Mythos und Realität: Polizei im deutsch-amerikanischen Vergleich

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wildeSchießerei
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Es existiert die provokante These, dass Opferzahlen dadurch reduziert werden könnten, indem mehr und nicht weniger Schusswaffen in Umlauf gebracht werden. Ich halte das für schrecklich abwegig und denke, dass die Verhältnisse in den USA das überzeugend belegen.

Ebenso höre ich immer wieder, dass die Polizei in den USA besser ausgebildet sei als in Deutschland. Ich war diesbezüglich unsicher (noch nie recherchiert) und glaubte das für eine ganze Zeit. Im Rahmen der Berichterstattung deutscher Medien wurde mehrfach darauf hingewiesen, wie im Gegensatz zu solchen Aussagen, schlecht die US-Polizeibeamten ausgebildet würden. Dr. Alex Cross scheint also eine Ausnahme zu sein.

Mehr Polizisten sterben in Deutschland als in den USA?

Ein Bekannter warf mir neulich eine Behauptung hin, die mich aufhorchen ließ: In Deutschland würden mehr Polizisten durch Angriffe sterben als in den USA. Klingt dramatisch. Klingt nach einem dieser Sätze, die man mit Überzeugung in die Runde wirft – und die trotzdem schlicht falsch sind.

Was die Zahlen tatsächlich sagen

In Deutschland wurden in den letzten Jahren durch vorsätzliche Tötungsdelikte gegen Polizisten null bis zwei Beamte pro Jahr getötet. 2023 gab es kein einziges vollendetes Tötungsdelikt, 2022 waren es die beiden erschossenen Beamten im Fall Kusel – ein Fall, der bundesweit Entsetzen auslöste, weil er so außergewöhnlich war. In den USA dagegen starben allein 2024 laut FBI 64 Polizisten durch vorsätzliche Tötungshandlungen, der Großteil durch Schusswaffen. Die vollständigen US-Daten dazu finden sich bei USAFacts.

Wer sauber vergleichen will, muss natürlich die unterschiedliche Größe beider Länder einrechnen. Deutschland hat rund 84 Millionen Einwohner, die USA rund 335 Millionen – und entsprechend mehr Polizisten. Rechnet man die Tötungsrate auf 100.000 Beamte um, liegt Deutschland bei etwa 0,3 bis 0,6, die USA bei rund 6 bis 8. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, als Polizist in den USA vorsätzlich getötet zu werden, ist zehn- bis zwanzigmal höher als in Deutschland.

Gewalt ja – aber tödlich?

Das bedeutet nicht, dass hierzulande alles in Ordnung ist. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldet für 2024 insgesamt 46.367 Gewalttaten gegen Polizisten – Angriffe, Widerstandshandlungen, Bedrohungen – mit 106.875 betroffenen Beamten. Dies entspricht einem Anstieg von 38,5 Prozent gegenüber 2015 und einem Wert, der ernst genommen werden muss. Die offizielle BKA-Pressemitteilung dazu: BKA Bundeslagebild 2024. Gewalt gegen Polizisten nimmt also zu – aber sie tötet selten.

Der entscheidende Unterschied zu den USA liegt auf der Hand: die Waffenverfügbarkeit. Rund 400 Millionen zivile Schusswaffen sind in den USA im Umlauf. Wer einen Polizisten angreift, tut das dort häufig mit einer Waffe, die tötet. In Deutschland ist das die absolute Ausnahme.

Ein Mythos mit Botschaft

Solche Behauptungen kursieren nicht zufällig. Sie dienen oft dazu, die Lage in Deutschland schlechter darzustellen als sie ist – oder umgekehrt, die strukturellen Probleme in den USA kleinzureden. Beides ist gefährlich, wenn es die öffentliche Debatte über Polizeischutz, Waffenrecht und innere Sicherheit verzerrt. Fakten bleiben unbequem – aber sie sind nun einmal nicht verhandelbar.

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