Politik

Nicht die Demokratie versagt, wir sind es. Mir liegt das „wieder mal“ auf der Zunge.

Die Einführung plebiszitärer Elemente könnte die Akzeptanz demokratischer Prozesse erhöhen, indem sie die Bürger direkter in politische Entscheidungen einbindet.

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Zweifel an der Demokratie wird es während der vielen Jahrzehnte seit dem Ende des 2. Weltkrieges immer wieder einmal gegeben haben. So schlimm wie heute war es noch nie. Ich möchte aber nicht behaupten, dass das immer an „den“ Politikern oder bestimmten Parteien lag.

Einerseits würde ein demokratisches System ohne sie gar nicht funktionieren und andererseits haben wir immerhin regelmäßig ein Mitspracherecht. Auch in Abwägung des Für und Wider wäre die Einführung plebiszitärer Elemente in unsere Tagespolitik seit Längerem wünschenswert. Ich glaube daran, dass diese die Akzeptanz und Geschwindigkeit demokratischer Prozesse und Entscheidungen erhöhen könnten. Die Schweiz fährt mit direkter Demokratie gut und ich sage das, obwohl ich natürlich weiß, dass die SVP dort seit Jahren die stärkste Partei ist.

Eigenbeteiligung an Politik

Alle Mandate werden nicht über die Landeslisten vergeben, es gab bei den Bundestagswahlen 2021 299 Direktmandate. Die Wählerinnen und Wähler haben die Kandidaten also direkt in den Bundestag gewählt. Das sind immerhin 40 % aller Abgeordneten. Die übrigen 60 % werden über die Landeslisten, also nach Entscheidungen der politischen Parteien in den Bundestag entsandt.

Ich glaube, viele sehen in unserer repräsentativen Demokratie mehr Kritikwürdiges als Geschätztes. Dazu hat die Behandlung von Bevölkerungsteilen während der Corona-Pandemie beigetragen und die Migrationspolitik der Merkel – Regierung, die von der Ampel im Prinzip weitergeführt wird. Statt herumzumaulen und dem System anhand übernommener, sattsam bekannter populistischer AfD-Positionen schließlich sogar die Legitimität abzusprechen, könnte man Fehlentwicklungen, die man so scharf beobachtet haben will oder die Folgen sogar persönlich erlitten hat, auch anders begegnen.

Engagement

Jeder kann sich politisch engagieren. Nur tun das immer weniger. Politik ist ein dreckiges Geschäft. Wie oft habe ich diesen Satz in den vergangenen Jahrzehnten wohl schon gehört. Auch mein Vater sprach bisweilen davon.

Wir alle können uns beteiligen, ein Eintritt in eine der politischen Parteien ist nicht erforderlich. Die meisten, die dies allerdings vorhaben oder getan haben, werden sich einer der etablierten Parteien anschließen. Dass dieses Engagement stark rückläufig ist, ist einerseits bedenklich, andererseits dem schlechten Image der Politik geschuldet. Hinzu kommen zunehmend Angriffe auf Politiker aller Ebenen und Parteien. Es ist schlicht erbärmlich, wie manche Bürger mit verbalen Entgleisungen auf die Präsenz von Politikern reagiert haben. Mit Opposition oder einem wahrgenommenem Demonstrationsrecht hat das für mich wenig zu tun.

Empörung als zerstörendes Element der Demokratie

Vielleicht setzen die Medien den Fokus zu stark auf die Berichterstattung über solche Ereignisse. Mich nervt, wie selten dies in und von den Medien selbst hinterfragt wird. Viele Leute dürfte die parteiübergreifende Empörung als Ermunterung zum „Nacheifern“ auffassen.

Wenn Politiker*innen angegriffen werden, ist sofort Feuer unterm Dach! Das ist einerseits richtig. Aber wie steht es um die Wirkung, die von Übertreibungen der Art der sensationsgierigen Berichterstattung erfahrungsgemäß ausgeht? Mich erinnert diese Frage an die zeitlich zwar ebenso krass begrenzten, gleichwohl jedoch ebenso ausufernden Reaktionen von Medien, Politik und Öffentlichkeit auf gewalttätige und mitunter tödlich endende Angriffe von Ausländern auf Bürger*innen im Land. Wenn der Zusammenhang im ersten Fall kritisch zu sehen sind, gilt das hier auch. Wir wissen, dass manche Ereignisse von interessierter Seite (Medien und Parteien wie AfD, BSW und Union) sehr absichtsvoll hochgejazzt werden. Warum fallen wir auf die herein, obwohl wir vermutlich doch spüren, welche Absichten da verfolgt werden?

Ich finde immer noch, dass ich mich zu stark beeinflussen lasse. Mir fehlt – ich kann es nicht verhehlen – ein starker Staat. Einer, dessen Vertreter (Faeser) nicht nur Sprüche nach furchtbaren Ereignissen von sich geben, aber dann, trotz anderslautender Zusagen, doch keine Veränderung der Zustände herbeiführen. Ja, mir ist klar, dass Maßnahmen dieser Art mitunter längerfristige Prozesse darstellen. Aber die Bürgerinnen und Bürger im Land erkennen keine Fortschritte, stattdessen „hilft“ die politische Extreme dabei, die Erinnerungen wachzuhalten und jede weitere Tat aufzublasen, als sei die Übernahme des Landes durch ausländische Gewalttäter in vollem Gange. Sie nutzen dazu die asozialen Medien leider sehr effizient. Es gibt so viele Memes, die, obwohl längst als Fake News entlarvt, immer noch geteilt und kommentiert werden.

Vorhaltungen und Misstrauen

Es gibt diese Zuschreibung an die Adresse DER Politiker*innen, diese vielfach beklagte Diskrepanz zwischen Worten und Taten. Der Begriff Lüge ist ein gern verwendetes Synonym. Ich fürchte, es war nie anders. Politiker erzählen den Bürgern etwas und die können es glauben oder nicht.

Wenn die AfD (wie Weidel beim Parteitag in Essen) wieder einmal vom Kontrollverlust faselt, wird es ganz viel Zustimmung in unserer Bevölkerung geben. Jedenfalls glaube ich diese Zustimmung zu fühlen… Vielleicht ist das so, weil ich immer noch die asozialen Medien verfolge und einschlägige Texte lese. Und Markus Lanz ist auch nicht in der Lage, mich diesbezüglich zu beruhigen. Wenn ich mich streite, sind es meistens die Themen, die auch hier immer wieder vorkommen. Migration, Migration und noch einmal Migration. Man könnte glauben, ich wäre bei der AfD oder dem BSW gut aufgehoben. Dabei will ich eigentlich nur meine Ruhe.

Ich wünsche mir einen Staat, der nicht von jedem sich berufen fühlenden Journalisten im In- und Ausland als gescheiterter Staat bezichtigt wird.

Gewaltmonopol des Staates bewahren

Ich möchte, dass der Staat das demokratisch verbriefte Gewaltmonopol wahrnimmt und dafür sorgt, dass die Bürger nicht aus Angst vor dem bösen Ausländer auf Nichtkameraüberwachten, dunklen Straßen us-amerikanische Selbstbewaffnungsfantasien entwickeln. Deutschland hat vieles Schleifen lassen. Das Schlimmste daran ist, finde ich, dass das Geld, das beispielsweise nicht in unsere Infrastruktur gesteckt wurde, auf durchaus direkte Weise Bürger*innen (Sozialstaatsaufbau) zugutegekommen ist. Ja, auch die Rente mit 63 gehört dazu. Ich weiß.

Dass Deutschland Millionen von Menschen aus den öffentlichen Haushalten unterstützt und diese von Sozialleistungen profitieren, obwohl sie in ihrem Leben nie in unsere Sozialsysteme eingezahlt haben, hat sich zu einem Problem entwickelt. Dieser Staat kann inzwischen seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen (Schuldenbremse). Wir sind gespannt darauf, wie der Haushalt 2025 aussieht oder ob die Ampel dieses Projekt überhaupt abschließen wird.

Welche makroökonomischen Effekte hätte eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben für die stotternde deutsche Wirtschaft? Kann die wachstumsschwache deutsche Wirtschaft die zusätzlichen Kosten verkraften? Immerhin ist die deutsche Wirtschaft seit 2019 nicht mehr gewachsen, und der Abstand zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten wird ständig größer. Eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben – vor allem wenn sie durch die Ausgabe von Anleihen finanziert wird – würde der deutschen Wirtschaft einen dringend benötigten Konjunkturschub geben. Die Multiplikatoreffekte von Verteidigungsinvestitionen wurden von der Ökonomin Valerie Ramey von der Hoover In­stitution nachgewiesen.

Quelle

Ein interessanter Beitrag „Deutschland hat den Schuss nicht gehört“ in der FAZ ($) befasst sich damit, dass Deutschland aufrüsten muss. Aufrüsten?! Das ist doch. Ja, wie gut stehen wohl die Chancen, ausgerechnet in unserem Land, für dieses Ansinnen breite Unterstützung zu finden? Die beiden Historiker, die den Artikel verfasst haben, vergleichen die Anteile unseres Verteidigungsetats am BIP mit früheren Zeiten. Nun weiß man um die Friedensdividende, die nach 1989 reichlich eingestrichen wurde und die Mentalität der Deutschen wurde vermutlich durch die sich damals so grundlegend veränderte geopolitische Lage massiv befördert. Umso schwerer ist es, sich davon zu verabschieden. Mit unseren unter 2 %, die wir jetzt gerade einmal erreichen, kommen wir angesichts der Bedrohung durch Putins Russland nicht wirklich gut voran.

Aufrüsten zum Wohle des Landes?

Niall Ferguson, Senior Fellow an der Hoover Institution der Universität Stanford und Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), empfehlen, den Militärhaushalt als Element eines „benötigten Konjunkturschubes“ zu verstehen. Sie kommen zum Schluss: Deutschland muss aufrüsten.

Uns fehlen, fürchte ich, andere Dinge, die die USA aber auszeichnen und mit denen wir (in ganz Europa nicht!) konkurrieren können. Die Einbrüche der Industrie haben die Amerikaner hinnehmen müssen, dafür entstand allerdings eine mächtige Big Tech Industrie, quasi allesamt Monopolisten. Diese Unternehmen verfügen über Finanzmittel, mit denen ganze Nationen ihren Jahreshaushalt bestreiten könnten. Wir (Deutschland) haben auf diesem Gebiet, trotz anderslautender Bekundungen (KI-Technik) nichts zu bieten und das wird sich, fürchte ich, nicht ändern. Dafür sind wir bei den Regierungsmaßnahmen auf EU-Ebene Gott sei Dank ganz vorn dabei.

Was bringt uns die EU?

Vielleicht entwickeln sich an unseren Universitäten zarte Pflänzchen des Fortschritts. Manchmal bekommt man etwas davon mit und hofft darauf. Aber mehr als Hoffnung ist es nicht!

Seit 1957 hat die Europäische Union Großartiges für die Menschen in der EU und die ganze Welt erreicht:

  • Wir leben auf einem friedlichen Kontinent.
  • EU-Bürger/innen haben die Freiheit, überall in der EU zu leben, zu studieren und zu arbeiten.
  • Die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt.
  • Die EU leistet Unterstützung und Entwicklungshilfe für Millionen von Menschen weltweit.
CHARTA DER GRUNDRECHTE DER EUROPÄISCHEN UNION

Quelle

Die Europäer und wir Deutsche brauchen die EU. Und zwar längst nicht nur als Wirtschaftsraum, wie die Rechten und EU-Gegner das zum Teil lieber hätten. Vor allem deshalb, weil die geopolitische Bedeutung dieses Raumes mit seinen 450 Millionen Einwohnern im aktuellen und künftigen Wettbewerb um Produkte und Märkte seine Menschen nicht bloß vor der ökonomischen Bedeutungslosigkeit bewahren wird. Die EU ist nicht nur als Friedensprojekt zu wertvoll, um das daraus zu machen, was die politische Rechte möchte.

Alles gerät ins Rutschen

Gabor Steingart hat heute mal wieder einen seiner Untergangsartikel (BASF ist nur der Anfang: Unser Abstieg ist das Ergebnis einer toxischen Agenda) geschrieben, den man sich nicht unbedingt geben muss. Er schließt in seinen Abgesang auf Deutschland als Industrienation dieses Mal auch die EU mit ein. Mal wieder hat der Mann ein Buch (ein seiner Ansicht nach sehr empfehlenswertes) gelesen und benennt den Autor (Ruchir Sharma) als Zeugen seiner düsteren Fantasien. An Punkt 1 seiner Untergangsagenda sieht er die Bekämpfung des Klimawandels. Damit ist er voll auf Linie, denke ich. Für Steingart sind grüne Einflüsse (Kampf gg. den Klimawandel, Transformation der Wirtschaft) entscheidend für unsere wirtschaftlichen Probleme. Mir fielen da allerdings doch noch eine Reihe anderer Punkte ein. Ich gebe zu, auch die werden von Steingart zum Teil genannt.

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Phoenix Runde 3.07.2024

Vielleicht ist es vielen egal, was aus der EU wird. Allein das Abschneiden der AfD und der anderen Rechtsparteien auf EU-Ebene zeigen, dass viele Menschen mit dieser EU wenig anzufangen wissen. Während die Brexiteers (man muss es immer noch einmal sagen!) bei den Wahlen in Großbritannien wohl eine Quittung für ihre dramatischen Lügen erhalten werden und die FIS in Polen erst einmal nicht mehr die Regierung stellt, arbeiten sich die Rechten in anderen Ländern nach vorn. Frankreich ist das jüngste Beispiel. Ich kann offen gesagt nicht sehen, dass Macron sich bei der Verkündung von Neuwahlen der Nationalversammlung „verzockt“ hätte. So kommentiere man das in deutschen Medien. Er musste meiner Meinung nach auf die verheerende Niederlage bei den EU-Wahlen reagieren. Hätte er es nicht gemacht, wäre das Geschrei darüber immer noch laut zu hören. Leider ändert all das nichts an den Tatsachen.

Die Rechten sind stark geworden. Zum Glück weniger als erwartet.

Die Rechtsextremen werden in Frankreich die Tagespolitik bestimmen. Von Macrons liberaler Agenda wird vermutlich nichts bleiben. Es schließt sich der Kreis. Obwohl die Regierung nach Ansicht vieler Journalisten für Frankreich einiges erreicht hat, schlug das bei den Wahlen nicht positiv zu Buche. Auch dort haben die Symptome der Überforderung durch die Auswirkungen der Migration jetzt ihren Preis. Das hätte man vielleicht vermeiden können, wenn – wie ich es vorhin für Deutschland definiert habe -, mehr direkte Demokratie gewagt worden wäre. Die Politiker wären hierdurch auch dort schneller und intensiver unter Handlungsdruck gesetzt worden. Ich verweise diesbezüglich erneut auf die Schweiz (SVP). Dort ging es nicht um die Auswirkungen einer Ausgrenzungspolitik, sondern um das Signal. Aber klar, das muss man nicht mögen. Zumal man Probleme ja aussitzen kann.

Mehr direkte Demokratie – Mehr Demokratie wagen!

Wer mag es, wenn die Straße mitregiert? Ich bin überzeugt, die AfD-Wahlergebnisse im Osten und manchen West-Bereichen hätten nicht diesen Grad von Zumutung erreicht. Ich höre Grüne und Linke schon wieder zetern, die, soweit ich es verstanden habe, wohl nicht für mehr direkte Demokratie eintreten. Gut, die anderen machen es ja auch nicht.

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Letztes Update:

7 Gedanken zu „Nicht die Demokratie versagt, wir sind es. Mir liegt das „wieder mal“ auf der Zunge.“

  1. Ich denke, wir sind bisher mit der Form der Repräsentativen Demokratie sehr gut gefahren. Volksabstimmungen hören sich erst einmal gut an, sind aber meiner Meinung nach vom administrativen Aufwand nicht zu rechtfertigen und würden auch nur eine Momentaufnahme widerspiegeln. Zudem verfügen die Bundesbürger kaum über das Fachwissen, um qualitative Entscheidungen zu treffen. (Gut, viele Politiker auch nicht, aber die haben wenigstens einen Beraterstab von Fachleuten)

    Demokratieverdrossenheit entsteht immer dann, wenn Politiker gegen den Willen der Mehrheit handeln. Macron beispielsweise hat einen Denkzettel für seine Kriegshetzerei und eigenmächtige Anhebung des Rentenalters bekommen. Die Grünen sind für ihre desaströse Energiepolitik und die Kriegstreiberei von Baerbock und Hofreiter bei der Europawahl abgestraft worden.

    Das Ganze garniert mit unerträglicher Arroganz, Dekadenz, gepaart mit Allmachtsphantasien, lässt Wählerinnen und Wähler das Kreuz woanders machen.

    Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich die Regierung ein neues Volk wählt (Brecht) 🙂

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  2. Ich würde auch sagen, dass wir bisher gut mit unserer Demokratieform gefahren sind. Nur scheinbar kommt das jetzt an sein Ende. Es gab andererseits jedoch schon lange zu viele Leute, die nicht mehr zur Wahl gingen. Das spricht auch für Schwächen. Ich gebe aber zu, dass die Wahlverweigerer auch in der Schweiz nicht gerade rar sind. Das ist allerdings dort traditionell der Fall. In Deutschland gab es in den 1970-ern (Willy Brandt) eine Wahlbeteiligung von über 90 %. Das wäre heute undenkbar. Die Frage ist, warum sich die Leute abwenden. Ich interpretiere das als Unzufriedenheit mit dieser Art von Demokratie, in der es scheint, als hätten sich die Parteien den Staat unter den Nagel gerissen. Auch wenn diese Sichtweise als Narrativ den Rechten gute Dienste erweist, man sollte darüber nachdenken. Die Parteien sind (wie seltsam) dazu kaum bereit. Und viele in unserer Bevölkerung haben Sorge, dass mehr Mitbestimmung zu einem weiteren Rechtsruck führen könnte. Ja, so viel Vertrauen?!

    Es sind nicht bloß die Grünen. Die Linke und die SPD bewegt sich in der Migrationsfrage kaum. Dabei sind es weniger die Themen rund um den Klimaschutz, die diese Gesellschaft maßgeblich spalten, sondern vor allem dieses Thema. Nicht mal das ist Konsens in den Parteien. Statements der Grünen nach den Europa-Wahlen klangen diesbezüglich eindeutig. Man könnte sie fast schätzen für ihre Beharrlichkeit, die Menschlichkeit nicht gänzlich zu vergessen. Aber davon will längst keiner mehr etwas hören. Deshalb denken sich Technokraten wie dieser Knaus Dinge aus, die dann in anderen Ländern zu schlimmen Situationen führen (Progrome gegen syrische Flüchtlinge in der Türkei).

    Brecht lag auch nicht immer richtig. Es sind ja längst nicht nur Politiker, die sich scheinbar ihr eigenes Volk stricken wollen. In den USA hat der Supreme Courd das Signal gegeben, dass die Präsidenten (vornehmlich wohl die ihm genehmen) sich künftig wie absolute Herrscher gerieren dürfen. Das kommt ja woher.

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  3. Das Volk besteht aus Individuen, von denen viele im wesentlichen an ihren eigenen Vor- oder Nachteil denken. Politiker/innen im Amt sind dem Allgemeinwohl verpflichtet und sollen zwischen den verschiedenen Interessen einen Ausgleich / Kompromiss finden, müssen dabei aber die vorhandenen Ressourcen (Steueraufkommen, Staatsvermögen, Schuldenstand etc.) und gesetzlichen Vorgaben beachten.

    Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass sich viele über die Entscheidungen der Regierung ärgern, wenn das Nachteile für sie bedeutet. Macron hat das Rentenalter von 61 auf 64 erhöht bei einem staatlichen Schuldenstand von 111% des BIP. Was glauben die Protestierenden eigentlich: Soll er Geld drucken? Immer mehr Schulden machen für die Zuschüsse zur Rente? „Reiche deutlich mehr besteuern“ wurde in Frankreich versucht, was dazu führte, dass sich diese Wohnsitze in anderen Ländern suchten – Kapital ist nun mal „flüchtig“.

    Das nur mal als Beispiel zum Thema „Wunschbild direkte Demokratie“. In GB kann man gut beobachten, wohin das Begehren „Ausländer raus“ per Brexit geführt hat – die früheren Arbeitskräfte aus der EU sind weg, die Gesundheitsversorgung liegt am Boden, es knirscht an allen Ecken und Enden – aber dem Volkswillen (beeinflusst durch absolut realitätsferne Versprechungen und krasse Lügen) wurde Genüge getan.

    Je basisnäher die Ebene, desto eher halte ich direktdemokratische Elemente für durchaus sinnvoll. Es gab den Berliner Volksentscheid, dass das Tempelhofer Feld (ehem. Flughafen, 380 Hektar) nicht bebaut wird. „Für den Erfolg des Volksentscheides mussten zum einen die Mehrheit der Abstimmenden und mindestens 25 % der Wahlberechtigten (das heißt rund 625.000 Berliner) zustimmen. Diese Zahl wurde deutlich übertroffen.“
    Seitdem wird das Feld vielfältig genutzt, Sport, Spaziergänger, Events, Naturgeschützte Bereiche, Urban Gardening – und seit ein paar Jahren gibts auch ein Containerdorf, jetzt erneut von Flüchtlingen bewohnt. Letzters sieht die Initiative als Einstieg in die Bebauung, die als Randbebauung von CDU und wohl auch SPD gewünscht wird. Eine nächste Volksbefragung soll kommen, wie ist noch unbekannt. Angesichts der aktuellen Wohnungsnot hätte sie sicher Chancen – mal sehen, wie der Volkswille sich entwickelt hat oder auch nicht.

    ***
    Neues Theme, sehr elegante Schrift!

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  4. @Claudia: Ich kann dir anhand der Beispiele nicht widersprechen. Trotzdem scheint es mir vielen daran zu mangeln, dass sie sich nicht mehr gesehen fühlen (wie man heute so schön sagt). Viele fühlen sich einem politischen Elite ausgeliefert, die keinen Sinn für die Interessen der Allgemeinheit hat, sondern die ihren höchst eigenen Projekten nachgeht. Da hat Wagenknecht für meine Begriffe einen Punkt. Mich wundert, wie die Frau und ihr BSW sich laut neuen Umfragen behauptet. Wie kann das nur sein? Dabei gibts keine Programmatik, die über bloßes Meckern hinausginge. Oder?

    Ich fand das vorherige zu dunkel (obwohl ich lange daran gebastelt habe) und habe eine generelle Überarbeitung meines Themes (immer noch Generatepress) vorgenommen. Die Schrift (Fließtext) ist eine variable Version mit dem Titel: TildaSans. Sie ist kostenlos. Dazu habe ich GenerateSans – Variable (ebenfalls kostenlos) für Metazeilen im Einsatz und für Überschriften „Cormorant Garamond“ von Google.

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  5. @Claudia: Natürlich sind Politiker der Allgemeinwohl verpflichtet, aber das Allgemeinwohl setzt sich nunmal aus der Meinungsbildung der Mehrheiten zusammen. Wenn ich mir die aktuellen Umfragen so ansehe, sehe ich allerdings nicht, dass die Regierung für die Mehrheit spricht.
    Macron hat aus Selbsgefälligkeit Entscheidungen am Parlament vorbei getroffen, das nehmen ihm die Franzosen übel – und das zu recht. Bodenhaftung ist offensichtlich schwierig, wenn die Machtfülle zu groß wird und genau aus diesem Grund bin ich ein großer Freund der parlamentarischen Demokratie.

    Machthaber auf Zeit ist eine Versicherung gegen allzuviel Größenwahn.

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  6. @Horst: Das Design ist wirklich sehr ansprechend, wenn ich das richtig sehe aber immer noch auf dem Theme von GeneratePress aufbauend. Ich schätze, mit Deiner Erfahrung mit dem Theme könntest Du eigene Seminar zum Webdesign geben 🙂 Machts Du dass alles mit dem Gutenberg Editor?

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  7. Danke, Peter. Ja, es ist immer noch GeneratePress. Dazu nutze ich GenerateBlocks. Es ist also der Gutenberg Editor, den ich einsetze. Ich komme damit weitaus besser klar als mit dem Full-site-editing. Damit tue ich mich schwerer. Ich habe verschiedentlich für Freunde und Bekannte WordPress-Themes eingerichtet bzw. individualisiert. Seminare habe ich früher gegeben. Da ging es um MS-Office, vornehmlich um Access und Excel. Ich habe seit meinem Renteneintritt fast nichts mehr in diese Richtung gemacht. Ich meine, Access habe ich nicht einmal mehr auf meinem Rechner und Excel fristet ein Schattendasein. Kürzlich habe ich probiert, eine simple Formel zu erstellen und hatte dabei so große Probleme, dass ich über mich selber lachen musste. Man verliert den Anschluss. Außerdem hat sich die Bedienung auch nicht gerade geringfügig verändert.

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