Ein sympathischer und selbstreflektierter Dieter Nuhr

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HORST SCHULTE

Drosten, Nuhr, Lauterbach, Eckart, Laschet, Merkel, Spahn. Das sind nur einige der Namen von Leuten, die in den asozialen Netzwerken jeden Tag aufs Neue beschimpft und verleumdet werden. Vielfach, so scheint es mir, geht es nicht mal um die Kritik an sich. Ich sÀhe das wohl anders, wenn diese auch nur halbwegs substanziiert wÀre. Stattdessen scheint wichtig zu sein, lautes, anschwellendes Gezerre und GeplÀrre entstehen zu lassen. Ich finde nicht heraus, wer das orchestriert bzw. wem das irgendwas gibt.

Ich hoffe darauf, dass es mehr und mehr Leute sein werden, denen diese Entwicklung auf den Senkel geht.

Hier habe ich mich mehrfach fĂŒr Leute eingesetzt, ĂŒber die ich heute anders denke. Ganz anders. DafĂŒr habe ich ordentlich Kritik bekommen. So habe ich leider sogar manche langjĂ€hrigen LeserInnen verloren. Ein Sprachwissenschaftler hat sich damals einmal mit einem meiner Texte auseinandergesetzt und mir die NĂ€he zu denen bescheinigt, die ich von Herzen verabscheue. Er meinte, ich könne das im Text nicht verbergen, obwohl ich mich darum bemĂŒht hĂ€tte. Ich fands nicht komisch.

Zeitlicher Abstand

Mit dem Abstand einiger Jahre kann ich darĂŒber lachen. Meine Haltung zu manchen dieser Personen hat sich so stark verĂ€ndert, dass es mir heute geradezu peinlich ist, wie ich mich seinerzeit geĂ€ußert habe.

Sowas gehört dazu, wenn man sich meinungsmĂ€ĂŸig stark exponiert.

Immer wieder andere im Fokus

Zuletzt waren Dieter Nuhr, etwas spĂ€ter dann Lisa Eckhart, diejenigen, die ich hier verteidigt habe. Wer weiß, wie sich das weiterentwickeln wird und wie ich in ein paar Jahren darĂŒber denke?

Heute habe ich dieses Interview angesehen, das Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in der TV-Talkshow 3 nach 9 vor zwei Monaten mit Dieter Nuhr gefĂŒhrt hat.

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Vielleicht strapaziere ich die GĂ€ste der Talkshow etwas ĂŒber. Aber ich hatte den Eindruck, dass aufgrund der massiven Anfeindungen, die Nuhr vor allem in den letzten Monaten ausgesetzt war, einige Teilnehmer etwas betroffen dreinblickten.

Sympathie oder Antipathie

Es stellte sich nĂ€mlich ein sympathischer und reflektierter Mensch vor, der so ĂŒberhaupt nicht in die Schublade passen wollte, in die ihn gewisse (zuletzt) linke Meinungsbildner in den asozialen Medien mit all den selbsterzeugten und aufgestachelten Vorbehalten hineinzwingen wollten.

Vielleicht sieht das der eine oder andere ja Ă€hnlich wie ich, wenn sie oder er dieses 20minĂŒtige Video mal angesehen haben.

Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurĂŒck. Ich bin jetzt 71 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (auch aus Überzeugung) auf dem Land.

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Kabarett, Nuhr

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8 Gedanken zu „Ein sympathischer und selbstreflektierter Dieter Nuhr“

  1. Ich schaue mir Dieter Nuhr sehr gerne an und höre ihm auch gerne genau zu. Das weißt du ja. Und zwar schon, seitdem er bekannt geworden ist, seinerzeit noch als Comedian.

    Es mag sein, dass ich nicht immer und in jeder Hinsicht politisch oder weltanschaulich mit ihm ĂŒbereinstimme, aber das macht nichts. Das ist mein gutes Recht, und es ist sein gutes Recht.

    Es gibt (und gab) auch andere Kabarettisten, bei denen es mir so geht (ging).

    Das bedeutet schlicht, dass die Welt (fĂŒr mich) noch in Ordnung ist. Ich bewege mich nicht in einer Filterblase, ich schließe aus meiner Wahrnehmung nicht all das aus, was nicht in meine Denkmuster passt.

    Anfangs, bei den ersten beiden Auftritten im deutschen Fernsehen, die ich mitbekam, blieb ich bei Lisa Eckhart etwas ratlos zurĂŒck. Seit dem dritten Mal ist das nicht mehr so. Ich erinnerte mich einfach an das Prinzip: höre genau zu!

    Ich urteile — fĂŒr mich — ĂŒber Kabarettisten*innen (Kabarettiernde??) aufgrund dessen, was ich von ihnen unmittelbar zu sehen bzw. hören bekomme. Bei ihren Auftritten und am Rande dessen, z.B. in Interviews.

    Was irgendwelche „Meinungsbildner“ in irgendwelchen Netzwerken dazu schreiben, interessiert mich nicht. Deren Urteil kann kaum jemals qualifizierter sein als meines, wozu sollte ich meine Zeit damit vergeuden?

    Ja, sie mögen zu einer anderen EinschĂ€tzung gelangen als ich. Gerne, das steht ihnen auch unbenommen zu. Einen Anspruch darauf, dass ich diese wahrnehme und mich darauf einlasse, haben sie allerdings nicht. Dazu mĂŒssten sie sich schon irgendwie „vor mir“ qualifiziert haben. Was nicht der Fall ist.

    Ich greife mal weiter aus. Ich habe in meinem bisherigen Leben lange und oft genug Feuilleton (aka Kulturkritik) wahrnehmen dĂŒrfen, wenn nicht mĂŒssen. Meine Erkenntnis daraus ist in der Überschau, dass es insgesamt bestenfalls von mĂ€ĂŸiger QualitĂ€t ist. Da ich am Arbeitsplatz regelmĂ€ĂŸig einige maßgebliche BlĂ€tter vor mir liegen habe, kann ich mir dann doch immer wieder ein Bild machen.

    In den Assi-Medien fehlt dann aber sogar noch jedwede redaktionelle Endabnahme, das Geschreibsel entstammt dann grundsĂ€tzlich ungefiltert dem schreibenden Schrumpfhirn. Die „Meinungsbildner“, die du meinst, sind der Bodensatz. Schlechter geht’s dann nicht mehr.

    Sie haben die Schreihals-Plattformen schließlich nicht ohne GrĂŒnde ausgewĂ€hlt — sie haben eine willfĂ€hrige pöbelnde Leserschaft gewonnen. Sie wissen, dass sie nicht mehr bekommen.

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  2. Ich hab’s tatsĂ€chlich geschafft, mir die knappe Stunde Podcast dieser vier Herren anzuhören. Ist mir teilweise schwer gefallen. Die Herren bewegen sich viel und gerne im Schubladendenken, meist auf der klassischen Rechts-Links-Schiene. FrĂŒher war man ja links, so richtig links also, da sind sie sich wohl einig. Heute gibt es eine echte intellektuelle Linke, die diskursfĂ€hig wĂ€re und Ideen entwickeln wĂŒrde, nicht mehr. Das ist sicher richtig. Die ist ausgestorben und die vier Herren sind auch rechtzeitig abgesprungen. Man hat sich eben angepasst an den Mainstream.

    Der Mainstream. Das Wort verwenden sie gerne. Medien- und Regierungsmainstream ist wohl damit gemeint. Wird ja allenthalben als plakativer Bashing-Begriff verwendet. Allerdings beruht er auf einer gestrickten Legende, dass es da irgendetwas merkwĂŒrdig ‚LinksgrĂŒnes‘ gĂ€be, dass eine Meinungshoheit vertrĂ€te.

    TatsĂ€chlich ist er rechts, dieser Mainstream. Also neoliberal und rechts. Die heute maßgebliche Rechte — die alles andere als intellektuell und dirkursfĂ€hig ist, dazu gleich mehr — rĂŒckt sich ins ‚mittige‘ Bild, dass sie mitunter ‚liberal‘ nennt, indem sie den sogenannten ‚Mainstream‘ nach links schiebt. Die angebliche ‚Sozialdemokratisierung‘ der Union entspricht einer Verschiebung vom rechtskonservativen Gesellschaftsbild zu einem Standort irgendwo im ideologischen Niemandsland zwischen rechts und links. Ziemlich genau dort, wo sich die heutige SPD befindet. Links davon ist außer Teilen der Linkspartei nichts mehr.

    Eine intellektuelle Rechte hat es damals nicht gegeben, einen rechten Diskurs auf hohem intellektuellen Niveau auch nicht. Nur leider, heute, also jetzt, gibt es beides auch nicht. Schon gar nicht. Und ein Liberalismus, der geneigt und in der Lage wĂ€re, moderierend und ausgleichend einen dringend notwendigen Diskurs zu fĂŒhren, ist weit und breit nicht sichtbar.

    Die von den GesprĂ€chsteilnehmern erhoffte und angemahnte diskursive inhaltliche Auseinandersetzung ĂŒber strittige Fragen der Zeit, abseits des verbalen Totschlags und des medialen Kampfs um die Deutungshoheit des lautesten Geschreis, wird es kaum geben können. Warum?

    Weil sie keiner will. Es geht lĂ€ngst nicht mehr um die wirklichen Fragen, es geht um die Besetzung von verbalen Machtpositionen. Nichts, was der im Podcast auffĂ€llig oft (als Opfer) erwĂ€hnte Sarrazin medial wirksam und monetĂ€r eintrĂ€glich anzubieten hat, ist in irgendeiner sinnvollen Weise diskursfĂ€hig. Rassismus, Biologismus, Menschenhass und Sozialdarwinismus sind keine Positionen, die in einem intellektuell reichhaltigen Diskurs erörtert werden könnten. Von den anderen Protagonisten dieser beschönigend sogenannten ‚Neuen Rechten‘ gar nicht zu reden.

    Ok, damit will ich es mal bewenden lassen.

    Ach so, da fiel mir noch etwas auf:

    In der rechten Youtube-Seitenleiste zu diesem Podcast bietet mir der Youtube-Algorithmus interessanterweise auffĂ€llig viel AFD-Medienangebot neben Tichys Einblicken (ins ganz Dunkle…) und diversen populistischen „Corona- und Coronapolitik-Kritikern“ an.

    Sollte ich mir dabei etwas denken??

    Wenn ich es schaffe, gucke ich mir heute aber auch noch den initialen Appell von Gunnar Kaiser an.

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  3. Ich vermute erst einmal, dass die wenigsten da draußen in den Netzen (Ă€hh genau… in den Netzen, also quasi gefangen) sich tatsĂ€chlich diesen Systemen entziehen wollen.

    „Wie verhĂ€ngnisvoll diese wirken, lernen wir zwar zunehmend,“ aber die meisten nehmen das wohl hin oder befĂŒrworten es sogar, weil sie glauben irgendwie davon zu profitieren. Sie wissen inzwischen jedenfalls, worum es geht, also können sie sich nicht qua Unkenntnis herausreden.

    Das Dilemma ist altbekannt. Wir wissen in vielerlei Hinsicht, was eigentlich getan werden kann bzw. zu tun wĂ€re (Überwachung, Soz. Netzwerke, Klimawandel, Rechtsextremismus, Verschwörungsesoterik u.a.m.), aber wie immer tut niemand etwas außer ein paar wenigen Einzelnen.

    Dazu muss noch nicht einmal jemand aufs Internet verzichten. Fecesbook, Twitter, Instagram, Whatsapp, Telegram und wie sie heißen mögen sind nicht das Internet. Sie sind nur ein winziger, aber sehr weit aufgeblasener Teil davon (der stĂ€ndig laut zischt…), und es ist nicht die Frage, ob jemand diese Teile braucht — das ist tatsĂ€chlich gar nicht der Fall –, sondern ob jemand es will.

    Jemand könnte sogar z.B. Twitter nutzen, wenn es in seinem beruflichen Umfeld angeraten sein sollte. Man kann Twitter ganz emotionsfrei als rein sachliche Austausch-Plattform fĂŒr kurze Nachrichten nutzen. Man muss dort nicht (mit-)streiten, nörgeln oder gar anderer Leute Geschrei und Genörgel lesen. Man kann sich aus der Hass-Abladeabteilung fĂŒr intellektuell Minderbemittelte völlig heraushalten.

    Ein anderer kleiner Punkt: Man muss auf den Plattformen nichts „liken“ oder „disliken“. Das ist völlig ĂŒberflĂŒssiger und nicht hilfreicher Unsinn. Niemand braucht das. Also einfach darauf verzichten — das macht ĂŒbrigens auch klug!

    Man muss auch z.B. den ÖR-Fernsehsendern (von den Privaten rede ich gar nicht, die schaue ich nicht) nicht auf deren Fecebook-Accounts o.Ă€. folgen, worauf sie inzwischen so gerne verweisen, fĂŒr angeblich mehr Informationen zum jeweiligen Thema. Nö, muss man wirklich nicht. Was TV-öffentlich-rechtlich mitgeteilt werden kann, sollte auch so mitgeteilt werden. Wenn die Sender merken wĂŒrden, dass ihnen niemand auf die Soz-Netz-Plattformen folgt, wĂŒrden sie irgendwann schon reagieren und den Unsinn einstellen.

    Es kommt einfach darauf an, was wir tun und was wir lassen. Viele könnten viel tun, aber es sind wie meist nur ein paar wenige, die es tatsÀchlich anpacken.

    Wie du weißt, nutze ich strikt weder Fecebook, noch Twitter oder deren irgendwelche Ableger. Ich kann es und ich will es so.

    Ich hatte noch nicht eine Minute lang in den zahlreichen Jahren, seitdem es diese zerstörerischen Kraken gibt, irgendeinen klaren Hinweis darauf, dass mir irgendetwas entgangen wĂ€re, dass ich etwas verpasst hĂ€tte oder nicht genĂŒgend Informationen zu irgendeinem Thema hĂ€tte finden können.

    By the way: Ich lese gerne die BĂŒcher des hinlĂ€nglich bekannten Soziologen Harald Welzer. Es ist bei seinen Themenstellungen, wie es immer ist: Es wĂ€re durchaus einfach, etwas zu tun, etwas zu Ă€ndern. Aber es mĂŒssen sich eben möglichst viele Leute entscheiden, es zu tun. Leider sind es meist nur wenige… und ich nehme mich da gar nicht aus.

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