Die Ära der Kohle ist vorüber. Aber wann genau?


   6 Kommentare 3 Min. Lesezeit

Ich habe mei­ne Posi­ti­on geän­dert. Wider­stand, wenn er rechts­wid­rig und zum Teil gewalt­sam daher­kommt, fin­de ich inakzeptabel. 

Egal, wie auch immer er ver­kauft wird, gegen Ent­schei­dun­gen, die demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Instan­zen getrof­fen haben, darf jeder demons­trie­ren aber nicht gegen gel­ten­des Recht verstoßen.

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Ich fin­de es schön, wenn man sich sei­ner Sache sicher ist. Lei­der sagt man dann aber auch mal Sät­ze wie die­sen: «die Ära der Koh­le ist vor­über» oder twee­tet so einen Mist wie oben. Als ob wir nicht alle längst wüss­ten, dass Koh­le aus guten Grün­den ohne Zukunft ist. Seit Lan­gem steht doch nur noch die mit hoher Ver­ant­wor­tung ver­bun­de­ne Fra­ge im Raum, wel­cher Zeit­punkt der Rich­ti­ge ist und wel­che Maß­nah­men Poli­tik und Gesell­schaft tref­fen kön­nen, um die Fol­gen für die betrof­fe­nen Regio­nen und ihre Ein­woh­ner zu mildern. 

Egoismen

Den Öko-Jako­bi­nern stellt sich die­se Fra­ge nicht. Sie sehen in den Arbei­tern und Ange­stell­ten von RWE Ego­is­ten, die nur ihre Belan­ge in tro­cke­nen Tüchern sehen wol­len. Es klingt so, als ob ihre Hal­tung gewis­sen­los und  sie ohne jeden Sinn für die Inter­es­sen ihrer Kin­der und Enkel vorgingen.

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Nur die so genann­ten Akti­vis­ten wis­sen, ver­mit­teln allen ande­ren das Gefühl, dass nur sie wüss­ten, was Irr­sinn ist wie ein ange­mes­se­ner Umgang mit der Rea­li­tät aus­sieht. Sie bestim­men den Inhalt einer Rea­li­tät und zwar ganz locker aus dem Hand­ge­lenk her­aus. Die Poli­zei, so schreibt Kasek in sei­nem Blog­bei­trag, sei nicht schuld, son­dern der Irr­sinn von Poli­tik und RWE. Das ist so unge­heu­er popu­lis­tisch, dass sol­che Sät­ze bei vie­len in die­sen Zei­ten star­kes Kopf­ni­cken auslösen. 

Ich hof­fe, wir sind uns alle im Kla­ren dar­über, dass die Din­ge nicht so ein­fach sind und dass alle an den Ent­wick­lun­gen ihren Teil der Ver­ant­wor­tung tra­gen müs­sen. Waren wir nicht alle damit ein­ver­stan­den, dass Mer­kel nach Fuku­shi­ma die Ener­gie­wen­de ver­kün­det und umge­setzt hat? Die berech­tig­te Kri­tik am Manage­ment spielt in die­sem Zusam­men­hang kei­ne Rolle.

Deutschland – Kernenergie – Kohle

Viel­mehr war mit dem pro­kla­mier­ten Aus­stieg aus der Kern­ener­gie die Gewiss­heit ver­bun­den, dass wir für einen Zeit­raum wei­ter auf Koh­le für die Strom­ge­win­nung set­zen müss­ten. Dass allein hier­durch die CO2 – Emis­sio­nen für einen län­ge­ren Zeit­raum hoch blei­ben wür­den, war die dar­aus abzu­lei­ten­de Kon­se­quenz. Ich fin­de es fast schon unfair, dass sol­che damals locker in Kauf genom­me­nen Sze­na­ri­en heu­te kei­ne Bedeu­tung mehr haben dürfen.

Ers­tens wuss­ten das schon alle und zwei­tens geht es eigent­lich doch um den Ter­min, wann die­se Ära denn vor­über ist. Wenn es nach dem Wil­len der so genann­ten Akti­vis­ten geht, soll­te das am bes­ten jetzt, hier und heu­te der Fall sein.

Wenn es aber nach halb­wegs ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Men­schen gin­ge, stün­de die­se Ant­wort erst am Ende eines Abklä­rungs­pro­zes­ses. Die Kern­fra­ge lau­tet: Wann ist der 22,5%ige Braun­koh­le­an­teil an der Strom­erzeu­gung ohne Nach­tei­le für den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land (uns alle) ver­zicht­bar. Und zwar ohne dass Strom aus Atom- oder Koh­le aus dem Aus­land aus was weiß ich für Quel­len ein­ge­kauft wer­den müs­sen. Statt­des­sen wird der Ein­druck erzeugt, als könn­ten wir das Welt­kli­ma ret­ten, in dem wir in Deutsch­land sofort auf die Koh­le­ver­stro­mung ver­zich­ten. Nicht ein­mal als gutes Bei­spiel wür­de die­ser Schritt wahr­ge­nom­men. Wir sehen es dar­an, wie weni­ge Län­der Anstal­ten gemacht haben, unse­re Ener­gie­wen­de als Bei­spiel für ihre eige­ne Poli­tik anzunehmen.

Im Grun­de ist ein Dia­mant auch nur ein Stück Koh­le, das die nöti­ge Aus­dau­er hatte.

Sprich­wort

Wenn ich es rich­tig sehe, wer­den die­se Vor­kämp­fer der Deindus­tria­li­sie­rung Deutsch­lands dafür kei­ne Garan­tien abge­ben. Und wenn wären sie alles ande­re auch unbelegbar. 

Rechthaben 

Es fin­de es schlimm, dass der Kampf ums Recht­ha­ben, also um die, wie es poli­tisch kor­rekt heißt, Deu­tungs­ho­heit rund um die Vor­ge­hens­wei­se der so genann­ten Akti­vis­ten, der von mäch­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen (BUND, Cam­pact, IL) ein­schließ­lich der Grü­nen mit­ge­tra­gen wird, an die elen­den Dau­er­schar­müt­zel zwi­schen Links und Rechts (AfD) erinnert. 

Die vor­läu­fi­gen Ergeb­nis­se der Koh­le­kom­mis­si­on klin­gen für die Men­schen in den betrof­fe­nen Regio­nen nicht gera­de ermu­ti­gend.  Die Medi­en unter­stüt­zen über­wie­gend die so genann­ten Akti­vis­ten. So ist es nicht unwahr­schein­lich, dass der Koh­le­aus­stieg weit­aus frü­her als eigent­lich geplant voll­zo­gen wird. Wel­che Aus­wir­kun­gen das auf den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land noch haben wird, bleibt abzu­war­ten. Ich fin­de wir gehen zu kurz­at­mig, ja gera­de­zu hys­te­risch, an so wich­ti­ge The­men her­an. Mir wäre es lie­ber, wenn wir mehr auf den Rat von Exper­ten­In­nen hören wür­den, ohne sie gleich wie­der zu ver­däch­ti­gen, Lob­by­ar­beit für die eine oder ande­re Sei­te zu machen.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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6 Gedanken zu „Die Ära der Kohle ist vorüber. Aber wann genau?“

  1. Es ist ein­fach, wir Bür­ger in der Köl­ner Bucht leben mit der Braun­koh­le und freu­en uns für unse­re Kin­der, Enkel­kin­der, dass Sie die Chan­ce haben auf schö­ne Seen­land­schaft – dank den Bag­gern von der Braun­koh­le. Man gönnt uns ein­fach nix, die­se Mie­se­pe­ter von Akti­vis­ten! Ach, ich bin die­se Akti­vis­ten so leid, so leid – aber ger­ne in mei­ner Hei­mat (Köln, Trois­dorf) mit dem Zug fah­ren, Auto­bah­nen nut­zen und mit dem Flie­ger auf Mal­le flie­gen – sonst aber im öko­lo­gi­schen Dör­fern woh­nen und dann uns Bür­ger in der «Köl­ner Bucht» mit ihrer gewoll­ten Welt­herr­schaft nerven!

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  2. Man kann halt nicht immer einer Mei­nung sein, lie­ber Mar­tin. Aber wir kön­nen die Aus­ein­an­der­set­zung in ver­nünf­ti­ger Form füh­ren. Genau das scheint lei­der nicht mehr mög­lich zu sein. Und das ist nicht die Schuld der Arbei­ter von RWE.

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  3. So grund­sätz­lich, wie du das jetzt for­mu­lierst, unter­schrei­be ich das nicht! Gra­de ist in Bra­si­li­en ein Rechts­ra­di­ka­ler mit 55% Mehr­heit demo­kra­tisch gewählt wor­den. Was der so alles vor­hat.… wenn dage­gen nicht nur fried­lich demons­triert, son­dern hier und da auch gewalt­sam Wider­stand geleis­tet wird, wür­de ich das nicht verurteilen.
    Was «Gewalt» ist – auch dar­über gibt es übri­gens den Kampf um die Defi­ni­ti­ons­macht (z.B. bzgl. Sitz­blo­cka­den u.a. For­men «zivi­len Ungehorsams»). 

    Dass eine Ent­schei­dung «demo­kra­ti­sche zustan­de gekom­men» ist, macht sie nicht in jedem Fall sakro­sankt. Schau dir nur an, wie der Bre­x­it durch regel­rech­te Volks­ver­dum­mung zustan­de gekom­men ist – ach, es gibt vie­le Bei­spie­le, wo die Mäch­te des Gel­des und der Pres­se es ver­stan­den haben, die Bevöl­ke­rung zur Wahl von Per­so­nen und/oder Maß­nah­men zu ver­lei­ten, die ihren Inter­es­sen gera­de­zu ent­ge­gen stehen.

    Auch eige­ner Erfah­rung: Die Woh­nungs­mi­se­re (Leer­stand, Spe­ku­la­ti­on, Schlan­gen und rie­si­ge Abstän­de bei der Ver­ga­be von Woh­nun­gen) Anfang der 80ger in Ber­lin hat­te einen lan­gen Vor­lauf – und doch gab es erst eine Wen­de in der Poli­tik (mit Rück­tritt eines in Bau­skan­da­len ver­sumpf­ten Senats) und die Kon­zen­tra­ti­on auf das The­ma, als eine Demo von ein paar hun­dert Haus­be­set­zern nach einer Räu­mung «den Kudamm in Schutt und Asche leg­te». (Es waren nur etli­che Fens­ter­schei­ben, die zu Bruch gin­gen…). In der Fol­ge war klar: es muss etwas gesche­hen… es wur­de nicht mehr geräumt, die «Ber­li­ner Linie» wur­de ver­kün­det, alles ver­än­der­te sich, Bür­ger­be­tei­li­gung wur­de eta­bliert etc. usw.

    Ich war und bin grund­sätz­lich zu ängst­lich und zu «ver­nünf­tig», um selbst an der­lei Aktio­nen teil­zu­neh­men. Muss­te aber doch erken­nen, dass es in ver­schie­de­nen poli­ti­schen Situa­tio­nen den Auf­tritt der Radi­ka­len immer wie­der mal braucht – nicht schön, aber wahr. 

    Aber auch nicht IMMER und über­all wahr. Nach dem Gerichts­ur­teil zum Ham­ba­cher Forst und der fol­gen­den Debat­te hat sich die Stim­mung schon recht weit in Rich­tung «Koh­le­aus­stieg schnel­ler» ver­än­dert. Jetzt noch mili­tan­te Aktio­nen zu brin­gen, scha­det der Bewe­gung mehr als es nutzt!
    Und DAS ist eben auch immer die Krux mit dem Radi­ka­len: Sie wis­sen nicht, wann es genug ist.…

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  4. Sitz­blo­cka­den betrach­te ich nicht als Gewalt. Auch nicht die Baum­häu­ser, Haus­be­set­zun­gen und sol­che Din­ge. Das mögen ande­re schon wie­der anders sehen. Aber da bin ich bei dir. Bra­si­li­en und Bre­x­it sind gute Bei­spie­le dafür, dass die Debat­te dar­über eine gewis­se Wei­te hat. 

    Ich über­le­ge, wofür ich wohl plä­diert hät­te, wenn ich im 3. Reich gelebt hät­te. Ver­mut­lich hät­te ich nicht den Mut gehabt, mich gegen das Regime auf­zu­leh­nen. Schät­ze, ich wäre ein Mit­läu­fer gewe­sen. Nun sind wir heu­te viel wei­ter, und wir ken­nen ande­re MIt­tel des Widerstandes. 

    Wir haben sie geübt über die Jahr­zehn­te. Schah-Besuch in Ber­lin, Wackers­dorf, Start­bahn West sind Bei­spie­le für Mög­lich­kei­ten des Pro­tes­tes und des Wider­stan­des. Fin­de ich alles gut, mutig und rich­tig, auch wenn ich nie dabei gewe­sen bin. 

    Im Bezug auf die Koh­le fin­det etwas ande­res statt. Jeden­falls in mei­ner Wahr­neh­mung. Der Wider­stand, der von Tei­len der Koh­le­geg­ner aus­geht, ist lei­der von Gewalt geprägt. Die Medi­en berich­ten nicht dar­über und es ist sogar mir auf­ge­fal­len, dass das nicht mit rech­ten Din­gen zugeht. Der WDR und alle ör haben sich klar auf die Sei­te der Koh­le­geg­ner geschlagen. 

    Es sind inzwi­schen Din­ge pas­siert, die ich nicht als zivi­len Wider­stand betrach­te. Selbst wenn ich Tei­le davon sub­tra­hie­ren muss, weil man­ches über­trie­ben sein könn­te, geht so etwas gar nicht. Wenn Men­schen kör­per­lich ange­grif­fen und bedroht wer­den, weil sie für den betref­fen­den Kon­zern arbei­ten, ist das schlicht ein Unding. Das hier ist ein Bei­spiel aus jüngs­ter Zeit. Die Unter­su­chun­gen dazu lau­fen noch. (http://bit.ly/2OWGPcV)

    Gene­rell bin ich trotz mei­nes Alters und mei­nes ver­mut­lich des­halb gewach­se­nen Har­mo­nie- und Ruhe­be­dürf­nis­ses für zivi­len Unge­hor­sam. Das schließt Gewalt aller­dings grund­sätz­lich aus. Und die Gren­zen sind bezüg­lich Ham­bach lei­der längst über­schrit­ten worden.

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  5. Da gebe ich dir durch­weg recht! Das ver­link­te Bei­spiel sieht defi­ni­tiv nach «kon­spi­ra­ti­ver mili­tan­ter Akti­on» aus, die von der gro­ßen Mehr­heit der Akti­ven kei­nes­wegs mit­ge­tra­gen, ver­mut­lich nicht ein­mal gewusst wurde.

    Blöd­män­ner sind das! Und lei­der kommt sowas immer wie­der mal vor – es ist ihnen scheiß­egal, was für eine Wir­kung das in der Öffent­lich­keit hat, ganz eben­so wie Angrif­fe auf Personen.
    Auch die­se Anschlä­ge auf Strom­ver­tei­ler (ich war mal betrof­fen, als im Nor­den der gan­ze Bahn­ver­kehr nicht mehr ging) fin­de ich ver­ur­tei­lens­wert. Das macht nichts bes­ser und för­dert auch nicht den Kampf um die jewei­li­gen Zie­le (wobei es denen, die sowas mache, eh vor­nehm­lich um Action & Aben­teu­er geht, auch zu Las­ten ihres nicht mili­tan­ten Umfelds).

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