Von Saba-Spulen zu Alexa-Streams

10. März 2026
4 Min. lesen

Ein nostalgischer Rückblick: Ich auf dem 'Nostalgiepfad' erinnere mich an die 60er, als ich versuchte, meinem Saba-Tonbandgerät mittels "Tuning" im Radiofachgeschäft Pseudo-Stereo zu entlocken. Eine Geschichte über Bastelstolz, eiskalten Doornkaat für den Fernsehmechaniker und die Frage, ob wir Musik heute noch so schätzen wie früher.

Tonband Alexa

Zugegeben, ich bin im Moment auf dem Nostalgiepfad unterwegs. Ich sitze – wie meistens – am iMac und höre beim Surfen (sagt man das noch) Musik. Gestreamte Musik. Schon einige Male hatte ich mich als geouteter, exzessiver Nutzer von Spotify hier darüber beklagt, dass ich diese Veränderung im Vergleich zu früher™ auch nicht nur positiv finde.

Tonband Alexa

Marvin Gaye und Curtis Mayfield höre ich. Soul vom Feinsten. Beide sind schon vor langer Zeit verstorben.

Über diese entspannte Tätigkeit fiel mir eine Geschichte ein, die womöglich nur für mich überhaupt eine Aussage hat. Aber versuchen kann ich es ja mal. Schließlich bin ich Blogger.

Es muss Ende der 1960er Jahre gewesen sein. Ich war gerade in der Lehre und operierte damals noch mit einem Saba-Tonbandgerät (etwa so etwas). In den frühen 60ern waren zwar bereits Stereogeräte State of the Art, aber ich war gerade in der Ausbildung. Da fehlte die nötige Knete.

Ich hatte gehört, dass man auf geheimnisvolle Weise das Tonbandgerät dazu bringen könnte, einen Zweikanalton zur Welt zu bringen. Auf die Idee, mir noch etwas Zeit zu nehmen, um schließlich eine Stereoanlage mit dem Ersparten zu kaufen, kam ich nicht. Ich musste zumindest versuchen, diese „Lösung“ mit dem Zweikanalton nutzbar zu machen. Da ich dabei war, eine kaufmännische Ausbildung zu machen, kann man sich vorstellen, dass ich technisch nicht unbedingt auf der Höhe war, um mich dieser Herausforderung zu stellen.

Aber wozu hat man Freunde? Einer von ihnen hatte bei einem kleinen Radiofachgeschäft (so hieß das) im Ort eine Lehre begonnen. Ich wusste, der war fit. Sein Lehrherr (auch so’n Wort für die Liste ausgestorbener Begriffe) war als Fachmann für TV-Reparaturen unersetzlich. Vor allem für meinen Vater. Nichts war schlimmer, als wenn das TV-Gerät den Geist aufgegeben hatte und wir (aufgrund permanenter Überlastung) auf den heimischen Fachmann warten mussten. Tagelang … Das hatte zur Folge, dass der Mann – wenn er denn da war – wie ein König behandelt wurde. Ein Fläschchen Doornkaat war kaltgestellt und durfte sicher sein – der Fernseher war erst repariert, wenn die Flasche leer war.

Die Männer waren kompetent und zuverlässig. Nie gab’s die Ausrede: „Das Gerät ist defekt, eine Reparatur lohnt sich nicht. Kaufen Sie sich einen neuen.“ Er verkaufte in seinem Geschäft auch neue TV-Geräte. Was repariert werden konnte, wurde auch repariert.

Ich bin also mit meinem Rad (das Tonband auf dem Gepäckträger) in besagtes Geschäft gefahren. Vorher hatte ich mich natürlich bei meinem Freund angekündigt. Er erklärte kurz, was er machen könne, und ich fuhr voller Vertrauen (noch ohne Tonbandgerät) wieder gen Heimat.

Am nächsten Tag war alles fertig. Ich holte das neue Pseudo-Stereogerät ab und war gespannt, wie sich das zu Hause anhören würde. Es hörte sich anders an. Soviel kann ich sagen. Ich weiß nicht, was ich damals für das Tonband-Tuning bezahlt habe. Wahrscheinlich hätte ich besser daran getan, das Geld für eine richtige Stereoanlage auf die hohe Kante zu legen.

Ungefähr 3 Jahre später habe ich mir dann meine erste Stereoanlage gekauft. Die Marke hieß Wega und wurde später (Mitte der 1970-er Jahre) von Sony übernommen. Das war dann richtig Stereo in allen Räumen. Nein, nur in meiner Mansarde, die ich damals allein bewohnte. Meine Frau und unsere Freunde erinnern uns an diese Zeit sicher besser als ich an die technischen Details, was das Tuning meines Tonbandes anlangt.

Was habe ich zu dieser Zeit noch alles unternommen, um aus der Musik (ich hatte damals noch keine Schallplatte!) das Beste herauszuholen! Heute sage ich: „Alexa, spiel dieses oder jenes“, und dann höre ich zwar, weiß aber nicht mehr wirklich das zu schätzen, was ich früher so phänomenal und einzigartig fand.

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Horst Schulte
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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

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4 Kommentare zu „Von Saba-Spulen zu Alexa-Streams“

  1. Meine erste richtig teure Anlage war von der Marke Marantz. Verstärker, Tape-Deck, Tuner, Boxen und natürlich Schallplattenspieler. Meine Plattensammlung habe ich regelmäßig in einem speziellen Reinigungsgerät »gewaschen« 😄Die Marke gibt’s heute noch, ebenso die Anlage und ein Teil der Plattensammlung. Allerdings steht das alles auf dem Dachboden. BTW: Schallplatte ist auch so ein aussterbendes Wort. 🙄

  2. ich hatte mir ein Tonbandgerät gekauft, um Club64 aufzunehmen. Das Gerät kaufte ich in Würzburg und fuhr mit dem Zug zurück.
    irgendwann ging es kaputt, ich kaufte mir kein neues.
    Mein Bruder kaufte mir dann eins zum Geburtstag, weil er meine Aufnahmen sehr gut fand. Ich benutzte es aber garnicht mehr. ich glaube, Club64 war eingestellt und ich suchte garnicht nach Alternativen.

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