Ein Freund von mir wollte letztes Wochenende in den Urlaub fliegen. Seine Freundin bekam ganz plötzlich schlimme Rückenschmerzen. Sie mussten in die Ambulanz. Dieses Mal war es die im Frechener Krankenhaus.
Eintreffen: ca. 15:30 Uhr. Um 4:30 Uhr am nächsten Morgen fuhren sie unverrichteter Dinge (kein Röntgen, kein MRT) wieder nach Hause. Natürlich hatten sie ihre Fernreise inzwischen abgesagt.
Man hörte seit Jahren immer wieder die Klage des Personals aus Ambulanzen im ganzen Land: Es kommen zu viele Patienten wegen harmloser Beschwerden in die Ambulanz. Damit war klar, dass die Wartezeiten für alle Patienten von Jahr zu Jahr länger wurden. Nun ist ein Punkt erreicht, an dem man sich fragen könnte, ob das irgendwann mal wieder so etwas wie Normalität erreichen wird.
Vor ein paar Tagen fragte ich mich, ab welchem Alter welche Behandlungen überhaupt noch infrage kommen.
Wohin wird diese Entwicklung führen? Nach alldem, was ich erlebt und gehört habe, scheint die Krankenhausreform nicht der große Bringer zu sein. Sie war allerdings – so hatte ich es verstanden – als Lösung gedacht. Jetzt frage ich mich, Lösung wofür? Vielleicht können wir überlegen, Ampeln an den Fußgängerüberwegen abzubauen. Das beschleunigt den Prozess vielleicht.
Ich gehe davon aus, dass das andere Menschen in anderen Regionen ganz ähnlich erleben.
Ich finde ja, man sollte sich wieder die Klügsten und Besten zum Vorbild nehmen und die Notaufnahme per Scrum & Agile organisieren.
@juri nello: Ich habe das Gefühl, die Krankenhäuser, besser gesagt, das Personal, möchte den Patienten mit diesen Wartezeiten gern etwas mitteilen. Ja, nur raus damit.
Die Mitteilungen sind doch eh immer die Gleichen: »Ich krieg zu wenig Geld, arbeite zu viele Stunden und habe das Gefühl auf der Stelle zu treten.«
Willkommen im Hamsterrad, dass nur von außen aussieht, wie eine Karriereleiter.
Als Konsequenz erfolgt von der Politik die Erhöhung der Kernarbeitszeit, die Kürzung der Schichtzulage und die flexible Urlaubsplangestaltung für Arbeitgeber, plus ein Sondersubventionspaket für gebeutelte Pharmaunternehmen.
Alles legitimiert von der Masse der Wähler, die exakt diese Politik auch wollen, sonst würden sie einen längst fälligen Generalstreik inszenieren, trotz des Verbotes des Selbigen!
Vorbild für die aktuellen Notaufnahmen in Deutschland sind im Übrigen die USA. Unter 50k € brauchst Du da nicht antanzen.
Einiges könnte man auch kollegial untereinander in der Aufnahme regeln. Mit meinen offenen Beinen damals habe ich 3,5 h gewartet. Der Vorletzte, der keine sichtbaren Beschwerden hatte, hat mich vorgelassen. Jemand, der mit einem halben Kopf reinkommt, würde ich (je nach Zustand) auch vorlassen.
Bei meinem Weichteilrheuma habe ich 6 h in der Aufnahme verbacht. Immerhin waren hier die Patienten schon beschwerdemäßig vorsortiert.
Wenn man sich zu fein ist, da entsprechend zu kommunizieren, könnte man auch ein Doodle aufsetzen. Internet hat da offenbar jeder griffbereit und die Zeit ist ja offenbar auch da.
@juri nello: Nicht jeder hat Karriereambitionen. Oder? Ein ordentliches Gehalt hielt man früher für einen Hygienefaktor. Längst, in heute fortgeschrittenen neoliberalen Zeiten, sind solche »Selbstverständlichkeiten« ad acta gelegt worden. Der alte Straßenkampf steht an. Die bisherige Verteilungspraxis geht den Bach runter, weil die nötigen Finanzmittel zum Teil anderweitig allokiert sind und sich zum Teil auch in Luft auflösen. Da helfen straßenkämpferische Parolen auch nicht weiter. Die Reflexe sind obsolet.
Du sagst es: Die Wähler wollen es so. Schau auf die AfD-Zahlen. Viele haben noch nicht begriffen, dass die es nicht anders machen, setzen aber gleichwohl ihre Hoffnungen auf diese Partei. Der Rest ist frustriert und sieht staunend dem Geschehen zu.
Ich weiß nicht, ob jeder Patient in den USA 50k $ für einen Ambulanzbesuch aufzubringen hat. Meine Frau und ich kämen unter den Voraussetzungen kaum noch vor die Augen irgendeines Notarztes. Man ist ja über 70. Da ist das Interesse des Staates vermutlich auch nicht allzu groß, hier für Abhilfe zu schaffen. Lauterbach hat ja gern davon geredet, dass im System Effizienzen zu heben seien. Das scheint nicht geklappt zu haben. Dafür ist nun leicht erkennbar, wohin dieser Teil (und natürlich nicht nur dieser) sich künftig entwickelt.
Wilde Zeiten. Nur die Starken überlegen.
Wer sein Heil bei einer Partei sucht, kann es auch in der Kirche finden.
Allesamt sind lediglich Kartelle der Macht.
@juri nello: Klingt ja nicht staatstragend. Muss es auch nicht sein. Wir leben in einer Demokratie, in der alle alles sagen dürfen. Schätze, das könnte das Problem sein. Jedenfalls könnte man auf den Gedanken kommen, wenn man sich die dauernden Diskussionen dazu anhört.
Wir leben in einer Demokratur des Feudalismus.
Nicht mal das Parteiensystem und seine Finanzierung ist demokratisch, noch demokratisch legitimiert, noch laufen Abstimmungen demokratisch.
Ein kleiner Auszug aus der »Demokratie«:
https://www.youtube.com/watch?v=9vKaNRk8ikk&t=2s