Ein Volk von Nichtkönnern und Betrügern

Es gibt kaum Bereiche, die nicht von den verschiedenen TV-Sendern getestet werden. Ob es nun Dienstleistungen geht (Tauschsysteme für Scooter), Reparaturen von Türschlössern, Dächern, Heizungsanlagen, alle denkbaren Arten von Handwerk, alle bekommen ihr Fett weg. Miese Brötchen, überteuerte Schlüsseldienste, miese Marmeladenqualitäten u.s.w. — alles wird getestet und oft genug habe ich das Gefühl, dass es denen, die solche Tests machen, weniger um Aufklärung der TV-Zuschauer:innen geht, sondern um die Skandalisierung, die sehr einfach mit derartigen und vor allem empörten Umschreibungen auszulösen ist.

Im Moment wird von »WDR aktuell« ständig berichtet, wie schlecht die Kontrollen der 2G oder 3-G-Maßnahmen durchgeführt werden. Ob nun am 11.11. in Köln oder gestern Abend in Mönchengladbach, die Türsteher, das Kneipenpersonal oder die Wirte selbst nehmen ihre Verantwortung nicht ernst. In keinem der dort beschriebenen Fälle (Köln – Zülpicher Platz, Zülpicher Straße) oder im Zentrum von Mönchengladbach wurden Personalausweise verlangt. Man ließ sich die Impfzertifikate zeigen und ignorierte die Gefahr, dass die Inhaber mit geliehenen, gefälschten oder geklauten Zertifikaten unterwegs waren. In manchen Fällen wurde der Ausweis verlangt und obwohl die Daten nicht übereinstimmten, wurde der Kunde durchgewunken. Besonders krass war, dass ein Testzertifikat aus dem Sommer vorgelegt wurde, in diesem Fall sogar mit Ausweis. Dass der Test längst verfallen war, fiel der Kontrolle nicht auf.

Abgesehen davon, dass ich die Methode der TV-Sender abstoßend finde, frage ich mich, aus welchem Grund gesellschaftliche Spielregeln ignoriert und verletzt werden. Im Falle der Corona-Kontrollen deutet das schlampige Verhalten wohl darauf hin, dass die Leute den Vorgaben und Maßnahmen nicht mehr folgen. Vielleicht nicht unbedingt deshalb, weil sie deren Sinn nicht verstehen oder die Maßnahmen bewusst konterkarieren, sondern weil die Leute es leid sind, sich ständig mit den zum Teil doch sehr undurchsichtigen und unlogischen Regeln auseinanderzusetzen. Wenn ein gewisser Stress dazukommt, der gerade durch die Menge an Menschen am Zülpicher Platz in Köln sicher entstanden ist, lässt man die Dinge schleifen. Es ist wohl leicht, Kritik zu üben, wenn man nicht selbst die hohe Dynamik und das Aggressionspotenzial mancher Kunden bei diesen Anlässen an solchen Kontrollpunkten erlebt hat. Obwohl das ja angeblich in Köln am 11.11. auch laut Polizeiberichten nicht so gewesen sein soll.

Ich schätze, unsere Gesellschaft ist mit diesem Zustand überfordert. Eine Pause können wir uns nicht gönnen und die Politik hat sich darauf versteift, keine Lockdowns mehr zu beschließen. Ob das angesichts der Lage durchgehalten werden kann und was wohl die üblichen Verdächtigen dann sagen würden, wenn es doch wieder zu Lockdowns käme? Am liebsten würde ich ganz, ganz weit wegreisen. Irgendwohin, wohin es dieses Mist-Virus bisher noch nicht geschafft hat. Schätze, diesen Ort gibt es, aber ich weiß nicht, wo er ist.

Beitragsfoto von (sofern nicht von mir oder nicht Public Domain):

Meisenspeisung (c) Horst Schulte - 14-11-2021