Um die Weihnachtszeit wird es ruhig in der Blogosphäre. Jedenfalls ist das meine Beobachtung aus vielen Jahren. Ich erkläre mir das damit, dass die Menschen während dieser schönen Zeit eher ihr Familienleben genießen, als sich an PC oder Notebook zu setzen, um über andere Begebenheiten – egal, über welche Themen – zu berichten.
Ich lese viel. Punktuell natürlich auch Beiträge, die mir über Webringe auffallen. Momentan gibt es, wie jedes Jahr um diese Zeit, einiges an Rückblicken.
Insbesondere einige der Blogs, die Mitglieder im noch verhältnismäßig neuen Webring von Thomas Gigold sind, heben jene Blogs hervor, die sie in diesem Jahr entdeckt und die ihnen Freude und Inspiration gebracht haben. Das ist schön.
Blogs mit sperrigen Themen oder Blogger*innen, die diese Sperrigkeit gegen Mehrheitssichtweisen vertreten, dürften schlechte Karten haben, in solche Linklisten zu rutschen. Was das angeht, dürfte beispielsweise Tommi von Jansens Pott mit der Verlinkung seines Blogs sehr zufrieden sein. Immer wieder wird sein Blog herausgehoben und ist – folgerichtig – an vielen Orten verlinkt.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich gönne es allen Blogs, wenn sie für ihre gesetzten Themen belohnt werden. Und die Währung für uns Blogger sind nun einmal Links bzw. Verlinkungen. Nun möchte der eine oder andere Leser vielleicht anmerken, dass ich meine Links recht willkürlich setze – wenn überhaupt. Oder dass ich selten kommentiere. Das ist durchaus der Fall.
Vor diesem Hintergrund meiner Erfahrungen aus vielen Jahren war ich fast erstaunt und noch mehr erfreut, als ich heute Morgen in Eriks Blog Blogissimo las:
Horst Schulte kenne ich noch von seinem Querblog. Ich habe auch mitverfolgt, wie er sein Blog verloren und ein neues aufgebaut hat. Schon damals hatten wir sehr unterschiedliche Ansichten. Nichtsdestotrotz ist er ein erstklassiger Blogger.
Ja, der Querblog ist auch schon rund 13 Jahre Vergangenheit. Aktiv war er, wenn ich nicht völlig falsch liege, von 2008 bis 2012. Wie die Zeit vergeht. Danach kamen Blogs wie Netzexil.de oder Wutzone.de.
Unterschiedliche Ansichten unter Bloggern, würde ich sagen, gehören dazu wie das Salz in der Suppe. Es kommt darauf an, wie solche Differenzen miteinander diskutiert werden. Ich gebe zu, mir gelingt das oft nicht besonders gut. Das mag an meinem Charakter oder an meinem Alter liegen. Männer meines Alters sind – so meine eigene Beobachtung – in dieser Hinsicht schon deshalb anders, weil sie aufgrund reduzierter sozialer Kontakte anders ticken als Jüngere. Ob meine kleine Theorie anschlussfähig ist? Vielleicht gibt es aber auch viel mehr Blogger*innen in meinem Alter, als ich denke.
Danke, Erik! Euch allen wünsche ich schöne Weihnachten, einen guten Rutsch und alles Gute für das neue Jahr. Hoffentlich wird es erquicklicher als das zu Ende gehende.


Verlinkungen gab es bei mir im Blog durchaus auch, aber oft nicht für das, woran mein »Herzblut« hing.
Im übrigen verhält es sich in der Keramik ( oder anderen kreativen Hobbys ) ähnlich:
Ich werde für Keramik gelobt, die ich eigentlich nur noch im Auftrag mache wie etwa Doppelwandgefässe, für andere neuere und nicht mehr einem direkten Nutzen dienende Objekte dagegen nicht. Das passt auch zu einem Kollegen, der sich mit »ganz eigenen « Bildern für eine Künstlervereinigung bewarb und nicht angenommen wurde. Das nächste Mal bewarb er sich mit Mainstreammalerei und wurde angenommen.
@Gerhard: Geben ja, nur nicht in dem Maße, wie es vielleicht besser wäre? Blogs leben zu einem nicht kleinen Teil von gegenseitiger Verlinkung – oder? Mein Bewusstsein reichte leider nicht aus, um verhaltensändernd zu wirken. Mit Angeboten, die sich nicht an den Mainstream richten, kann man nur in Ausnahmefällen erfolgreich sein. Oder? Das gilt eigentlich sogar auch für unsere Blogs. Ich habe bis heute (nach 20 Jahren) keinen Weg gefunden, einen erfolgreichen Blog zu betreiben. Das liegt u.a. daran, dass ich daran nur wenig Interesse hatte. Mehrwert schaffen oder wie Marketingleute es noch nennen würden, kommt mir nicht in den Sinn. Schreibens des Schreibens wegen. Das reicht dafür nicht. So ist das wohl auch mit deinen Hobbys. Oder?
@Horst Schulte: Mehrwert wäre es, Fröschchen und andere putzige Tierchen in Keramik zu formen – und billig anzubieten. Das würde gut verkauft werden.
In der Blogosphäre kenne ich keinen Blog, der ordentlich Kommentare bekommt. Sehr viele schreiben sogar, ohne Kommentare zu bekommen.
Und Kommentare, die tatsächlich zum jeweiligen Blogpost passen, sind im Grunde wie Juwelen.
@Gerhard: Es gibt durchaus Blogs mit hochklassigen Kommentaren, wenn man es so nennen möchte. Ich weiß ja, was du meinst. »Schöner Beitrag« oder »Teile ich voll« zähle ich nicht dazu. 🙂 Das Schicksal der Blogger, dass sich das Thema vermutlich auch bald erledigt hat. Generell, meine ich.
@Horst Schulte: Ich habe meinen Blog vor mehr als 8, 9 Jahren begonnen, weil ich als Kommentator bei zwei »wesentlichen Blogs« unterwegs war und auch selbst etwas »verantworten« wollte. Ausserdem hatte ich eine Webseite für meine Frau geschaffen, die es ja zu verwalten galt. Da konnte ich also auch selber mal bloggen.
Das Bloggen wird wohl aussterben.
Ich habe den Eindruck, dass ein nicht geringer Teil der Blogger dem Rat von Freunden gefolgt ist, zum Alter hin »mal zu bloggen«. Nicht umsonst gibt es ja solche Zirkel des Alternbloggens (Unruhe…).
Dadurch, daß ich jetzt ein gutes Vierteljahr weg bin, merke ich, wie austauschbar manche Blogposts anderer sind. Man ist eben drin im Geschäft und merkt garnicht mehr, ob etwas Sinn macht zu posten oder nicht.
Klar, für einen selbst macht das sicher Sinn, aber kann es den anderen da draussen wirklich interessieren? Doch nur dann, wenn man in einer Art Verbund steckt, in dem man artig die Beiträge des anderen kommentiert. Sich gegenseitig füttern.
Sich gegenseitig was zustecken – und ja, förderlich kommentieren, zugewandt und begeistert.
Eines meiner Themen sind Insekten. Ich finde es eben schön, deren Welt kennenzulernen. Immerhin eine Tiergruppe weit weit vor allen anderen Landtieren. Doch das Thema ist für die allermeisten wie Briefmarkensammeln. Höchstens.
Ein absolutes Nischenthema. Nerdig.
Aber ich besetzte ohnehin Nerdthemen: Schach, Keramik, Insekten.
Bezeichnend ist, daß Du, Keramik mal ausgenommen, kaum Leute draussen triffst, auf der Strasse, in Clubs oder bei Vorträgen, die Schach oder Insekten als Thema haben. Die sind nicht präsent.
Eher triffst Du Literaturliebhaber irgendwo draussen.
Aber Literatur lieben ist ja allgemein verbreitet. Ebenso eine politische Meinung haben.
Aber auch da triffst Du viele, die sagen: Komm mir nicht mit Politik! Ich schotte mich da komplett ab!
@Gerhard:
Die Frage nach Themen und passenden Texten ist vermutlich für uns alle als Blogger zentral. Und ja, du hast recht: Angesichts der Textflut, die täglich auf uns einströmt, stellt sich unweigerlich immer wieder die Frage, warum man zu diesem oder jenem Thema nun auch noch etwas Eigenes beitragen sollte. Abgesehen von Momenten, in denen das Schreiben eher aus dem Bauch heraus geschieht, ist diese Selbstbefragung wohl kaum zu vermeiden.
Redundanz gehört gewissermaßen zum Handwerkszeug des Bloggens. Über kaum ein Thema ist nicht schon viel gesagt worden, und man fragt sich zwangsläufig, ob der eigene Beitrag noch etwas Eigenes, vielleicht sogar Ansprechendes für andere bereithält. Nischenblogs gibt es viele, und oft ist ihre Resonanz überschaubar. Natürlich existieren Ausnahmen – aber im Großen und Ganzen dürfte diese Beobachtung nicht völlig falsch sein.
Warum wir trotzdem schreiben, lässt sich eigentlich recht einfach beantworten: weil wir Freude daran haben. Schreiben eröffnet einen Denkraum, der sich deutlich vom Nachdenken beim Spazierengehen oder Wandern (die Alternative zum Schreibtisch) unterscheidet. Man zwingt sich selbst, genauer hinzusehen, Dinge zu durchdringen, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Das gelingt nicht immer und nicht bei jedem Text – aber der Anspruch ist zumindest da.
Ein thematisch offener Blog hat dabei den Vorteil, dass er potenziell mehr Menschen erreicht als ein streng fokussierter Einthemen-Blog. Alternativ müsste der Schreibstil allein schon eine besondere Sogkraft entfalten. Doch meist ist es das Zusammenspiel: Themenwahl, Haltung, der Umgang mit strittigen Positionen.
Ich merke bei mir selbst, dass mir das »Mitnehmen« von Leserinnen und Lesern nicht immer gut gelingt. Mein Stil ist recht direkt und kann polarisieren. Ich schreibe oft schnell, mit wenig Rücksicht auf bereits bestehende oder abweichende Meinungen – das zeigt sich dann auch in den Kommentaren. Andere gehen damit sehr viel souveräner um. Claudia ist für mich ein solches positives Beispiel: klar in der Haltung, aber offen im Ton, selten ausgrenzend, kaum polarisierend. Davon gibt es mehr, keine Frage.
Mir selbst fällt diese Balance schwerer. Aber vielleicht gehört auch das zur Vielfalt des Bloggens: unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Temperamente – und genau darin liegt am Ende doch wieder ein Wert.