Du befindest dich hier: HauptthemenGesellschaft

Das Ding mit dem Nationalismus – wie wirkt 1 fehlendes Bekenntnis zu unserem Land auf Migranten?

Wie halten wir es mit der Nation? Was empfinden wir, wenn wir über Deutschland reden? Werden Nationalismus oder Patriotismus mehrheitsfähig?


 •   3 Min. 68 Views

Der Begriff der Nation ist für Deutsche ein kritischer. Es gibt Linke, die »Deutschland verrecke« skandieren und es gibt Rechte, die die Nation trotz unserer Vergangenheit immer noch für das Größte überhaupt halten.

Einstellungssache Nationalismus

Ich hege für beide Position keine allzu große Sympathie. Einerseits gibt meine Herkunft und meine Bildung es kaum her, mich als Kosmopolit auszugeben, andererseits ist mir die europäische Idee sehr wertvoll. Jedenfalls in der Theorie. Einerseits ist Nationalismus ein Begriff, den ich mit Aus- und Abgrenzung verbinde, andererseits ist Deutschland für mich ein wunderbares Land auf das wir stolz sein können. Vielleicht ist es übertrieben, wenn man davon spricht, sein Land zu lieben. Jedenfalls meinte das Gustav Heinemann. Ich sehe das weniger eng. Ich merke, dass da mehr ist als reines Heimatgefühl.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

»Report Mainz«

Jetzt zu meinem Punkt. Bei »Report Mainz« habe ich einen aufschlussreichen wie erschreckenden Bericht über türkische Einwanderer der 3. und 4. Generation gesehen. Derzeit leben hier noch 1,4 Mio. Türken, 1999 waren es 2,1 Mio. Die Anzahl türkischstämmiger Menschen, also mit deutschem Pass, betrug in 2018 2,8 Mio., im Jahr 2006 waren es 2,6 Mio.

Die Antwort auf die Frage, wie gut sich Türken und türkischstämmige Menschen in unsere Gesellschaft integrieren, wird pauschal kaum beantwortet werden können. Eine so genannte repräsentative Studie des ZDF vom Ende 2018 ergab, dass zwei Drittel der Türken sich in Deutschland gut integriert fühlen. Fragt man Deutsche danach, wird nur 38% der Türken eine gute Integration bescheinigt. Die meisten der Befragten äußerten dazu keine Meinung. Ich erwähne diese Differenz, weil ich daraus schließe, wie klein das Interesse »der Deutschen« an der Integration von Türken ist. Die Türken repräsentieren die mit Abstand größte Zahl von Migranten. Mehr als die Hälfte der 2,8 Mio. türkeistämmigen Menschen sind in Deutschland geboren.

Willig und fähig

Wie steht es um deren Integrationswillig- und fähigkeit? Obwohl die Chancengleichheit beim Thema Bildung nach wie vor nicht gegeben ist, liegt das größere Hemmnis für eine gelungene Integration in meinen Augen nicht an der Unwilligkeit türkischer Einwanderer, sondern an der Integrationsunwilligkeit unserer Gesellschaft! Ich hätte ebenso schreiben können, es läge an unserem fehlenden Interesse daran, Menschen aus einem so viel anderen Kulturkreis bei uns aufzunehmen.

Importierter Nationalismus

Tugrul Selmanoglu
Screenshot

Es geht nur darum, dass wir täglich Gewalt erleben, dass wir tagtäglich Hass erleben. Der Staat tut nix, um uns zu beschützen – leider. Dann müssen wir natürlich zur Vorsicht mahnen.

Blogger Tugrul Selmanoglu

Wie macht er das? Er haut solche Sprüche raus:

Hetze gegen Deutsche
Screenshot

Wir erleben, wie insbesondere die türkische Community unter sich bleibt. Ganze Stadtviertel und Straßenzüge sind in türkischer Hand. Manche sagen, sie wurden von Türken übernommen. Diese Eigenart gibt es aber nicht nur in Deutschland. Auch im (früheren) Einwanderungsland No. 1, den USA, kennen wir solche Viertel. Und doch scheint die Integration dort so viel besser zu funktionieren. Natürlich bezieht sich das auch auf Menschen aus muslimischen Ländern.

Sprechen und Denken

Als wenig weltläufiger Mensch kann ich es nicht aus eigenem Erleben beurteilen. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass auch in anderen Ländern innerhalb der Communites die Sprache »der Heimat« gepflegt und gesprochen wird.

Wenn also in dem erwähnten »Report Mainz« – Beitrag kritisiert wird, dass die Spieler türkischer Mannschaften, die in ihrer Liga gegen deutsche Teams spielen, »ausschließlich« in türkischer Sprache miteinander reden, würde so etwas – jedenfalls nach meiner Theorie – auch in anderen Ländern der Fall sein. Eine andere Frage ist allerdings, weshalb es überhaupt so viele türkische Fußballclubs in Deutschland gibt? Warum gehen die fußballverrückten Türken nicht in deutsche Clubs? Der Sport wäre (nimmt man die Erfahrungen Özils einmal aus) doch ein prädestinierter Ort, um Integration zu fördern.

Es gibt Blogs, in den denen allen Ernstes gefragt wird, ob im türkischen Fußball eine besondere Gewaltbereitschaft kulturell angelegt sei? Wenn ich mir die Spiele unserer deutschen Ligen anschaue, kann ich mir ein verzerrtes Lächeln nicht verkneifen. In welchem Land überlegen die Behörden, die Kosten für die allwöchentlichen Polizeieinsätzen gegen Hooligan – Gewalt auf die Liga-Vereine abwälzen können? Unabhängig davon, gibt es positive Beispiele, die nicht übersehen werden sollten.

Interesselos

Abgesehen davon, dass viele Deutsche wenig Interesse an ihren türkischen Nachbarn und Arbeitskollegen zeigen, hält es sie nicht davon ab, ihrerseits aber von Migranten ein klares Bekenntnis zu Deutschland einzufordern.

Ob diese ihr eigenes Verhältnis zur Nation geklärt haben? Oder ist so ein Gedanke nur einer, der von Konservativen aufgenommen wird und der dieser modernen Gesellschaft keinen Platz mehr hat? Dass Erdogan hier viele Anhänger vor allem auch bei jungen Türken gewonnen hat, finde ich beunruhigend. Und wie sich manche der türkischstämmigen Deutschen im »Report – Mainz« – Beitrag äußern, ist mehr als unsympathisch. Damit können manche Deutsche sicher viel anfangen.

Möchtest du mir zu diesem Artikel eine Mail schreiben? Nur zu.