Wer Ressentiments schürt: So was kommt von so was

Ein Artikel in einem Ressentiment-Medium löst aggressive, undifferenzierte Kommentare aus. Diese werden bejubelt und normalisieren Menschenverachtung, was durch Medien unterstützt wird, die Hass als Meinung verkaufen.

Da schreibt also wieder einer in einem Medium, das sich seit Jahren wie ein Selbsthilfezirkel für Ressentiments liest. Zielgruppe klar umrissen: gekränkte Egos, diffuse Ängste, der Wunsch nach einfacher Schuldverteilung. Inhaltlich? Unterkomplexer Dreck, geschniegelt als Meinung, verkauft als Mut.

Und kaum steht dieser Text im Schaufenster, kriechen sie aus ihren Löchern: die Kommentatoren. Laut, aggressiv, stolz auf ihre eigene Gedankenarmut. Differenzierung ist für sie Verrat, Nachdenken Zeitverschwendung. Sie bellen Parolen, sie spucken Verachtung, sie nennen Menschen Probleme und fühlen sich dabei klug.

Das Erschreckende ist nicht ihre Dummheit. Dummheit gab es immer. Das Erschreckende ist der Applaus. Das Johlen. Das kollektive Schulterklopfen der geistig Verwahrlosten. Sie erkennen sich gegenseitig, sie bestärken sich, sie erklären ihre Niedertracht zur Tugend.

So entsteht Normalität. Nicht durch Putsch oder Dekret, sondern durch Wiederholung. Durch das Wegsehen der Anständigen. Durch das Achselzucken der Ermüdeten. Durch Medien, die Hetze als Debatte tarnen und Hass als Meinung verkaufen.

Und wieder sind wir ein Stück weiter. Nicht plötzlich. Nicht spektakulär. Sondern schleichend, klebrig, unerquicklich. Ein Land, das lernt, Menschenverachtung zu tolerieren, weil sie gut klickt. Ein Land, das sich daran gewöhnt, dass der Bodensatz den Ton angibt.

Das ist kein Betriebsunfall. Das ist Absicht. Und wer da noch was von Einengung der „Meinungsfreiheit“ faselt, hat entweder nichts verstanden – oder alles verstanden und ist trotzdem dabei.

Und dann sagt Juli Zeh gestern im Tagesspiegel:

Der durchschnittliche AfD-Wähler will nicht das Parlament abschaffen.


7 Kommentare

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  1. Ich kann alles, was Du schreibst, so unterschreiben. Der Screenshot ist aus der WELT, richtig? Die ist mittlerweile auf dem gleichen Level wie Tichys Einblick, Apollo News oder (beinahe) dem „Compact“-Magazin.

    In meinen Augen Schmutz.

    Und dann kommen noch die Bedenkenträger wie Frau Zeh, die das versuchen intellektuell zu untermauern. Widerwärtig.

    • @Horst Schulte: Ja, aber ich will nicht, dass man uns die Demokratie kaputtmacht. Ich muss aber wie viele andere sehenden Auges zuschauen; das macht mich krank.

      Der Diskurs ist so weit nach rechts gerückt, dass ich keine Chance mehr sehe, dass sich das ändert. Es ist zum Verrücktwerden.

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