Träume gehören zum Leben wie der Morgenkaffee – mal stark, mal dünn, manchmal einfach zu viel. Der eine träumt wie ein Kinofilm in Dauerschleife, der andere eher in Schwarz-Weiß und selten. Ich gehörte früh zur ersten Kategorie.
Inhalt
Als Kind hatte ich eine regelrechte Abo-Reihe an Albträumen. Intensiv, unerquicklich, oft genug Stoff für nächtliche Fluchten ins Elternschlafzimmer. Rückblickend ein klares Indiz: Mein Kopf war schon damals ein fleißiger Drehbuchautor.
Wenn das Leben dazwischenkommt
Im Berufsleben wurde es dann erstaunlich still im nächtlichen Programm. Wahrscheinlich war tagsüber schon genug los – Zahlen, Termine, Verantwortung. Da hatte selbst das Unterbewusstsein einfach Feierabend. Träume? Wenn überhaupt, dann nur Kurzauftritte.
Der Ruhestand träumt mit
Seit der Rente hat sich das Blatt gewendet. Und wie. Plötzlich laufen wieder ganze Produktionen – detailreich, hartnäckig, manchmal erschreckend real. Besonders beliebt: meine letzte Arbeitsstelle.
Gestern Nacht hatte ich mein persönliches Comeback. Nach zehn Jahren wieder im Job. Und natürlich hatte sich – nichts verändert. Keine Spur von moderner Technik, keine KI, nicht einmal eine hilfreiche Software. Die Budgetplanung? Genau so unerquicklich wie damals. Zahlenkolonnen aus der Hölle des Excel-Zeitalters.
Ich war mittendrin. Voll drin. So echt, dass ich beim Aufwachen erst einmal sortieren musste, in welchem Jahrzehnt ich eigentlich lebe. Der Stress hing mir noch nach wie ein schlechter Geruch. Einschlafen? Fehlanzeige. Zu viele Zahlen im Kopf, zu wenig Gelassenheit im System.
Die große Erleichterung am Morgen
Und dann dieser Moment beim Kaffee: Es war nur ein Traum. Kein Meeting, kein Budget, kein Zwang zur Geduld mit endlosen Tabellen. Nur ich – und die Freiheit.
Die Rente ist und bleibt eine dieser leisen, großartigen Errungenschaften des Lebens. Mehr Zeit, mehr Luft, mehr Ich. Wenngleich der Kopf nachts gelegentlich alte Filme wieder auflegt – am Morgen gehört die Bühne wieder mir.
Und ehrlich: Lieber ein Albtraum mit Zahlen als ein echter Arbeitstag damit.

ich träume auch des öfteren vom Büro. Aber von meinen Abschiedstagen dort. Ich schaffe es kaum, alle meine Habseligkeiten einzupacken und nachhause zu schaffen. Schon droht eine Extrawoche, um das zu erledigen.
@Gerhard: So viel Kram hatte ich dort nicht. Ich höre gern, dass ich mit diesem Thema nicht allein bin. 🙂
@Horst Schulte: Ich hatte sogar grössere Keramikobjekte vor einer Werkshalle stehen. Ach, die schenke ich ihnen, das ist zuviel Aufwand, die abzubauen.
Dieses Traumfrequent hat damit zu tun, weil in meiner Heimatstadt kürzlich ein altes Industriegebiet abgerissen wurde, um Platz für Lidl und co zu machen. Auf dem alten Gelände war eine ansehnliche Streetart- Kunst auf einer Fabrikwand angebracht. ich besitze das Foto noch.
@Gerhard: Du hast einen realen Bezug zu deinem Traum. Bei mir fehlt der ja eigentlich. Außer vielleicht, dass man aus der Beschreibung schließen kann, wie gern ich den Job gemacht habe.
@Horst: Die meisten träumen von der Rente und Du von der Arbeit? Na gut als Albtraum, aber immerhin.😃 Hoffentlich bleibt der Ruhestand für viele nach der Reformierung durch die Bundesregierung nicht ein unerfüllter Traum.
@Peter Lohren: Ja, das könnte passieren. Man hat so eine Ahnung. Aber vielleicht liegt auch das wiederum am Alter 🙂
Jetzt, in meinem Ruhestand, erinnere ich mich auch ab und an meine Arbeitszeit. Da waren einige gute Jahre dabei.
@Horst Scheuer: Die meisten Jahre fand ich gut, nur nicht die letzten 10.