Ich glaube, es beginnt jedes Jahr ein wenig früher. Die Sommerpause der beiden Milliardenabgreifer. Dabei werden diese gewaltigen Summen angeblich für irgendetwas gebraucht – am Programm jedenfalls merkt man das nicht. Von Ausnahmen mal abgesehen, die die Regel nur bestätigen.
Aber worüber reg‘ ich mich alljährlich auf? Es ändert sich ohnehin nichts. Ich habe sogar schon eine Petition unterschrieben. Natürlich wirkungslos – die Sommerpause kommt so zuverlässig wie das Wetter.
Konserven: Aufgewärmt und ungenießbar
Stattdessen bekommen wir Konserven, mit denen wir uns unsere Abendunterhaltung mühsam zusammenschustern dürfen. Wie ich das hasse. Vor allem, weil ich oft nicht mehr weiß, ob ich diesen Film oder jene Serie schon mal gesehen habe. Wiederholungen ertrage ich nicht – warum eigentlich, wäre mal eine separate Untersuchung wert.
Streaming: Viel Angebot, wenig Orientierung
Die Schwemme beschissener Serien und Filme aus den USA macht es nicht besser, eher schlechter. Und als wäre das nicht genug, drängen immer mehr Streamingdienste auf den Markt. Früher waren es Amazon Video, Netflix und ein paar andere – heute ist das Angebot so unüberschaubar, dass man den Überblick längst verloren hat. Alle wollen Geld. Gerne auch zweimal für dasselbe.
Denn eine Datenbank, in der man nachsehen könnte, was man sich schon reingezogen hat, gibt es nicht. Das Risiko, für eine Wiederholung erneut zu zahlen, ist real – und niemand fühlt sich zuständig.
All das nur, weil ARD und ZDF ihre Sommerpause schamlos dazu nutzen, ihren Job zu verweigern. Milliarden kassieren, Programm einstellen – ein perfektes Geschäftsmodell.
Wenn Optimierung plötzlich nach Maschinenraum riecht
Sicher werden die Experten unter euch jetzt schon die Augen verdrehen. Die einen, weil sie sagen: „Das ist doch alles halb so wild.“ Die anderen, weil sie sich mit solchem Kram aus Prinzip nicht befassen und vermutlich spätestens beim Wort Nameserver innerlich den Tab schließen. Und wieder andere werden diese nervige Geschichte als Bestätigung dafür betrachten, dass man von einem laufenden System besser die Finger lässt.
Kann man so sehen.
Aber ich bin nun mal ein Bastler. Genauer gesagt: ein Rentner-Bastler mit außergewöhnlich viel Zeit. Und diese Zeit verplempere ich zu gern mit solchen Dingen, die für andere nach technischem Kleinkram aussehen, für mich aber immer noch kleine Abenteuer sind. Abenteuer im Maschinenraum. Mit DNS-Einträgen statt Dschungelpfad, SSL-Zertifikaten statt Kompass und Google PageSpeed als nervösem Reiseleiter, der alle fünf Minuten eine andere Bewertung in die Landschaft hält.
Es gibt diese Tage, an denen man am eigenen WordPress-System eigentlich nur ein bisschen aufräumen will. Ein paar Stellschrauben drehen, ein paar Ladezeiten glätten, vielleicht hier und da ein Plug-in bändigen. Man nimmt sich vor, sachlich zu bleiben. Ruhig. Erwachsen. Fast staatsmännisch. Ich habe den Blog aufgeräumt und eine ganze Reihe Plug-ins entfernt. Auch solche, auf die ich bisher nicht verzichten mochte. Es gibt nicht mehr die Möglichkeit, Kommentare nachträglich zu ändern oder sich bei neuen Kommentaren eine Benachrichtigung zu schicken. Die Bewertung von Artikeln und Kommentaren ist abgeschaltet. Eine Bildergalerie ist raus. Das waren zum Teil kostenpflichtige Plug-ins, auf die ich jetzt bewusst verzichte. Im Kommentarbereich z.B. ist derzeit so wenig los, dass solche Maßnahmen sich geradezu aufdrängen. Solche Services weiß ohnehin fast niemand zu schätzen.
Gestern Morgen war mein Blog nicht erreichbar. Ich konnte den Editor nicht öffnen, mich nicht mal mehr anmelden. Nach einigem Gehuddel klappte es dann doch und ich nutzte zum ersten Mal Updraft Plus. Das war erfolgreich, wäre allerdings wie sich erst später herausstellte, gar nicht erforderlich gewesen. Irgendwas musste in der Nacht zuvor passiert sein. War es das Gewitter? Lag es am Hoster? Ich glaube, die Ursache lag bei Cloudflare. Purge everything heißt die Lösung. Den Cloudflare-Cache leeren, damit Cloudflare frische Dateien vom Ursprungsserver holt. Danach war alles wieder wie es sein sollte. Nun war ich es leid. Mein Test von Cloudflare, der lediglich über ca. 2 Monate andauerte, sollte beendet werden.
Und dann sitzt man vor DNS-Einträgen, Nameservern, SSL-Zertifikaten, Cloudflare-Einstellungen und Google-Speed-Werten und fragt sich, ob man gerade den Blog optimiert oder versehentlich die Schaltzentrale eines mittleren Raumfahrtprogramms geöffnet hat.
Mein Ziel war klar: Ich wollte auf Cloudflare verzichten. Nicht, weil Cloudflare grundsätzlich Teufelszeug wäre. Für große Seiten, internationale Projekte, Shops oder stark angegriffene Systeme kann Cloudflare sehr sinnvoll sein. Aber für meinen Blog wollte ich wieder mehr Übersicht. Weniger Zwischeninstanzen. Weniger Magie im Hintergrund. Weniger dieser Momente, in denen man denkt: „Das kann doch nur am Cache liegen“ — und dann liegt es am Cache. Oder am DNS. Oder am SSL-Zertifikat. Oder an einer Regel, die man vor Monaten gesetzt und längst vergessen hat.
Der Cloudflare-Rückbau war also keine Heldentat. Eher ein kontrollierter Rückzug aus der Wolke. Aber einer, bei dem man besser nicht in falscher Reihenfolge an den Hebeln zieht.
Die Google-Speed-Achterbahn als letzter Anstoß
Ein wichtiger Grund für meine Entscheidung waren die sehr unterschiedlichen Messergebnisse bei Google PageSpeed Insights. Mal sah alles ordentlich aus, dann brachen einzelne Werte wieder ein, ohne dass ich im WordPress-System bewusst etwas verändert hatte. Solche Schwankungen machen mürbe. Man optimiert ein Bild, verändert eine Lazy-Load-Regel, schiebt ein Script aus der Verzögerung heraus, misst erneut — und plötzlich sieht das Ergebnis aus, als hätte nachts ein Kobold im Quellcode gebügelt.
Besonders nervig waren Effekte rund um verzögertes JavaScript. Einzelne sichtbare Elemente tauchten zu spät auf. Avatare oder kleine Oberflächenelemente wurden kurz falsch platziert. Manchmal sah die Seite beim ersten Laden so aus, als hätte sie sich beim Anziehen im Dunkeln vertan.
Das Problem war nicht ein einzelner großer Fehler. Es war dieses Zusammenspiel aus WordPress, Theme, GenerateBlocks, Perfmatters, Lazy Loading, JavaScript-Verzögerung, Cache und Cloudflare. Jeder dieser Bausteine kann hilfreich sein. Aber wenn zu viele Schichten übereinanderliegen, wird die Fehlersuche schnell zu einer Art digitalem Nebelwandern.
Nach dem Cloudflare-Rückbau und der sauberen Abstimmung mit Perfmatters sind diese Schwankungen nun endlich beseitigt. Die Werte liegen mobil stabil bei 98 bis 100 Prozent, Desktop bei 100 Prozent. Das lässt sich sehen. Nicht als Angeberei mit Fanfaren, eher als erleichtertes Ausatmen im Maschinenraum.
Warum Cloudflare für kleine Blogger nicht immer ein Segen ist
Cloudflare ist kein schlechtes Werkzeug. Im Gegenteil. Wer eine stark besuchte Website betreibt, internationale Zugriffe abfangen muss oder regelmäßig Sicherheitsprobleme erlebt, kann von Cloudflare deutlich profitieren. Das will ich gar nicht kleinreden.
Aber für kleine Blogger sieht die Sache anders aus. Ein persönlicher WordPress-Blog braucht in der Regel keine weltweite Lastverteilung, keine hochkomplexen Sicherheitsregeln und keine zusätzliche DNS-Zwischenschicht, nur damit am Ende ein paar Beiträge über Politik, Gesellschaft und das tägliche digitale Durcheinander ausgeliefert werden.
Der Nachteil liegt nicht darin, dass Cloudflare schlecht wäre. Der Nachteil liegt darin, dass Cloudflare die Struktur komplizierter macht. Plötzlich gibt es mehrere Caches: den WordPress-Cache, den Browser-Cache, den Server-Cache und zusätzlich den Cloudflare-Cache. Wenn dann etwas hakt, beginnt die bekannte Fehlersuche im Halbdunkel. Liegt es am Theme? An GenerateBlocks? An Perfmatters? Am Hoster? An Cloudflare? An DNS? An SSL? An einer Cache-Regel?
Genau das ist für kleine Blogger der Knackpunkt. Man gewinnt manchmal Geschwindigkeit, aber man verliert Übersicht. Man bekommt mehr technische Möglichkeiten, aber auch mehr Stellen, an denen etwas unsichtbar dazwischenfunken kann. Und wer seinen Blog selbst pflegt, kennt dieses Gefühl: Man will schreiben, nicht jeden zweiten Tag den Internet-Klempner geben.
Mein Cloudflare-Rückbau war deshalb keine Grundsatzrede gegen Cloudflare. Es war eine nüchterne Entscheidung für mein eigenes System: weniger Zwischeninstanzen, weniger Rätselraten, mehr direkte Kontrolle.
Erst prüfen, dann löschen
Der wichtigste Gedanke beim Cloudflare-Rückbau lautet: Cloudflare nicht sofort löschen. Nicht im Überschwang. Nicht aus Trotz. Nicht, weil man gerade mutig ist und der Kaffee noch wirkt.
Der saubere Weg beginnt damit, dass man die DNS-Einträge im KAS von all-inkl prüft. Dort müssen die entscheidenden Einträge bereits vorhanden sein, bevor man die Nameserver endgültig zurückstellt. Bei mir waren die wichtigsten Dinge bereits vorbereitet: Der A-Record zeigte auf die all-inkl-IP, der Wildcard-Eintrag ebenfalls, der MX-Eintrag lag auf dem passenden kasserver.com-Server, SPF, DKIM, DMARC und MailPoet-Einträge waren vorhanden.
Das klingt trocken. Ist es auch. Aber genau diese Trockenheit rettet einem den Tag. DNS ist kein Ort für Improvisation. DNS ist eher wie ein Sicherungskasten im Keller: Man kann daran arbeiten, aber man sollte vorher wissen, welcher Schalter wofür zuständig ist.
In meinem Fall war die gute Nachricht: Im KAS musste praktisch nichts mehr neu eingetragen werden. Die Basis war da. Der Blog stand nicht nackt im Regen. Er hatte schon Jacke, Schuhe und Hausschlüssel. Es fehlte nur noch der eigentliche Schritt zurück zu all-inkl.
Die richtige Reihenfolge beim Cloudflare-Rückbau
Beim Cloudflare-Rückbau zählt die Reihenfolge. Wer zu früh löscht, zu spät prüft oder ein SSL-Zertifikat übersieht, kann sich unnötige Ausfälle einhandeln. Der Rückbau sollte deshalb geordnet erfolgen.
Zuerst sollten alle bestehenden DNS-Einträge bei Cloudflare gesichert oder zumindest notiert werden. Dazu gehören A-Records, CNAME-Einträge, MX-Einträge und TXT-Einträge für SPF, DKIM, DMARC oder Dienste wie MailPoet. Diese Einträge müssen im KAS von all-inkl vorhanden sein oder dort sauber nachgetragen werden.
Danach prüft man im KAS die DNS-Einstellungen. Entscheidend sind vor allem der A-Record für die Hauptdomain, gegebenenfalls der Wildcard-Eintrag, der www-Eintrag, der MX-Eintrag für E-Mails und die TXT-Einträge für Mail-Sicherheit und Verifizierungen. Wer MailPoet nutzt, sollte auch die entsprechenden DKIM- und Verifizierungs-Einträge im Blick behalten.
Erst dann kommt das SSL-Zertifikat. Im KAS sollte unter dem Bereich für SSL-Schutz ein gültiges Let’s-Encrypt-Zertifikat für die Domain aktiv sein. Das ist wichtig, weil nach dem Wegfall von Cloudflare der eigene Server selbst sauber HTTPS ausliefern muss. Das kleine Schloss im Browser ist dann nicht mehr Cloudflares freundliche Fassade, sondern die eigene Haustür.
Wenn diese Basis stimmt, kann man in Cloudflare den Proxy-Status der DNS-Einträge deaktivieren. Die orange Wolke wird grau. Aus „Proxy“ wird „DNS only“. Damit läuft der Traffic schon direkter zum Server, ohne dass Cloudflare als Proxy dazwischensteht. Das ist ein sinnvoller Testlauf, bevor man die Nameserver endgültig zurückstellt.
Danach folgt der eigentliche Heimweg: In der all-inkl-Verwaltung werden die Nameserver von Cloudflare zurück auf die all-inkl-Nameserver geändert. In meinem Fall ging es um ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com. Sobald diese Änderung gespeichert ist, beginnt die DNS-Propagation. Das ist der Moment, in dem man technisch schon viel getan hat, aber noch nicht überall sofort das Ergebnis sieht.
Und erst ganz zum Schluss, wenn alles stabil läuft, kann die Domain bei Cloudflare entfernt werden.
Die Wolke grau machen, bevor sie verschwindet
Ein sinnvoller Zwischenschritt ist es, in Cloudflare den Proxy-Status der DNS-Einträge zu deaktivieren. Die orange Wolke wird grau. Aus „Proxy“ wird „DNS only“.
Das ist ein kleiner Klick mit großer psychologischer Wirkung. Denn damit läuft der Traffic nicht mehr durch Cloudflare, sondern direkt zum Server. Man kann prüfen, ob die Seite auch ohne die schützende, manchmal aber auch nervende Wolke erreichbar ist.
Dieser Schritt ist keine Pflicht in Stein gemeißelt, aber er ist sehr empfehlenswert. Er ist wie ein Probelauf vor der eigentlichen Premiere. Wenn hier schon etwas kracht, weiß man wenigstens, dass man noch nicht das ganze Theater abgebaut hat.
Und ja: Genau an solchen Stellen merkt man, wie abhängig man sich von Diensten gemacht hat, die im Alltag unsichtbar bleiben. Solange alles funktioniert, ist Cloudflare ein höflicher Butler. Sobald etwas hakt, steht derselbe Butler plötzlich mitten im Flur und hält einem fünf Türen gleichzeitig auf.
Das SSL-Zertifikat: Der kleine Schlossmoment
Ein besonders wichtiger Punkt beim Cloudflare-Rückbau ist das SSL-Zertifikat. Solange Cloudflare dazwischensteht, wirkt manches sicherer und glatter, als es auf dem Ursprungsserver tatsächlich eingerichtet ist. Fällt Cloudflare weg, muss der Server selbst sauber HTTPS ausliefern.
Bei all-inkl bedeutet das: Im KAS die betreffende Domain prüfen und sicherstellen, dass Let’s Encrypt aktiv ist. Das Zertifikat muss für die Domain gültig eingebunden sein. Erst dann ist der Rückweg von Cloudflare wirklich entspannt.
Das ist einer dieser Punkte, bei denen Panik schnell die Gardinen hochklettert. Man sieht eine Warnung, ein Schloss fehlt, der Browser schaut streng, und schon denkt man: Jetzt ist der Blog kaputt. Dabei ist meistens nur die Reihenfolge nicht sauber oder die DNS-Umstellung noch nicht überall angekommen.
Wichtig ist: HTTPS muss vor oder spätestens während der Nameserver-Rückstellung sauber vorbereitet sein. Denn ohne Cloudflare gibt es keinen freundlichen Vermittler mehr, der an der Tür sagt: „Alles gut, ich regle das mit dem Zertifikat.“
Nameserver zurück zu all-inkl: Der eigentliche Heimweg
Der zentrale Schritt war der Wechsel der Nameserver zurück auf all-inkl. In meinem Fall ging es um ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com. Genau hier entstand zunächst Unsicherheit, weil es im Netz und in manchen Hinweisen verschiedene Varianten gibt: ns5, ns6, manchmal auch längere ns5xxx- oder ns6xxx-Bezeichnungen.
Die Lösung war einfacher, als sie sich anfühlte: In der all-inkl-Verwaltung wird beim Ändern der Nameserver der zweite Nameserver in der Regel automatisch erkannt, sobald der erste korrekt eingetragen ist. Man trägt also den passenden ersten Nameserver ein, geht weiter, prüft, was all-inkl ergänzt, und speichert.
Vorher standen dort noch die Cloudflare-Nameserver. Das erklärte auch die Warnung, dass die Domain nicht sauber mit dem all-inkl-Webspace verbunden sei. Diese Meldung ist der Moment, in dem man kurz innerlich die Luft anhält. Man sieht ein Ausrufezeichen und denkt: „War schön mit euch. Der Blog war ein guter Kamerad.“
Aber nein. Es war nur die Technik, die sagte: „Noch bist du nicht wieder zu Hause.“
Nach dem Speichern der neuen Nameserver beginnt die Wartephase. Und diese Wartephase hat etwas Gemeines: Man hat alles getan, aber man sieht nicht sofort überall das Ergebnis. DNS-Propagation ist die Kunst, dem Internet beim Nachdenken zuzusehen.
Bitte nicht zu früh Cloudflare löschen
Der vielleicht wichtigste praktische Rat lautet: Cloudflare erst löschen, wenn die Umstellung stabil durch ist.
Solange weltweit noch Server die alten Cloudflare-Nameserver kennen, kann Cloudflare als eine Art Fallback dienen. Löscht man die Domain dort zu früh, kann es für einzelne Nutzer oder Prüfwerkzeuge zu Aussetzern kommen. Deshalb: erst prüfen, dann aufräumen.
Ich würde nach dem Nameserver-Wechsel diese Reihenfolge einhalten:
Dazu kann man externe Prüfseiten wie https://www.whatsmydns.net/ oder https://dnschecker.org/ nutzen. Dort prüft man für die eigene Domain den Typ NS. Wenn dort weltweit allmählich ns5.kasserver.com und ns6.kasserver.com auftauchen, ist der Rückweg in vollem Gang.
Cloudflare selbst kann danach aufgeräumt werden. Vor dem endgültigen Entfernen sollte man prüfen, ob DNSSEC in Cloudflare aktiv war. Falls ja, zuerst deaktivieren. Sonst kann es passieren, dass die Domain formal korrekt zeigt, aber die Namensauflösung an einer alten Sicherheitskette hängen bleibt. Das wäre dann die Sorte Fehler, bei der man sich erst fragt, ob der Server kaputt ist, dann das Theme, dann WordPress, dann das Leben.
Perfmatters: nicht alles auf Anschlag drehen
Nach dem Cloudflare-Rückbau wurde Perfmatters für mich noch wichtiger. Nicht als Wunderwaffe, sondern als Werkzeugkasten. Genau darin liegt der Unterschied. Wer bei Optimierung einfach alles aktiviert, gewinnt nicht automatisch Geschwindigkeit. Man kann sich damit auch sichtbare Elemente verzögern, Layout-Verschiebungen einbauen oder aus einem schnellen Blog eine nervöse Baustelle machen.
Besonders wichtig waren bei mir die Bereiche JavaScript-Verzögerung, Lazy Loading, kritische Bilder und die gezielte Behandlung sichtbarer Elemente. Wenn ein Avatar, ein Kommentarbereich, ein kleines Symbol oder eine Bedienfläche direkt beim Laden sichtbar sein soll, darf es nicht durch verzögertes JavaScript erst später zurechtgerückt werden.
Perfmatters hilft genau dort, weil man nicht nur pauschal optimieren muss, sondern Ausnahmen setzen kann. Kritische Bilder können vom Lazy Loading ausgeschlossen werden. Führende Bilder können priorisiert werden. Skripte, die sofort gebraucht werden, können aus der Verzögerung herausgenommen werden. Andere Skripte, die erst weiter unten auf der Seite wichtig sind, dürfen warten.
Das klingt nach Kleinarbeit. Ist es auch. Aber es ist die gute Sorte Kleinarbeit. Die Sorte, bei der man am Ende nicht mehr im Nebel steht, sondern erkennt: Dieses Element braucht sofortige Aufmerksamkeit, jenes darf später kommen.
Für mein WordPress-System waren vor allem diese Punkte entscheidend:
JavaScript verzögern, aber sichtbare Effekte ausschließen
kritische Bilder vom Lazy Loading ausnehmen
LCP-relevante Bilder priorisieren
unnötige Skripte nur dort laden, wo sie gebraucht werden
CSS- und JavaScript-Optimierung Schritt für Schritt testen
sichtbare UI-Elemente nicht der Verzögerung opfern
Messergebnisse nicht nach einem einzigen Test bewerten
Der letzte Punkt ist wichtig. Google PageSpeed Insights ist hilfreich, aber ein einzelner Test ist kein Evangelium. Entscheidend ist, ob die Werte stabil bleiben. Genau das ist jetzt der Fall. Mobil 98 bis 100 Prozent, Desktop 100 Prozent. Und das nicht als zufälliger Sonntagswert, sondern als wiederholbar gutes Ergebnis.
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Und dann diese 17 Prozent
Während man also mit Nameservern, SSL-Zertifikaten, DNS-Propagation und Performance-Werten ringt, taucht irgendwo auch noch ein Hinweis auf: „Spare jeden Monat 17 %, indem du deinen Tarif auf jährlich umstellst.“
Natürlich. Genau der richtige Moment.
Da sitzt man mit leicht erhöhtem Puls vor der technischen Infrastruktur des eigenen Blogs, sieht Warnhinweise, Zertifikatsfragen und DNS-Einträge, und dann kommt das Internet mit einem freundlichen Werbeschild um die Ecke: „Möchtest du nicht nebenbei noch deine Abrechnung optimieren?“
Das ist die digitale Gegenwart in einem Satz. Du willst nur dein WordPress-System stabilisieren, und irgendein Dienst reicht dir einen Rabattcoupon, während du prüfst, ob deine Domain noch lebt.
Aber vielleicht passt es sogar. Denn Optimierung ist nicht nur Geschwindigkeit. Optimierung ist auch Übersicht. Kosten. Abhängigkeiten. Wartbarkeit. Vertrauen. Wer seine Technik versteht, trifft bessere Entscheidungen. Auch beim Tarif. Nur bitte nicht mitten im Nameserver-Wechsel. Da sollte man keine Finanzentscheidungen treffen. Da sollte man atmen.
wordpress cloudflare rueckbau allinkl
Was ich aus dem Rückbau gelernt habe
Der Cloudflare-Rückbau war am Ende weniger dramatisch, als er sich zwischendurch anfühlte. Aber genau das ist der Punkt: Technik erzeugt nicht nur Fehler. Sie erzeugt Gefühle. Kleine Schrecksekunden. Große Fragezeichen. Dieses dumpfe „Habe ich jetzt alles zerschossen?“
Die Antwort lautet meistens: nein. Aber man braucht eine gute Reihenfolge.
Erst DNS-Einträge sichern und prüfen. Dann SSL bei all-inkl kontrollieren. Dann Cloudflare-Proxy testweise auf „DNS only“ stellen. Dann Nameserver zurück auf all-inkl setzen. Dann warten. Dann prüfen. Dann noch einmal prüfen. Und erst wenn alles stabil läuft, Cloudflare entfernen.
So wird aus dem Cloudflare-Rückbau kein Sprung aus dem Flugzeug, sondern ein geordneter Abstieg über eine Treppe. Eine Treppe mit ein paar knarrenden Stufen, ja. Aber immerhin mit Geländer.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche WordPress-Optimierung: nicht immer noch ein Dienst, noch ein Plugin, noch ein Cache, noch eine Schicht obendrauf. Sondern manchmal weniger. Klarer. Direkter.
Der Blog muss nicht durch jede Wolke fliegen. Für meinen Fall reicht es, wenn er sauber auf dem eigenen Server steht, sein Zertifikat trägt wie einen ordentlich geknöpften Mantel und mit Perfmatters dort optimiert wird, wo es wirklich etwas bringt.
Das Ergebnis ist sichtbar: stabile PageSpeed-Werte, weniger Rätselraten, weniger Zwischenschichten und ein System, das wieder nachvollziehbarer geworden ist.
Das ist nicht spektakulär. Aber es ist beruhigend.
Und Beruhigung ist im Maschinenraum des Internets eine stark unterschätzte Performance-Metrik.
Dank Horst Scheuer wusste ich, wie man WordPress ohne AI nutzen kann. Um ehrlich zu sein, ich dachte nicht, dass ich den Tipp brauchte. So mit define( 'WP_AI_SUPPORT', false ); in der wp-config.php.
keine AI für Wordpress
Wenn sich der Fall aber so darstellt wie in diesem Fall, verzichte ich doch gern. Ich habe drei Pro-Accounts (ChatGPT, Gemini und Perplexity … bescheuert, ich weiß), aber irgendwie hats mit keinem funktioniert. Wahrscheinlich der falsche Tarif. Wisst ihr was? Dann eben nicht. Vielleicht stimmt es doch, dass Hochmut vor dem Fall kommt.
Aber so wichtig ist das ja auch nicht. Schließlich muss nicht auch noch das ohnehin schon mit Plugins gut bestückte Teil weiter mit fremder Intelligenz angereichert werden.
Wer in den letzten Monaten das Gefühl hatte, dass das Internet, wie wir es kennen und schätzen, zunehmend aus dem letzten Loch pfeift – der lag nicht falsch. Auf der Google I/O 2026 hat der Konzern offiziell das Ende der klassischen Suche eingeläutet. So berichtet TechCrunch: Aus der Suchmaschine wird eine KI-gestützte Antwortmaschine. Das neue „intelligente Suchfeld“ ist laut Google die größte Veränderung seit der Einführung der Suchleiste vor über 25 Jahren. Statt einer Liste mit Links landen Nutzer künftig in interaktiven KI-Erlebnissen, können „Informationsagenten“ losschicken und sich personalisierte Mini-Apps zusammenstellen.
Das klingt nach Innovation. Es ist aber vor allem eines: das Ende eines Ökosystems.
Zahlen, die wehtun
Die KI-Suche ist kein Zukunftsszenario mehr – sie ist bereits Gegenwart, und die Auswirkungen sind messbar. Eine Analyse von Sistrix, berichtet vom Deutschlandfunk, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Deutsche Websites verlieren durch Googles KI-Übersichten bereits jetzt monatlich rund 265 Millionen Klicks. Wikipedia allein büßt geschätzte 31,6 Millionen Aufrufe pro Monat ein. Seiten zu Gesundheit, Familie und Haus verlieren über 20 Prozent ihres Traffics. Nachrichtenportale liegen bei minus 7,4 Prozent. In fast 60 Prozent aller Suchanfragen klickt heute überhaupt niemand mehr auf eine Website. Die KI fasst zusammen, präsentiert, und der Nutzer bleibt, wo er ist: in der Google-Oberfläche.
Das ist kein gradueller Wandel. Das ist ein Strukturbruch.
Das Geschäftsmodell ist das Opfer
Webseiten finanzieren sich über Besucher. Besucher kommen über Suchmaschinen. Werbung – ob klassische Banner oder Google AdSense – rechnet sich nur bei Klicks und Seitenaufrufen. Wenn die KI-Suche den Nutzer nie auf die eigentliche Seite weiterleitet, kollabiert diese Kette vollständig. Das betrifft nicht nur kleine Blogs oder Nischenseiten. Portale wie Slashfilm, die über Jahre durch pointierte Überschriften und verlässliche Klickströme lebten, stehen vor einem Modell, das ihnen schlicht die Grundlage entzieht. Ob ein Verlag wie Forbes sich weiterhin einen TV-Kritiker leistet, wenn dessen Artikel kaum noch angeklickt werden – das ist keine rhetorische Frage mehr.
Und gleichzeitig torpediert Google damit sein eigenes AdSense-Modell, das jahrelang zu den profitabelsten Einnahmequellen des Konzerns zählte. Der Gedanke dahinter: Werbung soll künftig direkt in KI-Antworten integriert werden. Google tauscht ein bewährtes Modell gegen ein unerprobtes – und schleppt den Rest des Webs als Kollateralschaden mit.
SEO lebt – aber kaum noch
Google selbst versucht, Webseitenbetreiber zu beruhigen. Im offiziellen Leitfaden zur KI-Optimierung heißt es: „Is SEO still relevant for generative AI search? In short, yes!“ Was das konkret bedeutet, bleibt schwammig. Aktuelle Ranking-Faktoren wie E-E-A-T – Expertise, Erfahrung, Autorität, Vertrauenswürdigkeit – bleiben relevant, klare Strukturen und nachgewiesene Kompetenz ebenso. Aber was am Ende der KI-Suche als sichtbare Quelle überlebt, dürfte kaum mehr sein als ein Fußnotenlink in Klammern – vergleichbar mit dem, was ChatGPT heute schon liefert.
SEO wird nicht sterben. Es wird zu einer Disziplin, die dafür sorgt, dass KI-Systeme eine Seite als Quelle erwähnen. Das Ziel ist nicht mehr der Klick.
Die eigentliche Frage
Das alles läuft auf ein grundlegendes Problem zu, das selten laut ausgesprochen wird: KI-Systeme – auch die KI-Suche – basieren auf menschlich erstellten Inhalten. Sie wurden trainiert auf Blogs, Journalismus, Forenbeiträgen, Wikipedia-Artikeln. Wenn diese Inhalte sich wirtschaftlich nicht mehr lohnen, weil niemand mehr auf die Quellseiten klickt, werden sie seltener. Und dann? Die Frage, woraus künftige KI-Modelle lernen sollen, wenn das offene Web austrocknet, stellt sich nicht erst in zehn Jahren.
Googles KI-Suche ist damit nicht nur ein Angriff auf das Webseitenökosystem. Sie ist ein langsamer Angriff auf die eigene Wissensgrundlage.
Walled Gardens und was bleibt
Das Resultat dieser Entwicklung zeichnet sich bereits ab: Wer noch kann, zieht sich hinter geschlossene Plattformen zurück. Newsletter statt Blogs. Paywalls statt offener Artikel. Communitys statt öffentlicher Kommentarspalten. Das offene Web weicht einem Netz aus kontrollierten Umgebungen – Walled Gardens, in denen Konzerne und Plattformbetreiber bestimmen, was sichtbar ist und was nicht.
Initiativen wie der UberBlogr-Webring oder Debatten auf der re:publica über eine neue Blogosphäre sind in diesem Kontext kein nostalgisches Projekt – sie sind ein politischer Akt. Das Hyperlink-basierte Web, in dem Inhalte miteinander vernetzt und auffindbar waren, ist eine Infrastruktur, die es zu verteidigen lohnt. Nicht weil früher alles besser war. Sondern weil das, was gerade passiert, konkrete Konsequenzen hat: für unabhängigen Journalismus, für kleine Betriebe, die von lokalen Suchergebnissen leben, für jeden, der das Netz noch als Werkzeug zur Informationsgewinnung und nicht als Unterhaltungskanal benutzt.
Die EU hat mit dem Digital Markets Act bereits Instrumente geschaffen, um Gatekeeper-Plattformen zu regulieren. Ob das reicht, um einen Wandel dieser Dimension einzuhegen – das bleibt die offene Frage dieser Jahre.
Stell dir vor, du willst wissen, ob ein Pilz im Wald essbar ist.
Dann fragst du besser nicht irgendein Kind auf dem Spielplatz, das sagt: „Sieht lecker aus.“ Du fragst lieber jemanden, der sich mit Pilzen auskennt, schon oft im Wald war, vielleicht ein Pilzbuch geschrieben hat und ehrlich sagt: „Bei diesem Pilz musst du vorsichtig sein.“
Google versucht genau das im Internet.
Es schaut sich Webseiten an und fragt ungefähr:
„Hat diese Seite wirklich Ahnung?“ „Hat der Schreiber das selbst erlebt?“ „Vertrauen andere dieser Seite?“ „Sagt die Seite klar, wer sie gemacht hat?“ „Sind die Informationen richtig und sicher?“
Eine gute Webseite ist also wie ein guter Lehrer: Sie erklärt etwas verständlich, sagt nicht einfach irgendwas, zeigt, woher sie ihr Wissen hat, und tut nicht so, als wüsste sie alles besser.
E-E-A-T heißt deshalb ganz einfach:
Google mag Seiten, denen Menschen vertrauen können.
Für deinen Blog bedeutet das ganz praktisch:
Schreibe sichtbar als du selbst. Zeige Erfahrung, Haltung und Quellen. Verlinke sauber. Pflege eine gute Über-mich-Seite, Impressum, Kontaktmöglichkeiten und korrigiere Fehler offen, wenn sie passieren. Gerade persönliche Blogs haben hier einen Vorteil: Sie können echte Erfahrung zeigen — nicht diese glattgebügelte SEO-Suppe aus der Konservendose.
Ich lese dieser Tage wieder einiges über Blogs. Über ihre Vergangenheit, ihre Zukunft, ihre Bedeutung, ihren Niedergang, ihre Wiederauferstehung. Das Übliche also. Ein bisschen Friedhof, ein bisschen Frühling, ein bisschen Digitalromantik mit WLAN-Anschluss.
Und während ich das lese, merke ich: Mit vielen dieser Blogger fühle ich mich zugegebenermaßen nicht verbunden. Kein Vorwurf! Echt nicht. Es ist eher eine nüchterne Feststellung. Ich mache dazu auch keine Verlinkung. Wie wenn man in eine Kneipe kommt, in der alle sich seit zwanzig Jahren kennen, und man selbst steht mit seinem Bier am Tresen und denkt: Aha. Hier gibt es offenbar eine Sitzordnung, die mir niemand erklärt hat.
Das zeigt sich nicht erst bei einem Blick auf manche Blogrollen. Die Blogger, die ich „kenne“, tauchen dort gar nicht auf. Menschen, deren Texte ich lese. Leute, die seit Jahren schreiben, verlinken, widersprechen, zweifeln, erzählen. Sie kommen in dieser sichtbaren deutschen Bloghemisphäre schlicht nicht vor. Fußvolk halt. Wobei Fußvolk ein hässliches Wort ist. Aber manchmal trifft gerade das hässliche Wort den schiefen Ton einer Szene ganz gut.
Es gibt offenbar ein Blog-Oberhaus
Manche Namen sind immer da. Sie gehören zum Inventar. Wenn über Blogs gesprochen wird, sitzen sie schon auf dem Podium, bevor die Einladung verschickt wurde. Sie schreiben klug, keine Frage. Viele haben Verdienste. Das soll man gar nicht kleinreden. Ohne diese Leute wäre die deutsche Bloggeschichte ärmer.
Aber es gibt eben auch diesen leichten Geruch nach Oberhaus. Nach „wir waren schon da, als ihr noch gar nicht wusstet, was ein RSS-Feed ist“. Nach digitalem Salon, in dem man sich gegenseitig kennt, zitiert, empfiehlt und gelegentlich versichert, wie wichtig das alles einmal war.
Und dann gibt es die vielen anderen. Die ohne Szeneanschluss. Ohne re:publica-Bändchen. Ohne Erinnerungsfoto aus Berlin. Ohne Netzwerk, das ihre Texte zuverlässig weiterträgt. Die schreiben trotzdem. Nicht aus Karrieregründen, nicht für Panels, nicht für die nächste medienkulturelle Selbstvergewisserung. Sondern weil ihnen etwas unter den Nägeln brennt.
Ich muss da nicht dazugehören
Auch als Rentner hält sich mein Bedürfnis in Grenzen, nach Berlin zu fahren und mir dort erklären zu lassen, was Bloggen angeblich heute bedeutet.Das klingt jetzt böser, als es gemeint ist.
Ich habe nichts gegen Konferenzen. Menschen sollen sich treffen, reden, streiten, feiern. Daran ist nichts falsch. Aber mich zieht das nicht an. Diese Mischung aus Szenesprache, Medienbetrieb, Selbstbespiegelung und moralisch gut gebügeltem Haltungssakko hat für mich wenig Reiz.
Mir reicht der Küchentisch. Der Schreibtisch. Die Tastatur. Der Moment, in dem ein Satz endlich sitzt. Oder auch nicht sitzt, aber trotzdem raus muss, weil der Tag sonst schief im Magen liegt.
Vielleicht ist das altmodisch. Vielleicht ist es auch einfach Bloggen.
Die Mehrheit schreibt im Schatten
Was mich stört, ist nicht, dass einige sichtbarer sind als andere. Sichtbarkeit verteilt sich nie gerecht. Das war nie anders. Mich stört eher, wenn aus dieser Sichtbarkeit eine Art Deutungshoheit entsteht. Als seien die bekannten Stimmen automatisch die Blogosphäre.
Sind sie nicht.
Die Blogosphäre besteht auch aus den kleinen Seiten. Aus privaten Notizen, politischen Kommentaren, regionalen Beobachtungen, Alltagsminiaturen, Wuttexten, Erinnerungen, Linktipps, Gedankensplittern. Aus Menschen, die keine Marke sind. Die keine Bühne brauchen. Die sich nicht mit einem Namensschild durch Berlin bewegen, sondern morgens den Kaffee neben die Tastatur stellen und loslegen.
Diese Mehrheit ist weniger glamourös. Aber sie ist lebendig. Vielleicht lebendiger als manches, was sich selbst für relevant hält.
Bloggen braucht keine Aufnahmeprüfung
Ich will niemandem den Platz streitig machen. Die sogenannten Eliteblogger haben ihren Platz. Sie haben ihre Geschichte, ihre Verdienste, ihre Leser. Alles gut.
Aber daneben gibt es eben uns andere. Die nicht eingeladen werden, nicht vorkommen, nicht gemeint sind, wenn wieder einmal über „die Blogs“ gesprochen wird. Wir schreiben trotzdem. Und vermutlich ist genau das der Punkt.
Bloggen war für mich nie eine Eintrittskarte in eine Szene. Es war immer ein eigenes Zimmer im Netz. Eine kleine, widerspenstige Parzelle. Kein Palast, eher Gartenlaube. Aber meine.
Und wenn dort nicht die große Blogprominenz vorbeikommt, dann ist das zu verschmerzen. Manchmal ist es sogar angenehm. Denn am Ende zählt nicht, ob man auf der richtigen Blogrolle steht. Am Ende zählt, ob man noch etwas zu sagen hat.