Politik   ·  4 Min.

Assange scheint (fast) vergessen

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Zu wenige sind am Schicksal des Menschen Julian Assange interessiert. Es ging auch in diesem Fall nur um ein zeitlich eng befristeten Aufgeilen an Sensationsnachrichten.



Wofür interessieren sich die Amis? Julian Assange ist es nicht. Und Politik kann es auch nicht sein. Sonst wäre Donald Trump nicht Präsident!

Bei uns ist das Bild auch nicht viel anderes. Abgesehen von einer Woche im April 2019:

Die beiden Google – Trend – Grafiken habe ich übrigens nicht wegen Donald Trump eingebunden, sondern wegen Julian Assange.

Am Ende

Der Ausreißer im April lag in der kurzen Zeit, in der sich „die Leute“ daran ergötzt haben, wie Assange versucht hatte, in Unterwäsche Skateboard zu fahren. Sowas mögen die Leute. Egal, ob bei uns oder drüben bei den Amis.

Nicht nur die Medien hier oder woanders haben an der Person und dem Lebenswerk Assanges das Interesse verloren. Obwohl erst durch ihn unter anderem Beweise für die Verbrechen öffentlich wurden, die von US-Amerikanern bei dem von ihrer politischen Führung mit Lügen begründeten Irak-Krieg, begangen wurden. Eine Schande ist das!

Deutsch-amerikanische Freundschaft?

„Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert.“

Das Zitat wird Julian Assange zugeschrieben
Quelle: Ein Statement von Journalisten zur Verteidigung von Julian Assange – Neue Debatte

Beim heutigen „Internationalen Frühschoppen“ ereiferte sich eine Zuhörerin im Anschluss an die Sendung über den in Deutschland grassierenden Anti-Amerikanismus. Ja, man kann es wirklich kaum verstehen. Wo wären wir denn, hätte es nach dem Krieg diesen uneigennützigen Marschall-Plan der Amis nicht gegeben?

Was wohl wäre, hätte es diesen vertrauenseinflössenden Atomwaffenschirm auf deutschem Boden nie gegeben? Die Russen hätten uns wahlweise überrannt oder wir wären dem Fallout detonierter Atomwaffen aller Seiten ausgeliefert gewesen. Nicht wenige sagen ja, dass die Abschreckung im Kalten Krieg die jahrzehntelange Friedensphase gebracht habe und nicht die Europäische Union. Welcher Meinung ich mich anschließen soll, habe ich immer noch nicht entschieden.

Falscher Fokus – so ohne Sozialstaat

Von dem vorvorigen Präsidenten George W. Bush war ich schon total entsetzt. Dann kam Obama. Gegen Bush war er für mich die Lichtgestalt schlechthin. Er ist es bis heute! Und doch, ich weiß, dass er gravierende Fehler gemacht hat. Aber nicht eine Sekunde lang war Obama ein so mieser, ekelhafter Mann wie der heutige gewählte Präsident. Ich hatte wie so viele sicher viel zu hohe Erwartungen. Sie konnten nur enttäuscht werden.

Meine Einstellung zu den USA erholte sich, und Gott sei Dank erhielt er sogar eine zweite Amtszeit. Wenn ich daran denke, dass nun – auch durch die politische Dummheit der Demokraten – diese schlimme Fehlbesetzung Donald Trump die gleiche Chance kriegt, könnte ich im Strahl kotzen. Doch, ich respektiere demokratische Entscheidungen, was aber eben nicht bedeutet, dass ich diese und die Wähler des Irrtums dafür nicht kritisiere! Schließlich machen die Menschen das überall auf der Welt, sofern Obrig- und Widrigkeiten sie nicht daran hindern.

Nicht schweigen zu hegemonialen Ansprüchen

Am liebsten wäre es manchen Amerikanern, wir Europäer würden unsere Meinung für uns behalten und die amerikanische Vormachtstellung unwidersprochen hinnehmen. Unsere Regierung macht das natürlich auch genauso.

Dass dieser seltsame Botschafter Richard Grenell, der sich – vorsichtig ausgedrückt – auf in diplomatischen Kreisen wohl sehr unübliche Art und Weise in unsere inneren Angelegenheit einmischt, hätte längst ersetzt werden müssen. Aber dafür hat unser Außenminister Heiko Maas einfach nicht den Arsch in der Hose. Abgesehen davon, dass Merkel ihn wohl auch daran hindern würde. Soviel zu unserer Regierung.

Nordstream 2

Ich glaube immer noch, dass die Polen ihre Hände im Spiel haben! Aber reicht ihr Arm bis Washington? Oder bis zum ukrainischen Präsidenten? Seit längerer Zeit äußert die US-Regierung die Sorge, dass Europa sich mit Nordstream 2 von Russland zu abhängig machen würde. Wie selbstlos! Dabei wollen sie natürlich nur ihr eigenes Gas (dem ach so umweltschonendem Fracking-Verfahren gewonnen.) verkaufen.

Es ist wahr, dass dieses Projekt auch in Europa selbst viele Gegner hat, vor allem im Osten. Dennoch ist es allein die Sache der Europäer, diese Entscheidung zu treffen. Ich bin einigermaßen platt, dass die Grünen aus rein ideologischen Gründen gegen das Projekt wenden. Ein Sprecher sagte in den Nachrichten, dass wir das Gas überhaupt nicht brauchen würden. Angeblich sei dies ökonomisch und ökologisch kontraproduktiv. Nee, is klar! Bald brauchen wir gar keine Energie mehr, wenn die Grünen und ihre Unterstützer in dieser verrückt radikalen Art und Weise weiterfantasieren. Bei der Windkraft sind wir auf dem besten Wege. Nicht mal die eigenen Leute haben die Grünen im Griff. Denn die Kläger sind doch Umweltbewegte? Aber über die politische Präferenzen der Windkraftgegner gibts zum Glück keine gesicherten Erkenntnisse!

Sanktionen und Gegensanktionen?

Dass die Amis jetzt mit schwerwiegenden Sanktionen gegen die beteiligten Unternehmen vorgehen, zeigt, womit wir es zu tun haben.

Ich habe nichts gegen „Make america great again“, obwohl der Spruch irgendwie auch zum in Europa immer stärker werdenden Nationalismus passt. Hätten vorherige US-Regierungen die Interessen ihrer Bevölkerung und nicht ausschließlich die ihrer Finanzsponsoren im Auge gehabt, könnte die Lage sicher viel besser sein. Aber die US-Unternehmen zogen es vor, ihre Produkte in China produzieren zu lassen.

Dass Trump heute gute Wirtschaftsdaten und eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit vorzuweisen hat, kann er sich wohl zu recht gutschreiben, obwohl ein Teil vermutlich noch auf die Politik Obamas zurückgehen dürfte (ich sage nur Hartz IV. Merkel hat von Schröders Agenda profitiert, während die SPD darüber zerbrach).

Ich wünschte, wir würden uns in Europa einig. Am besten wäre es, wenn auf die Sanktionen der US-Regierung mit eigenen Maßnahmen reagieren würden. Aber das ist komplett ausgeschlossen, weil die Europäer auch in diesem Fall absolut uneins sind.

Genauso wird Assange nicht darauf hoffen dürfen, dass Europa ihm zur Seite stehen wird. Deutschland könnte es den Amis zeigen und ihm (endlich) politisches Asyl gewähren. Das wäre mal eine Antwort – so kurz vor Weihnachten. Aber M & M bringen das nicht zustande.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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