Ich glaub gar nix mehr


| Aktualisiert: 4. Oktober 2020   2 Kommentare 5 Min. Lesezeit

Wie lan­ge war­nen Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler schon davor, dass der Euro crasht? Es soll­te mor­gen, über­mor­gen oder über­über­mor­gen pas­sie­ren. Immer und immer wie­der lesen wir so etwas. Irgend­wann wird es schon klap­pen und ein paar Leu­te ver­die­nen damit wie­der Millionen! 

Pro­gno­sen sind eben schwie­rig, weil sie die dum­me Eigen­art haben, sich mit der Zukunft zu beschäftigen. 

Unter «den» Wis­sen­schaft­ler, denen urplötz­lich unse­re Auf­merk­sam­keit gehört, sind nach mei­ner Über­zeu­gung bestimmt genug, die sich aus Pro­fi­lie­rungs­grün­den oder irgend­wel­chen ande­ren psy­cho­lo­gi­schen Moti­ven, als Apo­lo­ge­ten der Apo­ka­lyp­se an #Fri­day­For­Fea­ture gehal­ten haben. Was war das für ein Armuts­zeug­nis für sie, erst gehört zu wer­den, nach­dem Kin­der und Jugend­li­che ihnen den Weg berei­tet haben? Oder war es eines für unse­re Poli­tik, die Medi­en oder viel­leicht sogar für uns, die Gesell­schaft insgesamt?

Auf der ande­ren Sei­te exis­tie­ren die­je­ni­gen, die uns aus kon­ser­va­tivs­ter Sicht die gro­ße, wei­te Welt erklä­ren, in dem sie uns näm­lich weis­ma­chen, als Deut­sche und Euro­pä­er in die­sen Glo­ba­li­sie­rungs­zei­ten poli­tisch und mili­tä­risch kein Bein mehr auf «die Erde» zu brin­gen. Es steht nicht so gut um Euro­pas Repu­ta­ti­on. Wahr­schein­lich ist es zu spät, eine Visi­on der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa zu ent­wi­ckeln. Erst ein­mal schei­nen die Natio­na­lis­ten wie­der ein­mal «dran» zu sein. Die Wah­len konn­ten das mul­mi­ge Gefühl in die­ser Hin­sicht zwar ein wenig beru­hi­gen. In Frank­reich, Ita­li­en und in eini­gen ost­eu­ro­päi­schen Län­dern haben aller­dings die Natio­na­lis­ten gewonnen. 

Zu denen, die unse­re Zukunft aus ganz ande­rer, näm­lich kon­ser­va­ti­ver Sicht, skep­tisch sehen, gehört Herr Wolff­s­ohn, His­to­ri­ker, frü­her mal Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät der Bun­des­wehr in Mün­chen. Gera­de vor­ges­tern hat er uns wie­der mal klar­zu­ma­chen ver­sucht, dass wir ohne die Amis gar nichts sind. Also, lie­be deut­sche Poli­ti­ker: immer schön Männ­chen machen vor Trump­ski. Dann wird alles gut.

Der Club of Rome hat nicht rich­tig gele­gen vor fast 50 Jah­ren. Die Gren­zen des Wachs­tums mögen vie­le schon damals gese­hen haben, erreicht sind sie bis heu­te nicht. Dage­gen hält die ande­re Dis­zi­plin von Wis­sen­schaft­lern, die Ökonomen. 

Jeder will was ande­res. Nur wehe, es fin­det vor der eige­nen Haus­tür statt. 

Berlin Neukölln

Auch, wenns im Video (Link im Video­fo­to) so dar­ge­stellt wird: es han­delt sich mei­nes Erach­tens nicht um ein «Grü­nen» Phä­no­men. So wie die Kreuz­ber­ger sind ein­fach zu vie­le von uns ein­ge­stellt. Autos raus, Tou­ris­ten raus, Besu­cher raus. «Will mei­ne Ruhe». Ich kann das ver­ste­hen. Des­halb lebe ich in einem Dorf. 

Aber – so, lie­be Mit­bür­ger, wird das mit dem Kli­ma­wan­del bestimmt nix. Wenn es näm­lich kon­kret wird und uns per­sön­lich betrifft, ver­sa­gen unse­re guten Absich­ten und unse­re heh­ren Zie­le wer­den (wie nach Sil­ves­ter) äußerst dehn­bar. Wenn wir an einer Stel­le fle­xi­bel sind, dann wenn es um Ansprü­che an uns selbst geht.

Da geht es näm­lich bei alle­dem um knall­har­ten Ver­zicht.

Und das heißt eben auch: Weni­ger Ver­kehr in Groß­städ­ten oder von mir aus: mehr Raum für «Begeg­nun­gen». Dass sol­che Begeg­nun­gen oft mit Alko­hol und weni­ger mit Ein­hei­mi­schen, son­dern mit eher unwill­kom­me­nen Gäs­ten von «außer­halb» statt­fin­den erzeugt beim Publi­kum mög­li­cher­wei­se ein gewis­ses Wohl­ge­fühl, bei den Anwoh­nern aber das glat­te Gegenteil. 

Nun, wir ken­nen die­se Dis­kus­sio­nen unter ande­rem vom Bres­lau­er Platz in Köln. Der Fall liegt etwas anders. Im Prin­zip sind die Ber­li­ner Reak­tio­nen aber wirk­lich nicht neu. Ich glau­be, vie­le Men­schen wis­sen ein­fach nicht mehr, was sie wirk­lich wol­len. Sie schau­en sich die Demos an und fin­den die Anlie­gen rich­tig und nach­voll­zieh­bar. Das heißt nur längst noch nicht, dass wir kon­kre­te Vor­stel­lung dazu bei der Hand hät­ten, wie wir es wirk­lich bes­ser machen kön­nen. Dass all­mäh­lich der Ver­zicht und Arbeits­platz­ver­lus­te erwähnt wer­den, ist viel zu wenig. Bei den Nagel­pro­ben haben wir bis­her ver­sagt. Viel­leicht spre­chen die Poli­ti­ker nicht aus­rei­chend Klar­text. Wir wis­sen ja, war­um das so ist: Tei­le die­ses Tex­tes könn­ten uns verunsichern. ❗❓

In Kreuz­berg sind die Leu­te damit ein­ver­stan­den, dass Autos «aus­ge­sperrt» wer­den. Das Vier­tel soll lie­ber zur Fuß­gän­ger­zo­ne gemacht wer­den. Der grün domi­nier­te Rat der Stadt hat für eine Mil­li­on Euro eine Begeg­nungs­zo­ne ein­ge­rich­tet, die kurz nach ihrer Fer­tig­stel­lung eine Mehr­heit (der Bür­ger) bereits nicht mehr will. Der zustän­di­ge Stadt­rat trös­tet die Bür­ger damit, dass die Inves­ti­tio­nen ja nicht ver­lo­ren sei­en… Wer möch­te das glauben? 

Was möchte man als Politiker daraus für Schlüsse ziehen?

Vor allem doch, dass selbst klei­ne Pro­jek­te zu häu­fig am Ego­is­mus, an den par­ti­ku­la­ren Inter­es­sen klei­ner Grup­pen im Land, scheitern. 

Wie sonst wol­len die Grü­nen und ihre Ver­bün­de­ten es erklä­ren, dass von den tau­sen­den Kilo­me­tern von Strom­lei­tun­gen, die wir brau­chen um den Strom aus erneu­er­ba­ren Quel­len von Nord nach Süd zu brin­gen, nach Jah­ren gera­de 950 km fer­tig­ge­stellt wur­den? Wie­der und wie­der schei­tern wir an Par­ti­ku­lar­in­ter­es­sen, also an einem immer aggres­si­ver zum Aus­druck gebrach­ten Indi­vi­dua­lis­mus. Gleich­zei­tig fra­gen wir uns allen Erns­tes, wer die Schuld dar­an trägt, dass der Sinn für Soli­da­ri­tät und für das Gan­ze mehr und mehr ver­lo­ren geht.

Das Schlimms­te an die­ser Ent­wick­lung ist, dass immer mehr Leu­te (in Deutsch­land) schein­bar zur Hys­te­rie neigen. 

Da wir über ein so gehyp­tes The­ma spre­chen, darf man die­se Posi­ti­on nicht ein­neh­men (sic), weil man gege­be­nen­falls prompt zu den wei­ßen, alten Män­nern gezählt wird, die ein­fach gar nichts nichts mehr raffen. 

Die Kako­pho­nie in Medi­en und Gesell­schaft wirkt auf mich ein­fach nur noch irre. Die Poli­tik ist nicht immun, und hechelt der Kli­ma­wan­del­hys­te­rie hin­ter­her. Gera­de das hal­te ich offen gestan­den für die viel kon­kre­te­re Bedro­hung. Die apo­ka­lyp­ti­schen Visio­nen der Exper­ten und Wis­sen­schaft­ler beun­ru­hi­gen mich weni­ger, weil sie, wie ich gelernt habe, nicht dafür ver­haf­tet wer­den, wenn es doch anders läuft. Poli­ti­ker wer­den geteert und gefe­dert oder wenigs­tens abge­setzt. Wis­sen­schaft­ler wer­den nicht zur Rechen­schaft gezo­gen und wenn ein gewis­ser Zeit­punkt vor­bei ist, zie­hen sie wei­ter ihre Krei­se. Poli­ti­ker sind dann längst nicht mehr in der Verantwortung.

Es wird teuer und viele verlieren ihre Lebensgrundlage

Hier und da wird in Dis­kus­sio­nen immer­hin deut­lich, was auf uns zukom­men könn­te, wenn sich die Poli­tik der Grü­nen und ihrer Unter­stüt­zer in Regie­rungs­han­deln nie­der­schla­gen soll­te. Die Infek­ti­ons­ge­fahr kann gar nicht hoch genug bewer­tet wer­den, weil im Moment schein­bar «alle Poli­ti­ker», AfD aus­ge­nom­men und mit Abstri­chen die FDP, bezeich­nen den Kli­ma­wan­del als DAS vor­ran­gigs­te Thema. 

Nie­mand, außer Trump­ski, dürf­te noch igno­rie­ren, dass die Fol­gen des vom Men­schen mit­ver­ur­sach­ten Kli­ma­wan­dels beängs­ti­gen­de Aus­wir­kun­gen haben könnte. 

Des­halb ist es wich­tig, die Zie­le der Pari­ser Kli­ma­kon­fe­renz nicht bloß ernst­zu­neh­men, son­dern auch alles erdenk­li­che dafür zu tun, dass wir die­se auch errei­chen. Soweit ist die Poli­tik in Deutsch­land nicht. 

Und zwar nicht nur des­halb, weil sie – wie Rezo, der Zer­stö­rer, meint -, in ihrer inkom­pe­ten­ten Art ihre Haus­auf­ga­ben nicht machen. In Deutsch­land sind die Aus­wir­kun­gen der nicht gera­de vor­bild­haf­ten Ener­gie­wen­de ent­mu­ti­gend. Dass nach Fuku­shi­ma die Atom­ener­gie und im Lich­te einer vor­geb­lich welt­wei­ten Bewe­gung jetzt auch die Koh­le­en­er­gie lie­ber heu­te als mor­gen abge­schal­tet wer­den sol­len, stellt ledig­lich einen Teil unse­res deut­schen Über­for­de­rungs­sze­na­ri­ums dar. 

Ich war­te auf ver­nünf­ti­ge und über­zeu­gen­de poli­ti­sche Kon­zep­te und gewäh­re der Poli­tik die benö­tig­te Zeit, um die­se umzu­set­zen. Es wäre im Moment schon viel gewon­nen, jeden­falls, wenn ich an die State­ments der Poli­tik zum The­ma den­ke, sich nicht in all­ge­mei­nem «Pil­le­pal­le» zu erschöpfen.


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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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2 Gedanken zu „Ich glaub gar nix mehr“

  1. Jetzt mal nur zur Berg­mann­stra­ße (alles ande­re ist mir grad zu viel):
    ich hab 19 Jah­re in dem Kiez gewohnt, dabei aktiv dazu bei­getra­gen, dass es heu­te der belieb­tes­te Stadt­teil Ber­lins ist (Ver­kehrs­be­ru­hi­gung, Erhalt der Häu­ser u.v.m.), anstatt «ent­kernt» und «auto­ge­recht» zu wer­den. Auch heu­te noch besu­che ich da wöchent­lich einen Freund, der direkt um die Ecke der Berg­mann­stra­ße wohnt.

    Das gan­ze Gestrei­te wird über­trie­ben dar­ge­stellt und zu Unrecht skan­da­li­siert, denn es ist ein 1‑Jähriger MODELLVERSUCH, bei dem durch ver­schie­de­ne, sich im Lauf der Zeit auch ver­än­dern­de Maß­nah­men getes­tet wird,. wie ein neu­es Mit­ein­an­der der Ver­kehrs­teil­neh­mer aus­se­hen könn­te. Da die Berg­mann­stra­ße län­ger schon DIE Tou­ris­ten­mei­le ist, wo im Som­mer für Anwoh­ner oft kaum mehr ein Durch­kom­men auf den Gestei­gen ist, wun­dert es nicht, dass es Aus­ein­an­der­set­zun­gen gibt – mit und ohne Modell­ver­such übrigens!

    Außer dem Lie­fer­ver­kehr gibt es dort – eigent­lich – gar kei­ne Not­wen­dig­keit mehr, über­haupt in die Berg­mann­stra­ße ein­zu­fah­ren! Das gan­ze recht klei­ne Kiez ist umge­ben von gro­ßen, in bei­de Rich­tun­gen mehr­spu­ri­gen Stra­ßen, auf die der Auto­ver­kehr locker beschränkt wer­den könn­te. So wäre aus mei­ner Sicht eine schlich­te Fuß­gän­ger­zo­ne mit Lie­fer­ver­kehr­erlaub­nis (+Fahr­rad) die ein­fa­che Lösung gewe­sen – in Bar­ce­lo­na und Paler­mo kann man etwa sehen, wie groß­ar­tig das bei zen­tra­len Stra­ßen funk­tio­niert. End­lich hät­ten alle Fuß­gän­ger viel mehr Platz. 

    Aber man will ja inno­va­tiv sein und mög­lichst allen gerecht wer­den. Mit dem Ergeb­nis, dass man eben auch mit allen Streit hat… Nichts­des­to­trotz soll­te man das Ergeb­nis abwar­ten und schau­en, was die rea­len Zäh­lun­gen und Nut­zungs­be­ob­ach­tun­gen erge­ben haben. Die Park­letts / Sit­zin­seln, die in die Stra­ße als pro­vi­so­ri­sche Holz­bau­ten nun hin­ein ragen, wer­den jeden­fall inten­siv ange­nom­men – schön, dass man mal wie­der irgend­wo sit­zen kann, ohne kon­su­mie­ren zu müssen!

    Aber die Pres­se und vie­le Immer-alles-Bas­her regen sich lie­ber dar­über auf, dass grü­ne Krei­se an den Kreu­zun­gen auf die Stra­ße gemalt wur­den – um Auto­fah­rer einen Moment zu irri­tie­ren («was ist denn DAS jetzt?») und so zu verlangsamen.

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  2. Dan­ke für die Erläu­te­run­gen aus Sicht der Nach­bar­schaft. Im Welt-Bei­trag, der schon ziem­lich süf­fi­sant kom­men­tiert wur­de, kamen ja eini­ge Anwoh­ner zu Wort. Das war es, was mich dazu bewo­gen hat, die­sen Fall bei­spiel­haft für vie­le ande­re Ent­wick­lun­gen im Land zu erwäh­nen. Auch ohne die Medi­en und die «Immer-Alles-Bas­her» gibt es sehr unter­schied­li­che Sicht­wei­sen auf Stadt­ent­wick­lungs­pro­jek­te und vie­les mehr. Wir strei­ten in NRW über die Kos­ten­über­nah­me für Stra­ßen­re­pa­ra­tu­ren durch die Anwoh­ner. Die Infra­struk­tur ver­rot­tet und wenn was – wie in die­sem Fall – getan wird, müs­sen die Bür­ger sepa­rat dafür auf­kom­men. Und da geht es um hor­ren­de Beträge. 

    Zurück zu Ber­lin. Es gibt ja zum Glück Bewe­gung bei den nöti­gen städ­te­bau­li­chen Ver­än­de­run­gen. Dafür sorg­te ein Fahr­rad­club. Nur kom­men wir mit den nöti­gen Pla­nun­gen irgend­wie nicht zu Pot­te. Wenigs­ten sind das die Aus­sa­gen, die ich aus den Medi­en kennen.

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