Polizeiruf 110: Zwischen Reptiloiden und Realität – Kritik am Magdeburger Fall

Der „Polizeiruf 110: Sie sind unter uns“ wagt ein Spiel mit Verschwörungstheorien, stolpert aber über ein unglaubwürdiges Reptiloiden-Motiv. Kritiker sehen verpasste Chancen, gerade angesichts real verbreiteter Mythen wie dem „Bevölkerungsaustausch“.

Gesellschaft, Medien

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Während ich mich fragte, ob ein solcher Plot in diesen Zeiten überhaupt gezeigt werden sollte (Nachahmer), machen sich Kritiker über ganz andere Details Gedanken. Es geht um den Polizeiruf 110 von gestern Abend.

Kritik in Kino.de


Der Autor kritisiert den »Polizeiruf 110« wegen eines unlogischen Drehbuchs, eines lächerlich wirkenden Verschwörungsnarrativs und verpasster Chancen: Statt eines kraftvollen Weckrufs bleibt nur ein solider, aber widersprüchlicher Krimi.

Den Krimi fand ich spannend, obwohl man sich alternativ aus einem großen Pool von Verschwörungstheorien andere hätte herauspicken können.

Etwa den, den die AfD ganz offiziell bevorzugt. Der Bevölkerungsaustausch könnte auf sensible Personen, wie sie AfD-Wähler und Parteimitläufer nun einmal sind, aber auch alle anderen im Sinne eines plausiblen Motivs besser ankommen, als das gewählte Ding mit den Reptiloiden.

Tatsächlich gibt es weltweit eine Art »Rangliste« von Verschwörungstheorien nach ihrer Verbreitung:

1. Hochverbreitet und politisch wirksam

  • QAnon (USA, zunehmend auch Europa)
  • Neue Weltordnung / Great Reset
  • Antisemitische Mythen (Soros, Rothschild, »Weltjudentum«)
  • Corona-Mythen & Impfgegner-Ideologien
  • Bevölkerungsaustausch (in Deutschland, Österreich, Frankreich sehr präsent, international als »Great Replacement« bekannt)

2. Mittelstark verbreitet

  • 9/11-Inside-Job
  • Deep State
  • Chemtrails
  • 5G-Ängste
  • Mondlandungsleugnung

3. Nischen, aber zählebig

  • Flat Earth
  • Reptiloiden
  • JFK-Attentat

Damit wird klar: Der »Bevölkerungsaustausch« ist keineswegs nur ein deutsches Phänomen, sondern in mehreren europäischen Ländern verbreitet – international firmiert er unter dem Begriff »Great Replacement« und spielt besonders in rechten und rechtsextremen Milieus (auch für die AfD in Deutschland übrigens) eine zentrale Rolle.


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2 Gedanken zu „Polizeiruf 110: Zwischen Reptiloiden und Realität – Kritik am Magdeburger Fall“

  1. Hallo Horst, ich habe heute Abend den Polizeiruf gesehen und ich fand ihn klasse, er hat mich aber dennoch ratlos zurückgelassen. Eine dermaßen verquere Gendankenwelt, wie der Protagonist sie hatte, macht mich einfach sprachlos. Wenn ich bedenke, dass es sicher durchaus viele Menschen gibt, die solchen absurden Theorien Glauben schenken, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die mal durchdrehen.

    Bei den Reichsbürgerzellen haben wir ja schon Ähnliches gesehen. In meinen Augen sind das alles brandgefährliche Typen, denen von Umsturz bis Mord alles zuzutrauen ist. Unterhaltsam, aber auch teilweise total erschreckend ist die Insta-Seite von Professor Schwurbelstein, der die bizarrsten Stilblüten sammelt.

    Aber wer weiß, vielleicht sind ja die Irren die eigentlich Normalen, die alles durchblicken und wir sind nur die Schafe im Dauerschlaf 😉

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