Die letzten Qualifikationsspiele der Deutschen Nationalmannschaft zur Fußball-WM 2018 fanden im Oktober 2017 statt. Die Mannschaft ging aus der Qualifikation mit 30 Punkten und einem Torverhältnis von 39 (43:4) hervor. 4 Jahre davor wurde die WM in Brasilien gewonnen, zwei Jahre später schieden wir bei der EM in Frankreich erst im Halbfinale aus. Hört man den Experten zu, ist jetzt, eine relativ kurze Zeit später, alles Mist.

Die Nachwuchsarbeit muss demnach neu justiert werden. Die Anzahl der „Ausnahmetalente“, die Scouts entdeckt zu haben glauben, sei kleiner geworden. Der Verband tue insgesamt zu wenig für die Jugendarbeit.

Rummenigges Genöle über qualitative Unterschiede innerhalb der Bundesliga spielt auch mit rein. Es kann halt nicht jeder die Professionalität mit Löffeln gefressen haben, wie die bei Bayern München. Ganz abgesehen von ein paar anderen Details, die sich über das Bundesgebiet ein wenig anders darstellen als in diesem Epi-Zentrum der Fußball-Allwissenden.

Dass die Personalie Jogi Löw kontrovers diskutiert würde, stand spätestens seit der WM-Pleite außer Frage. Das wäre in anderen Ländern auch der Fall. In Deutschland aber ohne jeden Zweifel.

Dankbarkeit war nie eine Kategorie. In der Geschäftswelt ist sie das nirgends.

Das alles passiert allerdings nicht einmal ein Jahr nach dem letzten WM-Quali-Spiel. Das finde ich dann schon etwas verwirrend, vielleicht sogar befremdlich.

Heute gabs irgendein Treffen der Super-Trouper-Fußballexperten irgendwo im Land. Sogar die Nachrichten berichteten darüber. Jogi Löw war nicht mal anwesend. Ich habe darauf gewartet, dass irgendein Reporter das „skandalös“ oder so ähnlich nennen würde.

Löw will sich erst Ende August erklären. An seiner Stelle würde ich es Mesut Özil gleichtun und den Bettel hinschmeißen. Keiner, der eine solche Leistung abgeliefert hat, hat es nötig, sich von einem Heer frustrierter, Couch-Fußballtrainer fertigmachen zu lassen.

Philip Lahm hat es richtig gemacht! Er ist gleich nach dem Gewinn des Titels zurückzutreten. Dass er seinem Ex-Chef jetzt via Medien Tipps gibt, finde ich so na ja. Er findet, Löw müsse die jüngeren Spieler anders anfassen. Löws Stil passe nicht mehr so recht in die neue Welt.

Ich frage mich schon, was sich denn in der Psyche der jüngeren Fußballmillionäre in Diensten des DFB innerhalb so kurzer Zeit geändert haben könnte? Sind die Spieler noch empfindsamer geworden, wenn es mal Kritik an ihrer Professionalität gibt? Oder ist das Gegenteil der Fall und Lahm findet, die Jüngeren müssten härter angefasst werden? Das ist auch nicht gerade untypisch beim allgemeinen Gebrabbel wenn die Älteren über die Jüngeren urteilen.

Ich meine mich zu erinnern, dass wir all diese Diskussionen vor langer Zeit (vor der Ära Löw) schon gehabt haben. Wir erinnern uns: den Wechsel zum Guten hat ein Team gebracht, dass alles bis daher Praktizierte auf den Kopf gestellt und so gut wie alles anders gemacht hat.

Irgendeiner der in den Nachrichten zum Experten-Treffen zu Wort gekommenen Experten erzählte (ob er schon 40 Jahre alt war?), die Strategie des Ballbesitzes sei überholt, heute müsse man stattdessen den Individualisten mehr Räume gewähren. Und dann gabs noch die Schote dazu, dass man früher ja so viel Straßenfußball gespielt habe… Waren es die Brasilianer mit Pele, die ihre Talente in den 50ern auf der Straße…

Keine Ahnung, ob unsere derzeitige Lage einen solchen Neuanfang wirklich nötig hat. Wenn Löws Ballbesitzfußball plötzlich überholt ist (bis 9 Monaten – Ende der WM-Quali) hat darüber noch keiner geredet. Außer natürlich den Abertausenden von Experten draußen an den Bildschirmen, die Löw ohnehin nichts mehr zugetraut haben.

Was wohl passiert, sollten wir im September mit der dann auflaufenden Mannschaft den amtierenden Weltmeister schlagen?

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. „Die letzten Qualifikationsspiele der Deutschen Nationalmannschaft zur Fußball-WM 2018 fanden im Oktober! 2018 statt.“

    Sischer dat – is eben zu waam. Puuuh!

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