Falter und Libellen

3. Mai 2026

Gestern bin ich bei herrlichem Sommerwetter – 24 Grad Anfang Mai! – um unseren Haussee in Alt-Kaster spaziert. Fast sechs Kilometer sind dabei zusammengekommen, Schritt für Schritt (meist) entlang des Wassers. Es tat gut, draußen zu sein, die Wärme zu spüren und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Ich bin froh, dass ich die beiden Zitronenfalter „erwischt“ habe. Diese zappeligen Gesellen zu fokussieren, war nicht ganz so einfach.

Dabei ging mein Blick nicht nur immer wieder nach oben, wo die fliegenden Kameraden und ihre geschickten Fressfeinde ihre Kreise zogen. Direkt am See schenkte ich ihnen schließlich meine ganze Aufmerksamkeit. Letztes Jahr hatte ich schon ein paar schöne Aufnahmen von fliegenden Libellen machen können. Gestern war ich wieder erfolgreich.

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Heute Mittag habe ich gesehen, dass Gerhard Mehler wieder bloggt. Das freut mich sehr. Er zeigt in seinem Blog, neben seiner Kunst, immer wieder wunderschöne Makroaufnahmen und findet für die jeweilige Art immer schöne Details.

Armut hatte damals ein anderes Gesicht oder Die Verachtung der Mühen unserer Eltern

3. Mai 2026

Die iranisch-deutsche Autorin und Podcasterin Miriam Davoudvandi beschreibt in einem Interview mit der taz eine Gesellschaft, die arme Menschen beschämt, ihre Lage individualisiert und strukturelle Probleme hinter moralischen Urteilen versteckt.

Inhalt

Vieles daran ist nachvollziehbar. Wer arm ist, spürt nicht nur den Mangel im Portemonnaie, sondern oft auch die Kälte im Blick der anderen. Armut isoliert. Sie macht klein. Sie frisst sich bis ins Selbstwertgefühl hinein.

Will ich so nicht stehen lassen

Und trotzdem regt sich in mir Widerstand, wenn ich manche Sätze lese. Besonders dieser hier:

Ich glaube, meine Generation versteht, dass das Sich-Kaputtarbeiten nichts Ehrenhaftes ist, und fordert ein strukturelles Umdenken. Wir haben aus den Erfahrungen unserer Eltern gelernt, für die Arbeit oft zur Identität geworden ist beziehungsweise dazu gemacht wurde. Wir haben gesehen, dass sich abzuarbeiten nicht automatisch finanzielle Sicherheit oder Aufstieg bedeutet und wollen so nicht weitermachen.

Davoudvandi im Taz-Interview

Als ich das las, musste ich an meinen Vater denken. An seine Hände. Rau, rissig, voller Spuren harter Arbeit. Ich dachte an meine Mutter, die jeden Pfennig zweimal umdrehte und trotzdem versuchte, den Kindern das Gefühl zu geben, es fehle an nichts Wesentlichem.

Armut: Ehrliche Arbeit negativ konnotiert

Diese Menschen hätten vermutlich nicht verstanden, was an ehrlicher Arbeit unehrenhaft sein soll. Ich muss bei solchen und ähnlichen Aussagen immer an ein Bild denken. Das Bild eines einfachen Bauern, der seine Felder noch nicht mit Traktor und Egge bearbeitete, sondern den Holzpflug von einem Pferd oder Ochsen ziehen ließ. Er stand früh am Morgen, fast nachschlafener Zeit, auf und arbeitete 12 Stunden und mehr. Er tat es klaglos und ohne Vorhaltungen an die Menschen, die es besser hatten. Zugegeben, das Problem der Vermögensschere mit ihren komplizierten sozialen Implikationen war noch nicht geboren.

Sie haben sich kaputtgearbeitet. Ja. Viele taten das. Nicht aus falschem Bewusstsein heraus. Nicht, weil sie Opfer einer ideologischen Gehirnwäsche gewesen wären. Sondern weil sie wussten, dass ein besseres Leben nicht vom Himmel fällt.

Wohlstandsversprechen ade, Armut als Normalität

Ohne diese Generation gäbe es den Wohlstand nicht, auf dessen Fundament heute so viele ihre moralischen Urteile errichten. Wie heutzutage überhaupt vieles moralisch betrachtet und überhöht wird.

Natürlich stimmt es: Arbeit garantiert längst nicht mehr automatisch Aufstieg. Viele Menschen schuften heute und bleiben dennoch in Unsicherheit gefangen. Die Preise steigen, Wohnungen werden unbezahlbar, ganze Lebensläufe wirken prekär geworden.

Aber aus dieser Erfahrung abzuleiten, dass harte Arbeit ihren Wert verloren habe, halte ich für brandgefährlich.

Tugenden im Wandel der Zeit

Denn was bleibt einer Gesellschaft eigentlich noch, wenn sie beginnt, Leistung, Pflichtgefühl und Durchhaltevermögen nur noch als Formen von Selbstschädigung zu betrachten?

Dann wären wir endgültig geliefert, Armut würde ansteigen.

Eine Gesellschaft lebt nicht allein von Sensibilität für Verletzungen. Sie lebt auch von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die morgens aufstehen, obwohl sie müde sind. Die arbeiten, obwohl das Leben unfair ist. Die nicht sofort beim ersten Widerstand verlangen, dass „die Strukturen“ sich ändern mögen. Dabei hasse diesen Schablonenspruch von der „hart arbeitenden Mitte“. Aber wohl auch nur, weil Politiker ihn als Vehikel für irgendwas missbrauchen, das mir nicht gefällt.

Es klingt hart. Aber jede Generation lebt auf den Schultern der vorherigen.

Meine Eltern hatten kein Auto. Sie fuhren nie in Urlaub. Luxus war für sie ein neuer Mantel oder ein Radio, das funktionierte. Trotzdem hatten sie Stolz. Sie wollten ihren Kindern Möglichkeiten schaffen, die sie selbst nie hatten. Von dieser Spezies gab es Millionen. Wie sieht das heute aus?

Die Dinge ändern sich so nicht zum Besseren

Heute dagegen entsteht manchmal der Eindruck, als werde die eigene Ohnmacht fast zu einer Identität erklärt. Als sei der Mensch nur noch ein Ergebnis gesellschaftlicher Umstände und kaum noch jemand, der sich gegen diese Umstände stemmen kann. Das will ich nicht akzeptieren. Sicher, ich bin 72 und längst aus der Nummer herausgealtert. Ich fühle mich auch nicht als Traditionalist. Aber ein wenig von den Selbstverständlichkeiten, die einst galten, sollten wir schon pflegen.

Gerade darin, dass solche generellen Einstellungen sich in eine für mich falsche Richtung entwickeln, liegt für mich eine gefährliche Tragik.

Wenn wir jungen Menschen nur noch erzählen, dass Arbeit krank macht, dass Anstrengung verdächtig ist und dass das System ohnehin gegen sie arbeitet, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn irgendwann nicht nur die Motivation zerbricht, sondern das gesellschaftliche Fundament selbst.

Denn Solidarität entsteht nicht allein aus gemeinsamem Leid. Sie entsteht auch aus dem Bewusstsein, dass Menschen füreinander Verantwortung tragen und ihren Teil beitragen.

Die Generation meiner Eltern wusste das instinktiv. Zugegeben, dass mit dem Zukunftsversprechen (dir soll es einmal besser gehen) war noch glaubhaft und nicht nur auf wenige bezogen.

Vielleicht waren die Menschen (mit ihren Kriegserfahrungen) härter. Vielleicht manchmal sogar zu hart (gegen sich selbst). Aber sie hat aufgebaut, statt sich selbst zum Mittelpunkt ihrer Verwundungen zu machen. Und genau deshalb frage ich mich heute manchmal, ob wir auf dem Weg sind, etwas Entscheidendes zu verlieren: die Achtung vor den Mühen des Lebens selbst.

Die neue Erzählung von Armut verändert unseren Blick auf Arbeit grundlegend.

Europa muss erwachsen werden

2. Mai 2026

Manch einer möchte den Amis und ihrem eratisch-bekloppten CEO „Paroli bieten“: Wie soll das aussehen? Wir müssen politisch, wirtschaftlich und kulturell unabhängiger werden – denn ja, Europa steht vor einer ernsten Weggabelung!

Und viele Menschen spüren gerade dieses mulmige Gefühl: Dass die Vereinigten Staaten unter einem größenwahnsinnigen Präsidenten nicht mehr automatisch der verlässliche Anker sind, als den man sie jahrzehntelang betrachtet hat. Donald J(esus) Trump und die ganze politische Bagage Bewegung um ihn herum sollen zum Teufel gehen. Ob alle in Europa so leidenschaftlich gegen Trump sind?

Aber die Antwort darauf kann kaum antiamerikanischer Trotz und Beleidigungen des Präsidenten sein. Rational gesehen benötigen wir endlich die europäische Selbstbehauptung. Eine Art Erwachsenwerden. Nicht gegen Amerika – sondern für die eigene Handlungsfähigkeit.

Dafür bräuchte Europa mehrere Dinge gleichzeitig:

  • eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die diesen Namen verdient
  • weniger Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen wie Microsoft, Google oder Amazon
  • eigene Infrastruktur: Cloud, KI, Halbleiter, Energieversorgung
  • eine stärkere europäische Rüstungskooperation statt 27 paralleler Eitelkeiten
  • Kapitalmärkte, die Innovation hier finanzieren – nicht nur in den USA
  • und vielleicht am schwierigsten: ein gemeinsames politisches Narrativ (Macron wollte das und setzte es nicht durch)

Denn Europa wirkt oft wie ein alter Kontinent voller guter Absichten und schlechter Koordination. Während in Washington oder Peking Machtpolitik betrieben wird, diskutieren wir manchmal noch über die Sitzordnung.

Und trotzdem: Europa hat enorme Stärken. Wissenschaft. Industrie. Rechtsstaatlichkeit. Bildung. Erfahrung. Lebensqualität. Der Binnenmarkt der Europäische Union ist wirtschaftlich gigantisch. Wenn Europa geschlossen handeln würde, wäre es alles andere als ohnmächtig.

Die eigentliche Frage ist womöglich: Wollen die Europäer das überhaupt? Oder bleiben wir lieber ein Kontinent der Kommentatoren, die sich empören, während andere Geschichte schreiben?

Da liegt ein leiser, bitterer Widerspruch unserer Zeit: Viele beklagen amerikanische Dominanz – aber zugleich hängen unsere Kommunikation, unsere Daten, unsere Unterhaltung und selbst unsere politischen Debatten an amerikanischen Plattformen.

Vielleicht beginnt „Paroli bieten“ deshalb nicht mit großen Reden, sondern mit nüchternen Entscheidungen. Eigene Technologien nutzen. Europäische Kooperation ernst nehmen. Demokratische Institutionen verteidigen. Weniger Zynismus kultivieren.

Und vielleicht auch damit, endlich zu begreifen: Freundschaft zwischen Staaten ersetzt niemals eigene Stärke.

Europas Souveränität endet offenbar dort, wo Washington beleidigt reagiert

2. Mai 2026

Der Ton, in dem derzeit über Friedrich Merz gesprochen wird, irritiert mich in manchen Fällen doch mehr als das, was er tatsächlich gesagt hat. Wer die Reaktionen vieler Kommentatoren liest, könnte glauben, der Bundeskanzler habe das westliche Bündnis mutwillig angezündet. Dabei hat er im Grunde etwas ausgesprochen, das nach den Katastrophen von Irak und Afghanistan fast banal wirken müsste: Wer militärisch eskaliert, braucht auch einen Plan für den Weg zurück.

europa washington souveraenitaet
europa washington souveraenitaet

Doch genau diese Bemerkung reicht inzwischen offenbar aus, um Alarm auszulösen. Interessant, wie die schlimmsten Kritiker sogleich die konträre Position zu Merz einnehmen. Hat das System?

Sofort wird aus Skepsis Illoyalität. Aus strategischen Fragen wird ein diplomatischer Affront. Und aus einem Kanzler, der Zweifel anmeldet, wird plötzlich ein Risiko für den Westen, mindestens aber für Deutschland.

Besonders auffällig ist dabei die Wortwahl mancher Kommentatoren. Friedrich Merz habe es sich „mit allen verdorben“, heißt es etwa im Tagesspiegel (Christoph von Marschall). Das klingt weniger nach Analyse als nach moralischer Ermahnung. Fast so, als sei nicht die geopolitische Lage das Problem, sondern der Umstand, dass ein deutscher Kanzler öffentlich eine Meinung zu diesem absoluten Wahnsinn abgibt.

Vielleicht liegt genau dort der Kern dieser Debatte.

Viele jener Journalisten, die man ohne Übertreibung transatlantisch geprägt nennen kann, betrachten das Verhältnis zu den USA durch eine ganz bestimmte Linse. Die Stabilität des Bündnisses steht über allem. Öffentliche Kritik an Washington gilt schnell als Gefahr für die gemeinsame Front. Besonders dann, wenn im Weißen Haus jemand sitzt, der auf Kritik empfindlich reagiert.

Aber was ist das eigentlich für ein Bündnisverständnis?

Wenn ein amerikanischer Präsident mit Truppenabzug droht (und by the way wieder mal die Zölle erhöht), weil ihm die Worte eines europäischen Regierungschefs missfallen, dann offenbart das doch vor allem ein Problem amerikanischer Machtpolitik. Trotzdem wird der Fokus verschoben. Nicht die Drohung erscheint problematisch, sondern derjenige, der es gewagt hat, einen eigenen Gedanken zu formulieren.

Mich erinnert das an ein altes europäisches Dilemma: Wir sollen souverän sein – aber bitte nur innerhalb der erlaubten Grenzen amerikanischer Empfindlichkeiten.

Seit Jahren hören wir, Europa müsse endlich stärker werden, unabhängiger denken, geopolitisch erwachsen handeln. Doch sobald ein europäischer Regierungschef beginnt, genau das zu versuchen, entsteht Nervosität. Dann heißt es plötzlich, man dürfe Washington nicht reizen, müsse diplomatischer formulieren oder Konflikte hinter verschlossenen Türen halten.

Natürlich kann man darüber streiten, ob Merz klug gehandelt hat. Diplomatie lebt nicht von Lautstärke. Aber diese fast reflexhafte Empörung über jede eigenständige Position Europas wirkt inzwischen seltsam entlarvend.

Denn sie zeigt, wie tief die Vorstellung verankert ist, dass europäische Eigenständigkeit zwar rhetorisch erwünscht ist, praktisch aber bitte niemals unbequem werden darf.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Schwäche Europas. Nicht der Mangel an wirtschaftlicher Kraft. Nicht fehlende Institutionen. Sondern die Angst, politische Eigenständigkeit tatsächlich auszuhalten, sobald sie Konsequenzen haben könnte.

Und vielleicht erklärt das auch die Schärfe, mit der manche Kommentatoren reagieren. Wer jahrzehntelang gelernt hat, Sicherheit mit Gefolgschaft zu verwechseln, empfindet Widerspruch irgendwann automatisch als Gefahr.

Freundschaften ein Leben lang – zwischen Verlusten und Verantwortung

2. Mai 2026

Freundschaft, Leben und Verluste

Freundschaft ist ein sonderbares Ding. Meist beginnt sie leise, so dass man sich später nicht mehr erinnern kann, wo und wie es eigentlich angefangen hat – und sie endet manchmal so laut, dass das Echo lange nachklingt. Ich habe es mit meinen Freundschaften nie so gehalten, wie meine Mutter es mir immer ans Herz legte. „Freundschaften müssen gepflegt werden“, sagte sie häufig. Ich habe den Rat in den Wind geschlagen. Längst hat sich die Zahl meiner Freunde ausgedünnt, einige sind bereits seit einer Weile nicht mehr unter uns.

Inhalt
Freundschaften Leben Verluste
FreundschaftLebenVerluste

Freundschaften, die bleiben

In meinem Text „Politik am Tisch: Wenn Freundschaft wichtiger ist“ erzähle ich von einem Sommerabend, an dem ich mit einem alten Freund, seiner Familie und seiner beeindruckenden Gelassenheit zusammen bin. Wir waren beim Essen, lachten über alte Geschichten – und redeten dann doch über Politik, über Trump, Gaza, die Causa Brosius‑Gersdorf. Dieses Mal hielt ich mich aber zurück. Statt meine Meinung wie eine Monstranz vor mir aufzubauen, war ich vorsichtig. Schließlich kennt man seine Pappenheimer. Ich habe gelernt, dass Freundschaft nicht heißt, dieselben Ansichten zu teilen, sondern die Bereitschaft zu zeigen, Unterschiede auszuhalten – vielleicht sogar zu schätzen.

So ist unsere Freundschaft geblieben, obwohl wir uns in vielen Dingen (manchmal unausgesprochen) uneinig sind. Manchmal ist es schwer, nicht zu polarisieren, aber gerade darin liegt die Stärke dieser Beziehung. Diese Art von Freundschaft ist einer der Gründe, warum ich weiterschreibe, selbst dann, wenn es unbequem wird. Leider gelingt mir diese Zurückhaltung nicht immer. Sicher, es darf ruhig auch einmal „knallen“. Aber man sollte wissen, wann es genug ist. Das gilt für mich ebenso wie für meine Gesprächspartner.


Freundschaften, die enden

Es gibt aber auch Freundschaften, die zerbrechen. In meinem Beitrag „Entfreundete Radikale“ berichte ich von Menschen, deren Überzeugungen einmal verbindend waren, später aber trennend wirkten. Es sind Menschen, deren Ansichten so extrem wurden, dass jede Form von Dialog unmöglich schien. Ich habe auch Freunde verloren, die nicht mehr bereit waren zuzuhören, zu fragen oder zu zweifeln. Stattdessen legten sie ihre Meinung wie eine Waffe auf den Tisch. Warum sich das so entwickelt? Darauf habe ich keine Antwort. Wie entsteht die eine oder die andere Sozialisierung? Wer vermag darauf schon eine zutreffende Antwort zu liefern, insbesondere, wenn man sich persönlich nahesteht?

Diese Verluste treffen mich bis heute. Freundschaften, die einst aus Neugier, Humor und gegenseitigem Respekt entstanden, lösten sich in etwas auf, das ich durchaus als persönliche Abneigung bezeichnen möchte. Es ist eine traurige, aber wichtige Erkenntnis: Freundschaft braucht nicht nur Vertrauen, sondern auch Respekt für die Andersartigkeit des anderen – und den Mut, Grenzen zu ziehen, wenn all das fehlt.


Leben, Verlust und der Blog

In meinem Blog spiegelt sich mein Leben – wohl nicht nur die politischen Themen, die mich beschäftigen, sondern auch die kleinen, stillen Momente, die (mir) wichtig sind. Es gibt Artikel, in denen ich über Kindheit, Veränderungen und die Verflüchtigung von Erinnerungen schreibe, wie etwa in „Veränderungen: Wie Heimat zur Wasserfläche wird“. Diese Texte schwanken zwischen Melancholie und Dankbarkeit.

Verluste gehören zum Leben wie die Freundschaften. Es gibt Freunde, die ich in meinen Beiträgen verewige, ohne ihren Namen zu nennen – sie sind darin versteckt, zwischen den Zeilen, in den Sätzen, die ich zu Menschen schreibe, die ich nicht mehr erreichen kann. Manchmal ist es das Schreiben selbst, das mir hilft, mit Verlusten umzugehen – indem es sie in Worte fasst, statt sie zu verdrängen.


Freundschaft – ein Leben lang

Freundschaft, ein Leben lang – das ist nicht nur ein hübscher Gedanke, sondern auch eine Herausforderung. Es bedeutet, in Zeiten der politischen Polarisierung, der sozialen Medien und der schnellen Urteile nicht aufzuhören, hinzuhören, zu fragen, zu zweifeln. Es bedeutet, in Freundschaften zu investieren, auch wenn sie nicht sofort zurückkommen. Macht es richtig, nicht wie ich.

Wahre Freundschaft erkennt man daran, dass man sich nach einem Gespräch nicht kleiner fühlt, sondern mehr wie man selbst.

In meinem Blog schreibe ich seit Jahren über politische und gesellschaftliche Themen. Vielleicht wirken manche meiner Texte belehrend. Dabei ging es mir nie darum, recht zu behalten. Eher darum, Verbindung herzustellen. So sollen meine Texte nicht ankommen und es tut mir leid, wenn mir das nicht gelungen ist. Mitteilsamkeit und der Gedanke an das Verbindende sind der Grund, warum ich schreibe, warum ich kommentiere. Und warum ich weiterhin Hoffnung habe, dass wir alle, trotz unserer Unterschiede, irgendwo verbunden bleiben. Die Menschen, denen ich mich verbunden fühle, obwohl ich sie nie persönlich kennengelernt habe, sollen wissen, dass ich auch sie als Freunde betrachte. Auch, wenn das einer engeren Definition von Freundschaft wohl kaum standhalten würde. Aber es sind schließlich ja auch nicht mehr als ungefähr 10 Personen.

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