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Gesellschaft

Getunte Feindbilder

Die Ureinwohner nennen sie Deutsch – Türken oder Deutsch – Araber. Weil sie anders aussehen, sich anders benehmen oder auch deshalb weil damit ausgedrückt werden soll, dass „sie“ nicht hierher gehören.

Es ist das alte Lied. Viele besitzen einen deutschen Pass, oft zusätzlich zu dem ihres Herkunftslandes. Auch in dieser Hinsicht sind sie anders. Und anderes sein ist in Deutschland problematisch und zwar zunehmend. Und das obwohl wir das Jahr 2019 schreiben.

Wir unterscheiden uns in rein gar nichts.

Sie sind hier geboren und haben eine Biografie, um die man sie oft beneiden kann. Dass das nicht für alle gilt ist irgendwie normal. Jedenfalls solange man nicht Sarrazins Bücher liest.

Vielleicht wird es sich nie ändern, dass wir mit unterschiedlich ausgeprägten Vorbehalten gegen alles was anders ist geplagt werden.

Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltall…

Ich möchte es trotzdem glauben. Aber ich sehe ein, dass dieser Zeitpunkt trotz unserer angeblich pathologischen Vorliebe für politisch korrektes Handeln weit entfernt ist.

Welche Schlüsse ziehen wir aus den Verbrechen, die von Menschen begangen werden, die zu der immer weiter anwachsenden Gruppe der Einwanderer zählen?

Heute, so lesen wir, wurden ein paar Deutsche auf Mallorca verhaftet, weil sie mutmaßlich ein sehr schlimmes Verbrechen verübt haben. Eine so genannte Gruppenvergewaltigung soll stattgefunden haben.

Das Opfer ist eine 18jährige junge Frau, die mutmaßlichen Täter sind vier deutsche Männer. Was? Deutsche Männer tun sowas doch nicht!

Ohne viel Rechercheaufwand stellte sich bald heraus, dass die mutmaßlichen Täter auf die Namen Serhad, Azad, Yakub und Baran hören. Dazu gabs zuerst Fotos in den Boulevard-Medien, die die kleine Theorie von vier deutschen Männern aber mal so was von aufgemischt hat. Deutsche Männer tun sowas nämlich nicht!

Vielen war es – wie so oft – von Anfang an klar: das waren DIE Ausländer.

Solche Gedanken müssen wir bekämpfen! Es wäre so wünschenswert uns einzugestehen, dass alle Menschen, unabhängig davon, wo sie geboren wurden, von ihren Eltern und von ihrem Umfeld lernen, was richtig und was falsch ist.

Wir dürfen nicht zulassen, dass diese Normalität von bestimmten Leuten in unserem Land mit fieser menschenfeindlicher Hetze außer Kraft gesetzt wird. Wenn wir das nicht schaffen, haben Leute wie Meuthen, Weidel, Höcke oder Gauland ihren inneren Reichsparteitag. Wortwörtlich.


Wenn ich die Tweets lese, hat die AfD die „Manipulation“, wie ihresgleichen es zu nennen pflegt, gleich durchschaut. Die warten nur auf diese Art von Nachrichten, um sie zu sammeln und möglichst breit zu verteilen. Mit Sprüchen, die mich immer noch ins Mark treffen. Alice Weidel wusste:

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Für Frau Weidel war gleich nach dem Bekanntwerden dieses Verbrechens sofort klar, dass es sich bei den Tätern nur um Migranten handeln konnte. Gute, es waren offenbar Deutsche. Aber Deutsche mit türkischen Wurzeln.

Deutsche Männer tun sowas nämlich nicht!

Gestern gab es übrigens eine Gruppenvergewaltigung an einer 18jährigen Frau, die von mehreren aus Bulgarien stammenden Jugendlichen verübt worden sein soll. Wir haben alle noch im Hinterkopf, dass in Freiburg ein Prozess gegen 11 Migranten und einen Deutschen läuft, die eine 18jährige Frau vergewaltigt haben sollen. Die Verteidiger der Angeklagten behaupten, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt.

Solche anwaltschaftlichen Gebaren sind schwer zu ertragen, obwohl ich das Prinzip verstanden habe. Jeder Angeklagte hat ein Recht auf möglichst optimale Verteidigung. Das ist schwer verdaulich. Aber Deutschland ist ein Rechtsstaat. Auch diese Aussage steht quer zu den Ansichten der Menschenfeinde von rechts.

Ich hatte gelesen, dass die junge Frau damals von einem der Angeklagten KO-Tropfen verabreicht bekommen hätte. Wenn das gestimmt hätte, müsste von vornherein klar gewesen sein, dass es sich nicht um einvernehmlichen Sex gehandelt haben kann.

Mich widert die Taktik der Anwälte an! Ich bin eben auch nur ein einfacher Kerl, dessen Weltsicht durch derart abscheuliche Verbrechen arg angeknackst ist. Aber das berechtigt mich nicht, die Regeln unseres Rechtsstaates infrage zu stellen.

Ich bin nicht in der Lage, den Eindruck, der durch die Berichterstattung ausgelöst wurde, zu entkräften. Auch aus anderen Ländern (Schweden zum Beispiel) hören wir von Gruppenvergewaltigungen, die von Migranten begangen wurden. Ich habe mir die Mühe gemacht, damals, als diese Meldungen aufkamen, die Quellen zu checken, um die Korrektheit der Horrornachrichten oder möglicher Absichten zu recherchieren.

Zu den Fällen in Schweden wurden massiv fürchterliche Nachrichten vom Gatestone – Institute verbreitet. In meinen Augen ist das Institute eine fragwürdige Quelle. Allerdings gab es außerdem „normale“ Presseberichte, die die Informationen über Gruppenvergewaltigungen durch Migranten bestätigten. Die politischen Gegebenheiten in Schweden haben sich nicht grundlos verändert.

Immer wieder kreisen meine Gedanken um den Punkt, der mir in diesem Zusammenhang am wichtigsten ist.

Viele Menschen erkennen in den brutalen Sex-Verbrechen an jungen Frauen ein Muster. Der Eindruck ist, dass Gruppenvergewaltigungen vorwiegend von Migranten bzw. Ausländern begangen werden.

Ist es zulässig, anhand einer subjektiven Wahrnehmung (einseitige Medienmeldungen) zu folgern, dass diese Verbrechen mit der Herkunft bzw. den kulturellen Eigenarten der mutmaßlichen Täter zu tun haben? Wenn nein, warum tun die Rechten es trotzdem und zwar systematisch?

Darauf muss jeder Mensch selbst die Antwort finden.

Die Verbrechen selbst sind unentschuldbar! Die Täter müssen hart bestraft und – wenn es sich um Migranten handelt – aus Deutschland ausgewiesen werden. Und zwar auch dann, wenn sie neben einem anderen einen deutschen Pass haben sollten.

Das muss ggf. ordentlich kommuniziert werden. An Klarheit und Deutlichkeit mangelt es nämlich leider.


Update: 7.7.2019

Und hier der ganz schön umfangreiche und substantiierte Widerspruch zum Artikel von Thomas Matterne in seinem Blog: DER KONSERVATIVE

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Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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