Jan Fleischhauer beherrscht eine Kunst, die in Deutschland selten geworden ist: Er kann mit wenigen Sätzen Zweifel säen und dabei viele zum Schmunzeln bringen. Ich kann es mir, wie ich hier schon öfter gesagt habe, nicht wirklich erklären, dass ich mir den Podcast immer wieder reinziehe und ebenso regelmäßig danach über den Inhalt ablästern muss.
Ich mag Fleischhauers Humor nicht besonders, wohl auch deshalb, weil er sich so einseitig gegen Linke und Grüne richtet. Aber Fleischhauer hat jedenfalls eine Marktlücke entdeckt und zur Belohnung beim ZDF ein eigenes Format bekommen.
Sein Podcast „Schwarzer Kanal“ lebt von der Lust an der Zuspitzung. Fleischhauer balanciert dabei geschickt zwischen Sarkasmus und Häme – gerade so weit, dass viele lachen und sich zugleich in ihrer Skepsis gegenüber den gerade behandelten Themen (vorzugsweise gegen alles Linke und Grüne) bestätigt fühlen.
In der neusten Ausgabe geht es um die Wasserverordnung des neuen Münchner Oberbürgermeisters und die immer wiederkehrenden Warnungen vor Hitze und Dürre liefern dafür reichlich Stoff. Jede Woche eine neue Alarmmeldung, überall grüne Accounts, ständig Tausende Hitzetote – so ungefähr lautet seine Botschaft.
Ich muss mir zugutehalten, diesen Humoransatz nicht zu verstehen. Mich beschäftigt, was nach dem Lachen übrig bleibt.
Zwischen den Extremen
Es stimmt: Manche Schlagzeile wirkt überzogen. Auch die knallroten Wetterkarten von ARD und ZDF passt zur alarmistischen Darbietung vieler Informationsinstanzen. Manche Kommunikation arbeitet mit Übertreibungen, weil Aufmerksamkeit eine so knappe Ressource geworden ist. Wer täglich den Weltuntergang ankündigt, riskiert irgendwann, nicht mehr ernst genommen zu werden.
Aber daraus folgt eben nicht automatisch das Gegenteil.
Die Böden sind vielerorts außergewöhnlich trocken. Flüsse führen Niedrigwasser. Die Grundwasserstände stehen regional unter Druck. Dass Kommunen erstmals ernsthaft über Wasserbeschränkungen nachdenken, ist keine Erfindung grüner Wahlkämpfer, sondern eine Entwicklung, die Wasserwirtschaft und Hydrologen seit Jahren beobachten.
Die eigentliche Gefahr
Mich irritiert deshalb weniger der Spott als seine Wirkung.
Ironie ist ein scharfes Werkzeug. Sie legt Widersprüche offen und schützt vor ideologischer Verkrampfung. Gleichzeitig kann sie aber den Eindruck erzeugen, als seien die zugrunde liegenden Probleme selbst bloß eine Erfindung.
Genau darin liegt die Gefahr.
Wer jede Warnung reflexhaft als Panikmache abtut, macht im Grunde denselben Fehler wie diejenigen, die aus jedem heißen Sommertag den unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang ableiten. Beide Seiten verlassen den Boden der Nüchternheit.
Vernunft statt Lagerdenken
Vielleicht müssen wir endlich akzeptieren, dass sich vernünftige Politik nicht zwischen Alarmismus und Sarkasmus entscheidet.
Es ist sinnvoll, Wasser sparsam zu nutzen, wenn regionale Engpässe drohen. Ebenso sinnvoll ist es, staatliche Maßnahmen kritisch zu hinterfragen. Demokratie lebt davon, dass beides gleichzeitig möglich ist.
Was sie nicht braucht, ist die Gewissheit, dass immer nur die eigene Seite recht hat.
Wir ahnen: Hitze fragt nicht nach Parteibüchern und ideologischen Überzeugungen und Botschaften. Das Grundwasser interessiert sich weder für grüne Wahlprogramme noch für konservative Kolumnisten.
Am Ende bleibt deshalb eine einfache Erkenntnis: Humor darf entlarven. Er sollte uns aber nicht daran hindern, die Wirklichkeit ernst zu nehmen. Gerade dann nicht, wenn sie komplizierter ist als eine gelungene oder nicht gelungene Pointe.
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