieflage weniger in den Zahlen als in der Erzählung. „Rechts gefährdet die Demokratie“ – das hören wir täglich. Aber wenn Linksextreme sich mit Islamisten »verbrüdern«, Autos anzünden oder Journalisten attackieren, bleibt der Aufschrei leiser. Man fragt sich: Wird Demokratie wirklich «gelebt», wenn Gewalt nach dem politischen Absender bewertet wird? Sind Programme, Fördergelder und Kampagnen gerecht verteilt?

Oder hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung längst ein Ungleichgewicht eingenistet, das uns blind macht für die Vielfalt der Bedrohungen? Eine offene Frage – und vielleicht die unbequemste von allen.

Nachklang

Berlin bleibt ein Spiegel. Einer, der uns nicht gefallen kann. Die Zahlen zeigen Extreme, aber auch Muster: Polarisierung frisst Vernunft, Empörung ersetzt Gespräch. Vielleicht beginnt Demokratie genau da – wo wir aufhören, nur in eine Richtung zu schauen? Sky du Mont (79) sagte gestern sinngemäß etwas, das bei mir hängengeblieben ist: »Wer die Toleranz verliert, büßt auch ein Stück Freiheit ein«. Ich glaube, da ist was dran. Dass ich hier nicht um Toleranz gegenüber Tätern von rechts oder links oder anderen Ecken bitte, ist hoffentlich klar.

Quellen


Horst Schulte

Herausgeber, Blogger, Amateurfotograf

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe auf dem Land.

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