Manchmal sitze ich hier in meinem kleinen rheinischen Exil, schaue auf all diese Sendungen, Zahlen und düsteren Prognosen und denke: Eigentlich wussten wir das alles längst. Dieser Winter der deutschen Wirtschaft ist nicht plötzlich über uns hereingebrochen wie ein Schneesturm aus Nordost. Er war angekündigt. Leise erst, dann immer lauter. Und wir haben uns eingeredet, dass es schon irgendwie weitergeht.
Was mich an diesem Lanz-Abend besonders getroffen hat, war weniger die Diagnose der Ökonomen – die ist bekannt, fast schon abgenutzt – sondern diese Grundmelodie: Deutschland hat den Glauben an sich selbst verloren. Und wenn ein Land sich selbst nicht mehr zutraut, die Zukunft zu meistern, wie sollen es dann jene tun, die vielleicht hier investieren würden? Oder jene, die hier bleiben sollen, um diese Zukunft zu gestalten?
Ich sage das nicht mit erhobenem Zeigefinger. Ich gehöre ja selbst zu jener älteren Generation, die plötzlich jedes Jahr ein bisschen mehr Rente überwiesen bekommt, während die Jungen nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Man kann darüber streiten, ob das gerecht ist. Aber man kann nicht bestreiten, dass es einen Riss gibt. Einen, der nicht erst seit gestern da ist. Er zieht sich durch Gespräche in Familien, durch die Debatten in Talkshows und durch das Gefühl junger Leute, dass dieses Land ihnen eigentlich keine wirklichen Angebote mehr macht. Wir Alten sind für sie ein bisschen wie Besitzer eines Hauses, das wir jahrzehntelang nicht modernisiert haben – und jetzt wundern wir uns, dass niemand mehr darin wohnen will.
Mich schmerzt dieser Riss. Ich habe das Gefühl, die Alten halten an dem fest, was ihnen Halt gibt, und die Jungen versuchen verzweifelt, die Fenster aufzureißen, weil die Luft stickig geworden ist. Und dazwischen die Politik, die den Schlüssel verlegt hat.
Was in der Sendung auch klar wurde: Wir haben uns zu lange in kleinen Sicherheiten eingerichtet. Stromsteuer nicht senken, aber die Mütterrente erhöhen? Das ist Politik für die Vergangenheit, nicht für ein Land, das sich erneuern will. Es ist dieses Festhalten an alten Ritualen, das uns lähmt. Wir retten Industrien, die auf dem Feld der Zukunft längst nur noch Statisten sind, und verpassen die Orte, an denen die wirkliche Musik spielt: Forschung, Digitalisierung, neue Energieformen, Verteidigungstechnologien, europäische Kooperation.
Die Jungen spüren das, oft deutlicher als wir. Und ich kann ihnen nicht verdenken, dass sie gehen oder wenigstens innerlich kündigen. Denn wer will in einem Land alt werden, das nur noch verwaltet, was früher einmal stark war?
Vielleicht liegt das Tragische darin, dass wir Alten es eigentlich besser wissen müssten. Wir haben erlebt, wie Veränderung möglich ist. Wie dieses Land sich schon einmal neu erfunden hat, als alles in Ruinen lag. Wir wissen, dass Wandel schmerzt – aber auch, dass er geht, wenn man gemeinsam anpackt. Und ich glaube fest: Ein Teil unserer Generation wäre bereit, etwas abzugeben, wenn klar wäre, dass es in die Schulen fließt, in die Forschung, in die Chance, dass unsere Enkel in einem Deutschland groß werden, das nicht nur auf die Vergangenheit stolz ist, sondern auf das, was es morgen schafft.
Aber dafür braucht es Ehrlichkeit und Mut. Zwei Güter, die im politischen Berlin derzeit selten sind. Und während wir auf sie warten, wächst der Abstand zwischen den Generationen weiter, wie ein Riss in einer Wand, die keiner repariert, weil alle hoffen, er bleibe schon klein genug.
Ich habe keine einfachen Antworten. Aber ich weiß, dass ein Land, das seine Jungen verliert, am Ende auch seine Geschichte verliert. Und vielleicht ist dieser Winter des Stellenabbaus ein Weckruf. Ein kalter. Einer, der sagt: Wenn wir jetzt nicht gemeinsam handeln – Alte wie Junge – dann bleibt die Zukunft ein Zug, der an uns vorbeifährt, während wir noch darüber diskutieren, ob die Kreuzkröte ein Hindernis ist oder nur ein Symbol für unsere eigene Trägheit.
Ich habe hier einige Aspekte bearbeitet und kommentiert, die gestern Abend Thema bei »Markus Lanz« waren. Eine Sendung, die von anderen als überflüssig abqualifiziert wurde. Ich fand sie erbaulich. Auch deshalb, weil die Damen und Herren Ökonomen sich in ihren Wertungen der Lage des Landes vielleicht weniger zurückhielten, als das sonst oft der Fall ist.


Wer ist Deutschland?
So kommt das halt wenn man Amerika als großes Vorbild hat und alles von dort kopiert und importiert ohne Amerika jemals sein zu können, aber unbedingt zu wollen.
Es ist ja nicht so, als ob es am eigenen Potenzial gemangelt hätte.
@juri nello: Ich dachte, wir alle sind Deutschland. Ich sag das nicht deshalb, weil ich ein ausgewiesener Nationalist bin, sondern weil ich mich meinem Land schon auch verbunden fühle. Schließlich hat es mir und meiner Familie ein gutes Leben beschert. Wer eifert den USA nach? Im Moment sind das vermutlich noch weniger Leute als zu anderen (Trump-freien) Zeiten. 🙂 Das Potenzial haben wir. Viele wollen aber nix mehr davon hören. Und das aus unterschiedlichen Gründen.
Wir hatten hier gerade erst Horrorween. Von daher verstehe ich die Frage nicht.
@juri nello: Ist das nicht etwas höchst Individuelles? Ich kenne viele, die sich von diesem Zirkus nicht einwickeln lassen und die diese »Lebensart« von Herzen ablehnen. Dass der Einfluss andererseits nicht komplett auszuschließen ist, lässt sich kaum bestreiten. Wir Menschen stammen eben vom Affen ab.
Die Feste sind essentieller Bestandteil der Masse der Einwohner.
Die Kirchen haben das früh erkannt.
Sämtliche heute bekannten Kirchenfeierlichkeiten sind Daten heidnischer Festivitäten, gerade auch Weihnachten.
Da haben die Leute sonst Sonnenwende gefeiert.
Der Ramadan dürfte früher die Fressenszeit von Amon Tinia und Moloch Baal gewesen sein.
Mit solch einfachen Instrumenten kann man sich die Macht absichern. Eine Strategie, die der Ami schon lange nutzt, Anders als die Kirchen braucht er dafür keine Inquisition. Medienaufmerksamkeit reicht völlig zu.
In nicht wenigen, hiesigen Großstädten steht zu Thanksgiving daher auch der Truthahn auf dem Tisch.