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Wir Deutschen sind stolz auf unser Mietrecht, aber dieser Stolz wird, je nachdem, wen man fragt, 2026 zum Luxusproblem. Mit einer Wohneigentumsquote von gerade einmal 47 % sind wir auch bei diesem wichtigen Thema das Schlusslicht in der EU. In Rumänien leben über 90 % im Eigentum, im EU-Schnitt sind es rund 69 %. Warum das wichtig ist? Weil eine niedrige Eigentumsquote bedeutet, dass die Mehrheit der Bevölkerung direkt von den Schwankungen des Mietmarktes abhängig ist.
Wenn dann externe Schocks kommen – wie die über 4 Millionen Menschen, die seit 2015 zu uns gekommen sind –, trifft dieser Nachfrageschub auf einen Markt, der ohnehin kaum Puffer hat. Siehe: Statistisches Bundesamt: Deutschland ist Mieterland Nr. 1. Das Thema wird aber nicht wirklich gern angesprochen. Aus den bekannten Gründen. Ich glaube, damit beginnt das Problem.
Migration, Singlehaushalte und Kosten tragen nicht zur Lösung des Problems rund ums Wohneigentum bei
Man muss es pragmatisch aussprechen: Die massive Zuwanderung der letzten Dekade hat den Bedarf an preiswertem Wohnraum auf ein Niveau gehoben, das mit dem aktuellen Bautempo nicht zu bewältigen ist. Das ist keine ideologische Frage, sondern Mathematik. Wenn gleichzeitig die Zahl der Singlehaushalte explodiert, verschärft sich die Lage exponentiell. Ein Single braucht keine „halbe Wohnung“, sondern eine ganze. Dieser gesellschaftliche Wandel hin zum Alleinwohnen verbraucht pro Kopf deutlich mehr Fläche und blockiert Kapazitäten, die früher Familien zur Verfügung standen.
Wir haben also mehr Menschen, die in immer kleineren Einheiten leben wollen, während der Staat bei den Genehmigungen im Gestern verharrt. Es existiert auf der anderen Seite Wohneigentum, das von den dort lebenden älteren Menschen belegt ist, obwohl diese vielleicht in relevanter Anzahl lieber kleine Wohnungen beziehen würden. Es gibt vereinzelt private Initiativen, die zumindest versuchen, im Dialog mit den Menschen, Lösungen dafür zu finden.
Die enorm gestiegenen Baupreise und angeblich geringe Renditeaussichten tragen nicht zu dem Optimismus bei, den es grundsätzlich auch auf diesem Feld geben sollte. Wer soll unter solchen Lasten schon Wohneigentum erwerben?
Der Blick nach Großbritannien: Gleiches Leid, andere Ursachen
Schaut man über den Kanal nach Großbritannien, sieht die Lage kaum besser aus, obwohl die Eigentumsquote dort mit über 60 % höher liegt als bei uns. Das Problem dort ist jedoch die „Generation Miete“: Die Preise in London und anderen Ballungszentren sind so entkoppelt von den Reallöhnen, dass Eigentum für junge Menschen trotz einer „Eigentümer-Kultur“ unerreichbar geworden ist. Großbritannien kämpft zudem mit einem extrem veralteten Bestand und einer chronischen Unterinvestition im sozialen Wohnungsbau. Es zeigt uns: Eigentum allein rettet nicht vor der Krise, wenn nicht gleichzeitig massiv neu gebaut wird. Wohnungsmarktbericht 2026: Trends und Prognosen – Haufe
Weniger Regeln, mehr Anreize
Darf man sich von Hubigs Gesetzen viel erhoffen? Ehrlich gesagt: Nein. Solange die Grunderwerbsteuer in Deutschland den Eigenkapitalstock junger Familien auffrisst und Bauvorschriften das Bauen teurer machen als den Goldabbau, wird sich wenig ändern. Wir brauchen einen Fokus auf die Eigentumsbildung, um Menschen aus dem Mietmarkt „herauszuholen“ und so den Druck für diejenigen zu senken, die auf Mietwohnungen angewiesen sind.
Eine hohe Wohneigentumsquote ist die beste Mietpreisbremse, die es gibt. Ob Linke, SPD und Grüne dafür erfolgversprechende Konzepte haben? Ich glaube, sie versuchen eher, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben, als solch kapitalistischen Grundannahmen nachzugehen oder die enthaltenen Ideen zu befolgen (s. Berlin).
Diese Video-Analyse verdeutlicht die historischen und aktuellen Gründe für die sinkende Eigentumsquote und warum der Traum von den eigenen vier Wänden für viele Deutsche 2026 in weite Ferne rückt.
Es ist auffällig, dass die SPD in der Phase des anhaltenden Niederganges dieses Kernthema (Wohnungsnot, Wohneigentum) nicht mit der nötigen Wucht besetzt. Statt den gordischen Knoten aus Bürokratie und Baukosten zu zerschlagen, wirken Maßnahmen wie der „Bau-Turbo“ oft nur wie technokratisches Beiwerk. Sicher, Politik bewegt in Deutschland riesige, träge Räder, und eine Legislaturperiode von vier Jahren ist im Bauwesen kurz. Dennoch hätte eine Partei Hebel: Eine drastische Senkung der Grunderwerbsteuer für das erste Eigenheim oder eine radikale Entschlackung der DIN-Normen könnten sofortige Impulse setzen.
Aus einem SPD-Papier, das nicht mehr ganz neu (vom Dezember 2024) ist, habe ich diese Punkte herausgefischt. Liest sich OK. Aber was ist seither geschehen? Erfolge sehen schon irgendwie anders aus.
- Bezahlbares Wohnen ermöglichen
- Trendwende beim sozialen Wohnungsbau
- Wohngeld-Plus-Reform
- Den Wohnungsbau stärken – Mieter entlasten
- Genossenschaften und Neue Wohngemeinnützigkeit
- Mietpreisbremse
- Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit
- Schrottimmobilien
- Novelle des Baugesetzbuches
- Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum erleichtern
- Gebäudetyp E
- Bauforschung
Bilanz unserer Politik für Kommunen – SPD-Bundestagsfraktion
Prioritäten statt Expertenkommissionen
Um in einer Legislaturperiode erkennbare Fortschritte vorzuweisen, braucht es Mut zur Prioritätensetzung. Das bedeutet auch, Konflikte mit dem Naturschutz oder der Fiskalpolitik einzugehen, um das Bauen zu beschleunigen. Solange man sich jedoch in Regulierungen wie denen von Ministerin Hubig verliert, bleibt die „Generation Miete“ auf sich allein gestellt. Wirkliche Entlastung entsteht nicht durch Paragrafen, sondern durch mehr Schlüssel in den Händen der Menschen – egal ob als Mieter in einem funktionierenden Markt oder als stolze Eigentümer.
Das wäre ein Feld, mit dem die SPD punkten könnte. Vielleicht haben die Rückschläge der vergangenen Jahre die Partei aber auch so geschwächt, dass vor allem ihr Spitzenpersonal nicht mehr über den Esprit und die Kraft verfügt, die Dinge anzugehen, was nun wahrlich eine enorme Kraftanstrengung verlangt. Hat diese Partei noch die Kraft oder müssen wir sie endgültig abschreiben? In Baden-Württemberg hat die SPD übrigens nie den Ministerpräsidenten gestellt, war allerdings zweimal in einer Großen Koalition und einmal mit den Grünen unter Kretschmann von 2011 bis 2016 in Regierungsverantwortung.


Es ist eine dieser Zahlen, die sich nicht mehr abschütteln lassen. Über eine Million fehlende Wohnungen in Deutschland. Man kann sie lesen, man kann sie…