Die Blogosphäre der einen und die Gedanken der anderen

24. Mai 2026

20 4 Min.

Ich lese dieser Tage wieder einiges über Blogs. Über ihre Vergangenheit, ihre Zukunft, ihre Bedeutung, ihren Niedergang, ihre Wiederauferstehung. Das Übliche also. Ein bisschen Friedhof, ein bisschen Frühling, ein bisschen Digitalromantik mit WLAN-Anschluss.

Und während ich das lese, merke ich: Mit vielen dieser Blogger fühle ich mich zugegebenermaßen nicht verbunden. Kein Vorwurf! Echt nicht. Es ist eher eine nüchterne Feststellung. Ich mache dazu auch keine Verlinkung. Wie wenn man in eine Kneipe kommt, in der alle sich seit zwanzig Jahren kennen, und man selbst steht mit seinem Bier am Tresen und denkt: Aha. Hier gibt es offenbar eine Sitzordnung, die mir niemand erklärt hat.

Das zeigt sich nicht erst bei einem Blick auf manche Blogrollen. Die Blogger, die ich „kenne“, tauchen dort gar nicht auf. Menschen, deren Texte ich lese. Leute, die seit Jahren schreiben, verlinken, widersprechen, zweifeln, erzählen. Sie kommen in dieser sichtbaren deutschen Bloghemisphäre schlicht nicht vor. Fußvolk halt. Wobei Fußvolk ein hässliches Wort ist. Aber manchmal trifft gerade das hässliche Wort den schiefen Ton einer Szene ganz gut.

Es gibt offenbar ein Blog-Oberhaus

Manche Namen sind immer da. Sie gehören zum Inventar. Wenn über Blogs gesprochen wird, sitzen sie schon auf dem Podium, bevor die Einladung verschickt wurde. Sie schreiben klug, keine Frage. Viele haben Verdienste. Das soll man gar nicht kleinreden. Ohne diese Leute wäre die deutsche Bloggeschichte ärmer.

Aber es gibt eben auch diesen leichten Geruch nach Oberhaus. Nach „wir waren schon da, als ihr noch gar nicht wusstet, was ein RSS-Feed ist“. Nach digitalem Salon, in dem man sich gegenseitig kennt, zitiert, empfiehlt und gelegentlich versichert, wie wichtig das alles einmal war.

Und dann gibt es die vielen anderen. Die ohne Szeneanschluss. Ohne re:publica-Bändchen. Ohne Erinnerungsfoto aus Berlin. Ohne Netzwerk, das ihre Texte zuverlässig weiterträgt. Die schreiben trotzdem. Nicht aus Karrieregründen, nicht für Panels, nicht für die nächste medienkulturelle Selbstvergewisserung. Sondern weil ihnen etwas unter den Nägeln brennt.

Ich muss da nicht dazugehören

Auch als Rentner hält sich mein Bedürfnis in Grenzen, nach Berlin zu fahren und mir dort erklären zu lassen, was Bloggen angeblich heute bedeutet.Das klingt jetzt böser, als es gemeint ist.

Ich habe nichts gegen Konferenzen. Menschen sollen sich treffen, reden, streiten, feiern. Daran ist nichts falsch. Aber mich zieht das nicht an. Diese Mischung aus Szenesprache, Medienbetrieb, Selbstbespiegelung und moralisch gut gebügeltem Haltungssakko hat für mich wenig Reiz.

Mir reicht der Küchentisch. Der Schreibtisch. Die Tastatur. Der Moment, in dem ein Satz endlich sitzt. Oder auch nicht sitzt, aber trotzdem raus muss, weil der Tag sonst schief im Magen liegt.

Vielleicht ist das altmodisch. Vielleicht ist es auch einfach Bloggen.

Die Mehrheit schreibt im Schatten

Was mich stört, ist nicht, dass einige sichtbarer sind als andere. Sichtbarkeit verteilt sich nie gerecht. Das war nie anders. Mich stört eher, wenn aus dieser Sichtbarkeit eine Art Deutungshoheit entsteht. Als seien die bekannten Stimmen automatisch die Blogosphäre.

Sind sie nicht.

Die Blogosphäre besteht auch aus den kleinen Seiten. Aus privaten Notizen, politischen Kommentaren, regionalen Beobachtungen, Alltagsminiaturen, Wuttexten, Erinnerungen, Linktipps, Gedankensplittern. Aus Menschen, die keine Marke sind. Die keine Bühne brauchen. Die sich nicht mit einem Namensschild durch Berlin bewegen, sondern morgens den Kaffee neben die Tastatur stellen und loslegen.

Diese Mehrheit ist weniger glamourös. Aber sie ist lebendig. Vielleicht lebendiger als manches, was sich selbst für relevant hält.

Bloggen braucht keine Aufnahmeprüfung

Ich will niemandem den Platz streitig machen. Die sogenannten Eliteblogger haben ihren Platz. Sie haben ihre Geschichte, ihre Verdienste, ihre Leser. Alles gut.

Aber daneben gibt es eben uns andere. Die nicht eingeladen werden, nicht vorkommen, nicht gemeint sind, wenn wieder einmal über „die Blogs“ gesprochen wird. Wir schreiben trotzdem. Und vermutlich ist genau das der Punkt.

Bloggen war für mich nie eine Eintrittskarte in eine Szene. Es war immer ein eigenes Zimmer im Netz. Eine kleine, widerspenstige Parzelle. Kein Palast, eher Gartenlaube. Aber meine.

Und wenn dort nicht die große Blogprominenz vorbeikommt, dann ist das zu verschmerzen. Manchmal ist es sogar angenehm. Denn am Ende zählt nicht, ob man auf der richtigen Blogrolle steht. Am Ende zählt, ob man noch etwas zu sagen hat.

Und ob man es sagt.

Bloggen bleibt wichtig – aber anders, als wir es gern hätten

16. Mai 2026

20 4 Min.

Den Beitrag von Bloghexe habe ich mit Sympathie gelesen. Da schreibt jemand, der Blogs liebt. Das merkt man jeder Zeile an. Und ja: Diese Liebe ist mir näher als das übliche Plattform-Gebrüll, bei dem nach drei Sekunden schon wieder die nächste Sau durchs digitale Dorf rennt.

Trotzdem stolpere ich über den Grundton. Er klingt mir stellenweise zu sehr nach Selbstvergewisserung. Nach einem freundlichen Ruf in den Wald: Bitte bloggt weiter, sonst bleibt nur noch KI-Matsche übrig. Das ist nicht falsch. Aber es ist auch nicht die ganze Wahrheit.

Sichtbarkeit entsteht nicht durch bloßes Dasein

Bloggen war einmal ein kleines Versprechen: Schreib etwas Eigenes, veröffentliche es, und mit etwas Glück findet dich jemand. Über Suchmaschinen, Blogrolls, Kommentare, RSS, Zufall. Dieses offene Netz hatte etwas Wunderbares. Es war unordentlich, eigensinnig, manchmal schräg. Also ziemlich menschlich.

Heute ist die Lage härter. Viele Blogs verschwinden im Grundrauschen. Google liefert Antworten, ohne dass noch geklickt wird. KI fasst Inhalte zusammen, ohne den Ursprung wirklich sichtbar zu machen. Plattformen binden Aufmerksamkeit wie Sirup die Fliege.

Da reicht es nicht mehr zu sagen: Wer bloggt, sichert sich Sichtbarkeit von morgen. Schön wäre es. Aber so einfach ist es nicht. Bloggen schafft eine Spur. Ob diese Spur gefunden wird, steht auf einem anderen Blatt.

KI ist nicht der eigentliche Gegner

Ich halte wenig davon, KI als große Textmüllmaschine zu beschreiben und damit die Sache für erledigt zu erklären. Natürlich gibt es KI-Matsche. Davon sogar reichlich. Aber schlechte Texte gab es auch vor ChatGPT. Nur mussten sich die Menschen damals noch selbst quälen, um sie zu schreiben.

KI ist ein Werkzeug. Man kann damit Gedanken klären, Strukturen prüfen, Einwände sammeln, Überschriften testen. Gefährlich wird es dort, wo sie die eigene Stimme ersetzt. Dann entsteht dieser glatte Ton, der überall passt und nirgends lebt.

Aber das Problem ist nicht die KI allein. Das Problem ist ein Netz, das Geschwindigkeit belohnt, Masse bevorzugt und Herkunft verschleiert. Die KI ist dabei nicht der Anfang der Verflachung. Sie ist eher der Turbo.

Warum Bloggen trotzdem Sinn ergibt

Bloggen bleibt für mich wichtig. Nur nicht, weil jeder Beitrag automatisch das Internet rettet. Das wäre mir zu feierlich. So viel Weihrauch verträgt kein WordPress-Dashboard.

Bloggen ist wichtig, weil es einen eigenen Ort schafft. Einen Ort, der nicht vollständig von X, Facebook, Instagram, TikTok oder Google abhängt. Einen Ort, an dem Gedanken länger leben dürfen als ein empörter Vormittag.

Wer bloggt, schreibt nicht nur für Reichweite. Er schreibt auch gegen das Verschwinden. Gegen die Flüchtigkeit. Gegen das Gefühl, dass alles nur noch durch fremde Kanäle rauscht. Bloggen ist nicht die Garantie auf Sichtbarkeit. Aber es ist ein Stück Selbstständigkeit.

Mehr Ehrlichkeit würde helfen

Darum würde ich die These etwas nüchterner formulieren: Das Internet braucht nicht jeden Blogartikel. Aber es braucht Orte, an denen Menschen noch selbst denken, zweifeln, erzählen und widersprechen.

Das ist weniger pathetisch, aber tragfähiger.

Blogs werden nicht automatisch wieder wichtiger, nur weil KI Texte erzeugen kann. Sie werden nur dann wichtiger, wenn sie mehr bieten als Suchmaschinenfutter: Erfahrung, Haltung, Widerspruch, Tonfall, Erinnerung. Also all das, was man nicht mal eben aus einer Maschine schüttelt.

Vielleicht ist das der eigentliche Punkt: Bloggen muss sich nicht gegen KI behaupten, indem es lauter wird. Es muss erkennbarer werden. Persönlicher. Eigensinniger. Nicht im Sinne von schrill, sondern im Sinne von unverwechselbar.

Denn wenn alles glatt wird, gewinnt am Ende nicht der beste Text. Dann gewinnt der Text, an dem noch ein Mensch hängen geblieben ist.

PlugIn für WordPress: Desktop-Mode

8. Mai 2026

20 4 Min.

Am PlugIn wird hart gearbeitet. Es gab seit meinem Beitrag zwei Updates. Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieses PlugIn einmal in Ruhe anzuschauen.

Der Desktop-Mode für WordPress

4. Mai 2026

20 4 Min.

Im heutigen WP-Letter findet sich ein Link zum Artikel von Thomas Zwirner. Er beschreibt darin ein noch ziemlich frisches (inoffizielles) Plug-in namens „Desktop Mode„. Die Begeisterung kann ich verstehen. Der Desktop von WordPress, der sich laut Thomas seit 2012 nicht groß verändert hat, erstrahlt nunmehr in neuem Glanz.

desktop mode
desktop mode
desktop mode1
desktop mode1

Was genau der Desktop Mode tut, finde ich etwas schwer zu beschreiben. Zum Glück hat Thomas Zwirner sich um eine Bildschirmaufnahme bemüht. Grundsätzlich würde ich das Ganze so zusammenfassen, dass WordPress in diesem Modus mehrere Fenster innerhalb eines Browserfensters anzeigt, in denen sich verschiedene Ansichten der Admin-Oberfläche gleichzeitig betrachten lassen.

WP-Letter

Natürlich kann ich mir, wie Thomas schreibt, gut vorstellen, dass diese Möglichkeiten etwas für den Core von WordPress sein könnten. Allerdings: Ich erinnere an die große Ablehnung des Gutenberg-Editors und war damals einigermaßen irritiert darüber, wie (eigenartigerweise) gerade Blogger, die doch mit Technik im weiteren Sinne zu tun haben, sich so verschlossen, ja feindselig geben können. In den Bewertungen des Plug-ins sieht man diese Einstellung noch bis heute:

Bewertungen Gutenberg
Bewertungen Gutenberg

Natürlich habe ich sofort nach dem Frühstück, das neue Plug-in der beiden Automattic-Entwickler Daniel López und Roberto Aranda installiert und war gleich sehr angetan von der neuen Optik und dem Komfort, der bereits in dieser frühen Phase erreicht wurde.

Aber ich bin angesichts der Erfahrungen mit dem geneigten WordPress-Publikum, das bekanntlich immer bereit ist, zu kritisieren und kleinlich zu meckern, Widerspruch zu erhalten und die Erklärung, wie sinnlos und ohne Mehrwert solche Entwicklungen doch sind.

desktop mode3
desktop mode3

Download-Link Desktop-Mode PlugIn

Update: Ich habe noch schnell zwei Widgets (zu Testzwecken) hinzugefügt – via ChatGPT.

Warum die Nutzung von KI kein Denkverbot bedeutet

9. Februar 2026

20 4 Min.

Ich finde, es ist allemal besser, eine KI nach Lösungsansätzen (vor allem bei komplizierten Sachverhalten) zu fragen, als in einer Echokammer gefangen zu bleiben. Natürlich werden das jene Leute von sich weisen, die KI-nutzenden Bloggern lieber vorhalten, das Denken an die Maschine delegiert zu haben. In Zeiten, in denen der zweifelhafte Segen von Algorithmen vor allem darin besteht, uns die eigene Meinung permanent zu spiegeln, klingt dieser Vorwurf eigentlich absurd.

Viele Kritiker pflegen aus meiner Sicht eher ein taktisches Verhältnis zum Einsatz von KI. Anstatt Nutzer auf tatsächliche Gefahren hinzuweisen oder konstruktiv zu warnen, verlegen sie sich lieber auf eine Art moralische Überlegenheit.

Sie implizieren pauschal, dass die Einbeziehung von KI keine eigene Inspiration oder Denkprozesse auslösen – oder optimieren könnte. Wir kennen diese Diskussionen langsam zur Genüge, und ich frage mich, ob das irgendwann aufhört. Vermutlich nicht! Die Ablehnung wird genauso stringent gehandhabt wie die Treue zur eigenen Blase.

Ich frage mich auch, woher die Leute eigentlich so genau wissen, wie andere mit KI umgehen bzw., dass sie sich leichtfertig und leichtgläubig auf alles einließen, was ihnen die Maschinen erzählen.

Keine Links, weil kein Bock auf diese Diskussion.

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