Wie ich schon sagte, ich schreibe ganz schön viel. Das liegt nicht nur an der KI, sondern wohl auch an der mir gebührenden Verteilzeit1. Ein Blog bietet sogar Gelegenheit, nicht nur über die anderen zu schimpfen, sondern die eigenen Handlungsweisen zu hinterfragen und evtl. sogar zu überdenken.

Worüber bloggen und weshalb? Wie kommt das an – für wen mach ich das überhaupt? Nun, die Fragen sind oft gestellt und vermutlich doch noch nicht in allen Facetten klar beantwortet.
Ich dachte, ich fang mal damit an, dass ich mir den Einfluss von KI auf mein Bloggen anschaue. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass ich die Plus-Version von ChatGPT schon seit Mai 2024 benutze. Vielleicht merkt man das meinen Texten stärker an, als ich vermutet hätte. Egal.

Tatsache ist, auch die Statistik, die ich eben mit ChatGPT gebaut habe, bestätigt, dass ich mehr blogge als früher. Die Zunahme ist im Vergleich zu 2023/24 aber doch nicht so stark, wie ich es erwartet hatte. Interessant fand ich die gute Entwicklung bei den Kommentaren. Das hatte ich auch nicht auf dem Zettel. Es gibt zwischendurch auch immer mal Zeiten, in denen die Kommentarfreude gebremst ausfällt. Früher beschränkte sich das eher Ferien- und Weihnachtszeit.
Mit der Unterstützung durch ChatGPT sind meine Artikel offenbar auch durchschnittlich etwas länger geworden. Das ist bei der komplexen Lage, in der sich nicht nur Deutschland befindet, vielleicht auch normal.
Ich weiß aus vielen Blogbeiträgen, dass viele von Blogstatistiken wenig halten und Beiträge darüber entsprechend selten sind. Mich interessierte aber doch, ob und wie sich der Einsatz von KI auf mein Schreiben bisher ausgewirkt hat.
Ich will gerne erwähnen, dass ich mich nicht zu denen zähle, die besonders skeptisch oder misstrauisch an diese umwälzende Veränderung herangehen. Noch überwiegt in meinem Fall die Begeisterung über die neuen Möglichkeiten. Andererseits sehe ich die mit dem Voranschreiten verbundene große Gefahr. Und zwar nicht bloß für die, deren Jobs durch KI »eingespart« werden. Und das werden sehr, sehr viele sein. Mir geben auch die Nachrichten zu denken (Studie, die gerade diskutiert wird), dass 40 % aller Aussagen der KI’s gelogen sein sollen. Ein Paradox sehe ich auch in der scheinbar bestehenden Tatsache, dass KI im Moment durch das Füttern immer größerer Inhalte, die durch KI’s produziert wurden, eher »dümmer« als »schlauer« wird. Da ist schon noch viel zu tun. Ich muss allerdings sagen, dass ich es oft amüsant finde, wie manche (auch Blogger) reproduzierbare Fehler einer KI als ganz großes Ding aufhängen und bestenfalls voreilige Schlussfolgerungen aus diesen Fehlleistungen ziehen. Schließlich hat doch jeder mal klein angefangen.
In der Arbeitswissenschaft kann Verteilzeit auch heißen: die Zeit, die nicht direkt produktiv ist, sondern für Nebentätigkeiten draufgeht – etwa Wegezeiten, Werkzeugholen, kleine Pausen.
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Ich nutze KI zwar nicht für Texte aber für die Recherche. Allerdings nutze ich zunehmend Perplexity, da die KI die Quellenangabe hinterlegt. (Die ich zugegeben Maßen selten einsehe 😄) Ich bin aber auch der Meinung, dass man für Texte ruhig die Hilfe von einer KI beanspruchen kann. Warum auch nicht. Der Grundstruktur eines Blogs schadet es doch nicht.
Blogs sind Meinungsbeiträge und da ändert doch der Einsatz von KI nichts dran. Was mich von Anfang an stört und was vielleicht auch bei einigen zu Skepsis führt, ist eigentlich nur der Begriff KI. Für mich ist das ein Programm welches lernfähig ist und das in vielen Fällen hilfreich ist. Es hat mit Intelligenz im Sinne von Bewusstsein rein gar nichts zutun.
Und wenn KI in Deinem Fall zu mehr Produktivität führt, ist der Sinn von KI wieder erreicht.
@Peter Lohren: Um ehrlich zu sein: Wir wissen alle nicht, wohin uns das führt. Wir stehen so weit am Anfang, dass keiner das wirklich wissen kann. Selbst Experten werden von Experten gemaßregelt, weil sie entweder zu optimistisch oder zu skeptisch sind. Das geht durch alle Schichten, könnte man sagen.
Ich glaube nicht, dass uns KI beim Denken quasi stören könnte oder das Denken irgendwann im negativen Sinne umschlagen lassen könnte. Ich glaube eher, das Gegenteil ist richtig.
Die Frage ist auch, wofür jemand publiziert. Menschen, die kommerziell arbeiten, kämpfen ohne durch künstliche Intelligenz assistiertes Schreiben mit stumpfen Waffen. Ahrefs veröffentlich seit längerer Zeit Statistiken, wie viele der neuen Inhalte mit KI erstellt werden. Da im kommerziellen Umfeld die Antwort „Praktisch alle“ lautet, ist Ahrefs beispielsweise dazu übergegangen, in den Auswertungen nicht das „ob“ zu bewerten, sondern „wie intensiv“ mit einem Wert darzustellen.
Nichtkommerzielle Blogger ohne Ergebnisziele können das „Mehr durch KI?“ mit ihrem persönlichen Spaßfaktor beantworten.
@Patrick Jobst: Das ist in der Tat ein Unterschied. Und auch das mit dem Spaßfaktor bei uns nichtkommerziellen Bloggern ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht werden die Auswirkungen aber auch nicht so krass sichtbar, wie du fürchtest, weil das Rad gestoppt oder sogar anhand neuer Einsichten wieder zurückgedreht wird. Es kann ja sein, dass qualitative Mängel auch mal zum Stoppen von Innovationen führt. Allerdings könnte schon das Geld, das in die Entwicklung gesteckt wird, diese Einsichten blockieren.