Gesellschaft   ·  2 Min.

Kleinigkeiten unterm künstlichen Weihnachtsbaum

Das mit den Weihnachtsgeschenken haben wir schon vor Jahren, nicht abgeschafft, erheblich reduziert. Es gibt sie noch, aber halt in klein. Deshalb nennen wir sie «Kleinigkeiten». Einige davon liegen auch bei uns nächste Woche unterm Weihnachtsbaum. Der Verpackungsmüll sollte also überschaubar sein.

Ja! Wir haben einen Weihnachtsbaum, sogar einen (ehemals) «lebenden«!

Man macht sich mit solchen Aussagen moralisch angreifbar, denn andere verzichten längst auf (lebende) Christbäume. Manche holen ihren künstlichen Christbaum aus dem Keller. Sie haben ihn heuer entweder in diesem klimabewegten Jahr als Ersatz für den Echten gekauft, manche besitzen ihn aber auch schon etwas länger. Letztere dürften sich natürlich nicht als die Avantgarde der klimabewegten Tannenbaumbesitzer verstehen, denn ihre Motive waren doch eher praktischer Natur.

In diesem Jahr mache ich wohl keine Fotoserie vom Aufbau unseres Weihnachtsbaumes, obwohl unser diesjähriger Baum eine echte Schönheit ist. Ich möchte mich nicht ohne Not angreifbar machen. Nein!, ich habe auch kein schlechtes Gewissen und zwar, weil der Baum an sich doch ein sehr eigenes Verhältnis zur Bindung von CO2 zu besitzen scheinen.

Unseren Weihnachtsbaum haben wir, wie schon seit Jahren, wieder beim gleichen sauerländischen Weihnachtsbaumhändler gekauft. Der Baum ist größer und breiter als früher. Zum ersten Mal überhaupt dürfte er in diesem Jahr mindestens so groß sein wie ich (1,83).

Der Verkäufer und wir kennen uns zwar nicht mit Namen. Aber wenn wir den Verkaufsplatz betreten, folgte in den vergangenen Jahren stets ein fröhliches Hallo. Ja, wir mögen diesen Mann. Schön, dass es scheinbar auf Gegenseitigkeit beruht. Reinem Geschäftsinteresse wird es nicht entspringen, sondern echter Sympathie. Bis vor drei Jahren hatte er etwa meine «Figur». Von einem Jahr zum anderen war er plötzlich schlank und rank wie einer seiner Tannenbäume. Er erzählte uns, dass er das Radfahren für sich entdeckt hätte. Er reißt jedes Jahr viele Kilometer runter, er unternimmt mit Freunden deutschlandweite Radtouren. In einem Jahr war er zum Radfahren im Frühling auf Mallorca. Man sieht es ihm an, er sieht gesund aus.

Vielleicht war er in diesem Jahr das letzte Mal hier in Bedburg. Die Geschäfte laufen nicht mehr so, wie noch vor ein paar Jahren. Wie ich bei den Diskussionen über die Arbeitsplätze im Braunkohletagebau gelernt habe, interessieren «Einzelschicksale» heute nicht mehr. Zu Gunsten des Klimas soll Verzicht geübt werden, notfalls auch auf einen halbwegs gut bezahlten Arbeitsplatz. Natürlich nur, solange es um den der anderen geht.

Man selbst geht mit gutem Beispiel voran und kauft künstliche Weihnachtsbäume.

Überhaupt: der ganze Zinnober ist ja doch ein gewaltiger Anachronismus. Eigentlich macht man das ja nur noch für die Kinder. Denen erklärt man, dass der künstliche Weihnachtsbaum gut fürs Klima ist. Warum wir überhaupt das Weihnachtsfest feiern, braucht man nicht zu wissen.

Hauptsache, gut verpackte Geschenke liegen en masse unterm künstlichen Tannenbaum. Denn Kinder sind natürlich ausgenommen von der erwachsenen Vereinbarung der Kleinigkeiten. Die irre übertriebenen Plastik- und Papierverpackungen spielen plötzlich keine Rolle mehr.

Immerhin, ein Teil des Mülls wird dennoch vermieden. Den Tannenbaum verstaut man bis zum nächstes Weihnachten wieder im Keller.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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