„Der Schwarm“ – hohe Quote, die nicht zählt.

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Quelle: HorstSchulte.com

Schön gemütlich fünf vor zwölf: Das ZDF macht aus Frank Schätzings „Der Schwarm“ für 44 Millionen Euro Fernsehen für Doofe.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Vorab: Frank Schätzings Buch habe ich noch nicht gelesen!

Meine Frau (als Antifan von Sci-Fi) fand es nicht so prickelnd, als ich meinen TV-Plan von Montag bis einschließlich Donnerstag vorstellte. Täglich eine Doppeldosis (Doppelfolge) von „Der Schwarm“. Auch diese schwere Zeit werde vorübergehen, beschwichtigte ich.

Kein Fan von Sci-Fi

Dabei bin ich seit langer Zeit selbst auch kein ausgemachter Fan des Genres. Aber diese Serie, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, wollte ich mir anschauen.

Wir wurden positiv überrascht. Schon die erste Doppelfolge von Montag zog uns in den Bann. An anderer Stelle erzählte ich, wie spannend meine Frau und ich diese fanden. Ich musste erkennen, dass es vielen anderen ganz anders erging. Sie fanden die Adaption des Buches maximal misslungen und den Film ausgesprochen langweilig.

Diese Kritiken

Es war einfach, als ich mich noch damit herausreden konnte, dass Kritikermeinungen mit denen der Zuschauer praktisch nie im Einklang waren. Diesmal schien es wieder mal anders zu sein, denn auch das gabs, dass Kritiker und Zuschauer übereinstimmten.

„Der Schwarm“ gehört zu den teuersten ZDF-Produktionen der Geschichte. Damit das 40-Millionen-Euro-Projekt erfolgreich wird, verpflichtete man als Showrunner einen der Games of Thrones – Produzenten. Frank Doel­gers Name könnte dafür stehen, dass es eine weitere Staffel gibt.

Aber das steht in den Sternen. Die Einschaltquoten waren hervorragend. Allerdings wusste die SZ eines ihrer offensichtlichen „Lieblingsprojekte“ zu diffamieren, in dem man millionenfachen Zuschauerschwund von Folge zu Folge konstatierte. Nun ja, die Doofen sterben nie ganz aus…

Doch Quote

Am ersten Abend sahen 6,82 Mio. Zuschauer zu. Eine tolle Quote! Am zweiten Tag waren es 5,37 Mio., am dritten 4,56 Mio. und die letzten Folgen am Donnerstag sahen immerhin noch gut 4,5 Mio. Menschen. Die Quote ist ziemlich gut, sie liegt über denen anderer ZDF-Hits wie z.B. „Der Bergdoktor“ oder „Die Giovanni Zarrella Show“.

Ich frage mich übrigens, ob die Tatsache, dass „Der Schwarm“ in der ZDF-Mediathek komplett zu sehen war, nicht einen Anteil daran hatte, dass die Zuschauerbeteiligung an den TV-Sendeabenden so deutlich zurückging. Liegt es nicht auf der Hand, dass die Leute nicht abwarten wollten und deshalb die nächsten Folgen streamten? Wie werden diese Abrufe überhaupt gezählt? Den einzelnen Sendetagen kann schließlich die Streamingquote nicht zugeordnet werden – oder?

Insofern sehe ich dieses Herumkritisieren an rückläufigen Quoten an den TV-Ausstrahlungsterminen als blöden Fehler. Wenn es ums ZDF geht oder die ÖR generell, kommt es ja nicht so darauf an…

Die alten ZuschauerInnen des ZDF

Meine Frau und ich haben das ausnahmsweise nicht so gemacht, sondern haben uns jeden Tag (seit Dienstag beide) auf die neuen Folgen der Serie gefreut.

Es wurde so viel Negatives über die Verfilmung geschrieben, dass ich hier gar nicht darauf eingehen möchte, warum meiner Frau und mir die Serie gefallen hat. So viel will ich verraten: Insbesondere das langsame Erzähltempo, die prachtvollen Bilder, aber auch die Story insgesamt (was dafür spricht, das Buch noch zu lesen) haben uns gefallen.

Vielleicht haben hauptsächlich Menschen über 49 zugeschaut? Diese sind kein Maßstab für Erfolg und Misserfolg. So viel haben wir schließlich gelernt! Diese Rest-ZDF-Seher, hauptsächlich natürlich die ganz Alten (>70), darf man deshalb gern beleidigen, wie es insbesondere die SZ mit ihrer „Fernsehen für Doofe“-Ansage – übrigens nicht zum ersten Mal – gemacht hat. Tja, die Woken entgleisen oft genug selbst.

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10 Gedanken zu „„Der Schwarm“ – hohe Quote, die nicht zählt.“

  1. Ich habe weder das Buch gelesen noch die Serie gesehen. Bei Büchern, die ganz groß „gehyped“ werden, wie „Der Schwarm“ seinerzeit 2004, bin ich immer sehr vorsichtig. Vor allem, wenn das versammelte Feuilleton in Presse und Fernsehen laut jubelt, das sonst grundsätzlich und generell jegliche auch nur in der Nähe von Science Fiction befindliche Literatur als Genre-Literatur = trivial bis Schund abkanzelt.

    Normalerweise warte ich also, bis sich die künstliche Aufregung gelegt hat und entscheide dann, ob ich ein Buch lese oder nicht. Im Falle des Schwarms kam es halt nicht dazu, mein Interesse war nicht so groß.

    Im Fall der Serie geht es mir genauso. Großer Hype um solche Medien-Ereignisse dämpft regelmäßig mein Interesse, zumindest vorläufig. Zusätzlich muss ich auch irgendwie haushalten mit meiner Zeit, die ich in Fernsehen ‚investieren‘ kann. Meist verfolge ich drei oder vier Serien regelmäßig, was etwa zwei bis drei Abende TV-Zeit in der Woche kostet. Das heißt, ich wähle heute auch stärker aus, was ich anschaue. Und „Der Schwarm“ hat mich einfach nicht so angesprungen, dass ich da sofort reinschalten musste.

    Wie ich sowieso in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe mordsmäßig gehypter Serien ausgelassen habe — und heute nicht das Gefühl habe, irgendetwas verpasst zu haben.

  2. Man kann ja auch mal Glück haben 🙂 Nicht jeder Kritiker liegt immer daneben. Manchmal passt es – für mich, oft aber eben nicht. Wenn Kritiker mit der Attitüde des SZ-Mannes herangehen, weckt das nicht nur meinen Widerspruch, ich nehme solche Kritiken ungern ernst.

    Bei mir ist es übrigens genau umgekehrt. Ich sehe mir viele Sachen an und schimpfe nachher, wie blöd es war. Mal gucken, wie das wird, wenn du mal im Ruhestand bist. 🙂 Noch hast du Zeit, die selektive Suche nach passenden Inhalten zu kultivieren, wenn womöglich die Langeweile einsetzt, sieht es anders aus. Ich bin froh, dass das Fotografieren bald wieder Spaß macht. Hier kommen die ersten Blüten der Magnolienbäume durch. Sobald sie richtig da sind, fahren meine Frau und ich zum Schloss Dyck. Dort gibt es jede Menge Magnolien und Azaleen. Darauf freue ich mich schon.

  3. Das nur ältere Menschen diese Serie sahen hängt wohl auch mit den häufigen genutzten Streamingdiensten bei jüngeren zusammen.

  4. Das ist auch ein Aspekt. Nur, weshalb werden die Streamingzahlen in den Quoten nicht berücksichtigt oder zumindest darauf hingewiesen, dass die von mir beschriebene Möglichkeit besteht. Das verwischt doch den Erfolg oder Misserfolg einer solchen Serie gewaltig. Jedenfalls dann, wenn ich richtig liege.

  5. Ohne es genau zu wissen, Horst, denke ich schon, dass die Mediathek-Abrufzahlen in die Quoten einfließen. Das wird ja kein Hexenwerk sein.

    Ich bin bei Folge 6 und es ist jetzt keine so spannende Serie, die ich mir in 2 Nächten rein haue. Es braucht auch immer ein wenig Glück, denke ich, bis einen irgend eine Serie genau im richtigen Punkt erwischt. Aber natürlich, starten muss man sie schon. Sonst kann man nicht mitquatschen. So liegt jetzt “ Unsere wunderbaren Jahre“ auf meiner Lesezeichenleiste, nur,- so richtig törnt die mich derzeit auch nicht an.

    Im übrigen, die oben von dir gezeigte Szene der schlafenden Wale, wow….., die hat mich tief ergriffen. Für mich das bisherige absolute Highlight.

  6. Das Bild mit den Walen ist wirklich spektakulär.

    Bei Moviepilot habe ich gelesen, dass die Zahlen tatsächlich NICHT der Quote im TV zugerechnet werden. Das ginge ja auch gar nicht, weil sie höchstens in Summe vergleichbar wären. Vielmehr ist es so, dass die Abbrüche bei den einzelnen Tagen in den TV-Quoten genau daher rührten, was ich vermutet hatte. Viele haben gleich nach dem TV-Start der Serie danach Online gleich weitergeschaut. Dadurch kamen die großen Abbrüche in den Folgetagen zustande. Dass das total unfair und vor allem falsch ist, scheint den Leuten, die da so lautstarke Kritiken vortragen, gar nicht klar gewesen zu sein. Oder – kann auch sein – sie haben es bewusst nicht erwähnt.

    Bisher (Stand diese Woche) haben 18 Mio. Zuschauer die Serie allein gestreamt. Dazu muss man dann noch die Millionen von TV-Zuschauern zählen. Das ist ein Ergebnis, dass wohl selten noch erreicht wird. Aber es ist ja schließlich das ZDF. Da muss man ordentlich rumhacken. Sind wir uns schließlich schuldig.

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