In Kaster, kaum einen Steinwurf von meinem Heimatdorf Königshoven entfernt, steht mitten in der Ressourcenschutzsiedlung ein weißes Zelt. Von meinem Haus aus sind es vielleicht 500 Meter dorthin – und doch fühlt sich der Weg in diesem Moment wie eine Reise in eine andere Welt an. Das Zelt ist zum Rettungsanker für jene geworden, die in einer einzigen Nacht ihr Zuhause, ihre Sicherheit, ihre Pläne verloren haben. Draußen rennen Kinder hinter einem Ball her, drinnen teilen Erwachsene Brötchen, Kaffee und die Last ihrer Tränen. Es sind Bilder der Nähe, des Trostes, der Stärke – und doch ahne ich, dass die wärmenden Worte nur eine dünne Decke sind. Sie schützen für Augenblicke, aber nicht über die langen, stillen Stunden hinaus. Wie tief die Verzweiflung dieser Familien wirklich reicht, kann ich kaum ermessen.
Es wird Nachbarschaftshilfe organisiert. Unterstützung kommt von Mitbewohnern der Siedlung – denen, die nicht so betroffen sind, wie andere, der Stadt, einem Getränkemarkt, einem Supermarkt und zwei ansässigen Bäckereien. Mindestens 100 Menschen finden hier täglich Verpflegung und Trost. Für viele ist es mehr als eine Mahlzeit – es ist der Ort, an dem Verzweiflung geteilt werden darf.
Hier leben ca. 130 Familien, die ihren Traum vom Eigenheim realisiert haben und zum Teil erst kurz (einige Wochen oder Monate) zuvor eingezogen waren. Die meisten sind schwer betroffen von dieser Katastrophe. Man mag sich nicht ausmalen, was das für die großenteils jungen Familien mit mehreren Kindern bedeutet.
Währenddessen tragen Familien verschlammte Möbel und Erinnerungen in Container. Manche sprechen von Schäden in sechsstelliger Höhe, einige Häuser sind sogar unbewohnbar. Wer keine Küche mehr hat, ist auf das Zelt angewiesen. Die Stadt vermittelte bereits erste Wohnungen, weitere Menschen warten.
Bürgermeister Sascha Solbach kündigte an, die neue Flüchtlingsunterkunft für Betroffene freizugeben. Spendenaktionen laufen, Fonds und Versicherungen sollen helfen. Doch nicht alle sind ausreichend versichert, die Angst vor Kündigungen der Policen wächst.
Die Stadt denkt an Mauern, zusätzliche Rückhaltebecken, sogar an Waldrodung, um künftige Fluten abzufangen. Denn was fiel, war kein »normaler« Regen: 160 Liter in sechs Stunden – ein Jahrhundertregen, der kein Jahrhundert brauchte, um Realität zu werden. Der Gesamtschaden allein in dieser Siedlung dürfte sich auf einen Betrag in zweistelliger Millionenhöhe belaufen.
Die Kreissparkasse Köln bietet zinsfreie Kredite an. Der Kredit soll zinsfrei bei möglichen Beträgen zwischen 5.000 und 100.000 Euro sowie Laufzeiten von bis zu 120 Monaten sein.
Eine zusätzliche Sperrgutabfuhr soll Entlastung bringen. Und für die Kinder organisiert die Stadt eine »Auszeit« mit Spiel und Unterhaltung – kleine Inseln der Normalität inmitten des Chaos.
Lieber Horst, danke für deine Info an mich. Als ehemalige Bedburger Bürgerin fühle ich mich mit den Geschehnissen besonders verbunden. Danke, dass du zeigst, wie Menschsein »funktioniert«. In Zeiten der Not ist nur der Moment wichtig, Meinungen, (Vor) Urteile schwinden, es wird pur, nackt, gesund.
Alle diese Hilfen zeigen: Menschen haben akzeptiert, was geschehen ist und schauen nach vorne. Das gibt neue Kraft. Allen Betroffenen mein Mitgefühl und meine besten Wünsche.
Und auch wenn es vielleicht für manchen absurd klingt: Dankbarsein für alles, was noch ist, das Leben, das erhalten blieb, für die Menschen, die helfen, für das Essen……Ich weiss, wovon ich rede, das hat mir schon öfters den Weg aus Verzweiflung und Verletzung ermöglicht.
Alles Liebe.
Jutta
Liebe Jutta, danke für deine einfühlsamen Zeilen. Man muss in solchen Zeiten viel an andere denken, die, wie in diesem Fall, vor ganz anderen Problemen stehen. Man selbst hatte Glück und weiß das auch zu schätzen.
Liebe Grüße
Horst