Das lassen wir uns nicht gefallen!

Wenn man sich die Entwicklung der Beschwerden über Werbekampagnen anschaut und vergleicht diese mit der Zunahme von Gerichtsverfahren vor deutschen Gerichten, die dort aus ganz verschiedenen Gründen eingehen, wird einem klar, dass der Zustand vieler Bürger unseres Landes nur mit einigem Wohlwollen als bekloppt zu bezeichnen ist.

Allein an Klagen vor Sozialgerichten haben wir es jährlich mit weit über 300.000 (Neuzugänge!) Fällen zu tun. Der Trend ist nur leicht rückläufig. Und für diese große Anzahl gibt es wenigstens ernstzunehmende Gründe. Die Folgen von Hartz IV und die offensichtlich immer noch herrschenden Unsicherheiten in den Verfahren sind von der Politik noch immer nicht beseitigt worden. Und das, obwohl so viele Menschen darunter zu leiden haben. Btw.: Potenzielle SPD-Wähler werden das nicht sein.

Infografik: Deutsche beschweren sich über 622 Werbekampagnen | Statista
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Diese interessanten Statistikdaten habe ich Dateien des Statistischen Bundesamtes entnommen. Immerhin positiv empfand ich die leicht rückläufigen Zahlen in den letzten Jahren. Allerdings ist das Niveau der Zivilprozesssachen über die Jahre fast gleich geblieben.

Einerseits wird gern über die Gerichte geschimpft, weil die Verfahren zum Teil viel zu lange dauern. Andererseits könnte man diesem Dilemma vielleicht auch anders begegnen. Mit weniger Klagen zum Beispiel. Ich persönlich gehöre zu den Leuten, die trotz Vollrechtsschutzversicherung, die ich mir immer noch leiste, in meinem Leben noch keinen Rechtsstreit geführt habe. Einmal wäre es fast soweit gewesen, weil ich als Blogger abgemahnt worden bin. Dem Rechtsstreit bin ich allerdings deshalb aus dem Weg gegangen, weil damals keine Rechtsschutzversicherung dafür aufgekommen wäre. Mir war das Risiko deshalb zu hoch.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

4 Gedanken zu „Das lassen wir uns nicht gefallen!“

  1. Ratlos…

    Werter Herr Schulte,

    sonst bin ich nicht so schwer von Begriff, aber Ihr Vergleich zwischen Zivil- sowie Sozialsachen vor deutschen Gerichten und den Beschwerden von Zuschauern oder Institutionen über Werbekampagnen hat sich mir nicht erschlossen… Was wollen Sie damit mir sagen? Daß sich so wenige über Reklame beschweren? Die Fallzahlen wachsen doch?!

    Nach meiner Ansicht könnte man sich praktisch über jede Werbekampagne – zumindest die im Fernseh betriebenen – beschweren.

    In aller Regel werden die angesprochenen Klienten dort als Deppen hingestellt, die jeweils mit glücklich-debilem Blick ein Automodell fahren, in ein Würstchen oder ein Stück Schokolade beißen, einem angeblichen Chocolatier mit Goldrandbrille beim Gießen von goldenen Osterhasen zuschauen, begeistert auf dem Tisch in eine Masse aus einer Tütensuppe glotzen, ein Pärchen, das sich mit dem offensichtlich stark wirkenden Aphrodisiakum „Pizza“ füttert – and so on and on and on…

    Überall heißen die Reklameschlüsselwörter: Neu!, verbessert (warum habt ihr es nicht gleich richtig gemacht?), nur für kurze Zeit (haha, wie weiland in der DDR), ausgewählte Zutaten (ja, sonst wären diese ja kaum drin), hochwertig, bei allen teilnehmenden Soundso-Partnern (wer nicht teilnimmt, kann wohl kaum teilnehmen) usw. usf. Dieser beschränkte Blödsprech scheint für alle Unternehmen in einer einzigen Quelle produziert zu werden.

    Und dann weiter: Die beworbenen Sujets bestehen zu einem großen Teil im weiteren Sinne aus –Verzeihung: Menstruationsblut, Kacke, Pisse, Nagelpilz sowie Bronchialschleim.

    Da Sie in Ihrem folgenden Beitrag die zwangsfinanzierten Sender anscheinend ein bißchen schonen: Sehen Sie sich doch einmal ein Abendprogramm an. Mine Fru (Märchen Fischer & Fru) und ich leben im Ausland, und wenn ich das deutsche Fernsehen so im Sekundentakt durchzappe, dann muß es sich in Tschland mittlerweile um einen totalen Justiz- und Polizeistaat handeln, gefühlt nur noch Tatorte, Hubert und Staller, Toto und Harry, Gerichtsvollzieher, Staatsanwalt, Zoll-, Ladungs-, Hygiene-, Verkehrs- und Schwarzarbeitkontrolle, Gerichtsmedizin, Aktenzeichen XY, Polizeibericht, und kein Ende in Sicht. Sehr schön auch der private Waffenlobbysender N24. Ertragbar sind bisweilen nur die Dritten Programme.

    Überall die gleichen Mimengesichter, die sich immer selbstreferentiell zu dieser Show und zu jenem Quiz im Kreis herum einladen: Der Kuckuck lobt den Hahn, weil der Hahn den Kuckuck lobt.

    Die Tagesschau gucken wir hier, wenn überhaupt, grundsätzlich ohne Ton und ergötzen uns nur an den Gesichtern der Akteure und raten lustig, was die Darsteller da gerade wohl wieder ablassen mögen.

    • Hallo Herr Streck,

      Danke für Ihren Kommentar. Ich wollte genau die Steigerung der Fallzahlen hinaus. Die zunehmenden Beschwerden über Werbekampagnen habe ich versucht in einen eher allgemeinen Zusammenhang mit dem in unserer Gesellschaft allgemein vorhandenen Hang zum Streit (auch vor Gericht) zu stellen.

      Ich sehe die Qualität der deutschen Werbung (internationale Vergleichsmöglichkeiten habe ich kaum) nicht weniger kritisch als Sie. Aber muss man deshalb gegen Kampagnen klagen? Man könnte manche Werbung zwar durchaus als Form der Körperverletzung begreifen aber…

      Die Qualität des deutschen Fernsehens, hier der öffentlich Rechten, wird vermutlich nicht schlechter sein als die in anderen Ländern. Aber auch da habe ich keine Vergleiche. Mir gefällt vieles nicht, was ich sehe (auch nicht bei ARD und ZDF). Im Vergleich zu den privaten Sendern gefallen mir diese Programm aber immer noch viel besser. Das mag eine Altersfrage sein und letztlich sind das Geschmacksfragen. Auch ich finde, dass die Dritten durchaus wertvolle Arbeit leisten. ARTE und 3Sat zähle ich dazu. Ich bin nicht für die Zwangsfinanzierung der Sender. Trotz der Aversion, die sich in Deutschland entwickelt hat, möchte ich auf die Programmangebote von ARD und ZDF ungern verzichten. Vielleicht wäre an dem Punkt mal eine Volksabstimmung angebracht. Ich wäre jedenfalls unbedingt dafür.

      Schöne Grüße H.

      • Werter Herr Schulte,

        alles Geschmackssache ja! wie fast immer. Ein bißchen älter als Sie bin ich allerdings schon. Die deutsche Gesellschaft zerfällt halt, auch wegen mangelnden Common Sense. Und wo schlampig und/oder mit Lobbies gemachte Gesetze andauernd vom Verfassungsgericht be- und verurteilt werden müssen – wer will es dem Volk verdenken, kein Vertrauen mehr in staatliche Institutionen zu legen? Daher marschieren eben viele gleich zum Gericht. Aber eine Beschwerde beim Deutschen Werberat ist noch keine gerichtshängige Klage. Auch ich bin dort oder sogar manchmal direkt beim Werbetreibenden schon erfolgreich vorstellig geworden, die Reklame ist verschwunden. Geht doch – manchmal jedenfalls…

        • Ich weiß nicht, ob Sie gesehen haben, dass ich auch eine kritische Haltung zu unseren Institutionen habe. Sie erwähnen das ja ausdrücklich als Begründung auch für die „Klagelust“ der Deutschen. Mir wäre allerdings wohler, wenn nicht so schrecklich viele Menschen diese Haltung hätten. Eigentlich hätten wir es ja selbst in der Hand, die Dinge zu verändern. Nur passiert ja nix. Und die Wahlen vom Sonntag werden daran wohl kaum etwas ändern. Ich glaube, dass wir uns mindestens in den letzten 2 Jahrzehnten den Zusammenhalt abgewöhnt haben. Leider.

          LG H.

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