Realitätssinn


| Aktualisiert: 10. Juli 2020   4 Kommentare 3 Min. Lesezeit

Heu­te soll ein «40-Jäh­ri­ger mit eri­trei­scher Staats­bür­ger­schaft» eine Mut­ter und ihren 8jährigen Sohn vor einen ICE im Frank­fur­ter Haupt­bahn­hof gesto­ßen haben. Der Jun­ge über­leb­te den Sturz nicht, er wur­de vom ICE über­rollt, die Mut­ter konn­te sich noch ret­ten. Das war heu­te mor­gen um 10.00 Uhr in Frankfurt/Hessen. Wir müs­sen abwar­ten, was da pas­siert ist! 

OB Gei­sel sag­te, es waren „deut­lich weni­ger“ Jugend­li­che auf­fäl­lig. Die Poli­zei hat­te zunächst 50 bis 60 genannt. Die Rädels­füh­rer haben nach bis­he­ri­gen Erkennt­nis­sen deut­sche Pässe. 

Quel­le: WELT

Der Chef der Deut­schen Bade­meis­ter prägt im BILD-Inter­view den pau­scha­len Satz für die­sen Som­mer: „Frei­bä­der sind Orte des Schre­ckens“. Das ist so’n Köder, neu­deutsch Click­bait, der nicht nur Bild – Leser magisch anmacht.

Der Sub­text gibt sowie­so jedem das Sei­ne. Viel­leicht gehts heu­te vor allem ja darum! 

Schwimmmeisters Horrorvisionen

Der obers­te deut­sche Schwimm­meis­ters gibt in BILD die Pace vor, sein Satz passt vor allem zeit­lich aufs Vor­treff­lichs­te zur Lage im Düs­sel­dor­fer Rhein­bad. So schien es jeden­falls, bevor man die Ergeb­nis­se der Pres­se­kon­fe­renz in Düs­sel­dorf kannte.

Jugend­li­che mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund
-Nach Anga­ben der Poli­zei han­del­te es sich bei den rund 60 Per­so­nen aus­schließ­lich um Jugend­li­che mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund.
-Per­so­na­li­en wur­den nur von einem jun­gen Mann auf­ge­nom­men. Er wur­de wegen Belei­di­gung und Bedro­hung ange­zeigt und hat einen nord­afri­ka­ni­schen Hintergrund. 

Quel­le: WDR (eine Falschmeldung?)

Ach, wenn es doch nicht die von Poli­zei und Medi­en ver­dreh­ten Tat­sa­chen gäbe. Wir könn­ten ent­spannt das Frei­bad auf­su­chen. Es wird näm­lich schon wie­der wärmer.

Migranten im Freibad

Oder wir ent­schei­den uns dafür – je nach­dem wie wir die Pro­ble­me der Mas­sen­mi­gra­ti­on beur­tei­len -, dass die heu­ti­ge Pres­se­kon­fe­renz nur dem Zweck dien­te, eine unan­ge­neh­me, vor allem aber uner­wünsch­te Rea­li­tät her­un­ter­zu­spie­len. Und es scheint: wir ler­nen schnell und unser Rea­li­täts­sinn ist ver­dammt scharf. Zur Not bleibt noch die Mög­lich­keit, den deut­schen Pass nicht als Nach­weis deut­scher Iden­ti­tät zu betrach­ten. Soll ja auch vorkommen.

Nach Anga­ben der Poli­zei gegen­über der Deut­schen Pres­se-Agen­tur wur­de nach den Vor­komm­nis­sen am Frei­tag­abend ein 16-Jäh­ri­ger wegen Belei­di­gung und Bedro­hung einer Bade­meis­te­rin ange­zeigt. Der jun­ge Mann sei in Deutsch­land gebo­ren und habe einen afri­ka­ni­schen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Der zwei­te Mann, gegen den ermit­telt wer­de, habe mit dem Tumult selbst nichts zu tun gehabt. Der 27-jäh­ri­ge Deut­sche habe eine Poli­zis­tin belei­digt, als er das Bad ver­las­sen soll­te. Wei­te­re Ermitt­lungs­ver­fah­ren gab es nach dem Vor­fall laut Poli­zei nicht. 

Welt Online (Erkennt­nis aus der Pres­se­kon­fe­renz von heute)

Die Rädels­füh­rer im Düs­sel­dor­fer Rhein­bad sol­len also (gemäß Pres­se­kon­fe­renz) zwei Deut­sche gewe­sen sein. Der Düs­sel­dor­fer OB Gei­sel ging beson­ders auf den zeit­li­chen Ablauf der Räu­mung des Frei­ba­des ein. Eine Schwimm­meis­te­rin war von einem der Rüpel bedroht wor­den, der einen Satz von gera­de­zu lyri­scher Schön­heit for­mu­lier­te: «Ich klatsch dich an die Wand «. Das war der Frau zuviel. Sie fühl­te sich bedroht und rief die Poli­zei. Der «Tumult» der 50 – 60 Jugend­li­chen mit angeb­lich durch­weg nord­afri­ka­ni­scher Her­kunft stell­te sich erst danach ein. Er bestand dar­in, dass die jun­gen Män­ner das Frei­bad nicht ver­las­sen woll­ten, ohne noch ein­mal auf dem Sprung­turm gewe­sen zu sein. So wur­de das in der Pres­se­kon­fe­renz von heu­te dargestellt. 

Aufstand im Freibad ersetzt den «Mutsprung»

Ich hat­te den Ein­druck, dass die Schlie­ßung des Frei­ba­des in Düs­sel­dorf nicht von allen an der Pres­se­kon­fe­renz Betei­lig­ten für rich­tig gehal­ten wur­de. Hät­te die Aus­ein­an­der­set­zung mit den zwei oder drei Jugend­li­chen mit der Bade­meis­te­rin kei­ne vor­zei­ti­ge Schlie­ßung des Bades zur Fol­ge gehabt, wären die vie­len spek­ta­ku­lä­ren Medi­en­be­rich­te aus­ge­blie­ben, weil es «den Auf­stand» auf den alle Medi­en durch die Bank Bezug genom­men haben, gar nicht gege­ben hät­te. Der chro­no­lo­gi­sche Ablauf scheint das zu bele­gen. Auf der ande­ren Sei­te: Ich hät­te an der Stel­le der Bade­meis­te­rin auch die Poli­zei gerufen. 

Aufklärung

Da mögen sich die Teil­neh­mer an der Düs­sel­dor­fer Pres­se­kon­fe­renz noch so viel Mühe machen, den Sach­ver­halt her­un­ter­zu­spie­len, die Lage in unse­ren Schwimm­bä­dern hat sich dra­ma­tisch ver­än­dert. Ob wir das Bild, das der Chef der deut­schen Bade­meis­ter von «Orten des Schre­ckens» im Inter­view zeich­net, für uns über­neh­men oder nicht, es ist anders als frü­her. Allein schon die blo­ße Tat­sa­che, das für den Betrieb von Schwimm­bä­dern heu­te Sicher­heits­per­so­nal nötig ist, zeigt das. 

Dass die Bäder in Deutsch­land dar­ben, weil sie nicht kos­ten­de­ckend betrie­ben wer­den kön­nen, wird auch mit dem Bedarf an zusätz­li­chem Sicher­heits­per­so­nal erklärt wer­den müs­sen. Wenn sich Leu­te nicht mehr in die Bäder trau­en, weil sie ent­we­der von über­trie­be­nen oder fal­schen Medi­en­be­rich­ten in die Irre geführt wer­den oder ob sie die­se mei­den, weil die Ange­bo­te rar sind oder die Ein­tritts­prei­se zu hoch, macht in der Kon­se­quenz kei­nen Unter­schied. Deutsch­land, das Land der Nichtschwimmer. 

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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4 Gedanken zu „Realitätssinn“

  1. Mit ein Grund für das Fias­ko in den Schwimm­bä­dern ist aber auch der Umstand, dass immer weni­ger Per­so­nal ein­ge­stellt wird. Es gibt viel zu wenig Bade­meis­ter – das weiß ich aus beru­fe­ner Quelle.
    Und gene­rell sinkt der Respekt. Und das bei Jugend­li­chen, genau­so wie bei Erwach­se­nen, egal aus wel­chem Land sie kommen.
    LG
    Sabienes

    Antworten
  2. Gene­rell ist es wohl rich­tig, dass zu wenig Per­so­nal vor Ort ist. Wie­vie­le Sicher­heits­kräf­te dür­fen es denn sein? Wie teu­er darf der Ein­tritt nach der Ein­stel­lung von mehr Poli­zei denn wer­den? War­um schlie­ßen so vie­le Bäder? Ja wohl wegen der zu hohen Kos­ten. Und die Per­so­nal­kos­ten sind da nicht die kleins­te Größe.

    Lei­der fal­len Migran­ten am häu­figs­ten auf. Das ist die öffent­li­che Wahr­neh­mung. Es ist respek­ta­bel dar­auf hin­zu­wei­sen, dass der­ar­ti­ge Tumul­te auch von Ein­hei­mi­schen ange­zet­telt wer­den. Ob das aber beleg­bar ist, weiß ich nicht. Zur Lösung des Kern­pro­blems, näm­lich der Zunah­me von migran­ti­scher Gewalt und die damit ver­bun­de­ne gefühl­te Unsi­cher­heit vie­ler Berei­che im öffent­li­chen Raum tra­gen sol­che Rela­ti­vie­run­gen nicht bei. Wenn sich her­aus­stel­len soll­te, dass der Mör­der aus Frank­furt ein psy­chi­sches Pro­blem hat, wor­auf eini­ges hin­deu­tet, mil­dert das die grau­sa­men Umstän­de der Tat und die Instru­men­ta­li­sie­rung durch Nazis kein Stück. Wir sind an einem Punkt, an den wir nie hät­ten gelan­gen dür­fen. Die Poli­tik hat es versaut.

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  3. Man kann und muss Regeln auch durch­set­zen – und dazu gehört, dass man Frau­en genau­so zu respek­tie­ren hat wie Män­ner, auch als Bademeisterinnen.
    Wenn kei­ne ande­re «Ein­greif­trup­pe» zur Ver­fü­gung steht, bin ich auch dafür, die Poli­zei zu rufen. War­um das immer gleich zur Schlie­ßung / Räu­mung der Bäder füh­ren muss, weiß ich bis jetzt aller­dings nicht.
    In Bädern gibt es eine gan­ze Palet­te mög­li­cher Maß­nah­men – Ber­li­ner Bäder haben da viel Erfah­rung und ver­zeich­nen auch Erfol­ge. Gemisch­te Kon­flikt­teams (die auch tür­kisch und ara­bisch spre­chen) kön­nen zur Befrie­dung beitragen.
    Die­ses Dul­den von Fehl­ver­hal­ten, Respekt­lo­sig­kei­ten, Dro­hun­gen oder sogar kör­per­li­cher Angrif­fe hät­te es nie­mals geben dür­fen – und wur­de und wird eben doch viel zu häu­fig prak­ti­ziert, auch und gera­de von Linken.

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  4. Ich kann mir das Sze­na­ri­um nur vor­stel­len. Viel­leicht liegt dar­in das Pro­blem. Die Vor­stel­lung, dass sich 50 Jugend­li­che zusam­men­schlie­ßen, um ihre «Posi­ti­on» durch­zu­set­zen, wür­de mir auch Angst machen. Angeb­lich ist das in dem vor­lie­gen­den Fall aber nicht der Fall gewe­sen. Jeden­falls, wenn man nach der Pres­se­kon­fe­renz des OB von Düs­sel­dorf geht. Nicht das gemein­sa­me Agie­ren der jun­gen Män­ner war der Grund für die Schlie­ßung, son­dern die ver­ba­le Atta­cke eines ein­zel­nen (Deut­schen?) ggü. einer Bade­meis­te­rin. Das wur­de zuerst in den Medi­en anders dar­ge­stellt, übri­gens auch von der Poli­zei. Wir haben also zwei Kata­ly­sa­to­ren: 1.) Sofor­tis­mus (alles, wes­sen wir gewahr wer­den, wird «kom­mu­ni­ziert» und ver­stärkt. 2.) Wir hal­ten uns nicht an Fak­ten oder wir stel­len sie infra­ge. Bei­des sind schlim­me Aus­wir­kun­gen, die ihre Grün­de haupt­säch­lich in den sozia­len Wer­ken haben. Die Pres­se­kon­fe­renz hat mich wütend gemacht. Vor allem, weil dort ein­deu­tig der Ein­druck erweckt wur­de, dass der Vor­fall (der bereits der 3. die­ser Art in weni­gen Wochen war!) her­un­ter­ge­spielt wer­den sollte. 

    Im Kern geht es mir genau um den Punkt, den du in dei­nem letz­ten Satz ange­spro­chen hast. Aber es ist kein Phä­no­men der Lin­ken. Die Reak­tio­nen und Ver­harm­lo­sun­gen sol­cher Vor­fäl­le viel­leicht schon eher.

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