Alternativloses Schwadronieren

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HORST SCHULTE

Über den Wert der asozialen Netzwerke lässt sich wunderbar debattieren. Meine Meinung dazu steht seit Jahren fest.

Hier ein interessanter Beitrag eines wirklichen Kenners dieses von mir heiß geliebten Themas: Egal ob X, Threads oder Blue Sky: Social Media ist alternativlos – Avatter

Ich fand schon immer, gesellschaftliche Aspekte und Wirkungen sollten im Überschwang technischer Vorteile nicht vernachlässigt werden.

Am Start der asozialen Netzwerke (etwa Mitte der 2000-er Jahre) lassen sich aus meiner Sicht negative gesellschaftliche Veränderungen bis zum grandiosen Wachstum von Verschwörungstheorien und der allgemeinen Einstellung zur Demokratie festmachen. Nie ließen sich leichter Lügen und Hass im großen Stil verbreiten als heute. Das Werkzeug dafür sind die asozialen Netzwerke.

Beweisen kann ich das nicht. Aber ich bin lange genug dabei, so dass ich längst eine klare Meinung dazu habe. Tja, was wäre diese Welt ohne Meinungen?

Denken Sie bitte kurz darüber nach, welche Erlebnisse und Erfahrungen sie persönlich mit den asozialen Medien gemacht haben. Wie war es dort um die Informationsqualität bestellt, als die Corona-Pandemie grassierte? Wie viel Vertrauen hat allein die „Bearbeitung“ bei Twitter, Telegram, Facebook etc. gekostet? Dieser Vertrauensverlust in staatliche Maßnahmen ist nicht nur durch kommunikative Fehler einzelner Regierungsmitglieder entstanden. All die Lügen und Betrügereien, die uns in diesem Zusammenhang begegneten, sind letztlich Taten einzelner Personen gewesen (Füllmich und solche Figuren). Aber richtig schlimm in die Gesellschaft hinein, wirkten die Vorgänge aus meiner Sicht erst durch die Verbreitung von Halb- und Unwahrheiten in den asozialen Medien.

Vorausgesetzt, sie haben die verschiedenen Netzwerke nicht nur zur Freundschafts- und Kontaktpflege genutzt, haben sie das vermutlich auf der einen oder anderen Seite registriert. Der gesellschaftliche Schaden könnte sich fatal auswirken, sollte es zu einer erneuten Pandemie kommen.

Wer diese Netzwerke aktiv, womöglich in kritischem gesellschaftlichem Kontext nutzt, wird wissen, wovon ich spreche. Ist das ein wünschenswerter Zustand? Haben wir den Einfluss, diese Dinge zu verändern?

Es geht mir nicht darum, Widersprüche in Debatten zu verhindern. Deshalb gehe ich den Netzwerken nicht aus dem Weg. Debatten leben vom eigenen Umgang mit Widerreden und Widersprüchen. Wer sich darüber beklagt, die eigene Meinung stieße auf Widerspruch, ärgert seine Mitdiskutanten gern mit einer Behauptung, die vermutlich von den Rechten erfunden wurde: man dürfe bei diesem oder jenem Punkt seine Meinung nicht mehr sagen. Widerspruch, auch kritischer, hat rein gar nichts mit Zensur zu tun, obwohl gerade die Rechten das gern immer wieder sagen.

Dass die Plattformen durch ihre Ausrichtung in ihren Gefahrenpotenzialen abgestuft zu betrachten sind (Vatter beschreibt die Einsatzbereiche der einzelnen Netzwerke) samt und sonders Relevanz besitzen, ist anhand der Nutzerzahlen belegt. Festgeschrieben ist sie nicht! Wir, die Nutzer, bestimmen durch unser Mittun Inhalt und Qualität.

So ist die Lage aus meiner Sicht.

Nachdem ich erkannt habe, wie sinnlos und gefährlich die eigene Beteiligung primär in bestimmten Netzwerken ist, habe ich deren Nutzung eingestellt. Sollten sich Mastodon oder BlueSky in eine ähnliche Richtung entwickeln, lösche ich auch dort sofort meine Accounts. Ein paar Bildchen hier, ein paar Glückwünsche dort. Mehr ist generell nicht mehr. Informationen beschaffe ich mir bei den Profis, nicht bei den Schwadronierern.

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

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Debatte, Gesellschaft, Nutzen, Soziale Netzwerke, Wirkung

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8 Gedanken zu „Alternativloses Schwadronieren“

  1. Hallo Herr Schulte, ich bin 36 Jahre alt und benutze keine Social Media.
    Ich verstehe nicht, wie man auf die Idee kommt, deren Benutzung sei in irgendeiner Form „notwendig“.
    Sie haben absolut recht: Jede Plattform ist das, was deren Nutzer daraus machen.
    Mediennutzung an sich ist „Echokammer“, war sie schon vor den Social Media. Wer FAZ liest, liest nicht taz. Onlinemedian haben das lediglich noch mehr polarisiert, weil die Überschriften noch knalliger wurden, um mehr Menschen in ihren Vorurteilen zu bestätigen (bias confirmation).
    „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“

    Was ich schlimm finde: Alle wissen es, aber keiner ändert sein Verhalten.
    Man deutet auf den roten Punkt auf der Stirn von anderen, während man den eigenen ignoriert.
    Helfen tut das allen, für die Polemik und das Bedienen von Vorurteilen Teil des Geschäfts ist.
    Und das ist doch des Pudels Kern: Unser System begünstigt Alles, das sich verkauft. Wer das herausstellt oder kritisiert, wird exakt dafür kritisiert. Man sei „Weltverbesserer“ oder es wird einmal kurz gelacht „Ha, Kapitalismuskritik ist so 60er“. Als ob man Teil des Problems ist, weil man das System kritisiert. Im Gegenteil, wie Sie auch schon im Text sagen: Das Hinweisen auf etwas, was man selbst als problematisch empfindet, andere wiederum nicht, empfinden diese anderen dann als „darf ich nicht mehr sagen“. Kritik (erst recht von Privatpersonen) ist kein Sprechverbot, sondern integraler Bestandteil unserer Demokratie. Und jeder muss sich Kritik gefallen lassen. Kritiklos lebt nur der absolute Herrscher. Und der auch nicht, denn er blendet die Kritik nur aus. Das unterscheidet ihn von der Demokratie: Da muss jeder Privatmann, aber auch die Regierung Kritik an ihr ertragen.
    Deshalb diskreditieren Polemiker und Fans von Absolutismus auch das System der Kritik an sich. Debatte ist unerwünscht, wenn man knallige Überschriften verkaufen muss.

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  2. Hallo, sehr guter Artikel und Kommentare.
    Auf Soziale Medien bin ich nicht aktiv. Wer Fotos oder Videos auf Soziale Medien
    hochlädt, gibt fallweise damit verbundene Foto- bzw. Videorechte ab.
    Schöne Grüße aus dem Schwarzwal Jens.

    Antworten

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