Wenn Expertise zur Zumutung wird

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Friedrich Küppersbusch macht das, was er am besten kann: Er nimmt Maß. Und zwar nicht mit dem Zollstock, sondern mit Ironie, mitunter auch mit Sarkasmus. In seinem Kommentarformat ruft er zum kollektiven Impfen auf – gegen jene Krankheiten der Debatte, die uns seit Jahren begleiten.

Eine Spritze galt einer Figur, an der man in diesen Krisenzeiten kaum vorbeikommt: Veronika Grimm.

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Die allgegenwärtige Wirtschaftsweise

Küppersbusch zeichnet Grimm als mediale Allzweckwaffe. Egal ob Bürgergeld, Rente, Feiertage oder Frühverrentung – sie ist da. Immer bereit, immer mit derselben Botschaft: kürzen, streichen, anheben. Der Witz sitzt, wenn er sie zur »biblischen Instanz« erklärt, die Mahnung und Weisung erteilt, ohne je selbst unternehmerisch ins Schwitzen geraten zu sein. Nicht einmal eine Dönerbude, sagt er. Und man hört schon ein leises Nachklingen der Pointe. Welche Politiker können schon persönliche Erfahrungen vorweisen, die sie zu mancher Entscheidung befähigen?

Expertise ohne Erdung

Besonders scharf wird Küppersbusch dort, wo er auf die Schieflage zwischen Anspruch und Lebensrealität zielt. Grimm empfiehlt Einschnitte für Millionen, während sie selbst in Aufsichtsräten sitzt und gut dotierte Nebenjobs ausübt. Dass Redaktionen diese Rollen gern unterschlagen, ist für ihn kein Versehen, sondern Teil des Problems. Wer nur »Wirtschaftsweise« sagt, verschweigt den Kontext – und verkauft Interessen als Wahrheit.

Medien, die nicht hinschauen

Der eigentliche Treffer gilt weniger Grimm als dem System, das sie ständig einlädt. Küppersbusch fragt, warum immer dieselben Stimmen sprechen dürfen, während andere – Gewerkschaften, Sozialverbände – draußen bleiben. Seine Satire ist eine Aufforderung: genauer hinsehen, sauber benennen, Widersprüche offenlegen. Alles andere ist Bequemlichkeit.

Am Ende bleibt dieses Bild: Während uns der Gürtel enger geschnallt werden soll, sitzen manche Predigerinnen der Sparsamkeit erstaunlich bequem. Küppersbusch lacht darüber. Das Lachen wird manchen schmerzen, weil es inhaltlich nur zu genau trifft.

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6 Gedanken zu „Wenn Expertise zur Zumutung wird“

  1. »Grimm empfiehlt Einschnitte für Millionen, während sie selbst in Aufsichtsräten sitzt und gut dotierte Nebenjobs ausübt. Dass Redaktionen diese Rollen gern unterschlagen, ist für ihn kein Versehen, sondern Teil des Problems. Wer nur »Wirtschaftsweise« sagt, verschweigt den Kontext – und verkauft Interessen als Wahrheit.«

    Nein, das ist eben nicht »Teil des Problems«! Das Problem ist, dass 2029 in diesem Staat kein Geld mehr vorhanden sein wird außer für den Schuldendienst, die Verteidigung und den Sozialetat. Dann ist Schicht im Schacht, wenn alles so weitergeht, bzw. die Verschuldung wird dann ins Unermessliche wachsen!

    Siehe dieser Talk bei Lanz (und eine Zusammenfassung von Perplexity).

    Siehe dazu auch das Video von Jens Rabe:
    2029: Deutschland geht das Geld aus! Die ehrliche Warnung der Wirtschaftsweisen
    Das ist zwar ein Börsianer, aber in der ersten Hälfte des Videos erklärt er angenehm unaufgeregt die Situation des Staats – so würde ich mir Kommunikation zum Thema oft wünschen, nämlich wirklich »problemzentriert«. (Danach gehts um Sich-Absichern für Anleger, das hab ich dann nicht zu Ende geschaut).

    Stattdessen erlebe ich nur Verweigerungen und Ablenkungen von Seiten rot-grün – was mich richtig schmerzt! Seit Antritt der Koalition sind nur Mehrausgaben beschlossen worden, sowie die populistische »Abschaffung des Bürgergelds«, die keinerlei Einsparungen bringen wird.

    In Frankreich ist die Verweigerung von Verantwortung fürs große Ganze traditionell noch viel schlimmer als hierzulande. Ich hab auch mal drüber nachgedacht: Warum nicht einfach die Eigeninteressen an 1.Stelle setzen – kann es mir nicht eigentlich egal sein, welche Probleme »der Staat« dadurch bekommt? Jedes Jahr ungekürzter Sozialstaat ist schließlich ein Jahr eigene Lebenszeit ohne Einschnitte.
    Aber nein, ich schaffe es nicht, so zu denken!

    • @Horst Schulte: Ich will nicht jammern, sondern sehen, dass für diese Probleme Lösungen gefunden werden – wobei das bloße Hoffen auf bessere Zeiten m.E. für Regierungen nicht ausreicht!

      Dass die deutsche Wirtschaft schwächelt, es mehr Unternehmenspleiten und Wegzüge aus Deutschland gibt, das sind doch keine Erfindungen böswilliger Kapitalisten! Und das Miniwachstum jetzt/dieses Jahr verdankt sich den Sondervermögen (denen ich zustimme), sodass sich die Steuerschlange doch nur in den Schwanz beißt: Es kommen zwar mehr Steuern, aber doch nur ein Anteil der Summen, die man investiert hat. Wobei grade eine Klage läuft, dass das Infrastrukturvermögen noch nicht mal wie versprochen für »zusätzliche« Investitionen ausgegeben wird, sondern zu erheblichen Teilen zum Stopfen von Haushaltslöchern.

      Küppersbusch bemängelt, dass in der öffentlichen Debatte fast ausschließlich wirtschaftsliberale Lobbyisten zu Wort kommen, während Sozialverbände, Gewerkschaftsvertreter und andere Perspektiven systematisch ausgeblendet werden . (Küpperts Kritik an den Wirtschaftsweisen ist bzgl. der Person Grimm halte ich für berechtigt, aber den anderen vorzuwerfen, dass sie »nie Unternehmer waren« ist nun wirklich abseitig).

      Mein Eindruck ist nicht, dass andere Sichtweisen ausgeblendet werden, ganz im Gegenteil! Jede Menge Kreise haben sich gemeldet, um die jüngsten Sparvorschläge zu kritisieren. Wenn es aber nun mal um ein neues Wirtschaftsgutachten geht, ist halt erstmal von diesem die Rede – und von den Verfassern, den »Wirtschaftsweisen« die es jährlich herausgeben.

      Ich bin wirklich gespannt, wie sich die Dinge entwickeln – denke aber auch (siehe Rabe), dass der Weg der weiteren Verschuldung gewählt werden wird – schließlich steht DE da im Vergleich noch nicht SOOO schlecht da wie andere.

      Wünsche dir ein schönes Wochenende – ich geh jetzt kochen… 🙂

  2. Euer Diskurs ist ja niedlich. Angesichts seit über einer Generation Cun Ex, Cum Cum & so und ihr wollt, das Arme das Land besparen? Auch Küppersbusch würde darüber lachen.
    Da geht’s offiziell um 150 Milliarden. Inoffiziell dürfte man beim 10fachen liegen. Ein Magnat steht nicht auf, wegen nur 50000.
    Und obwohl ihr wisst, dass sie alle mit drin hängen, unterstützt ihr die Kleptokratie? Immer und immer wieder?

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