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Der ehemalige russische Präsident und notorische Telegram-Rüpel Dmitri Medwedew hat wieder zugeschlagen. Diesmal fantasiert der Mann, der mittlerweile hauptberuflich zwischen Wodkaflasche und Sicherheitsratsposten pendelt, über die Entführung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz. Analog zur US-Operation in Venezuela – wo Präsident Maduro verschleppt wurde – könne er sich »ähnliche Aktionen« vorstellen. Die »Entführung des Neonazis Merz« wäre, so der Ex-Präsident wörtlich zur russischen Staatsagentur Tass, »eine hervorragende Wendung in dieser Karnevalsserie«.
Karnevalserie. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Mann, der formal Vizechef des russischen Sicherheitsrats ist, spricht über die Entführung eines amtierenden Regierungschefs einer NATO-Nation – und nennt das Ganze eine Karnevalserie. Medwedew fügte noch hinzu, es gebe »sogar Gründe, ihn in Deutschland zu verfolgen«, und es wäre »kein Verlust, zumal die Bürger umsonst leiden«. Was genau damit gemeint ist, bleibt im Dunkeln. Vermutlich auch für Medwedew selbst.
Scharfmacher mit System
Medwedew war von 2008 bis 2012 russischer Präsident, danach bis 2020 Ministerpräsident. Einst galt er im Westen als »liberales Gesicht« des Kreml, als Hoffnungsträger einer gemäßigteren russischen Außenpolitik. Diese Zeiten sind vorbei. Seit Jahren fällt Medwedew durch extreme, beleidigende und teils offen gewaltverherrlichende Äußerungen auf – vornehmlich auf Telegram, wo er regelmäßig gegen die Ukraine, den Westen und einzelne Politiker hetzt. Jüngst drohte er dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj explizit mit dem Tod und riet ihm, sich »besser nicht zu entspannen«.
Ob Medwedew wirklich dauerhaft betrunken ist, wie viele Beobachter mittlerweile vermuten, oder ob seine Ausfälle kalkulierte Propaganda sind, lässt sich schwer sagen. Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Was bleibt, ist ein ehemaliger Staatschef, der heute als offizieller Vertreter einer Atommacht öffentlich über die Entführung eines NATO-Regierungschefs spekuliert – und das auch noch als »realistisches Szenario« verkauft.
Berlin reagiert – zu Recht scharf
Die Bundesregierung hat die Drohung »aufs Schärfste« verurteilt. Schade, dass man sich das bei Trump offenbar nicht traut. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille stellte klar, dass Bundeskanzler Merz »gut und sicher geschützt« sei durch die Schutzgruppe des Bundeskriminalamts, die »zu den besten der Welt« gehöre. Man sehe keinen Anlass, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. Das ist die richtige Reaktion: klar in der Verurteilung, aber ohne Panik. Medwedews Fantasien verdienen keine Aufwertung durch Hysterie.
Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Wir leben in einer Zeit, in der ehemalige Staatschefs von Atommächten öffentlich über Entführungen spekulieren, während die USA tatsächlich einen amtierenden Präsidenten verschleppen – und beide Seiten das jeweils für legitim halten. Die »regelbasierte internationale Ordnung«, von der westliche Politiker so gerne reden, ist längst zu einer hohlen Phrase verkommen. Was bleibt, ist das Recht des Stärkeren, verpackt in unterschiedliche rhetorische Verkleidungen.
Ein gefährlicher Clown
Medwedew ist ein Clown. Aber ein gefährlicher Clown, weil er Teil eines Systems ist, das längst jede Hemmung verloren hat. Seine Äußerungen sind absurd, widerlich und – das ist das Beunruhigende – nicht mehr überraschend. Wenn ein hochrangiger russischer Funktionsträger offen über die Entführung eines deutschen Kanzlers schwadroniert, dann zeigt das vor allem eines: Die Grenzen des Sagbaren sind längst verschoben.
Merz muss sich keine Sorgen machen. Das BKA passt auf. Aber wir alle sollten uns Sorgen machen über eine Welt, in der solche Drohungen zum politischen Alltag gehören – und in der die Unterscheidung zwischen seriöser Außenpolitik und betrunkener Telegram-Tiraden immer schwerer fällt.
Meiner Meinung nach war das Kalkül. Medwedew will die Deutschen vorführen. Merz hat beim völkerrechtswidrigen Angriff der USA herumgedruckst, anstatt ihn zu verurteilen.
Was unterscheidet eigentlich den völkerrechtswidrigen russischen Einmarsch vom völkerrechtswidrigen Einmarsch der USA? Medwedew Ausfälle sind Propaganda, gleichzeitig hat er uns aufgezeigt, dass die Deutschen das Völkerrecht auch nicht ganz so ernst nehmen. Er hat Merz vor der Welt vorgeführt, betrunken oder nicht, der Schaden ist da, das Ziel erreicht.
@Peter Lohren: Immer, wenn dieser Idiot sein Maul aufmacht, ist das eine gezielte Provokation. Ich hasse diesen Kerl und siehe da – es wirkt! Tja, Feiglinge wollen Feiglinge genannt werden.