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Geld und Realität
Wenn ein junger Mann – sagen wir Anfang 30 – in einer Talkshow im deutschen Fernsehen feststellt, dass ein Berufsanfänger im Pflegedienst rund 3.500 Euro im Monat verdient und dann ernsthaft in Richtung des Auditoriums (hier mit Friedrich Merz) meint, davon könne man doch nicht leben, verschlägt es mir die Sprache. Über Geld redet man nicht. So habe ich es immer gehalten, wenn die Sprache mal darauf kam, wie viel ich denn gerade verdiene. Ich komm klar, war meine dünnlippige Antwort.
Maß und Mitte
Heute lese ich, dass der CEO von Starbucks im letzten Jahr 95 Mio. $ verdient hat. Da fällt mir gleich wieder eine Liedzeile von Herman van Veen ein: »Und er hat ein Palais an der See, er verdient Millionen und mehr, er verdient sie zwar nicht, er bekommt sie, der Herr.« Da müsste der arme Mann ja 10 Jahre arbeiten, um endlich zum erlauchten Kreis der wachsenden Zahl von Milliardären zu zählen. Gut, ich kenne den Mann natürlich nicht, er wird schon vieles richtig gemacht haben. Aber wo die Verhältnismäßigkeit endet, kann ich als über 70-Jähriger einschätzen. Ich muss nicht lange nachdenken, um zu wissen, dass die Grenze krass überschritten ist.
Und wieder fällt mir das Zitat von Warren Buffett ein. Das normale Volk hat da nichts zu kamellen. Das machen die unter sich aus. Wer den Unternehmenswert in seiner Amtszeit als CEO um 77 Mrd. $ steigert, hat sich ein Bonbon verdient. Und als solches werden diese Teufel solche Werte vermutlich verstehen.
Was ist angemessen?
Ein Bundesminister verdient, glaube ich, so um die 24.000 bis 28.000 Euro im Monat. Das ist stattlich. Aber dafür müssen die auch ganz schön reinklotzen. Das entspricht zwar nicht unbedingt dem Bild, das viele in der Bevölkerung von der Arbeitsleistung unserer Minister haben. Doch ich finde, diese Größenordnung – angelehnt übrigens an das Einkommen von Richtern – geht in Ordnung.
Es wäre freilich schön, wenn die dokumentierten Ergebnisse langsam Früchte trügen. Ach, ich bin zu ungeduldig und vielleicht auch etwas neidisch auf die Abzocker hüben wie drüben.



Also mit 3500€ Brutto wird es je nach Region schon etwas schwerer aber ja das Leben ist teuer und wird immer teurer… Thats life.
@Willi: Das mag sein. Ich kenne die Unterhaltskosten nur aus unserer Region. Die ist ländlich geprägt und es gibt diese Unterschiede. Aber mir schien das in dem Moment, als er das mit dieser Inbrunst von sich gab, schon arg übertrieben. Was sollen die Leute sagen, die vom Mindestlohn leben müssen? Viel anders gehts auch denen nicht, die dieses in Verruf geratene Bürgergeld erhalten. Und dann liest man von solchen Beispielen wie diesem CEO.
Wenn man da schon in der Talkshow sitzt, könnte man auch Kontakte zu den dortigen Netzwerken aufbauen und mit etwas Glück über die Parteien und deren Stiftungen eine kleine Fernsehkarriere starten. Dann klappt es auch mit der monatlichen Sofortrente von nur 8000.
3.500 klingt viel. Die dürften in der Regel eher brutto sein. Es kommt natürlich auf die Region an.
In den meisten größeren Städten zahlt man für 2 ZKB zwischen 700 und 1500 € für die Bude.
Die Jahreskarte für die Öffis kostet zwischen 100 und 200 pro Monat pro Person, wenn man damit nicht dahinkommt, 400 € / Monat GK für das Auto, 200 € Stromnachforderung pro Jahr, 200 Euro NK für die Bude, die Inneneinrichtung ist nicht abbezahlt, die Kaution auch nicht, der Urlaub wurde teurer als gedacht und 5 Brötchen kosten 5 €. Dazu kommen Altlasten, Versicherungen, usw. Die Klamotten, auch die Arbeitsklamotten, darf man selbst mit finanzieren.
Dann noch ein aktuelles Smartphone, wo die Firmenapps auch laufen und Weihnachten steht ja auch noch vor der Tür.
Oft ist auch noch Nachwuchs da, der ebenfalls bedient werden will.
Das kann ggf. schon mal knapp werden.
Die Ministerdiäten kann man natürlich kaum vergleichen, denn wenn man eine h lang einen Vortrag bei der Bank X hält, bekommt man 25 k mit nach Hause, selbst, wenn man diese Zeit in der eigentlichen Institution fehlt.
Aber auch das sind Peanuts im Vergleich zur freien Wirtschaft. Für die CEOs dürfte dieses Krisenjahr ein richtiger Knaller sein. Erst den ganzen Kundendienst rausschmeißen und dann durch das quer subventionierte AI Projekt ersetzen, wohl wissend, dass AI das nicht in Gänze abdecken kann und dann die Firma leer verkaufen und dann bei der nächsten Firma mit mehr Geld so weitermachen.
@juri nello: Ich stelle mir vor, wie sich ein Bürgergeld- oder Mindestlohnempfänger fühlt, wenn er den Pfleger hört, der 3.500 EUR br so abtut. Gut, wenn er in einer größeren Stadt wohnt, mag es schon eng sein. Aber er ist Berufsanfänger. Ich erinnere mich, wie das war. Ich habe damals als Alleinstehender ca. 800 Mark br im Monat verdient. Davon habe ich 250 bei Mama für Kost und Logis abgegeben. Das war hart. Ich weiß, das kann man nicht vergleichen. Die Anspruchshaltung allerdings auch nicht.
Die Welt fällt auseinander in die, die Milliarden besitzen und die, die weder die Pensunsen noch die Macht besitzen, um irgendwie Einfluss zu nehmen. Und dann meinen die besonders Cleveren, Klassenkampf wäre obsolet.
@Horst Schulte: Dein Schicksal tut mir auch leid, aber Du hast offenbar das Richtige für Dich gemacht und kannst eben jetzt davon zehren. Das haben Andere eben ganz anders erfahren, obwohl sie zumindest glaubten, auch das Richtige zu tun. Und die Leute heute haben es (mehrheitlich) nur anders schwer. Du hattest die Konkurrenz von dort wo Du warst bis zum nächsten Dorf. Die Leute heute konkurrieren mit der Welt.
@juri nello: Ganz so wars nicht. Nachdem ich meine Lehre 1968-1971 abgeschlossen hatte, habe ich etwas später (1976) zu einem anderen Unternehmen gewechselt. Das war in Köln. Ich hatte keinen Führerschein und bin mit dem Zug oder mit dem Bus gefahren. Da waren 1 1/2 Stunden weg – pro Strecke. Die letzten 10 Jahre habe ich 150 km entfernt von meinem Dorf gearbeitet. Zuerst wollte ich täglich pendeln, habe aber sehr schnell gemerkt, dass ich das körperlich nicht konnte. Also habe ich wochentags im Hotel übernachtet. Eine Scheißzeit.