Blaues Erwachen: Die AfD, die Demokratie und unsere Verantwortung

Avatar von Horst Schulte
a 3d render of a divided image with a ce Dcl0Ie1lSp28 mddwRaCTw SB2L3DuNSxeWdDBd5TJwtg

Gestern Abend schien alles so blau. Nicht bloß wettertechnisch, denn im Osten erstrahlte das kräftige Blau der AfD. Die Abgrenzung zur »alten« Bundesrepublik hat sich so deutlich entwickelt, dass es vielen Alt-Republikanern nicht nur die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte, sondern diese noch verstärkt wurde durch ein Gefühl des Fremdschämens. Deutschland könnte (2029) diesen Leuten anheimfallen. Die Wahrscheinlichkeit steigt rasant, sollte die früher kurz GroKo genannte Koalition aus Union und SPD es nicht gewuppt bekommen.

Bedburg und das Wahlergebnis  

Dass die AfD in meiner Heimatstadt einmal so reüssieren würde, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Zweistärkste politische Kraft in unserer Stadt. Ich bin geneigt festzustellen, dass ich mich dafür schäme. Ist das anmaßend oder drücken »die anderen« solche Dinge nicht in viel schärferer Art und Weise aus?

Die Frage, die sich allerdings stellt, ist, ob diejenigen, die keine Notwendigkeit sehen, gegen autokratische Tendenzen zu kämpfen und stattdessen gern von Meinungsfreiheit und Demokratie reden, nicht echt schiefgewickelt sind.

Was bedeutet (uns) Demokratie in Zeiten der Herausforderung?  

Dafür, wie Leute ticken, wenn sie demokratisch herausgefordert werden, ist es ein mieses Beispiel. Sobald es eng wird und keine der Parteien mehr überzeugende Lösungen vorstellen, ist die politische Kultur, die wir in so vielen Jahrzehnten gemeinsam aufgebaut haben und die wir gemeinsam genießen konnten, von den AfD-Wählern aufs Spiel gesetzt worden. All die Ängste und Sorgen, die zweifellos auch durch die schlechte Arbeit der Ampel-Koalition geschürt wurden, rechtfertigen es nicht, der Demokratie die Rote Karte zu zeigen.

Lokale Ereignisse und ihre Auswirkungen  

In diesem Bezirk unserer Stadt war die Unterbringung von Geflüchteten in einem ehemaligen Fitness-Studio vorgesehen. Das Projekt wurde umgesetzt. Die Reaktionen der Menschen waren eindeutig. Die Sorgen und Ängste der Anwohner kann ich, kann man, nachvollziehen, die Proteste gegen die Entscheidung der Stadt ebenfalls. In anderen Teilen der Stadt spielte, wie wir das in diesen Zusammenhängen auch aus anderen Kommunen kennen, das Vorhaben nur eine untergeordnete Rolle.

Ich kenne diesen Herrn Jason von der AfD nicht. Vielleicht ist er ein sympathischer Mensch. Seine Wähler verstehe ich jedenfalls nicht.

Der Blick über den Atlantik  

Ist das nicht genau diese Ausprägung von falschem Demokratieverständnis, das ich da an den Tag lege? J.D. Vance hat uns das erst kürzlich ins Poesiealbum geschrieben. Statt innezuhalten, haben wir unserem Frust über diese »Einmischung« nachgegeben und seine Vorhaltungen mit starken Worten abgetan. Für mich fehlt es nicht an einer weniger negativen Reflexion der Vance-Rede. Vielmehr zählt der Blick über den Atlantik und die ganz bestimmt nicht beispielgebenden Methoden dieser Administration! Das einstige Land of the Free hat sich zum Schreckgespenst entwickelt. Nicht nur für uns Deutsche und uns Europäer.

Wer profitiert von dieser Entwicklung?  

Was würde ich darum geben, einmal Mäuschen in internen Regierungsgesprächen zu spielen. Ob sich Putin oder Xi über diese Entwicklung nicht göttlich amüsieren. Manchmal denke ich, ich höre ihr Schenkelklopfen bis in mein Wohnzimmer.

Es gibt viele Menschen in Deutschland, die von »der Politik« genervt sind und große Zukunftsängste haben. Das dürfte mit der Tatsache zu tun haben, dass wir bevölkerungstechnisch ein altes Land (Demografie) sind. Ich bin froh, dass so viele junge Leute die LINKE gewählt haben. Leider hat auch die AfD vom Zuspruch der Jungwähler profitiert. Sie gehen Wagnisse ein, zu denen ältere Bürger mit völlig anderen Motiven (Beharrungskräfte, Bewahrung des Status quo) auch bereit sind.

Die Entfremdung zwischen Politik und Bürgern  

Man hört gelegentlich den Vorwurf, die Berliner Politik hätte sich von der Lebenswirklichkeit der Menschen so weit entfernt, dass sie das Ausmaß der Frustration, der Nöte und Ängste nicht erfassen könnte und auch nichts davon wissen wollte. Ich kann das verstehen, auch dass solche Sichtweisen bei vielen Bürgern im Osten unseres Landes stärker entwickelt sind. Akzeptieren kann ich das nicht.

Die Frage, wieso zu viele Menschen sehr bewusst die rechtsextreme AfD wählen und weshalb sie dazu bereit sind, die demokratische Beschaffenheit Deutschlands gegen ein autokratisches Regime auszuwechseln, gibt weiter Anlass zu großer Sorge.

Merkliste

Mein KI-Manifest

Künstliche Intelligenz gehört inzwischen gelegentlich zu den Werkzeugen, die ich für diesen Blog nutze. Weil unter den Beiträgen mein Name steht, möchte ich transparent machen, was das bedeutet – und was nicht.

Die Gedanken bleiben meine

Ausgangspunkt meiner Texte sind meine Themen, meine Fragen, meine Haltung und häufig genug auch mein Ärger. KI entscheidet nicht darüber, worüber ich schreibe und welche Meinung ich vertrete. Sie kann mir helfen, Gedanken zu ordnen, Argumente zu prüfen oder einen Text sprachlich zu verbessern. Was am Ende veröffentlicht wird, entscheide und verantworte ich.

KI darf mir widersprechen

Besonders nützlich finde ich KI nicht als Bestätigungsmaschine, sondern als Gesprächspartner. Ich lasse mir Gegenargumente nennen, frage nach anderen Sichtweisen und versuche herauszufinden, ob meine Schlussfolgerungen tatsächlich tragen. Das bewahrt mich natürlich nicht vor Irrtümern. Aber manchmal hilft es dabei, die eigenen Gewissheiten noch einmal zu überprüfen.

KI darf helfen, aber nicht für mich denken

Es gibt keine feste Quote dafür, wie viel KI in einem Text stecken darf. Manchmal nutze ich sie überhaupt nicht, manchmal nur für eine Recherchefrage oder eine Formulierung, gelegentlich stärker bei der Strukturierung und Überarbeitung eines Textes. Entscheidend ist für mich: Ich muss den veröffentlichten Text als meinen eigenen vertreten können.

Fakten bleiben überprüfungsbedürftig

Ein LLM kann überzeugend formulieren und trotzdem falschliegen. Bei Tatsachenbehauptungen, Zahlen, Zitaten und Quellen versuche ich deshalb, die zugrunde liegenden Informationen zu überprüfen. KI ist für mich keine Quelle und schon gar keine Wahrheitsmaschine.

Auch Bilder können mit KI entstehen

Für Illustrationen und Beitragsbilder setze ich gelegentlich generative KI ein. Solche Bilder sollen einen Beitrag illustrieren oder einen Gedanken visualisieren. Sie sind keine fotografischen Dokumente eines tatsächlichen Geschehens. Wo eine Verwechslung möglich erscheint, sollte das kenntlich sein.

Die Verantwortung lässt sich nicht delegieren

Das ist für mich der wichtigste Punkt: KI kann an einem Text oder Bild mitwirken, aber sie kann mir die Verantwortung dafür nicht abnehmen. Was auf diesem Blog unter meinem Namen erscheint, dafür stehe ich ein – einschließlich möglicher Fehler.

Vielleicht verändert KI mein Schreiben. Wahrscheinlich tut sie das längst. Ich möchte nur darauf achten, dass sie mir beim Denken hilft, statt mir das Denken abzunehmen.

4 Kommentare

  1. „Man hört gelegentlich den Vorwurf, die Berliner Politik hätte sich von der Lebenswirklichkeit der Menschen so weit entfernt, dass sie das Ausmaß der Frustration, der Nöte und Ängste nicht erfassen könnte und auch nichts davon wissen wollte. Ich kann das verstehen, auch dass solche Sichtweisen bei vielen Bürgern im Osten unseres Landes stärker entwickelt sind. “

    Ja, weil sie – auch 35 Jahre später – noch immer recht andere Vorstellungen davon haben, was Politik leisten kann! In der DDR wurde ja quasi alles „von oben bestimmt“ – bis das Land schlicht pleite war. Aber diese Denke teilen auch viele AFD-Wähler und andere Frustrierte, die davon ausgehen, dass „die da oben machen was sie wollen“ und sich doch nur bereichern wollten.

    Gewisse große Zusammenhänge wollen oder können sie nicht sehen, das gilt auch für Wähler/innen der LINKEN. Dass z.B. Inflation viele Ursachen hat, auf die wir als Land gar keinen Einfluss haben und dass ein Gegensteuern durch verstärkte Umverteilung noch mehr in die wirtschaftliche Misere führen würde – das hab ich auch erst im vorgerückten Alter eingesehen!
    Dennoch finde ich den Erfolg der Linken gut, denn ihre Stimme wird durchaus gebraucht, sie macht auch sehr gute Anfragen im Bundestag.

    • Von mir aus können sie die Mauer wieder hochziehen – am besten gleich 4 m höher.