Advent im Schatten der Poller: Wie Sicherheitsauflagen unsere Stadtbilder verändern

Weihnachtsmärkte werden 2025 selten abgesagt, aber fast überall teurer und sichtbarer gesichert. Poller, Sperren und Kontrollen prägen das Stadtbild. Ursache sind reale Anschlagsrisiken – nicht „rassistische Narrative“. Politik muss Kommunen bei Sicherheitskosten entlasten.

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10 Kommentare

Ich habe das Thema kürzlich selbst aufgegriffen, ausgelöst durch die Stadtbild-Debatte: Was macht es mit unseren Innenstädten, wenn Weihnachtsmärkte nur noch hinter Sperren, Betonblöcken und Kontrollpunkten stattfinden können?

Adventliche Innenstadt mit Sicherheitsbarrieren und Weihnachtsmarkt
Adventliche Innenstadt mit Sicherheitsbarrieren und Weihnachtsmarkt

Mir geht es dabei weniger um die schlichte Frage »findet ein Markt statt oder nicht?«. Die wirklich spürbare Veränderung liegt woanders: In den Sicherheitsmaßnahmen, die inzwischen wie eine zweite Architektur neben den Buden stehen. Pollerreihen, Fahrzeugbarrieren, Zonenplanung, teure private Wachdienste, teils Einlasskontrollen – das alles ist längst Teil der Adventsrealität. In Berlin am Breitscheidplatz kostet allein der private Wachschutz rund 180 000 EUR, dazu kommen Absperrungen, Polizeiposten, Videoüberwachung und Messerverbote.  In Dresden hat die Stadt für mobile Zufahrtsschutz-Elemente 1,85 Millionen Euro bereitgestellt – nicht für Lichterketten, sondern für Schutz vor Gewalt. 

Diese Maßnahmen fallen nicht vom Himmel. Sie sind die direkte Folge einer Sicherheitslage, die sich über Jahre zugespitzt hat. Ich insistiere darauf, auch wenn es manchen nicht passt: Gewalttäter und Terroristen – häufig mit Herkunft aus den bekannten Krisen- und Terrorregionen – haben durch reale Anschläge und Anschlagsversuche unsere Innenstädte und gerade Weihnachtsmärkte zu potenziellen Zielen gemacht. Der Anschlag von Magdeburg 2024 wirkt bis heute nach; vielerorts wurden Konzepte verschärft, Genehmigungen nachgeschärft, Zufahrtswege neu gedacht. 

Das zu benennen ist kein »rassistisches Narrativ«. Es ist eine Tatsachenbeschreibung der Motivation und Herkunft einzelner Täter – und eine notwendige Voraussetzung dafür, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Rassistisch wäre, daraus eine Pauschalanklage gegen Millionen friedlicher Menschen mit Migrationsgeschichte zu basteln. Genau das tue ich nicht. Aber wer jede klare Analyse sofort moralisch wegwischt, macht es sich zu leicht – und überlässt das Feld jenen, die tatsächlich spalten wollen. Und das passiert in diesem Land nach wie vor mit medialer Unterstützung einer in großen Teilen vollkommen einseitigen Medienlandschaft. Das ärgert viele Menschen – völlig zu Recht!

Denn ja, es gibt Akteure, die aus Einzelfällen eine Untergangsoper komponieren: »Überall werden Weihnachtsmärkte abgesagt.« Das stimmt so nicht. Faktenchecks und Kommunalverbände widersprechen der angeblichen Absagewelle; gemessen an den Tausenden Märkten bundesweit sind es bisher wenige echte Streichungen.  Was jedoch stimmt: Die Kosten steigen brutal. Eine Umfrage der BCSD zeigt, dass Veranstaltungskosten (Sicherheit inklusive) in drei Jahren im Schnitt um 44 % zugelegt haben.  Kleine Städte geraten damit an Grenzen – nicht weil sie »Tradition abschaffen« wollten, sondern weil die Rechnung sonst nicht aufgeht.

Damit sind wir beim politischen Kern. Der Deutsche Städtetag sagt zu Recht: Terrorabwehr ist Staatsaufgabe, keine kommunale Folklore. Wenn der Bund mehr Sicherheit verlangt, muss er auch helfen, sie zu bezahlen.  Sonst passiert das, was wir vereinzelt bereits sehen: Märkte werden verkleinert, Eintrittsfreiheit wird indirekt teurer, oder Veranstalter ziehen die Notbremse. Nicht aus Ideologie, sondern aus Überforderung. 

Und hier berührt die Sicherheitsdebatte das Stadtbild-Thema wieder ganz konkret. Unsere Innenstädte bekommen eine neue, harte Oberfläche: Sicherheit wird sichtbar, manchmal sogar dominant. Das verändert Atmosphäre und Spontaneität, es frisst Raum, es verschiebt die Optik der Plätze. Wer das schönredet, verkennt den Preis. Wer es nur als rechten Popanz abtut, verkennt ebenso die Realität.

Wie denken die Leute, die bei Merz‘ Rede, die übrigens zu Recht sehr gelobt wurde, über diese Dinge? Ich kanns mir ausmalen. Denn sie verließen scharenweise die Örtlichkeit, weil der Kanzler ihre Empfindung, beleidigt hatte oder sie sich solidarisch mit denen zeigen wollten, die sich beleidigt gefühlt haben. Das ist in unserem Land ja schnell passiert.

Ich wünsche mir einen nüchternen, zugleich entschlossenen öffentlichen Umgang damit: Die Gefährdung ist real, die Täter sind real, und ihre biografischen Hintergründe darf man nicht verschweigen. Gleichzeitig müssen wir verhindern, dass aus berechtigter Sicherheitskritik ein generalisierender Kulturkampf gegen »die Migranten« wird. Die Mitte verliert nur dann, wenn sie sich selbst das Sprechen verbietet.

Der Advent ist kein naives Märchen, aber er ist auch kein Schlachtfeld. Damit er ein Winterwohnzimmer bleiben kann, braucht es zwei Dinge: eine bestmögliche, verhältnismäßige Sicherheit – und eine faire Finanzierung, die Kommunen nicht allein im Regen stehen lässt.


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10 Gedanken zu „Advent im Schatten der Poller: Wie Sicherheitsauflagen unsere Stadtbilder verändern“

  1. Die Veränderung unserer Innenstadt-Weihnachtsmärkte durch neue Sicherheitsmaßnahmen springt tatsächlich ins Auge: Poller, Barrieren, Polizeipräzenz und Einlasskontrollen sind mittlerweile fester Bestandteil des Adventsalltags geworden – allein um das subjektive wie tatsächliche Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken und tragische Ereignisse wie in Magdeburg 2024 möglichst zu verhindern. Diese Entwicklungen haben eine neue »Oberfläche« in die Stadtlandschaft gebracht, die nicht nur schützt, sondern auch Atmosphäre und Spontaneität spürbar verändert.​

    Trotz aller Debatten sollte klar sein: Die Risiken sind real, deshalb darf die Analyse der Täterhintergründe und der sicherheitspolitischen Folgerungen nicht tabuisiert werden – aber daraus darf kein Generalverdacht gegen Menschen mit Migrationsgeschichte werden. Es braucht klare Worte, aber auch eine offene, differenzierende Haltung, damit Sicherheitskritik nicht zum populistischen Kulturkampf ausartet.​

    Ein entscheidender Punkt ist die Finanzierungsfrage. Die Kosten für mehr Sicherheit steigen rasant, wie aktuelle Zahlen und Berichte zeigen – viele kleinere Städte geraten dadurch an ihre Grenzen. Hier stimme ich der Forderung des Deutschen Städtetags zu: Wenn Sicherheit staatliche Aufgabe ist und der Bund höhere Standards verlangt, braucht es auch Unterstützung bei der Finanzierung. Sonst drohen indirekte Eintrittsbarrieren oder gar die Absage der Märkte, was weder Veranstalter noch Besucher wollen

    –-
    Dieser Kommentar ist vermutlich mit KI geschrieben. Ich spekuliere, halte eine hohe Wahrscheinlichkeit allerdings für gegeben. Das gefällt mir nicht, und ich überlege, wie ich darauf reagieren soll. Einfach löschen, fände ich allerdings nicht ok.
    Horst

    • @Kai: wer immer du bist: was ist das Motiv für diesen, offensichtlich KI-generierten Kommentar? Er geht inhaltlich nicht über den Artikel hinaus, du hättest auch einfach schreiben können: Bin voll deiner Meinung! Statt dessen lässt du die KI schreiben, die nur das reproduziert und anders formuliert zum Besten gibt, was Horst schon geschrieben hat.

      Üblicherweise passiert sowas, um einen Link zu posten, im Text oder als Namenslink – hier sehe ich aber garkeinen. Wodurch die Frage bleibt: Warum?

  2. Stimme dir zu, aber was bei alledem gern vergessen wird: Hätte das Polizeiauto in Magdeburg den »Rettungsweg« durch dortiges Parken (=kein finanzieller Aufwand) gesperrt, wie es wohl vorgesehen war, wäre der Anschlag nicht passiert! Vorher hatte es nur in Berlin diese Art Anschlag gegeben, aber angeblich war so etwas in Magdeburg »nicht vorhersehbar«. Dazu Wikipedia:

    »In einer Pressekonferenz am Folgetag des Anschlages verteidigte Magdeburgs Beigeordneter für Personal, Bürgerservice und Ordnung das in den Vorjahren genutzte Konzept, den Rettungsweg für Notfälle befahrbar zu lassen. Die Nutzung dieser Strecke für eine «Todesfahrt» sei nicht vorhersehbar gewesen. Gleichwohl gibt es Methoden, solche Wege bedarfsgerecht zu öffnen und zu schließen. …

    Das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bestätigte, dass ein bei der Einfahrt in den Rettungsweg geparktes Polizeifahrzeug gegebenenfalls als «mobile Sperre» fungieren sollte. Dieses parkte zur Tatzeit in 30 Metern Entfernung. Über derart abweichende Parkpositionen von Polizei-Mannschaftswagen soll der Veranstalter bereits am 29. November 2024 die Polizei informiert haben, die aber darauf nicht reagiert habe.

    Die vom Täter genutzte Lücke zwischen zwei Betonquadern hätte mit einer Kette versperrt werden sollen, die einen PKW abbremse und beschädige. Diese Kette gab es abweichend vom Sicherheitskonzept nicht.«

    Die ganze Geschichte ist nicht nur ein Drama, sondern ein unglaubliches Behördenversagen auf verschiedenen Ebenen. Lies nochmal das Kapitel »Gefährdungseinschätzung der Behörden im Vorfeld« im Wikipedia-Artikel – es ist einfach unglaublich, was die deutsche Bräsigkeit, Verantwortungslosigkeit und Ignoranz für Katastrophen ermöglicht! Mehrfach gab es Warnungen vor dem Täter mit der Angabe, dass er einen Anschlag plane – ebenso entsprechende Drohungen von ihm auf X. Eine Aktivistin der Säkularen Flüchtlingshilfe stellte im Jahr sogar 2023 Strafanzeige gegen ihn und warnte die Polizei vor einem Anschlag, den dieser vorbereiten würde.Aber nicht mal eine »Gefährderansprache« kam zustande!

    »Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt sowie das Bundeskriminalamt kamen 2023 zu dem Ergebnis, dass von al-Abdulmohsen «keine konkrete Gefahr» ausgehe. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Jochen Kopelke erklärte, dass Hinweise aus dem Ausland oder Postings in sozialen Netzwerken nicht alle sofort verarbeitet werden könnten und dürften; der polizeiliche Alltag sei von Datenschutz, Quellen aus dem Ausland und rechtlichen Hürden geprägt«

    Und anstatt nun wirksam auf allen Ebenen die Prävention zu verbessern, verschärft man lieber zu Lasten der Gemeinden sie Sicherheitsvorkehrungen – die am Ende auch nicht helfen würden, wenn ein Sprengstoffattentäter angreift, weil der Autoweg versperrt ist.

    Letztendlich finde ich es falsch, vom Staat totale Sicherheit zu verlangen! So schlimm das ist, aber in unserer Zeit gehören mögliche Anschläge zum allgemeinen Lebensrisiko – es gibt keine 100%ige Sicherheit!

  3. Nebenbei: Bin dir dankbar, dass du so vieles aktuell bloggst! Das bringe ich gerade nicht zustande, weil es mir einfach zu VIELES ist, zu dem ich was schreiben könnte/wollte/sollte. Das blockiert mich derzeit – statt dessen kommentiere ich bei dir und wenigen anderen elendlang und denke dann: das hätte ich jetzt aber auch als eigenen Beitrag schreiben können – was halt einfach nicht stimmt, sonst hätte ich es ja gemacht! 🙂
    Also danke für deine »erhöhte Schlagzahl«!

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