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Wenn Ideologie wichtiger wird als die Zukunft
Wer wissen möchte, warum Deutschland bei Zukunftstechnologien immer häufiger ins Hintertreffen gerät, sollte den aktuellen Jakobin-Artikel über das Microsoft-Rechenzentrum im Rheinischen Revier lesen. Selten wurde so anschaulich demonstriert, wie politische Ideologie den Blick auf die Realität verstellen kann.
Unter der Überschrift «Von der Kohle zur KI-Kriegswirtschaft» wird dort der Eindruck erweckt, als entstünde zwischen Bergheim, Bedburg und Elsdorf nicht etwa ein digitales Infrastrukturprojekt, sondern gewissermaßen ein Vorposten künftiger Kriege.
Man reibt sich verwundert die Augen.
Ausgerechnet in einer Region, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus dringend neue Perspektiven braucht, wird eine Milliardeninvestition nicht als Chance diskutiert, sondern als Bedrohung dargestellt. Das sagt viel über den Zustand bestimmter politischer Milieus aus. Ausgerechnet die Leute, die dem Lager des Widerstands gegen den Kohleabbau ideologisch nahestehen, legen sich quer.

Ein bemerkenswerter Umgang mit Fakten
Schon die Bildunterschrift lässt Zweifel an der journalistischen Sorgfalt aufkommen. Unter einem Foto vom Spatenstich ist von „CDU-Politikern“ die Rede. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch, dass dort unter anderem Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur von den Grünen zu sehen ist. Der Bedburger Bürgermeister, Sascha Solbach, den ich sehr schätze, gehört der SPD an.
Natürlich könnte man dies als Nachlässigkeit abtun. Allerdings passt es erstaunlich gut zu einem Artikel, der von Anfang bis Ende von einer politischen Botschaft getragen wird und weniger von einer nüchternen Analyse.
Das eigentliche Problem
Niemand bestreitet, dass KI militärisch genutzt werden kann.
Niemand bestreitet, dass große Technologiekonzerne mit Regierungen, Militärs und Sicherheitsbehörden zusammenarbeiten.
Niemand bestreitet, dass moderne Rechenzentren enorme Mengen Strom benötigen.
All das sind Fakten. Aus diesen Fakten wird jedoch eine Schlussfolgerung konstruiert, die logisch nicht überzeugt. Die Argumentation lautet vereinfacht: Rechenzentren liefern Rechenleistung. Militärische KI benötigt Rechenleistung. Also sind Rechenzentren Teil einer Kriegswirtschaft.
Nach derselben Logik müsste man Straßen, Eisenbahnstrecken, Stromnetze oder Mobilfunkanlagen ebenfalls als militärische Infrastruktur brandmarken. Schließlich werden auch sie im Ernstfall militärisch genutzt.
Die Welt funktioniert aber nicht so simpel.
Das Rheinische Revier braucht mehr als Parolen
Das Rheinische Revier steht vor einer historischen Umwälzung. Tausende Arbeitsplätze rund um die Braunkohle verschwinden. Jahrzehntelang war die Region von Tagebauen, Kraftwerken und Zulieferbetrieben geprägt. Nun muss etwas Neues entstehen.
Genau an diesem Punkt wird die Schwäche des Jakobin-Artikels sichtbar. Er erklärt ausführlich, warum das Microsoft-Rechenzentrum angeblich problematisch sei. Er erklärt jedoch kaum, welche realistische Alternative existiert. Sollen internationale Investoren fernbleiben?
Soll Deutschland beim Ausbau digitaler Infrastruktur zuschauen, während die USA und China Fakten schaffen?
Soll eine Region, die ohnehin vor gewaltigen Herausforderungen steht, auf Milliardeninvestitionen verzichten, weil die zugrunde liegende Technologie theoretisch auch militärisch nutzbar sein könnte?
Auf diese Fragen bleibt der Beitrag bemerkenswert still.
Die seltsame Fortschrittsangst der deutschen Linken
Mich erstaunt immer wieder, wie groß die Skepsis gegenüber technologischer Entwicklung in Teilen der deutschen Linken geworden ist. Früher verstand sich die politische Linke als Fortschrittsbewegung. Heute scheint oft jede neue Technologie zunächst verdächtig zu sein. Kernenergie war falsch. Digitalisierung ist problematisch. Künstliche Intelligenz ist gefährlich. Rechenzentren sind Kriegsinfrastruktur. Industriepolitik gilt als verdächtig.
Investitionen großer Unternehmen werden reflexhaft als Bedrohung betrachtet. Mit einer solchen Haltung gewinnt man keine Zukunft. Man verwaltet bestenfalls den eigenen Niedergang.
Das Microsoft-Rechenzentrum ist keine Wunderwaffe
Natürlich sollte niemand glauben, dass das Microsoft-Rechenzentrum sämtliche Probleme des Rheinischen Reviers lösen wird. Auch die Zahl der unmittelbar entstehenden Arbeitsplätze rechtfertigt keine Euphorie. Darüber kann und sollte diskutiert werden. Aber zwischen berechtigter Kritik und ideologischer Dämonisierung besteht ein erheblicher Unterschied. Wer jede technologische Entwicklung sofort in den Kontext von Krieg, Überwachung und Kapitalismuskritik stellt, verliert irgendwann die Fähigkeit, Chancen überhaupt noch zu erkennen.
Deutschland braucht mehr Zuversicht
Das Microsoft-Rechenzentrum im Rheinischen Revier ist weder die Rettung Deutschlands noch der Beginn einer digitalen Dystopie. Es ist ein Infrastrukturprojekt. Ein großes, bedeutendes und für die Region möglicherweise wichtiges Infrastrukturprojekt. Wer daraus eine «KI-Kriegswirtschaft» ableitet, verrät mehr über seine eigene politische Weltsicht als über die tatsächliche Entwicklung im Rheinischen Revier.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren oft genug erlebt, was passiert, wenn Chancen zerredet, Projekte verzögert und Investitionen misstrauisch beäugt werden. Wir erleben es gerade, nachdem die Informationen zur Rentenreform öffentlich wurden und sogleich vehement zerredet werden!
Vielleicht wäre es an der Zeit, wieder etwas mehr Vertrauen in die eigene Zukunftsfähigkeit zu entwickeln.
Gerade im Rheinischen Revier könnten wir es dringend gebrauchen.
Stimme dir voll zu! Bin auch immer fassungslos, wohin sich so manche Linken/Grünen verirren in ihrer seltsamen Ablehnung sinnvoller Aktivitäten, die uns schützen und/oder irgendwie voran bringen sollen !
Kürzlich fand ich einen Blogpost, in dem staatl. Organen der Vorwurf gemacht wurde, dass es im Zivilschutz und Katastrophenschutz (diemittlerweile zusammen wachsen sollen) vordringlich um die Erhaltung staatl. Reaktions- und Organisationskraft geht und natürlich um die Erhaltung der kritischen Infrastruktur. Ja was denn sonst?
Sich auch nur in irgend einer Weise auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass unser Land mal angegriffen werden könnte (weil unsere „Schutzmacht“ sich vom Acker macht), gilt diesen Menschen als „Kriegstreiberei“ und wer das ok findet, ist ein „Bellizist“.
Dazu fällt mir langsam nichts mehr ein, was ich in ein Blog schreiben wollte! 🙂