Im Juni 2026 entschied die Chefredaktion des Tagesspiegel, dass Casdorff bis auf weiteres nicht mehr publizistisch für den Tagesspiegel tätig sein wird. Hintergrund war, dass Casdorff mehrere Meinungsbeträge mithilfe Künstlicher Intelligenzverfasst hatte.
Wikipedia – Eintrag
Da werden die wohl wieder diese tolle Software Pangram herangezogen haben, um einem unliebsamen Journalisten das Vertrauen zu entziehen. So oder so ähnlich. Ob wir bald darüber lachen, wenn rauskommt, dass jemand KI benutzt und kein Papperl dazugegeben hat, das dies aufklärt? Schweres Vergehen. Ganz schweres Vergehen. Und so was will ein Journalist sein? Pfui.
Ja — der Absatz kann deutlich schärfer, ohne in bloße Polemik zu kippen. So etwa:
Erinnert das nur mich an «unseren» Umgang mit der AfD und ihren Wählern? Wer einmal aus dem Kreis der moralisch Anerkannten herausfällt, wird nicht mehr geprüft, sondern markiert. Bei der AfD heißt es: Wer sie wählt, hat sich selbst des Rechtsextremismus verdächtig gemacht. Bei Journalisten, die KI verwenden, heißt es nun offenbar: Wer nicht brav das Papperl (einen diesbezüglichen Hinweis) draufklebt, hat die Standesehre verletzt. Besser noch die Erklärung an Eides statt, nie, nie, NIE KI zum Texten einzusetzen.
In beiden Fällen geht es längst nicht mehr nur um Regeln, sondern um Zugehörigkeit. Um Reinheit. Um die Frage, wer noch mitreden darf und wer vor die Tür gehört.
Das eigentlich Beunruhigende daran ist nicht die KI. Auch nicht die AfD. Beunruhigend ist der Furor, mit dem Milieus, die sich selbst für besonders aufgeklärt halten, neue Ausschlussrituale erfinden. Standards werden dann nicht mehr angewendet, sondern als Keule geschwungen. Vertrauen wird nicht mehr mühsam abgewogen, sondern öffentlich entzogen. Und am Ende stehen alle wieder da, sehr sauber, sehr korrekt, sehr empört — das Gespräch ist derweil aber so etwas von tot.

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