Markus Kurze und die unsterbliche Geste

Der letzte Handkuss

Es gibt Dinge, die sind so aus der Zeit gefallen, dass sie eigentlich nur noch auf Bildern der guten alten Zeit zu sehen sind – gleich neben dem Tintenfass, dem Faxgerät und dem „Schulterklopfen unter Männern“. Vom Handkuss ist die Rede. Kaum einer macht ihn noch, außer vielleicht in Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen oder bei besonders eifrigen Opernball-Gästen.

Markus Kurze, CDU-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt, wollte es offenbar trotzdem wissen. Ob aus alter Schule oder einfach aus Unachtsamkeit – der Versuch, einer Frau den Handrücken zu küssen, misslang so gründlich, dass er nicht nur landesweit Schlagzeilen, sondern auch eine handfeste Politkrise auslöste.

Kurze trat flugs von seinem Posten als Parlamentarischer Geschäftsführer zurück. Man könnte meinen, damit sei die Sache erledigt – doch das politische Parkett ist rutschiger als ein frisch gebohnerter Tanzsaal. Die Abwahl als Vorsitzender der Medienanstalt Sachsen-Anhalt? Gescheitert. Dank AfD-Unterstützung und einer Mehrheit, die es nicht so eilig hatte, blieb er auf dem Chefsessel sitzen.

So bleibt uns die skurrile Szene: Ein Mann, der von einem Handkuss aus der Bahn geworfen wird, nur um am Ende doch wieder gemütlich Platz zu nehmen – als sei nichts gewesen. Ein paar Reaktionäre treiben eben noch immer ihr Unwesen. Die AfD hilft gern! Da hilft das neue Denken, unterstützt und gefördert durch so erfolgreiche Tribunale wie MeToo und Taz, nicht. Vielleicht ist das die eigentliche Pointe: In der Politik hält man sich besser verkrampft mit den Händen am Sessel fest und verzichtet, wie während der Pandemie, auf unangemessenes Händeschütteln oder diese sexuelle Übergriffigkeit namens Handkuss.


Quelle: Küssen verboten, auch für breitbeinige CDU-Politiker | taz.de



Horst Schulte
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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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