Wenn die Wolke weiterzieht: WordPress optimieren ohne Cloudflare

31. Mai 2026

Wenn Optimierung plötzlich nach Maschinenraum riecht

Sicher werden die Experten unter euch jetzt schon die Augen verdrehen. Die einen, weil sie sagen: „Das ist doch alles halb so wild.“ Die anderen, weil sie sich mit solchem Kram aus Prinzip nicht befassen und vermutlich spätestens beim Wort Nameserver innerlich den Tab schließen. Und wieder andere werden diese nervige Geschichte als Bestätigung dafür betrachten, dass man von einem laufenden System besser die Finger lässt.

Kann man so sehen.

Aber ich bin nun mal ein Bastler. Genauer gesagt: ein Rentner-Bastler mit außergewöhnlich viel Zeit. Und diese Zeit verplempere ich zu gern mit solchen Dingen, die für andere nach technischem Kleinkram aussehen, für mich aber immer noch kleine Abenteuer sind. Abenteuer im Maschinenraum. Mit DNS-Einträgen statt Dschungelpfad, SSL-Zertifikaten statt Kompass und Google PageSpeed als nervösem Reiseleiter, der alle fünf Minuten eine andere Bewertung in die Landschaft hält.

Es gibt diese Tage, an denen man am eigenen WordPress-System eigentlich nur ein bisschen aufräumen will. Ein paar Stellschrauben drehen, ein paar Ladezeiten glätten, vielleicht hier und da ein Plug-in bändigen. Man nimmt sich vor, sachlich zu bleiben. Ruhig. Erwachsen. Fast staatsmännisch. Ich habe den Blog aufgeräumt und eine ganze Reihe Plug-ins entfernt. Auch solche, auf die ich bisher nicht verzichten mochte. Es gibt nicht mehr die Möglichkeit, Kommentare nachträglich zu ändern oder sich bei neuen Kommentaren eine Benachrichtigung zu schicken. Die Bewertung von Artikeln und Kommentaren ist abgeschaltet. Eine Bildergalerie ist raus. Das waren zum Teil kostenpflichtige Plug-ins, auf die ich jetzt bewusst verzichte. Im Kommentarbereich z.B. ist derzeit so wenig los, dass solche Maßnahmen sich geradezu aufdrängen. Solche Services weiß ohnehin fast niemand zu schätzen.

Gestern Morgen war mein Blog nicht erreichbar. Ich konnte den Editor nicht öffnen, mich nicht mal mehr anmelden. Nach einigem Gehuddel klappte es dann doch und ich nutzte zum ersten Mal Updraft Plus. Das war erfolgreich, wäre allerdings wie sich erst später herausstellte, gar nicht erforderlich gewesen. Irgendwas musste in der Nacht zuvor passiert sein. War es das Gewitter? Lag es am Hoster? Ich glaube, die Ursache lag bei Cloudflare. Purge everything heißt die Lösung. Den Cloudflare-Cache leeren, damit Cloudflare frische Dateien vom Ursprungsserver holt. Danach war alles wieder wie es sein sollte. Nun war ich es leid. Mein Test von Cloudflare, der lediglich über ca. 2 Monate andauerte, sollte beendet werden.

Und dann sitzt man vor DNS-Einträgen, Nameservern, SSL-Zertifikaten, Cloudflare-Einstellungen und Google-Speed-Werten und fragt sich, ob man gerade den Blog optimiert oder versehentlich die Schaltzentrale eines mittleren Raumfahrtprogramms geöffnet hat.

Mein Ziel war klar: Ich wollte auf Cloudflare verzichten. Nicht, weil Cloudflare grundsätzlich Teufelszeug wäre. Für große Seiten, internationale Projekte, Shops oder stark angegriffene Systeme kann Cloudflare sehr sinnvoll sein. Aber für meinen Blog wollte ich wieder mehr Übersicht. Weniger Zwischeninstanzen. Weniger Magie im Hintergrund. Weniger dieser Momente, in denen man denkt: „Das kann doch nur am Cache liegen“ — und dann liegt es am Cache. Oder am DNS. Oder am SSL-Zertifikat. Oder an einer Regel, die man vor Monaten gesetzt und längst vergessen hat.

Der Cloudflare-Rückbau war also keine Heldentat. Eher ein kontrollierter Rückzug aus der Wolke. Aber einer, bei dem man besser nicht in falscher Reihenfolge an den Hebeln zieht.

Die Google-Speed-Achterbahn als letzter Anstoß

Ein wichtiger Grund für meine Entscheidung waren die sehr unterschiedlichen Messergebnisse bei Google PageSpeed Insights. Mal sah alles ordentlich aus, dann brachen einzelne Werte wieder ein, ohne dass ich im WordPress-System bewusst etwas verändert hatte. Solche Schwankungen machen mürbe. Man optimiert ein Bild, verändert eine Lazy-Load-Regel, schiebt ein Script aus der Verzögerung heraus, misst erneut — und plötzlich sieht das Ergebnis aus, als hätte nachts ein Kobold im Quellcode gebügelt.

Besonders nervig waren Effekte rund um verzögertes JavaScript. Einzelne sichtbare Elemente tauchten zu spät auf. Avatare oder kleine Oberflächenelemente wurden kurz falsch platziert. Manchmal sah die Seite beim ersten Laden so aus, als hätte sie sich beim Anziehen im Dunkeln vertan.

Das Problem war nicht ein einzelner großer Fehler. Es war dieses Zusammenspiel aus WordPress, Theme, GenerateBlocks, Perfmatters, Lazy Loading, JavaScript-Verzögerung, Cache und Cloudflare. Jeder dieser Bausteine kann hilfreich sein. Aber wenn zu viele Schichten übereinanderliegen, wird die Fehlersuche schnell zu einer Art digitalem Nebelwandern.

Nach dem Cloudflare-Rückbau und der sauberen Abstimmung mit Perfmatters sind diese Schwankungen nun endlich beseitigt. Die Werte liegen mobil stabil bei 98 bis 100 Prozent, Desktop bei 100 Prozent. Das lässt sich sehen. Nicht als Angeberei mit Fanfaren, eher als erleichtertes Ausatmen im Maschinenraum.

Warum Cloudflare für kleine Blogger nicht immer ein Segen ist

Cloudflare ist kein schlechtes Werkzeug. Im Gegenteil. Wer eine stark besuchte Website betreibt, internationale Zugriffe abfangen muss oder regelmäßig Sicherheitsprobleme erlebt, kann von Cloudflare deutlich profitieren. Das will ich gar nicht kleinreden.

Aber für kleine Blogger sieht die Sache anders aus. Ein persönlicher WordPress-Blog braucht in der Regel keine weltweite Lastverteilung, keine hochkomplexen Sicherheitsregeln und keine zusätzliche DNS-Zwischenschicht, nur damit am Ende ein paar Beiträge über Politik, Gesellschaft und das tägliche digitale Durcheinander ausgeliefert werden.

Der Nachteil liegt nicht darin, dass Cloudflare schlecht wäre. Der Nachteil liegt darin, dass Cloudflare die Struktur komplizierter macht. Plötzlich gibt es mehrere Caches: den WordPress-Cache, den Browser-Cache, den Server-Cache und zusätzlich den Cloudflare-Cache. Wenn dann etwas hakt, beginnt die bekannte Fehlersuche im Halbdunkel. Liegt es am Theme? An GenerateBlocks? An Perfmatters? Am Hoster? An Cloudflare? An DNS? An SSL? An einer Cache-Regel?

Genau das ist für kleine Blogger der Knackpunkt. Man gewinnt manchmal Geschwindigkeit, aber man verliert Übersicht. Man bekommt mehr technische Möglichkeiten, aber auch mehr Stellen, an denen etwas unsichtbar dazwischenfunken kann. Und wer seinen Blog selbst pflegt, kennt dieses Gefühl: Man will schreiben, nicht jeden zweiten Tag den Internet-Klempner geben.

Mein Cloudflare-Rückbau war deshalb keine Grundsatzrede gegen Cloudflare. Es war eine nüchterne Entscheidung für mein eigenes System: weniger Zwischeninstanzen, weniger Rätselraten, mehr direkte Kontrolle.

Erst prüfen, dann löschen

Der wichtigste Gedanke beim Cloudflare-Rückbau lautet: Cloudflare nicht sofort löschen. Nicht im Überschwang. Nicht aus Trotz. Nicht, weil man gerade mutig ist und der Kaffee noch wirkt.

Der saubere Weg beginnt damit, dass man die DNS-Einträge im KAS von all-inkl prüft. Dort müssen die entscheidenden Einträge bereits vorhanden sein, bevor man die Nameserver endgültig zurückstellt. Bei mir waren die wichtigsten Dinge bereits vorbereitet: Der A-Record zeigte auf die all-inkl-IP, der Wildcard-Eintrag ebenfalls, der MX-Eintrag lag auf dem passenden kasserver.com-Server, SPF, DKIM, DMARC und MailPoet-Einträge waren vorhanden.

Das klingt trocken. Ist es auch. Aber genau diese Trockenheit rettet einem den Tag. DNS ist kein Ort für Improvisation. DNS ist eher wie ein Sicherungskasten im Keller: Man kann daran arbeiten, aber man sollte vorher wissen, welcher Schalter wofür zuständig ist.

In meinem Fall war die gute Nachricht: Im KAS musste praktisch nichts mehr neu eingetragen werden. Die Basis war da. Der Blog stand nicht nackt im Regen. Er hatte schon Jacke, Schuhe und Hausschlüssel. Es fehlte nur noch der eigentliche Schritt zurück zu all-inkl.

Die richtige Reihenfolge beim Cloudflare-Rückbau

Beim Cloudflare-Rückbau zählt die Reihenfolge. Wer zu früh löscht, zu spät prüft oder ein SSL-Zertifikat übersieht, kann sich unnötige Ausfälle einhandeln. Der Rückbau sollte deshalb geordnet erfolgen.

Zuerst sollten alle bestehenden DNS-Einträge bei Cloudflare gesichert oder zumindest notiert werden. Dazu gehören A-Records, CNAME-Einträge, MX-Einträge und TXT-Einträge für SPF, DKIM, DMARC oder Dienste wie MailPoet. Diese Einträge müssen im KAS von all-inkl vorhanden sein oder dort sauber nachgetragen werden.

Danach prüft man im KAS die DNS-Einstellungen. Entscheidend sind vor allem der A-Record für die Hauptdomain, gegebenenfalls der Wildcard-Eintrag, der www-Eintrag, der MX-Eintrag für E-Mails und die TXT-Einträge für Mail-Sicherheit und Verifizierungen. Wer MailPoet nutzt, sollte auch die entsprechenden DKIM- und Verifizierungs-Einträge im Blick behalten.

Erst dann kommt das SSL-Zertifikat. Im KAS sollte unter dem Bereich für SSL-Schutz ein gültiges Let’s-Encrypt-Zertifikat für die Domain aktiv sein. Das ist wichtig, weil nach dem Wegfall von Cloudflare der eigene Server selbst sauber HTTPS ausliefern muss. Das kleine Schloss im Browser ist dann nicht mehr Cloudflares freundliche Fassade, sondern die eigene Haustür.

Wenn diese Basis stimmt, kann man in Cloudflare den Proxy-Status der DNS-Einträge deaktivieren. Die orange Wolke wird grau. Aus „Proxy“ wird „DNS only“. Damit läuft der Traffic schon direkter zum Server, ohne dass Cloudflare als Proxy dazwischensteht. Das ist ein sinnvoller Testlauf, bevor man die Nameserver endgültig zurückstellt.

Danach folgt der eigentliche Heimweg: In der all-inkl-Verwaltung werden die Nameserver von Cloudflare zurück auf die all-inkl-Nameserver geändert. In meinem Fall ging es um ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com. Sobald diese Änderung gespeichert ist, beginnt die DNS-Propagation. Das ist der Moment, in dem man technisch schon viel getan hat, aber noch nicht überall sofort das Ergebnis sieht.

Und erst ganz zum Schluss, wenn alles stabil läuft, kann die Domain bei Cloudflare entfernt werden.

Die Wolke grau machen, bevor sie verschwindet

Ein sinnvoller Zwischenschritt ist es, in Cloudflare den Proxy-Status der DNS-Einträge zu deaktivieren. Die orange Wolke wird grau. Aus „Proxy“ wird „DNS only“.

Das ist ein kleiner Klick mit großer psychologischer Wirkung. Denn damit läuft der Traffic nicht mehr durch Cloudflare, sondern direkt zum Server. Man kann prüfen, ob die Seite auch ohne die schützende, manchmal aber auch nervende Wolke erreichbar ist.

Dieser Schritt ist keine Pflicht in Stein gemeißelt, aber er ist sehr empfehlenswert. Er ist wie ein Probelauf vor der eigentlichen Premiere. Wenn hier schon etwas kracht, weiß man wenigstens, dass man noch nicht das ganze Theater abgebaut hat.

Und ja: Genau an solchen Stellen merkt man, wie abhängig man sich von Diensten gemacht hat, die im Alltag unsichtbar bleiben. Solange alles funktioniert, ist Cloudflare ein höflicher Butler. Sobald etwas hakt, steht derselbe Butler plötzlich mitten im Flur und hält einem fünf Türen gleichzeitig auf.

Das SSL-Zertifikat: Der kleine Schlossmoment

Ein besonders wichtiger Punkt beim Cloudflare-Rückbau ist das SSL-Zertifikat. Solange Cloudflare dazwischensteht, wirkt manches sicherer und glatter, als es auf dem Ursprungsserver tatsächlich eingerichtet ist. Fällt Cloudflare weg, muss der Server selbst sauber HTTPS ausliefern.

Bei all-inkl bedeutet das: Im KAS die betreffende Domain prüfen und sicherstellen, dass Let’s Encrypt aktiv ist. Das Zertifikat muss für die Domain gültig eingebunden sein. Erst dann ist der Rückweg von Cloudflare wirklich entspannt.

Das ist einer dieser Punkte, bei denen Panik schnell die Gardinen hochklettert. Man sieht eine Warnung, ein Schloss fehlt, der Browser schaut streng, und schon denkt man: Jetzt ist der Blog kaputt. Dabei ist meistens nur die Reihenfolge nicht sauber oder die DNS-Umstellung noch nicht überall angekommen.

Wichtig ist: HTTPS muss vor oder spätestens während der Nameserver-Rückstellung sauber vorbereitet sein. Denn ohne Cloudflare gibt es keinen freundlichen Vermittler mehr, der an der Tür sagt: „Alles gut, ich regle das mit dem Zertifikat.“

Nameserver zurück zu all-inkl: Der eigentliche Heimweg

Der zentrale Schritt war der Wechsel der Nameserver zurück auf all-inkl. In meinem Fall ging es um ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com. Genau hier entstand zunächst Unsicherheit, weil es im Netz und in manchen Hinweisen verschiedene Varianten gibt: ns5, ns6, manchmal auch längere ns5xxx- oder ns6xxx-Bezeichnungen.

Die Lösung war einfacher, als sie sich anfühlte: In der all-inkl-Verwaltung wird beim Ändern der Nameserver der zweite Nameserver in der Regel automatisch erkannt, sobald der erste korrekt eingetragen ist. Man trägt also den passenden ersten Nameserver ein, geht weiter, prüft, was all-inkl ergänzt, und speichert.

Vorher standen dort noch die Cloudflare-Nameserver. Das erklärte auch die Warnung, dass die Domain nicht sauber mit dem all-inkl-Webspace verbunden sei. Diese Meldung ist der Moment, in dem man kurz innerlich die Luft anhält. Man sieht ein Ausrufezeichen und denkt: „War schön mit euch. Der Blog war ein guter Kamerad.“

Aber nein. Es war nur die Technik, die sagte: „Noch bist du nicht wieder zu Hause.“

Nach dem Speichern der neuen Nameserver beginnt die Wartephase. Und diese Wartephase hat etwas Gemeines: Man hat alles getan, aber man sieht nicht sofort überall das Ergebnis. DNS-Propagation ist die Kunst, dem Internet beim Nachdenken zuzusehen.

Bitte nicht zu früh Cloudflare löschen

Der vielleicht wichtigste praktische Rat lautet: Cloudflare erst löschen, wenn die Umstellung stabil durch ist.

Solange weltweit noch Server die alten Cloudflare-Nameserver kennen, kann Cloudflare als eine Art Fallback dienen. Löscht man die Domain dort zu früh, kann es für einzelne Nutzer oder Prüfwerkzeuge zu Aussetzern kommen. Deshalb: erst prüfen, dann aufräumen.

Ich würde nach dem Nameserver-Wechsel diese Reihenfolge einhalten:

  1. Website im Browser mit https://horstschulte.com prüfen
  2. WordPress-Backend testen
  3. mehrere Unterseiten aufrufen
  4. SSL-Schloss im Browser kontrollieren
  5. E-Mail-Empfang und Versand prüfen
  6. DNS-Abfrage auf NS-Einträge kontrollieren
  7. erst danach Cloudflare entfernen

Dazu kann man externe Prüfseiten wie https://www.whatsmydns.net/ oder https://dnschecker.org/ nutzen. Dort prüft man für die eigene Domain den Typ NS. Wenn dort weltweit allmählich ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com auftauchen, ist der Rückweg in vollem Gang.

Cloudflare selbst kann danach aufgeräumt werden. Vor dem endgültigen Entfernen sollte man prüfen, ob DNSSEC in Cloudflare aktiv war. Falls ja, zuerst deaktivieren. Sonst kann es passieren, dass die Domain formal korrekt zeigt, aber die Namensauflösung an einer alten Sicherheitskette hängen bleibt. Das wäre dann die Sorte Fehler, bei der man sich erst fragt, ob der Server kaputt ist, dann das Theme, dann WordPress, dann das Leben.

Perfmatters: nicht alles auf Anschlag drehen

Nach dem Cloudflare-Rückbau wurde Perfmatters für mich noch wichtiger. Nicht als Wunderwaffe, sondern als Werkzeugkasten. Genau darin liegt der Unterschied. Wer bei Optimierung einfach alles aktiviert, gewinnt nicht automatisch Geschwindigkeit. Man kann sich damit auch sichtbare Elemente verzögern, Layout-Verschiebungen einbauen oder aus einem schnellen Blog eine nervöse Baustelle machen.

Besonders wichtig waren bei mir die Bereiche JavaScript-Verzögerung, Lazy Loading, kritische Bilder und die gezielte Behandlung sichtbarer Elemente. Wenn ein Avatar, ein Kommentarbereich, ein kleines Symbol oder eine Bedienfläche direkt beim Laden sichtbar sein soll, darf es nicht durch verzögertes JavaScript erst später zurechtgerückt werden.

Perfmatters hilft genau dort, weil man nicht nur pauschal optimieren muss, sondern Ausnahmen setzen kann. Kritische Bilder können vom Lazy Loading ausgeschlossen werden. Führende Bilder können priorisiert werden. Skripte, die sofort gebraucht werden, können aus der Verzögerung herausgenommen werden. Andere Skripte, die erst weiter unten auf der Seite wichtig sind, dürfen warten.

Das klingt nach Kleinarbeit. Ist es auch. Aber es ist die gute Sorte Kleinarbeit. Die Sorte, bei der man am Ende nicht mehr im Nebel steht, sondern erkennt: Dieses Element braucht sofortige Aufmerksamkeit, jenes darf später kommen.

Für mein WordPress-System waren vor allem diese Punkte entscheidend:

  1. JavaScript verzögern, aber sichtbare Effekte ausschließen
  2. kritische Bilder vom Lazy Loading ausnehmen
  3. LCP-relevante Bilder priorisieren
  4. unnötige Skripte nur dort laden, wo sie gebraucht werden
  5. CSS- und JavaScript-Optimierung Schritt für Schritt testen
  6. sichtbare UI-Elemente nicht der Verzögerung opfern
  7. Messergebnisse nicht nach einem einzigen Test bewerten

Der letzte Punkt ist wichtig. Google PageSpeed Insights ist hilfreich, aber ein einzelner Test ist kein Evangelium. Entscheidend ist, ob die Werte stabil bleiben. Genau das ist jetzt der Fall. Mobil 98 bis 100 Prozent, Desktop 100 Prozent. Und das nicht als zufälliger Sonntagswert, sondern als wiederholbar gutes Ergebnis.

Und dann diese 17 Prozent

Während man also mit Nameservern, SSL-Zertifikaten, DNS-Propagation und Performance-Werten ringt, taucht irgendwo auch noch ein Hinweis auf: „Spare jeden Monat 17 %, indem du deinen Tarif auf jährlich umstellst.“

Natürlich. Genau der richtige Moment.

Da sitzt man mit leicht erhöhtem Puls vor der technischen Infrastruktur des eigenen Blogs, sieht Warnhinweise, Zertifikatsfragen und DNS-Einträge, und dann kommt das Internet mit einem freundlichen Werbeschild um die Ecke: „Möchtest du nicht nebenbei noch deine Abrechnung optimieren?“

Das ist die digitale Gegenwart in einem Satz. Du willst nur dein WordPress-System stabilisieren, und irgendein Dienst reicht dir einen Rabattcoupon, während du prüfst, ob deine Domain noch lebt.

Aber vielleicht passt es sogar. Denn Optimierung ist nicht nur Geschwindigkeit. Optimierung ist auch Übersicht. Kosten. Abhängigkeiten. Wartbarkeit. Vertrauen. Wer seine Technik versteht, trifft bessere Entscheidungen. Auch beim Tarif. Nur bitte nicht mitten im Nameserver-Wechsel. Da sollte man keine Finanzentscheidungen treffen. Da sollte man atmen.

Was ich aus dem Rückbau gelernt habe

Der Cloudflare-Rückbau war am Ende weniger dramatisch, als er sich zwischendurch anfühlte. Aber genau das ist der Punkt: Technik erzeugt nicht nur Fehler. Sie erzeugt Gefühle. Kleine Schrecksekunden. Große Fragezeichen. Dieses dumpfe „Habe ich jetzt alles zerschossen?“

Die Antwort lautet meistens: nein. Aber man braucht eine gute Reihenfolge.

Erst DNS-Einträge sichern und prüfen. Dann SSL bei all-inkl kontrollieren. Dann Cloudflare-Proxy testweise auf „DNS only“ stellen. Dann Nameserver zurück auf all-inkl setzen. Dann warten. Dann prüfen. Dann noch einmal prüfen. Und erst wenn alles stabil läuft, Cloudflare entfernen.

So wird aus dem Cloudflare-Rückbau kein Sprung aus dem Flugzeug, sondern ein geordneter Abstieg über eine Treppe. Eine Treppe mit ein paar knarrenden Stufen, ja. Aber immerhin mit Geländer.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche WordPress-Optimierung: nicht immer noch ein Dienst, noch ein Plugin, noch ein Cache, noch eine Schicht obendrauf. Sondern manchmal weniger. Klarer. Direkter.

Der Blog muss nicht durch jede Wolke fliegen. Für meinen Fall reicht es, wenn er sauber auf dem eigenen Server steht, sein Zertifikat trägt wie einen ordentlich geknöpften Mantel und mit Perfmatters dort optimiert wird, wo es wirklich etwas bringt.

Das Ergebnis ist sichtbar: stabile PageSpeed-Werte, weniger Rätselraten, weniger Zwischenschichten und ein System, das wieder nachvollziehbarer geworden ist.

Das ist nicht spektakulär. Aber es ist beruhigend.

Und Beruhigung ist im Maschinenraum des Internets eine stark unterschätzte Performance-Metrik.

Horst Scheuer wusste Rat

29. Mai 2026

Dank Horst Scheuer wusste ich, wie man WordPress ohne AI nutzen kann. Um ehrlich zu sein, ich dachte nicht, dass ich den Tipp brauchte. So mit define( 'WP_AI_SUPPORT', false ); in der wp-config.php.

keine AI für Wordpress
keine AI für Wordpress

Wenn sich der Fall aber so darstellt wie in diesem Fall, verzichte ich doch gern. Ich habe drei Pro-Accounts (ChatGPT, Gemini und Perplexity … bescheuert, ich weiß), aber irgendwie hats mit keinem funktioniert. Wahrscheinlich der falsche Tarif. Wisst ihr was? Dann eben nicht. Vielleicht stimmt es doch, dass Hochmut vor dem Fall kommt.

Aber so wichtig ist das ja auch nicht. Schließlich muss nicht auch noch das ohnehin schon mit Plugins gut bestückte Teil weiter mit fremder Intelligenz angereichert werden.

Mieterhöhung und Eis: Der teure Trost

28. Mai 2026

Der Brief kam morgens

Eigentlich war’s ein ruhiger Tag. Es gibt solche die beginnen mit Post. Nicht mit einer Ansichtskarte, nicht mit einem vergessenen Päckchen – sondern mit einem Brief, der höflich, sachlich und unerbittlich mitteilt: Ihre Miete steigt. Die Mieterhöhung flattert ins Haus wie ein gut gekleideter Bote des Unvermeidlichen, der sich nicht einmal entschuldigt. Man liest. Man liest nochmal. Dann legt man den Brief auf den Tisch und fragt sich, was Würde wohl kostet. Ich frage für andere. Wir haben Glück (noch) — mit zwei Renten.

Mehr als man hat, offenbar. Wie machtlos wir sind. Trotz Mieterschutzbund und all den Unterstützerkreisen, die letztlich nicht helfen. Auch nicht bei einer Kündigung wegen Eigenbedarf. Alles schon erlebt und nicht nur wir.

Vorher noch der Friseur

Dabei hatte der Tag schon früh mit einer kleinen Kapitulation begonnen. 23 Euro für einen Trockenhaarschnitt – ohne Waschen. Früher gab es das mit, aber das wurde zu teuer. Man passt sich an, nennt es Pragmatismus und versucht zu vergessen, dass es in Wirklichkeit stille Rationierung ist. Haare trockenschneiden, Mieterhöhung schlucken: Das ist das neue Haushaltsmanagement eines Rentners, der nicht jammern will – aber die Zahlen kennt. Tanken (20 l für 41 EUR.) Bei 20 l habe ich den festen Griff an am Einfüllstutzen schnell losgelassen. Schön, dass wir Rentner sind und kaum noch fahren.

Die einzig logische Antwort

Also: Eis. Nicht irgendein Stieleis aus der Tiefkühltruhe, sondern ein richtiges Hörnchen. Zwei Bällchen, Sahne drauf, Waffel knusprig. 8,40 Euro. Kein luxuriöser Konsum – eher eine Art Verzweiflungshaltung. Die Mieterhöhung und das Eis gehören jetzt zusammen wie Angebot und Nachfrage, wie Ursache und köstliche, aber teure Wirkung.

Wer hält uns noch auf?

Die Politik schreibt Koalitionsverträge. Die Wirtschaft schreibt Rechnungen. Der Vermieter schreibt Mieterhöhungen. Der Friseur wäscht nur noch gegen Aufpreis. Und der Rentner auf dem Land schreibt einen Blogbeitrag – seit 2004 schon – und beobachtet, wie sich das Bezahlbare still verabschiedet, Posten für Posten, Brief für Brief.

Das Hörnchen hielt bis zur letzten Kugel durch. Von anderen Strukturen dieser Gesellschaft lässt sich das nicht immer behaupten.

Ab wann hört man eigentlich auf, sich anzupassen – und fängt an, laut zu werden?

Der KI-Moloch frisst Strom – und wir reden vom Klimaschutz

27. Mai 2026

Stefan Pfeiffer hat in seinem Artikel „Wie der KI-Hype Arbeitsplätze vernichtet und Milliarden zirkulieren lässt“ eine Entwicklung beschrieben, die einem schon beim Lesen die Luft nimmt. Nicht, weil Künstliche Intelligenz an sich schon das Problem wäre. Sondern weil die Art, wie sie derzeit durch die Welt geprügelt wird, wie ein Déjà-vu aus den schlimmsten Momenten des Kapitalismus wirkt: Stellenabbau hier, Börsenjubel dort, dazwischen Milliarden, die von einem Konzern zum nächsten geschoben werden, bis alle so tun können, als sei echte Wertschöpfung entstanden.

In meinem Kommentar zu Stefans Beitrag hatte ich deshalb einen Punkt ergänzt, der mir über die Arbeitsplatzfrage hinaus durch den Kopf geht: der KI-Klimawiderspruch. Denn während wir über die Klimakatastrophe reden, als sei sie eine Art moralische Hausaufgabe für später, werden gleichzeitig gigantische Rechenzentren gebaut, deren Energiehunger kaum noch zu übersehen ist. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2030 auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln könnte; in den USA sollen Rechenzentren fast die Hälfte des zusätzlichen Strombedarfs bis 2030 ausmachen. Das ist keine Fußnote. Das ist ein eigener Kontinent aus Stromhunger.  

Sascha Pallenberg hat diesen Widerspruch in seinem Text „Metropolis 2026: Willkommen im KI-Moloch“ noch drastischer zugespitzt. Er greift Fritz Langs „Metropolis“ auf: oben die Gärten der Tech-Elite, unten die Maschinenräume, in denen andere den Preis bezahlen. Das Bild ist hart. Aber es passt leider ziemlich gut. Denn die neue KI-Welt kommt nicht als freundlicher Assistent mit höflichem Lächeln daher. Sie kommt als Infrastrukturprojekt, als Machtprojekt, als Finanzmaschine. Und wie jede Maschine braucht auch diese Maschine Futter.

Epilog fuer Heuchler wie mich

Fuer diese MeTacheles-Ausgabe habe ich abermals Image to Image-Modelle eingesetzt, um die diversen Metropolis-Szenen hochzuskalieren und auf 21:9 zu strecken. Dazu kam fuer die Recherche immer wieder Perplexity zum Einsatz, was ich inzwischen jeder klassischen Suchmaschine vorziehe.

Ich setze lokale LLMs ein, um ALT-Texte fuer Bilder zu erstellen, Beschreibungstexte fuer meine Podcasts oder aber mir dabei zu helfen, diverse Schlagzeilen auszuprobieren. Und ja, dafuer zahle ich jeden Monat viel Geld und fuettere damit auch die Maschinerie, die ich hier kritisiere.

Und warum? Tja, da sind wir wieder bei der vermeintlichen Effizienz… 🤷 Dir hat diese Ausgabe gefallen? Dann teile diese doch mit deinem Netzwerk. MeTacheles ist kostenlos, extrem zeitaufwendig & genau deshalb spiele ich jetzt auch ein wenig Staubsaugervertreter 😎

Quelle

Soviel verbrauche ich mit meinen kleinen Blogartikeln zwar nicht. Aber — soviel Bekenntnis ist gut und natürlich auch angebracht.

Das Futter heißt Strom. Wasser. Chips. Seltene Rohstoffe. Flächen. Netze. Kühlung. Und natürlich Geld. Viel Geld.

Klimakrise predigen, KI-Kraftwerke bauen

Hier liegt der offene Widerspruch. Auf der einen Seite wissen wir, dass die Klimakrise längst keine abstrakte Warnung mehr ist. Hitzerekorde, Dürre, Starkregen, Ernteausfälle, Waldbrände, aufgeheizte Städte – das ist keine Zukunftsmusik mehr, das ist die Gegenwart mit schiefem Grinsen. Auf der anderen Seite behandeln Politik und Wirtschaft den Ausbau energiehungriger KI-Infrastruktur, als sei er ein Naturgesetz.

Da wird nicht gefragt: Brauchen wir das alles? Da wird gefragt: Wie bekommen wir es schneller genehmigt?

Die US-Regierung hat den Ausbau von KI-Infrastruktur ausdrücklich zur nationalen Priorität gemacht. Im amerikanischen „AI Action Plan“ heißt es offen, KI sei der erste digitale Dienst des modernen Lebens, der die USA zwinge, deutlich mehr Energieerzeugung aufzubauen. Gleichzeitig sollen Genehmigungen für Rechenzentren, Halbleiterfabriken und Energieinfrastruktur beschleunigt werden.  

Das ist ehrlich, aber eben auch entlarvend. Man sagt im Grunde: Wir brauchen mehr Energie, weil wir den KI-Wettlauf gewinnen wollen. Punkt. Ob diese Energie sauber ist, ob Netze überfordert werden, ob lokale Gemeinden am Ende höhere Strompreise zahlen oder Wasser knapper wird, steht nicht im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt steht Dominanz. Technologische Dominanz. Geopolitische Dominanz. Ökonomische Dominanz.

Und da sind wir wieder beim KI-Klimawiderspruch. Beim Klima wird den Bürgerinnen und Bürgern gern erklärt, sie sollten weniger heizen, weniger fliegen, weniger Fleisch essen, weniger dies, weniger das. Beim KI-Ausbau dagegen gilt plötzlich: mehr, schneller, größer, stärker. Der Gürtel wird beim Normalbürger enger geschnallt, während im Maschinenraum die Turbinen hochgefahren werden.

Wer verdient an diesem Widerspruch?

Die Interessenlage ist gar nicht so schwer zu erkennen. Big Tech verdient gleich mehrfach. Die großen Cloud-Anbieter verkaufen Rechenleistung. Die Chipkonzerne verkaufen die Hardware. Die Energieunternehmen bekommen neue Großkunden. Die Finanzmärkte lieben die Erzählung, weil sie Wachstum verspricht, auch wenn der reale Nutzen an vielen Stellen noch ziemlich wolkig bleibt.

Stefan Pfeiffer beschreibt genau diese Geldschleifen: Investoren aus dem Big-Tech-Umfeld stecken Milliarden in KI-Unternehmen, die das Geld anschließend wieder für Cloud-Leistungen, Chips und Rechenzentren ausgeben. So entsteht Umsatz, der glänzt wie frisch poliertes Messing, aber nicht zwingend viel mit gesellschaftlichem Nutzen zu tun hat. Der eine bezahlt den anderen, der andere bezahlt den ersten zurück, und am Ende klatscht die Börse.

Sascha Pallenberg nennt das sinngemäß den KI-Moloch. Ein System, das sich selbst befeuert. Es produziert Versprechen, Angst, Entlassungen, Investitionen, neue Abhängigkeiten und immer neue Nachfrage nach Energie. Die Maschine läuft, weil alle Beteiligten ein Interesse daran haben, dass sie weiterläuft.

Und die Politik? Die steht nicht daneben. Sie steht mittendrin.

Die USA betrachten KI als Machtfrage. China tut das ebenfalls. Europa redet über Regulierung, Souveränität und Werte, kauft aber in der Praxis weiterhin Cloud-Leistungen und Chips aus den USA. Deutschland diskutiert derweil gern über Formulare, Zuständigkeiten und die Frage, ob wir innovativer wären, wenn wir weniger über Formulare reden würden. Auch eine Art nationales Meditationsprogramm.

Politik zwischen Steuerknüppel und Förderkanne

Der Einfluss der Politik ist größer, als sie gern zugibt. Sie entscheidet über Genehmigungen, Netzausbau, Subventionen, Steuererleichterungen, Umweltauflagen, Wasserrechte, Standortpolitik und Energiepreise. Sie könnte Rechenzentren verpflichten, ihren Strom zusätzlich und nachweisbar erneuerbar zu beziehen. Sie könnte Abwärmenutzung verlangen. Sie könnte Wasserverbrauch streng begrenzen. Sie könnte Transparenz über Energie- und Ressourcenverbrauch zur Bedingung machen. Sie könnte sagen: Wer hier bauen will, muss nicht nur Investitionen versprechen, sondern auch ökologische Verantwortung nachweisen.

Aber will sie das?

In den USA zeigt sich eher das Gegenteil. Der politische Kurs setzt auf Beschleunigung. Die neue KI-Infrastruktur wird nicht als Belastung, sondern als strategische Notwendigkeit verkauft. In juristischen und politischen Analysen zu den entsprechenden Executive Orders wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Genehmigungsverfahren für große Rechenzentren beschleunigt, Bundesflächen genutzt und finanzielle Unterstützung möglich gemacht werden sollen.  

Das ist der Punkt: Wenn es um KI geht, wird der Staat plötzlich sehr handlungsfähig. Er kann Geld mobilisieren, Verfahren beschleunigen, regulatorische Hürden abbauen, nationale Interessen definieren. Wenn es um Klima geht, wird derselbe Staat oft erstaunlich kleinlaut. Dann ist alles schwierig, teuer, unzumutbar, marktfeindlich oder angeblich ideologisch.

Der KI-Klimawiderspruch zeigt deshalb nicht nur ein technisches Problem. Er zeigt ein politisches Problem. Wer Macht verspricht, bekommt Tempo. Wer Begrenzung verlangt, bekommt Bedenkenträgerei.

Fossile Propaganda und die große Entwarnungsmaschine

Der SPIEGEL-Text von Christian Stöcker über das Klimaszenario RCP 8.5 passt genau in diese Debatte: „Klimaszenario RCP 8.5: So funktioniert fossile Propaganda heute“ Es geht dabei um ein Muster, das wir seit Jahren kennen. Sobald eine wissenschaftliche Entwicklung differenzierter wird, machen interessierte Kreise daraus eine Entwarnung.

Wenn ein besonders extremes Klimaszenario heute als weniger wahrscheinlich gilt als früher, heißt das eben nicht: Alles halb so wild. Es heißt eher: Manche Entwicklungen waren besser als befürchtet, aber die Klimakrise bleibt real, gefährlich und teuer. Trotzdem wird daraus gern die Botschaft gestrickt: Seht ihr, die Klimawissenschaft hat übertrieben. Also können wir weitermachen.

Diese Entwarnungsmaschine ist politisch äußerst nützlich. Sie verschiebt den Druck. Sie nimmt fossilen Geschäftsmodellen die Schärfe der Kritik. Sie liefert jenen Politikern Munition, die Klimaschutz ohnehin für lästig halten. Und sie passt perfekt in eine Welt, in der neue Energiehungrige wie KI-Rechenzentren entstehen.

Denn wenn man den Leuten einreden kann, die Klimakatastrophe sei doch nicht so schlimm, lässt sich der neue Stromhunger leichter rechtfertigen. Dann wird aus einem Konflikt plötzlich eine Standortfrage. Aus Ressourcenverbrauch wird Innovation. Aus Klimarisiko wird Wettbewerbsfähigkeit.

So einfach wird aus Nebel Politik.

Die Cloud steht nicht im Himmel

Wir sollten aufhören, von der Cloud zu sprechen, als sei sie ein harmloser Wattebausch über unseren Köpfen. Die Cloud steht in Hallen. Sie summt. Sie heizt sich auf. Sie braucht Kühlung. Sie hängt an Stromnetzen. Sie konkurriert mit Haushalten, Industrie und öffentlicher Infrastruktur. Sie ist Beton, Metall, Wasser, Kupfer, Silizium und Strom.

Das macht KI nicht automatisch falsch. Ich nutze KI selbst. Ich sehe ihre Möglichkeiten. Ich sehe auch, dass sie helfen kann: in der Medizin, bei Forschung, Übersetzung, Barrierefreiheit, Verwaltung, Energieoptimierung. Aber genau deshalb muss man doch genauer hinschauen. Eine nützliche Technologie wird nicht dadurch besser, dass man ihre Kosten romantisiert.

Der KI-Klimawiderspruch besteht nicht darin, dass KI Strom braucht. Jede moderne Technologie braucht Energie. Der Widerspruch besteht darin, dass wir einen neuen, gewaltigen Energieverbrauch aufbauen, während wir gleichzeitig wissen, dass wir Energieverbrauch, Emissionen und Ressourcenverschwendung drastisch begrenzen müssten.

Und das alles geschieht in einer Sprache, die kaum noch Zweifel erlaubt. Wer bremst, gefährdet den Standort. Wer fragt, ist innovationsfeindlich. Wer reguliert, wird als Bürokrat verspottet. Wer Klimafolgen anspricht, gilt schnell als Spielverderber.

So redet eine Gesellschaft, die ahnt, dass sie gegen die Wand fährt, aber vorher noch schnell die Sitze mit Leder beziehen möchte.

Was wäre eine ehrliche Debatte?

Eine ehrliche Debatte müsste zuerst anerkennen, dass KI nicht körperlos ist. Sie müsste die ökologischen Kosten offenlegen. Nicht irgendwann. Jetzt. Wie viel Strom verbrauchen die neuen Rechenzentren? Woher kommt dieser Strom? Wie viel Wasser wird benötigt? Welche Gemeinden tragen die Last? Wer bezahlt den Netzausbau? Wer profitiert von Steuererleichterungen? Welche Unternehmen bekommen Fördermittel? Welche Klimaziele werden dadurch schwerer erreichbar?

Und dann müsste man Prioritäten setzen. Nicht jede KI-Anwendung ist gesellschaftlich gleich wichtig. Ein KI-System, das Krebsdiagnostik verbessert, ist etwas anderes als ein Bot, der Werbetexte in 400 Varianten ausspuckt. Ein Modell, das Stromnetze effizienter steuert, ist etwas anderes als automatisierter Spam mit hübscher Grammatik. Wenn Energie knapp, teuer und klimarelevant ist, kann man nicht so tun, als seien alle Anwendungen gleich wertvoll.

Der Markt wird diese Unterscheidung nicht allein treffen. Der Markt fragt nicht nach Würde, Klima oder gesellschaftlichem Sinn. Der Markt fragt nach Rendite. Deshalb braucht es Politik. Aber nicht jene Politik, die sich bei Konzernen an den Tisch setzt und danach so klingt, als hätten die Lobbyisten gleich selbst mitgeschrieben. Sondern Politik, die Grenzen setzt, Transparenz erzwingt und Gemeinwohl nicht als Sonntagspredigt behandelt.

Der eigentliche Skandal

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass KI wächst. Der Skandal ist, dass ihr Wachstum als zwangsläufig verkauft wird. Als gäbe es keine Entscheidungen. Keine Alternativen. Keine Grenzen. Keine Verantwortung.

Doch es gibt Entscheidungen. Man kann Rechenzentren anders regulieren. Man kann ihre Abwärme nutzen. Man kann sie an erneuerbare Zusatzkapazitäten koppeln. Man kann Wasserverbrauch begrenzen. Man kann Subventionen an klare Klimakriterien binden. Man kann öffentliche Mittel nicht einfach in eine Infrastruktur pumpen, deren gesellschaftlicher Nutzen unklar bleibt, während Schulen, Bahn, Pflege, Wohnungsbau und Kommunen weiter um jeden Euro betteln.

Stefan Pfeiffers Artikel zeigt die arbeitsmarktpolitische Seite des KI-Hypes. Sascha Pallenbergs „Metropolis“-Bild zeigt die soziale und kulturelle Wucht dieser Entwicklung. Der Klimablick macht das Bild komplett. Denn der KI-Klimawiderspruch ist am Ende die Frage, ob wir noch in der Lage sind, technischen Fortschritt politisch zu zähmen.

Oder ob wir jede neue Maschine erst einmal anwerfen, bis sie heißläuft.

Die Klimakatastrophe wartet nicht, bis der KI-Hype seine Renditeziele erreicht hat. Sie wartet auch nicht, bis die Märkte herausgefunden haben, ob die Milliardeninvestitionen wirklich produktiv waren oder nur ein weiteres Luftschloss mit Serverraum. Sie ist da. Sie steht vor der Tür. Manchmal steht sie schon im Wohnzimmer.

Und deshalb reicht es nicht, KI als Zukunftstechnologie zu feiern. Wir müssen fragen, welche Zukunft sie eigentlich frisst.

Ressourcenausbeute durch KI

⚡ Stromverbrauch: Explodierendes Wachstum

Der KI-spezifische Stromverbrauch von Rechenzentren wird laut Öko-Institut/Greenpeace von 50 TWh (2023) auf rund 550 TWh (2030) steigen – ein Elffacher Anstieg in nur sieben Jahren. Zusammen mit konventionellen Rechenzentren werden 2030 rund 1.400 TWh verbraucht – etwa so viel wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande zusammen. Die IEA prognostiziert, dass sich der Strombedarf aller Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird, wobei KI-optimierte Server den größten Treiber darstellen – ihr Bedarf wächst bis 2030 um 225 Prozent.


💧 Wasserverbrauch: Der unsichtbare Durst

Rechenzentren verbrauchten 2024 bereits 239 Milliarden Liter Wasser – bis 2030 sollen es 664 Milliarden Liter sein, eine Vervierfachung. Allein das Training von GPT-3 benötigte rund 700.000 Liter Wasser für die Kühlung der Rechenzentren. Ein einziges KI-Gespräch mit 10–50 Fragen verbraucht etwa 500 Milliliter Wasser – eine halbe Flasche pro Chat-Session.


🌍 Ressourcen-Bilanz 2030 im Überblick

Ressource20232030 (Prognose)Faktor
Strom KI-RZ50 TWh550 TWh11×
Wasser (alle RZ)170 Mrd. L664 Mrd. L~4×
CO₂-Emissionen212 Mio. t355 Mio. t1,7×
E-Abfall (zusätzlich)+5 Mio. tneu
Kritische Rohstoffe~100 Tsd. tneu

Quellen: Öko-Institut/Greenpeace 2025


🔍 Was kostet eine einzelne Anfrage?

Die Dimension wird erst im direkten Vergleich greifbar:

  • Google-Suche: ~0,0003 Wh Strom, kaum messbar Wasser
  • KI-Chat-Anfrage (ChatGPT etc.): ~0,003 Wh – 10× mehr als eine Suche, plus ~500 ml Wasser
  • GPT-3 Training: ~500 MWh Strom, 5,4 Milliarden ml Wasser – einmalig, aber enorm

☣️ Weitere Belastungen

Neben Strom und Wasser fallen für den Ausbau der KI-Infrastruktur zusätzlich 920 Kilotonnen Stahl und rund 100 Kilotonnen kritische Rohstoffe (Lithium, Kobalt, seltene Erden) an. Der entstehende Elektronikschrott durch den schnellen Hardware-Austausch beläuft sich auf geschätzte 5 Millionen Tonnen zusätzlich bis 2030. Das Öko-Institut warnt ausdrücklich: Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien steigen die absoluten Treibhausgasemissionen von Rechenzentren bis 2030 noch von 212 auf 355 Millionen Tonnen CO₂.

64.000 Jugendliche ohne Abschluss: Wer trägt die Verantwortung?

26. Mai 2026

Erst vor ein paar Tagen habe ich die Frage gestellt, warum wir beim Wohnungsbau und den hohen Mieten, die wiederum aus dem Versagen im Bereich Wohnungsbau resultieren, so schlecht aufgestellt sind. Antworten darauf habe ich nicht wirklich gefunden, außer, dass ich mir wünschte, die Politik würde dieser Frage Priorität geben. Nun kommt gleich das nächste gesellschaftspolitisch sehr heikle Thema dazu.

Schulversagen auf Rekordniveau – und die Politik schaut weg

Mehr als 64.000 Jugendliche haben 2025 die Schule ohne Abschluss verlassen – das ist ein Anstieg von über einem Drittel innerhalb von nur drei Jahren. In fünf Bundesländern liegt die Quote inzwischen über zehn Prozent. Man könnte sagen: Jedes Jahr füllt sich ein großes Fußballstadion mit jungen Menschen, deren Bildungsweg schon vor dem Start in den Beruf gescheitert ist. Und das mitten in einem Land, das gleichzeitig lautstark über Fachkräftemangel klagt.

schulabbrecher
schulabbrecher

Warum das passiert

Die Gründe für den Schulabbruch sind vielschichtig – aber keineswegs unbekannt. Ein zentrales Problem ist das Fehlen von Basiskompetenzen: Wer in der Grundschule Lesen, Schreiben und Rechnen nicht sauber gelernt hat, verliert in der weiterführenden Schule schnell den Anschluss. Hinzu kommen Schülerinnen und Schüler aus geflüchteten Familien, die erst spät ins deutsche Schulsystem eingestiegen sind und dort nie wirklich ankamen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Stefan Düll, nennt darüber hinaus fehlende Motivation als gewichtigen Faktor: Ein Teil der Jugendlichen sehe schlicht keine zwingende Notwendigkeit für einen Abschluss – weil es auch ohne ihn Optionen gebe, sei es durch Sozialleistungen oder Gelegenheitsjobs.

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte zu Beginn ihrer Amtszeit gegenüber der Funke-Mediengruppe das Ziel ausgegeben, die Schulabbrecherquote bis 2035 zu halbieren. Dass der Trend bislang weiter in die gegenteilige Richtung geht, findet Bildungsforscher Kai Maaz „angesichts der Bedingungen, unter denen Schulen teilweise arbeiten, überhaupt nicht verwunderlich”.

Quelle

Die Bertelsmann-Stiftung hat bereits 2023 festgestellt, dass die Schulabbruchquote seit über zehn Jahren auf hohem Niveau stagniert – mit Tendenz nach oben. Ohne Abschluss kein Ausbildungsplatz, ohne Ausbildungsplatz kein stabiler Job: Zwei Drittel der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Schulabschluss haben auch keine Berufsausbildung. Die Arbeitslosenquote dieser Gruppe ist fast sechsmal so hoch wie bei Menschen mit Berufsausbildung. Das sind keine abstrakten Statistiken – das sind Lebensläufe, die in einer Sackgasse enden.

Was politisch möglich wäre

Die Antworten auf das Problem liegen nicht in der Schublade, sie liegen auf dem Tisch. Frühkindliche Förderung vor der Schule, mehr Sozialarbeit an Brennpunktschulen, konsequente Sprachförderung vom ersten Schultag an, kleinere Klassen, mehr Lehrkräfte – das alles ist Konsens unter Bildungsforschern. Niedersachsen hat immerhin ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht: mit zusätzlicher Lernzeit für Basiskompetenzen, individuellen Förderplänen und dem Ausbau schulischer Sozialarbeit. Das ist ein Anfang. Aber eben nur ein Anfang in einem Bundesland.

Die eigentliche Frage: Warum passiert so wenig?

Und hier wird es unangenehm. Schulpolitik ist Ländersache – das bedeutet: 16 zuständige Kultusministerien, 16 unterschiedliche Prioritäten, kaum koordiniertes Handeln. Bildungsinvestitionen wirken erst nach Jahren oder Jahrzehnten – für Politiker, die im Vier-Jahres-Rhythmus denken, ein denkbar unattraktives Betätigungsfeld. Wer heute in Kita-Qualität investiert, erntet die Früchte vielleicht in der nächsten Legislaturperiode – oder gar nicht mehr in seiner eigenen Amtszeit.

Ein Vergleich mit dem Wohnungsbau trifft: Auch dort ist das Problem seit Jahren bekannt, auch dort fehlt es an konsequentem Handeln. Beide Themen haben gemeinsam, dass ihre Lösungen teuer, langsam und politisch wenig glamourös sind. Ein Milliardenprogramm für Schulen macht weniger Schlagzeilen als eine Steuerreform (für Unternehmen!) oder ein Sicherheitspaket. Und so bleibt der Schulabbruch das, was er schon viel zu lange ist: ein bekanntes, benanntes, weitgehend ignoriertes Problem.

Was auf dem Spiel steht

Dabei ist die Rechnung einfach. Wer zulässt, dass jedes Jahr Zehntausende Jugendliche ohne Schulabschluss ins Leben entlassen werden, produziert nicht nur individuelles Scheitern – er produziert dauerhaft Kosten: für Sozialsysteme, für den Arbeitsmarkt, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bildungsforscher Klaus Klemm nennt das „eine mehr als beunruhigende Vergeudung“ – und hat damit recht. Der neue Höchststand beim Schulabbruch ist kein Naturereignis. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen – und politischer Unterlassungen.

Wer mehr über den aktuellen Höchststand erfahren möchte, findet die Zahlen bei Correctiv.

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