Wenn alle Instanzen das Urteil bestätigt haben

Gerichte haben in allen Instanzen für Gerechtigkeit zu sorgen. Aber: „Wo Gericht, da ist auch Ungerechtigkeit“. Das schrieb schon Leo Tolstoi in „Krieg und Frieden“.

Ich beklage mich manchmal über zu milde Urteile, die Richter hier bei uns in Deutschland fällen. Das letzte Mal war das, als – wieder mal in Köln – zwei Raser zu sehr geringen Bewährungsstrafen verurteilt wurden. Sie hatten bei einem illegalen Autorennen ein 19jähriges Mädchen getötet.

Durch alle Instanzen

Aber es geht auch anders herum. Zum Beispiel, als ich gestern bei 3Sat diesen Beitrag gesehen habe. Es ging in diesem sehr interessanten und bedrückenden Film um die Verurteilung zweier Männer, die in zwei völlig voneinander unabhängigen Fällen jeweils zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Bei einem der beiden wurde die „besondere Schwere der Schuld“ festgestellt. Für ihn bedeutet dies, dass er vor der Verbüßung der 25 Jahre Gefängnis nicht auf freien Fuß kommen wird. Beide Morden verbindet ein sehr interessantes Detail. An den Tatorten wurde DNA ein und derselben Person festgestellt. Deren Identität wurde bis heute nicht geklärt. Trotz vieler anderer Ungereimtheiten haben Richter die beiden Männer verurteilt.

Befasst man sich also nur etwas detaillierter mit den Hintergründen einer Tat oder den genauen Umständen einer Tat werden wir uns schnell untreu. Voreilige Beurteilungen der Taten oder Urteile unterbleiben.

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Vor Jahrzehnten habe ich den us-amerikanischen s/w-Film „Kaltblütig“ (nach einem Roman von Truman Capote) im Fernsehen gesehen. Das war einer der besten Filme über die Todesstrafe, die ich gesehen habe. Zunächst wird das rücksichtslose und brutale Vorgehen der Täter gezeigt. Sie töten aus purer Habgier eine Familie. Sie werden gefasst und zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden 1965 vollstreckt. Der Film beruht auf einer wahren Geschichte.

Die Perspektive kann sich ändern – im Film jedenfalls

Mit der Verurteilung der Täter war ich voll einverstanden. Auch, was das Strafmaß anlangte. Aber in der folgenden Zeit kamen mir große Zweifel. In einer Kritik stand folgender Satz:

Nüchterne und um Authentizität bemühte Verfilmung der literarischen Vorlage von Capote, die nach ernsthafter Auseinandersetzung verlangt.Quelle: Kaltblütig (Film) – Wikipedia | LINK

Mit der ernsthaften Auseinandersetzung wird wohl gemeint sein, dass der Zuschauer durch ein bestimmt sehr bewusst angelegtes Wechselbad der Gefühle geht. Am Ende werden die Täter aufgehängt. Seit Verhängung der Urteile hatte sich bei mir langsam ein Wandel eingestellt. So hatte ich bis zuletzt gehofft, dass die Todesstrafe in eine Haftstrafe umgewandelt würde. Seltsamerweise wird die Veränderung der Perspektive in der Wikipedia-Beschreibung des Films überhaupt nicht angesprochen. Aber genau das machte damals den Film für mich aus.

Es war eine andere Zeit. Heute behaupten viele, dass bei Gerichtsverhandlungen eher die Belange der Täter und weniger die der Opfer im Vordergrund stehen würden. Der ZDF-Beitrag „Ich war es nicht! Zwei Urteile und viele Zweifel“ zeigte ein anderes Bild, das bei mir an dieser Sicht durchaus Zweifel aufkommen ließ. Einer der beiden (vielleicht zu unrecht) Verurteilen sprach im Film davon, dass sich für ihn und sein Schicksal kein Mensch interessieren würde, außer seiner Familie und ein paar Freunden.

https://youtu.be/nX1nwU-5fsc

Die staatliche Rechtsprechung soll der Gerechtigkeit im Einzelfall nach Maßgabe der jeweils geltenden Gesetze durch einen rechtskräftigen, d. h. endgültigen und ggf. zwangsweise durchzusetzenden Rechtsspruch und der Wiederherstellung des Rechtsfriedens dienen. Aufgabe des Gerichts ist es, in einem geregelten Verfahren für einen konkreten Fall den wirklichen Sachverhalt festzustellen und auf ihn das Recht anzuwenden, d. h., einen tatsächlich und rechtlich richtigen Entscheid zu treffen.Quelle: Gericht | bpb | LINK









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!