Beim heutigen PRESSECLUB ging es – mal wieder – um die Kosten im Gesundheitswesen. Ein vertrautes Thema, routiniert vorgetragen. Und wie auf Stichwort fiel auch dieses Mal die Zahl der Krankenhäuser. Wir hätten zu viele, heißt es. Zu viele Betten, zu viele Eingriffe, zu hohe Kosten. Deutschland liege deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder.

Inhalt
Man kennt diese Melodie. Sie wird gern gespielt, besonders in gut ausgeleuchteten Studios, fernab von den Notaufnahmen, die inzwischen längst geschlossen sind.
Zahlen, die beruhigen – oder vernebeln
Ja, Deutschland ist teuer. Ja, wir leisten uns viel. Aber wenn man genauer hinschaut, wird aus der klaren Diagnose schnell ein verschwommener Befund. Die berühmten „30 Prozent mehr“, die unser Gesundheitssystem teurer sei als der OECD-Durchschnitt halten einer genaueren Betrachtung auch nicht immer stand. Es sind eher zehn, vielleicht zwanzig.
Und auch das Argument, es werde zu viel operiert, gehört längst zum Standardrepertoire. Nicht falsch, aber bequem. Es ersetzt die differenzierte Analyse durch ein Schulterzucken mit moralischem Unterton.
Die Pflege wird derweil zum Kostenfaktor erklärt, durchgereicht, verrechnet, verbucht. Dass Pflegekräfte oft Dinge ausführen müssen, für die sie nie ausgebildet wurden, liegt weniger an der Finanzierung als an der Organisation. Aber auch das lässt sich im Studio schwer bebildern.
Krankenhäuser: Der Blick aus der Stadt
Was mich an diesen Diskussionen zunehmend irritiert, ist nicht einmal der Inhalt. Es ist die Perspektive.
Man hat den Eindruck, als sprächen dort Menschen, für die das nächste Krankenhaus immer nur ein paar Minuten entfernt ist. „Strukturreform“ ist ein abstrakter Begriff, damit verbindet sich keine Hoffnung. Zumal an vielen Schaltstellen Privatversicherte (u. a. Beamte, Abgeordnete) mitwirken, die gegensätzliche Interessen haben.
Anderswo sieht das anders aus.
In unserem Städtchen wurde das Krankenhaus geschlossen. In Grevenbroich war es die Notfallambulanz. In Erftstadt wurde ein Haus nach der Flutkatastrophe 2021 mit erheblichem Aufwand wiederhergestellt – nur um es kurz darauf endgültig zu schließen.
Wir kommen also gut voran.
Die stille Lücke
Was in den Statistiken als Überkapazität erscheint, ist vor Ort oft nichts anderes als ein Stück verlorene Sicherheit. Ein Krankenhaus ist nicht nur ein Gebäude mit Betten. Es ist ein Versprechen. Dass im Ernstfall jemand da ist.
Wenn dieses Versprechen verschwindet, bleibt eine Lücke. Keine, die man sofort sieht. Aber eine, die man spürt, wenn der Weg zur nächsten Notaufnahme plötzlich (mindestens) doppelt so lang ist. Wir fahren je nach Situation 10 oder 40 km.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Debatte: Die Bevölkerung auf dem Land ist offenbar so gesund, dass wir auf eine Notfallambulanz verzichten können.

Ich frage mich, warum die Krankenhäuser privatisiert wurden?
Meiner Meinung nach hätte das nicht passieren dürfen.
@Willi: Gewinne waren nicht vorgesehen (Daseinsvorsorge), damals in der guten alten Zeit. Mit dem Gewinnstreben und der Erhellung gewisser Kreise für diese „Chance“ lief das in die falsche Richtung. Das alles hatte zwischen den 70er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts seinen Ursprung in den klammen Kassen der Kommunen. Damals wurden, du erinnerst dich, sogar Kanalisationssysteme von Städten und Gemeinden an Private-Equity-Gesellschaften verscherbelt. Eine der Folgen war, dass Sozialbauwohnungen mehr und mehr verschwanden. Ja, früher war manches halt eben doch besser.