Gesellschaft   ·  5 Min.

Soll Religionsfreiheit eine Frage der Dialektik werden?

2 Views   ·  Kommentare deaktiviert für Soll Religionsfreiheit eine Frage der Dialektik werden?

Frau Röhl stellt bei Tichys Einblick fest, dass sich in Deutschland (fast) alle Parteien, alle Medien und viele Verbände prompt …

weiterlesenSoll Religionsfreiheit eine Frage der Dialektik werden?

Weiterlesen



Frau Röhl stellt bei Tichys Einblick fest, dass sich in Deutschland (fast) alle Parteien, alle Medien und viele Verbände prompt und sehr kritisch zum Islam – Vorstoß der AfD geäußert haben. Ja, was hatte sie denn erwartet?

Sie empfiehlt, erst einmal die Frage zu beantworten, was die im GG verbriefte Religionsfreiheit meint und will. Deshalb zitiert sie zunächst Art. 5 des GG. Dann wird sie feinsinnig und schreibt was vom Küchenverfassungsrechtlers, also quasi einer Variante des Küchenpsychologen, mit dem wir es im aktuellen Fall zu tun hätten. Natürlich bei denen, die sich aus ihrer Sicht zu vorschnell auf das Grundgesetz berufen hätten.

Frau Röhl zeigt sich besorgt, „dass intellektuellen Shitstorms umgestaltende Kraft über die Verfassung erhalten“ könnte. Unabhängig davon, ob wir uns dem Element des Pools der Krethis und Plethis zuzurechnen haben, dem Frau Röhl die Neigung zu überzogener Reaktion zuschreibt, wird es nicht verwundern, dass mancher sich mit solchen Verallgemeinerungen schwer tut. Ich tue es jedenfalls. Zudem werden sich vielleicht Millionen von Menschen im Land direkt und zwar negativ angesprochen fühlen.

Es bereitet mir Missbehagen, einseitige und falsche Darstellungen/Behauptungen zu lesen, die einerseits als „die Wahrheit, die vom linken Mainstream bisher verschleiert wurde“ verkauft werden, die sich andererseits sehr zielgenau an die rechts-konservative Leserschaft solcher Blogs wendet. Zweifel an der eigenen Position sind für mich nicht auszumachen.  Dafür wird allerdings umso mehr alles infrage gestellt, was der politische Gegner sagt, schreibt oder tut.

Beifall von den Klarsehern im Land

Der Beifall aus dem rechts-konservativen und völkischen Lager ist also programmiert.

Egal wie es quantitativ aussieht, ob es mehr Angriffe aus der muslimischen Welt hierzulande auf die christliche, jüdische oder die agnostische Welt gibt oder ob es mehr Angriffe von Agnostikern gegen die religiösen Menschen gibt usw., eines steht fest, es gibt solche Angriffe in alle Richtungen, aber es gibt keine qualitative und quantitative Bewertung, zum Beispiel auch keine Statistiken solcher gegenseitigen Angriffe, die irgendeinen Realitätsbezug haben. Aber der öffentliche Raum ist voll mit meist sehr abstrakt gehaltenen Angriffen, die Muslime auszuhalten hätten und einer zumeist verschwiemelten und verschwurbelten Masse von Angriffen auf Nicht-Muslime durch Muslime, die unter dem Rubrum Pschtpscht, Mundhalten laufen, um nicht den Rechten in die Hände spielen.Quelle: AfD: Gehört der Islam zu Deutschland? – Seite 2 von 2 – Tichys Einblick | LINK

Ich vermute, kaum jemand in unserem Land, schon gar nicht die Muslime, werden die Ereignisse der letzten Zeit unberührt gelassen haben. Frau Röhl spielt in ihrem Beitrag mit dem, was wir an vielen Stellen im Netz immer wieder zu lesen bekommen. Das Märchen, von dem die rechten Meinungsmacher immer noch zehren, ist, dass der linke Mainstream die überfällige Diskussion über die Probleme mit dem Islam und den Muslimen verhindert hätte.

Röhl beklagt denn auch eine „ideologisierte linksmainstreamige Verwirrtheit der Gesellschaft“. Schön gesagt, gell?

Hass und Ablehnung

In diesem Land gibt es seit gefühlten Ewigkeiten Hassblogs wie PI-News (2004), den Kopp-Verlag und Fernsehberichte, die uns – sag ich mal möglichst neutral – ihr sehr kritisches Verständnis des Islams nahe gebracht haben. Seit den Kölner Silvester – Verbrechen hat sich das Bemühen um Aufklärung auch der letzten naiven linksgrün-versifften Gutmenschen noch einmal verschärft. Ich finde, das wäre nicht nötig gewesen. Aber Frau Röhl ist ja offenbar immer noch der Ansicht, dass dieses große öffentliche Aufmerksamkeitsdefizit ausgemerzt werden müsse. Dafür ist die 3. Säule der Kernpunkte der AfD – Parteiprogrammatik (so sie ihren Niederschlag dort finden werden) benutzt.

[x_alert type=“info“]

  1. Euro
  2. Flüchtlinge
  3. Islam

[/x_alert]

Wie muss ich die These formulieren, die Frau Röhl in ihrem Beitrag unausgesprochen aufstellt?

Der Islam gehört nicht zu Deutschland

Die Leute, die ihn praktizieren gehören hingegen zu Deutschland. Etwas anderes zu sagen wäre sogar den Islamkritikern vermutlich zu krass? Ich bin unsicher, ob solche Überlegungen etwas sind, auf die Meinungsmacher von Tichys Einblick Rücksicht nehmen würden. Sie übersehen augenscheinlich, dass wir mit Millionen von Muslimen zusammenleben und deren Denken und Handeln unweigerlich unsere eigene kulturelle Identität verändert hat und auch weiter verändern wird? Oder wird dieser unschöne Teil der Realität etwa von denen ausgeblendet, die immer behaupten, der Islam gehöre nicht zu Deutschland?

Wenn Muslime (wer, wann und wie viele davon?) die Religionsfreiheit anderer missachten, weil sie ihren Glauben über den aller anderen stellen, verwirken sie ihr eigenes Recht oder wenigstens Teile davon? Weil es auf der Welt Gottesstaaten gibt, die keine anderen Religionen neben dem Islam zulassen, soll es in Deutschland keine Religionsfreiheit für Muslime geben?

Stoff zum Nachdenken

Der Riege von tollen Journalisten, die in diesem Blog schreiben, hätte etwas mehr Vielfalt nicht geschadet.

Ich glaube, Frau Röhl hat einen guten Artikel geschrieben. Einen, der unter Umständen viel Stoff zum Nachdenken bietet. Nein — besser gesagt, er würde viel Stoff zum Nachdenken bieten, wenn er nicht in seiner Intention derart durchsichtig wäre.

Teile ihres Textes legen sehr fragwürdige Konsequenzen nahe. Das stößt bei den geneigten Leserinnen und Lesern des Tichy-Blogs uneingeschränkte Zustimmung (s. die dortigen Kommentare). Bei Tichys Einblick gibt es keine Meinungsvielfalt! Dort äußern sich, kaum Kritiker. Aber dafür fehlt es nicht an Zustimmung. Die Schreiber machen den Eindruck, als hätten sie Angst davor, Mainstream zu sein. Dabei haben diese Texte, wie ich immer deutlicher sehe, absolut das Zeug zum Mainstream. Ich finde das schrecklich.

Zurück zur Frage.

Wollen wir eigene Positionen (beispielsweise unsere Haltung zum Grundgesetz) aufgeben, weil krasse Erscheinungen wie religiös begründeter Terrorismus uns Angst machen?

War es denn nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, wenn wir sagten, dass wir uns durch Terrorismus nicht von unseren Überzeugungen und Werten abbringen lassen wollten? Ich halte es für krass falsch und sehr destruktiv, Frau Röhls Darstellungen zu folgen.

Gegen Ende des Beitrages stehen diese Sätze:

Der belgische Innenminister erhebt schwere Vorwürfe gegen die Muslime seines Landes. Er wolle das Mainstreamschweigen durchbrechen: Ich nenne eine Katze eine Katze. Viel zu viele Muslime hätten nach den Anschlägen von Brüssel vor Freude getanzt.Quelle: AfD: Gehört der Islam zu Deutschland? – Seite 2 von 2 – Tichys Einblick | LINK

Weil „viele Muslime“ in Belgien nach den Anschlägen getanzt haben, wollen wir, wenn ich Frau Röhl richtig verstehe, die Unverletzlichkeit der „Freiheit des Glaubens…“ und die gewährleistete „ungestörte Religionsausübung“ für Muslime außer Kraft setzen.

Das kann ja wohl nicht wahr sein! 

Leider gibt es Terroristen und Sympathisanten für islamischen Terror. Frau Röhl findet es deshalb und auch wegen der in dieser Religion innewohnenden Fremdheiten legitim, das Grundrecht auf Religionsfreiheit für Muslime einfach mal auf den Prüfstand zu stellen. Sie wird dafür viel Zustimmung bekommen. Die Zahl der Leute, die einen sehr kritischen Blick auf den Islam haben, wächst immer schneller. Wir kennen die Faktoren, die das verursachen. Viele von uns scheinen nicht akzeptieren zu wollen, dass Differenzierung wichtig ist. Lieber werden mit Pauschalisierungen die vorhandenen Vorurteile genährt und angereichert.

Ich habe in Röhls Artikel die Frage vermisst, wie sich Millionen von Muslimen in Deutschland fühlen, wenn der Islam begleitet von einer wachsenden Skepsis der Öffentlichkeit ins Fadenkreuz genommen wird.









Artikelautor: Horst

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!