Endlich sagts mal ein/er

Meine Frau regt sich immer auf, wenn Markus Lanz die Leute in seiner Talkrunde ständig unterbricht. Dafür hat er in den letzten Jahren öffentlich oft Kritik geerntet. Mir ist nicht entgangen, dass er das vielleicht einen Tick häufiger bei weiblichen Gesprächspartnern tut. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) ist das gestern Abend auch aufgefallen.

Ihre sinngemäße Ansage: Sie unterbrechen mich ständig, machen Sie das Zuhause auch?

Lanz zeigte sich souverän. Er grinste und erwiderte in Richtung Strack-Zimmermann, dass er eingreifen müsse, wenn jemand abschweife und schwafle.

Mir hat das gut gefallen, denn die Frau ging mir richtig auf den Sack.

Ein solches Scharmützel, das im aktuellen Fall, von beiden Parteien nonchalant behandelt wurde, könnten diejenigen aber als Bestätigung auffassen, die den Diskurs zwischen Frauen und Männern in gewissen Medien auf einem schlechten Weg sehen.

Ich habe die Diskussion bei »Hart aber fair« ebenfalls verfolgt, nicht jedoch das Twitter-Theater, das dem offenbar gefolgt ist. Vielleicht war Ricarda Lang (Grüne) für einen gewissen Teil der männlichen Zuschauer eine Spur zu aufgeregt und überschwänglich.

Lang ist nur ein Mensch mehr, der von seiner Sache überzeugt ist. Trotzdem fand ich übrigens nicht, dass sie, wie Lobo in seinem Text es beschreibt, die Äußerungen des CSU-Generalsekretärs Markus Blume »fachgerecht in mittelgroße Diskursstücke zerlegt« hat.

Wie ist es zu erklären, dass insbesondere mit jüngeren und vielleicht auch deshalb enthusiastischer auftretenden Personen immer häufiger übertriebene, oft unflätige Reaktionen erfolgen?

Zurück zu Lanz. Der hat mit seinem persönlichen Auftreten Frauen gegenüber schon häufiger Widerspruch bestimmter Teile, insbesondere im linken Spektrum der asozialen Netzwerke, provoziert. Ich kann mich noch gut an die fast grenzenlose Kritik gegen Lanz erinnern. Es gab 2014 sogar eine Petition, die gegen Lanz praktisch ein Berufsverbot erwirken sollte. Dazu habe ich damals hier Stellung genommen – mit dem Erfolg, dass ich danach mindestens einen Leser weniger hatte.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann konnte ihre FDP Litaneien in der Lanz-Sendung herunterbeten und Lanz ließ sie lange gewähren. Als leidenschaftlicher Nichtfan der FDP empfand ich fast körperliche Schmerzen. Keine Steuererhöhungen – fordert die Partei. Sie möchte nicht in eine Regierung eintreten, in der das in dieser Lage in Erwägung gezogen wird.

Man kann das angesichts der aktuellen Belastungen der Wirtschaft teilen. Aber ob die Rechnung der FDP ausgeht und sprudelnde Umsätze die Defizite ausgleichen könnten, die vor allem Corona gerissen hat? Ich habe Zweifel. Welche Wirkung hatten übrigens Trumps gigantische Steuergeschenke an die Reichen in den USA und warum sieht sich Biden nun gezwungen die Steuern zu erhöhen?

Mir fiel auf, dass Plauderin Strack-Zimmermann bei der Frage nach einer etwaigen Mehrwertsteuererhöhung weniger deutlich war.

Was mir auch an Strack-Zimmermanns Wortschwall missfiel, waren ihre Aussagen über den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag. Dr. Rolf Mützenich gilt als Pazifist und hat – da liegt sie vermutlich richtig – ein Nichtverhältnis zur Bundeswehr. Dass beide Politiker im Verteidigungsausschuss auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, ist also ebenso vorstellbar wie normal. Mützenichs Einstellung zu Drohnen ist negativ, Frau Strack-Zimmermann will sie. Übrigens, auch Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD, der gestern auch zu Gast war.

In der SPD herrschen aber nicht die Linken mit pazifistischen Tendenzen, auch wenn Partei- und Fraktionsführung das vielleicht suggerieren. Schließlich ist ein Olaf Scholz, den sicher keiner dem linken Lager zuordnen wird, Kanzlerkandidat geworden. So ist Strack-Zimmermanns Aussage über die Haltung der SPD zur Bundeswehr bzw. zur Drohnenbeschaffung keineswegs so klar, wie sie das in Wahlkampfzeiten herausstellt.

Dass Markus Lanz Frau Strack-Zimmermann keine klare Aussage dazu entlocken konnte, ob die Absage an Steuererhöhungen zum Ausschluss jeder denkbaren Koalition führe, ist im Wahlkampf normal. Auch für alle anderen Parteien gilt: bloß nichts Verbindliches.

Jeder Idiot durchschaut die Taktiken unserer Parteien in Wahlkampfzeiten. Genau das macht es der AfD und ihren Anhängern so leicht. Dort redet man Tacheles, egal, welcher Dreck dabei auch herauskommt. Missstände beschreiben ist ebenso leicht, wie andere des Versagens zu beschuldigen.

Ein Vertreter der AfD nahm es sich heraus, Gesundheitsminister Spahn entgegenzuschleudern: Herr Bundesminister, sie wissen jetzt, was jagen bedeutet. Für die Unmenschen von der AfD und ihre Wähler gehört sich das so. Wer die wählt, der ist für die Demokratie schon verloren. Auch, wenn viele Beschwichtiger unter den Demokraten das opportunistisch als unflätige Wählerbeschimpfung bezeichnen.

Über den Autor

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

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